Keigo Higashino: Verdächtige Geliebte

Die Dialektik des Verbrechens

Für diesen Roman hätte Keigo Higashino ziemlich sicher einen Rüffel von S.S. Van Dine, jenes legendären Autor des Golden Age des Detektivromans, einstecken müssen. Denn mit „Verdächtige Geliebte“ verstößt der japanische Autor gegen ziemlich viele Regeln, die van Dine damals unter dem Titel „Twenty Rules for writing detective stories“ postulierte.
Ein Showdown zwischen zwei brillanten Köpfen, eine Liebesgeschichte als subtiler Hauptstrang, eine Mörderin und eine Leiche, die bereits zu Beginn des Romans feststehen? Als das wäre dem strengen Van Dine damals wahrscheinlich nicht untergekommen – doch Keigo Higashino zeigt, wie kreativ und befreiend Kriminalliteratur sein kann, wenn man sie aus einem starren Korsett der Regeln und Konventionen befreit.

Ein großes Duell

Er konzipiert „Verdächtige Geliebte“ als großes Duell: Die Liebe versus die Vernunft, Vertuschung einer Tat versus Deduktion, Physikprofessor versus Mathegenie. Dieses Buch der Antipoden ist dabei vielleicht nicht immer spannend, dafür fasziniert es ungemein.
Nach einer Kurzschlussreaktion steht Yasuko mit der Leiche ihres Ex-Manns in ihrer Wohnung da. Ihr Nachbar, der Mathematiklehrer Higashimi, hilft ihr nach der Tat aus Liebe bei der Vertuschung der Tat und entwickelt einen strategischen Plan, um den Verdacht von Yasuko zu lenken. Dieser Plan entfaltet sich sukzessive mit dem Fortschreiten des Buchs und sorgt für die subtile Spannung. Doch leider hat Higashimi bei seinem Plan nicht mit einem gerechnet – seinem alten Freund Yukawa, mit dem er zusammen in die Welt der Mathematik eintauchte, ehe sich dieser der konkreten Welt der Physik zuwendete. Sein Alter Freund unterstützt die Polizei bei deren Ermittlungen und versucht, die von Ishigami ausgestreuten falschen Spuren und Finten zu durchschauen, um den Mord zu sühnen.
Dies gestaltet sich manchmal äußerst handlungsarm, da die wahre Leistung in „Verdächtige Geliebte“ nicht physisch sondern eher mental erbracht wird. Dennoch ist der Roman Keigo Higashinos ein Faszinosum, da er fesselt obwohl er auf alle herkömmlichen Suspense-Mittel verzichtet. Nach 320 Seiten ist das Vergnügen auch bereits wieder am Ende, nicht ohne eine überraschende Schlusspointe und ein Ende, das wirklich auf den Punkt gesetzt ist.
So mag Verdächtige Geliebte zwar gegen ebenso etablierte wie mit der Zeit auch überkommene Regeln verstoßen, dies rechtfertigt die Lektüre allerdings durch einen innovativen Plot, der ganz auf’s Köpfchen setzt!

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