Cathi Unsworth: Opfer

Eher Jugendroman als Opfer

Sie sind zweifelsohne das Jahrzehnt mit der absonderlichsten Mode und dem bizarrsten Geschmack gewesen – die Rede ist von den 80ern. In diesem Jahrzehnt ist auch der eine der beiden Stränge von „Opfer“ von Cathi Unsworth angesiedelt. Damals wurde im kleinen englischen Städtchen Ernemouth Corinne Woodrow festgenommen, da sie im Verdacht stand, einen Jungen ermordet zu haben. Der zweite Strang, der zwanzig Jahre später im Jahr 2003 spielt, präsentiert nun Sean Ward, einen versehrten Privatermittler, der sich mit dem damaligen Mord beschäftigt.
Neue Spuren haben ergeben, dass Corinne Woodrow unter Umständen für eine Tat zur Rechenschaft gezogen wurde, die sie vielleicht gar nicht begangen hat.
Dies ist ein schon fast klassischer Plot – ein einsamer Ermittler, der einen alten Fall neu aufrollt und dabei Überraschendes zutage fördert. Doch leider vermag Cathi Unsworth in „Opfer“ diesem altbekannten Muster keine neue Facetten abzugewinnen. Sie beschreibt detailliert die Dynamiken innerhalb der Jugendclique um Corinne Woodrow 1983 und lässt auch Sean Ward ausführlich herumschnüffeln. Leider geht ob der ausführlichen Beschreibung ihrer beiden Hauptcharaktere die Spannung über die ganze Länge des Buches ab. Als Kriminalroman würde ich deshalb „Opfer“ mitnichten bezeichnen.
Es ist ein ruhiger Roman über das Erwachsenwerden und den Sinn, der darin liegt. Cathi Unsworth vermag gekonnt von den Sehnsüchten und Taten der jungen Engländer in den 80ern zu erzählen – ein spannendes Buch wird daraus trotzdem nicht.
Wer einen Coming-Of-Age-Roman sucht, der könnte mit „Opfer“ sein Buch in Händen halten, allen anderen, denen die Spannung wichtig ist, sollten diesem Buch nicht unbedingt den Vorzug geben!          

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