Monthly Archives: Oktober 2013

William Shaw – Abbey Road Murder Song

Twist and Shoot

Mit „Abbey Road Murder Song“ macht William Shaw eigentlich alles richtig: Der Roman atmet den Esprit des Jahres 68 und ist zudem einfach ein richtig guter Krimi.
Angesiedelt im Herzen des Mutterlandes des Pop, genauer gesagt in der Abbey Road, nimmt William Shaw den Leser mit auf einen Trip in das Jahr 68, als die Koteletten noch wucherten, die Beatles von den Mädchen vergöttert wurden und als der latente Rassismus in der englischen Gesellschaft noch offen zutage trat.
Bei einem Spaziergang mit ihrem Schutzbefohlenen stolpert eine Nanny über die Leiche eines jungen Mädchens. Der Fundort der Leiche gibt schon bald die Ermittlungsrichtung vor, schließlich liegt das legendäre Abbey-Road-Studio, in dem die Beatles aufnehmen und das von Frauen belagert wird, nur einen Steinwurf entfernt. Mit den Ermittlungen wird der junge Paddy Breene betraut, der zudem in seiner Polizeiarbeit kein hohes Ansehen genießt, weil er einen Kollegen bei einem Einsatz im Stich ließ. Zudem bekommt er an seine Seite die junge Kollegin Tozer gestellt, die noch grün hinter den Ohren aber dafür sehr forsch ist. Dieses Team muss sich zusammenraufen um den Tathergang des Mordes zu klären und wandelt dabei auf den Spuren der berühmten Fab Four.
„Abbey Road Murder Songs“ ist ein Buch, das den Sound der vergangen Tage transportiert, mit einer spannenden Krimihandlung aufwartet und insgesamt einfach ein stimmiges Gesamtkunstwerk ergibt. Vielleicht ist es auch der bunten Vita des Autoren geschuldet, dass der Roman so viele unterschiedliche Facetten aufweist und dennoch richtig kombiniert ist. Verschiedene, schon fast klassische Versatzstücke kombiniert Shaw zu einem tollen Trip in ein vergangenes Jahrzehnt. Verfolgungsjagden, die Betrachtung verschiedener Milieus und ein Showdown sind in diesem Buch einfach gut komponiert.
Shaw erfindet mit seinem Roman zwar das Rad nicht neu, dafür passt einfach alles! Ein tolles Krimi-Kleinod, das auf weitere Fälle des Doppels Breene/Tozer hoffen lässt!

Ian McEwan – Honig

Die Spionin mit der Lizenz zum Lesen


Honig (im Englischen Original als „Sweet Tooth“ erschienen) ist der neue Roman des gefeierten englischen Romanciers Ian McEwan, der mit „Abbitte“ einen modernen Klassiker vorgelegt hat. „Honig“ schafft es leider nicht, die Qualität von „Abbitte“ zu erreichen, bietet aber genauso gute Unterhaltung und geschliffene Sprache.

Nachdem er in „Solar“ einen Unsympathen in das Zentrum seiner Erzählung stellte, lässt McEwan nun in „Honig“ wieder eine Frau die Hauptrolle spielen. Serena Frome heißt seine neue Heldin, 22 Jahre jung und Agentin im Dienste des MI5. Man muss die junge Frau nicht zur Gänze sympathisch finden oder mit ihr mitfühlen – denn dazu ist McEwan zu schlau.

Er lässt den Leser Position beziehen, während er die Erzählung durch Serenas Augen schildert. Er berichtet von ihrer Karriere im Geheimdienst, der im Gegensatz zu Film und Fernsehen deutlich weniger glamourös verläuft. Als passionierte Leserin wird sie für eine höchst subtile Mission angeworben und findet sich schon bald in jede Menge amouröse Fallstricke verstrickt.
Man betrachtet Serena, während sie von einem unbedarften Mädchen zu einer kühl kalkulierenden Frau reift und bekommt darüber hinaus noch einen Einblick in die Welt der 70er Jahre. Ian McEwan reichert seinen „Honig“ mit einigen kürzeren Erzählungen seiner Akteure an, die ins Buch hineingeschnitten werden und vermengt das Ganze so zu einer Geschichte, die viel Raum für Interpretationen und Auslegungen lässt.

Die Klasse und kompositorische Finesse von „Abbitte“ erreicht er zwar erneut nicht, dennoch ein toller literarischer Roman im besten Sinne für den Herbst!

Karen Sander – Schwesterlein, komm stirb mit mir

Durchschnittlicher Serienkillerroman aus Deutschland

Man muss Sabine Klewe ja hinsichtlich ihres schriftstellerischen Outputs bewundern – unter diversen Pseudonymen veröffentlicht sie munter historische Romane und Krimis, alleine dieses Jahr waren es vier(!) Bücher, die unter verschiedenen Namen erschienen: Als Sabine Klewe veröffentliche sie „Schwanenlied“ und „Die weißen Schatten der Nacht“, als Sabine Martin „Die Tränen der Henkerin“ und als Karen Sander erschien nun auch noch „Schwesterlein komm stirb mit mir“.

