Alexander Söderberg – Unbescholten

Zwischen den Fronten

„Unbescholten“, das ist die junge Krankenschwestern Sophie Brinkmann zu Beginn des Romans von Alexander Söderberg. Doch nicht nur sie wird ihren unschuldigen Charakter im Laufe des Buches einbüßen und sich tief in kriminelle Machenschaften verstricken.

Ohne hier zu viel von der Handlung des 470 Seiten starken Romans vorweg nehmen zu wollen: mit der Pflege des charismatischen Verbrechers Hector Guzmann beauftragt schlittert die Krankenschwester zwischen Gangstern und Polizei. Von beiden Seiten wird sie zu vereinnahmen versucht und muss um ihr Überleben kämpfen.

Gefühlt hundert neue skandinavische Krimis überschwemmen von Jahr zu Jahr den Krimimarkt. Wenn man sich vom Gros der Literatur abzuheben will, muss man da schon ein Alleinstellungsmerkmal aufweisen.Wenn man das Alleinstellungsmerkmal von „Unbescholten“, dem Auftakt zu einer geplanten Trilogie, sucht, dann dürfte das wohl die Angleichung von Gut und Böse sein. Die Grenzen verschwimmen und die Polizei ist um keinen Deut besser als die Verbrecher, die sie zu bekämpfen versucht. Trotz dieser überraschend negativen Darstellung der Polizeikräfte kommt das Buch nicht über unteres Mittelmaß hinaus. Das liegt vor allem an den Charakteren, die das Buch bevölkern.
Von diesen bekommen die meisten vom Autor nichts außer einem Namen mit. So etwas wie Eigenschaften, Brüche oder Identifikationspunkte bietet so gut wie keine Figur. Die Polizei ist böse, die Gangster sind manchmal charismatisch, aber auch meist böse und Sophie Brinkmann stolpert anfangs wirklich so blauäugig durch die Handlung, dass man sich ärgert.

All das verleidete mit die Freue an „Unbescholten“ und sorgt so dafür, dass ich diesem Buch leider nur eine allzu mittelmäßige Bewertung zukommen lassen kann – sehr schade!

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