Gisa Klönne: Das Lied der Stare nach dem Frost

Packende Familiengeschichte

Von ihrer eigenen Vita inspiriert hat Gisa Klönne mit „Das Lied der Stare nach dem Frost“ einen packenden Roman vorgelegt, der auch ohne Verbrechen mühelos die Spannung ihrer Judith-Krieger-Krimis erreicht. Sie macht in ihrem neuen Roman den Leser mit ihrer fiktiven Familie Retzlaff und einem ganzen Jahrhundert deutscher Geschichte bekannt.

Ausgangspunkt der Erzählung ist der Selbstmord der Mutter der Barpianistin Rixa. Diese lässt Hals über Kopf ihr Engagement auf einem großen Kreuzfahrtschiff sausen um die Tat ihrer Mutter zu verstehen und die letzten Dinge zu regeln. Dabei stößt sie auf ein dunkles Kapitel ihrer Familiengeschichte und macht sich auf, die blinden Flecken in ihrer eigenen Vita und die ihrer Familie zu ergründen.
Geschickt montiert Gisa Klönne in „Das Lied der Stare nach dem Frost“ zwei verschiedene Zeitebenen ineinander. Währen der Leser die Ich-Erzählerin Rixa auf ihrer Suche nach der Wahrheit begleitet erfährt man parallel die Geschichte der Familie Retzlaff, der auch Rixa entstammt. Von ihren Urgroßeltern ausgehend erzählt Klönne die Biographie einer Pfarrersfamilie in Mecklenburg, die von 1. Weltkrieg bis zum Ende des 2. Weltkriegs reicht.

Dies ist außerordentlich spannend und interessant, da die Autorin auch kontroverse Themen wie etwa den Kampf zwischen Bekennender Kirche und den Deutschen Christen einflicht und zeigt, welche Auswirkungen die Kriege auf Familien hatten. Als Pluspunkt empfinde ich – wie eigentlich bei allen bisher gelesenen Büchern der Autorin – ihre präzise und zugleich elegische Sprache. Gekonnt fängt die Autorin das Chaos in den Schützengräben, die Nöte einer Pfarrersfrau oder die Magie von Musik mit Worten ein. Das hebt dieses Buch über das Gros biographisch angehauchter Romane hinaus und ist ein wohltuendes Gegenprogramm zu dem Pilcher-Danella-Sparks-Schmonzens.

Wem „Der Turm“ von Uwe Tellkamp etwas zu unzugänglich war und wer spannende Familiengeschichten abseits von klischeebeladenen Schmökern sucht, der bekommt mit „Das Lied der Stare nach dem Frost“ genau die richtige Unterhaltung. Spannend und packend zeigt Gisa Klönne, dass die Biographie einer Familie mehr als nur ein vergilbtes Fotoalbum sein kann!       

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