Die daraus resultierende Frage, ob die Autorin bei ihrem Output auch die Qualität ihres schriftstellerischen Schaffens sichern kann, ist deshalb auch nur eine rhetorische. Mit Figuren, platt wie Abziehbilder (auch Klischees werden gerne und häufig bedient), hölzernen Dialogen und einen Serienkillerkonzept, das brav dem Schema F folgt, ist es ihr nachhaltig gelungen, mir die Freude an diesem Buch zu vergällen. Die Grundidee, die „Schwesterlein komm stirb mit mir“ zugrunde liegt, finde ich gelinde gesagt auch etwas an den Haaren herbeigezogen und war nicht gerade dazu angetan, mich von diesem Machwerk zu überzeugen.
Natürlich ist der Serienkiller dreimal so schlau wie die Polizei, natürlich muss ein attraktiver Polizist und eine Psychologin ermitteln (die sich dazu auch noch in ihrer Einführung über die popkulturelle Inszenierung von Serienkillern echauffiert) und natürlich hat der Roman einen absurd hohen Body Count.
All diese Dinge – die ich in letzter Zeit einfach in zu vielen (deutschen) Thrillern gelesen habe, sorgten bei mir einfach für ein Übersättigungsgefühl und die unglaubwürdige Handlung tat ihr Übriges dazu.

Das gute alte „Weniger ist mehr“ sei deshalb an dieser Stelle auch Karen Sander bzw. Sabine Klewe angeraten, die meinetwegen gerne auf den ein oder anderen Titel verzichten dürfte, solange ihre Bücher etwas liebevoller und durchdachter gestaltet sind. Ich bräuchte so schnell nicht wieder ein Buch von Ihnen, Frau Klewe – nutzen Sie die Zeit und produzieren einen durchdachten Krimi – gerne auch mal ohne Serienkiller …

Fernando S. Llobera – Der Profi

Spannung, wo bleibst du?

Ein eiskalter italienischer Killer, angeheuert von der russischen Mafia, im Einsatz im spanischen Madrid – da hat jemand das Prinzip des globalen Verbrechens verstanden!
In Fernando S. Lloberas Buch wird Lucca Corsini, der einzige Profi unter den Mafia-Stümpern, nach Madrid entsendet um dort zu ermitteln. Binnen weniger Tagen wurden drei hohe vory, also russische Mafiosi, zielgerichtet ermordet. Keine Spuren weisen zum Täter und so muss sich Luca aufmachen, den Hintermännern ein für alle Mal das Handwerk zu legen. Dies möchte aber auch seine Gegenspielerin Cruz, eine Hilfskommissarin, die von Mallorca nach Madrid entsendet wird, um ebenfalls Licht ins Dunkel zu bringen. Dabei bleibt es natürlich nicht aus, dass sich die Wege von Lucca und Cruz kreuzen.

Mafia, Morde und ein abgebrühter Killer – die Zutaten für einen spannenden Roman sind alle vorhanden. Nur leider verkocht Llobera das ganze zu einem ziemlich faden Süppchen. Zwar ist durch die zynische Figur des Lucca Corsini noch eine ganze Menge Humor gegeben, doch die Spannung findet sich nur in homöopathischen Dosen. Man merkt dem ganzen Buch den beruflichen Hintergrund des Autoren deutlich an, wer mit Finanzthemen, Geldwäsche, Consulting und Co. nichts anzufangen weiß, für den sollte das Buch nicht unbedingt erste Wahl sein.
Leider wird das Lesevergnügen auch in meinen Augen durch die im Übermaß vorhandenen Klischees noch weiter geschmälter: Trottelige Nerds aus der Buchhaltung, heiße Frauen aus dem Sekretariat, Hacker mit dicken Brillen, der Mafiosi verliebt sich in die Ermittlerin, und so weiter und so fort.

Das macht im Ganzen leider ein mäßig spannendes Buch, das keine Angst vor Klischees hat und so nicht über Mittelmaß hinauskommt.

Michael Manning – Das Erwachen: Dunkle Götter 1

Durchschnittliche Phantasy

Angesiedelt in einer fiktiven Welt, die stark am Mittelalter orientiert ist erzählt Michael G. Manning vom jungen Schmied Mordecai, genannt Mort, der adoptiert wurde und dessen Herkunft nebulös ist. An der Burg des Herzogs erlebt er Abenteuer und macht die Erfahrung, dass in ihm magische Kräfte ruhen müssen.
Wie der Titel ja schon andeutet, ist „Das Erwachen“ nur der erste Teil dieser mehrbändigen Reihe, die ursprünglich als E-Book veröffentlicht wurde und dann als Printprodukt auch bei uns erschien. Und wie das so bei E-Books manchmal ist, leidet hier auch die literarische Qualität ein bisschen zugunsten der Oberflächlichkeit. Die Charaktere sind ohne jegliche Tiefe und die Rollen zwischen Gut und Böse sind klar verteilt. Mit einfacher Sprache erzählt Manning seine Geschichte und vermeidet dabei das Kratzen an der Oberfläche – die Geschichte kommt sehr vorhersehbar daher.

Die Twists und Überraschungen, die Manning in seinen Roman einbaut, vermögen den erfahrenen Leser nicht so richtig zu überraschen – dazu ist das Buch wirklich zu vorhersehbar angelegt. Wenn man aber keine großen Ansprüche an seine Lektüre stellt, dürfte „Dunkle Götter – Das Erwachen“ ein netter Zeitvertreib sein.
In großer Schrift gesetzt und mit großzügiger Kapiteleinteilung versehen ist das knapp 350 Seiten starke Buch ein Fantasyroman, der sich nicht vor Klischees scheut und den Leser nicht überfordert.

Ob ich mir den zweiten Band zu Gemüte führe, ist mehr als fraglich.