John Wray – Das Geheimnis der verlorenen Zeit

Marcel Proust war auf der Suche nach der verlorenen Zeit, der Engländer John Wray will nun ihr Geheimnis erkunden. Die verlorene Zeit steht im Mittelpunkt dieses Romans, der sich konsequent jeder Einordnung entzieht und der den Leser in eine Zeitschleife schickt. Von Tschechien über Wien bis nach Amerika geht die Reise, die Zeit und Raum durchmisst.

Der Hobbyphysiker und Gurkenfabrikant Znaim Toula entdeckte just das Geheimnis der verlorenen Zeit, um aber kurz nach dieser Entdeckung von einem Automobil auf die Hörner genommen zu werden. Seine beiden Söhne Waldemar und Kaspar entwickeln sich danach auf ganz eigene Art und Weise weiter und versuchen stets, das Erbe ihres Vaters zu entschlüsseln.

Neben diesem chronologischen Erzählungsstrang, der sich durch die Weltgeschichte und durch verschiedene Schauplätze arbeitet, gibt es einen zweiten Erzählstrang, der die Episoden aus der Familiengeschichte zusammenhält. Denn irgendwo in einem Appartement sitzt in einer Zeitschleife Waldemar Tolliver fest. Dieser schreibt an seine Liaison Mrs Haven Briefe, in denen er ihr und damit dem Leser erklärt, wie sie zusammenfanden und welche Geheimnisse der Tolliver-Clan so hütet.

Es könnte so schön mit diesem Roman sein – doch leider macht es John Wray dem Leser respektive meiner Wenigkeit sehr schwer. Dass er schreiben kann – das steht außer Frage. Doch wunderbare Passagen werden immer wieder von völlig konfusen Seiten durchbrochen, in denen Wray schwer verständliche Schilderungen, Briefe oder physikalische Erklärungen unterbringt oder seine Charaktere surreale Dialoge führen lässt.

Bei allem Willen zum Experiment und formalen Sich-Ausprobieren – das war für mich über die Länge des Buchs dann doch zu unlesbar.

Ärgerlich ist das vor allem, da unter allen Manierismen und erzählerischen Schlacken immer wieder eine tolle und faszinierende Geschichte durchschimmert. Das Potential einer außergewöhnlichen Geschichte ist ja da – doch John Wray verschießt leider sein ganzes Pulver, um diesen überlangen Roman zu etwas Besonderem zu machen. Und genau daran scheitert er dann eben, denn Dada, Physik und viel Zeitkolorit wollen hier nicht miteinander reagieren und nicht zu einer flüssigen Erzählung legieren.

So bleibt der Roman hinter den Erwartungen zurück – ein engeres Korsett hätte „Das Geheimnis der verlorenen Zeit“ gutgetan. In meinen Augen die bessere Wahl wenn es um Physik, Zeitgeschichte und Faszinosien geht – Reif Larsen mit Die Rettung des Horizonts.

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