Ian McEwan – Honig

Die Spionin mit der Lizenz zum Lesen


Honig (im Englischen Original als „Sweet Tooth“ erschienen) ist der neue Roman des gefeierten englischen Romanciers Ian McEwan, der mit „Abbitte“ einen modernen Klassiker vorgelegt hat. „Honig“ schafft es leider nicht, die Qualität von „Abbitte“ zu erreichen, bietet aber genauso gute Unterhaltung und geschliffene Sprache.

Nachdem er in „Solar“ einen Unsympathen in das Zentrum seiner Erzählung stellte, lässt McEwan nun in „Honig“ wieder eine Frau die Hauptrolle spielen. Serena Frome heißt seine neue Heldin, 22 Jahre jung und Agentin im Dienste des MI5. Man muss die junge Frau nicht zur Gänze sympathisch finden oder mit ihr mitfühlen – denn dazu ist McEwan zu schlau.

Er lässt den Leser Position beziehen, während er die Erzählung durch Serenas Augen schildert. Er berichtet von ihrer Karriere im Geheimdienst, der im Gegensatz zu Film und Fernsehen deutlich weniger glamourös verläuft. Als passionierte Leserin wird sie für eine höchst subtile Mission angeworben und findet sich schon bald in jede Menge amouröse Fallstricke verstrickt.
Man betrachtet Serena, während sie von einem unbedarften Mädchen zu einer kühl kalkulierenden Frau reift und bekommt darüber hinaus noch einen Einblick in die Welt der 70er Jahre. Ian McEwan reichert seinen „Honig“ mit einigen kürzeren Erzählungen seiner Akteure an, die ins Buch hineingeschnitten werden und vermengt das Ganze so zu einer Geschichte, die viel Raum für Interpretationen und Auslegungen lässt.

Die Klasse und kompositorische Finesse von „Abbitte“ erreicht er zwar erneut nicht, dennoch ein toller literarischer Roman im besten Sinne für den Herbst!

Hinterlasse deine Meinung!