Kurz und Gut

Nachschub in der Kategorie der kurzen Rezensionen! Heute gibt es drei weitere Rezensionen von Büchern, die in letzter Zeit gelesen wurden

 

Stefan Kopetzky – Grand Tour

Alles andere als ein bequemer Schmöker – Kopetzky lässt den Leser an Bord von Schlafwagen mit dem Schaffner Leon Pardell quer durch Europa reisen. Verschiedene sinistre Gestalten hegen eigene Pläne, ein reicher Baron jagt einer ganz besonderen Uhr hinterher und man selbst findet sich inmitten dieser etwas chaotischen Gemengelage, die sich erst nach und nach klärt und setzt.

Der Stil Kopetzkys ist sehr barock überbordend und von einer schönen Sprache, mitunter schlägt die Erzählung aber ein paar Arabesken zu viel. Man muss sich mühen, am Ball zu bleiben und die verschiedenen Reisestationen Pardells im Blick zu behalten. Wer diese Energie für das über 720 Seiten starke Epos aufbringt, wird mit einem Schmöker belohnt, der viel Reiz hat. Zwar erreicht das Buch die Klasse des fantastischen Risikos Steffen Kopetzkys nicht, aber dennoch lohnt sich diese Neuauflage des ursprünglich 2002 erschienen Buchs auf alle Fälle.

 

 

Colum McCann – Transatlantik

Diese Buch war nur ein Zufallsfund inmitten eines Tisches voller Remittenden. Da ich eh eine Schwäche für die Literaturszene Irlands habe (Adrian McKinty, John Boyne, Ken Bruen, tbc) habe, nahm ich mir einfach diesen Roman auf Verdacht mit. Eine Entscheidung, die sich mehr als gelohnt hat. McCann erzählt in seinem Roman von drei Momenten aus der Irisch-Amerikanischen Geschichte, verwebt durch eine wunderschöne Sprache (Deutsch von Dirk van Gunsteren). Der erste Transatlantikflug ist Thema in McCanns Erzählung, ein amerikanischer Senator reist nach Irland um im IRA-Konflikt zu schlichten und ein Abolitionist kommt nach Irland, um auch dort für seine Sache zu werben, nämlich die Aufhebung der Sklaverei.

Verbindendes Element sind – wie sollte es anders sein – natürlich Frauen, die in jenen drei Momenten immer beteiligt sind oder Einfluss hatten. Die Konstruktion des Romans überzeugt, die Geschichte fasziniert, McCann beherrscht sein Handwerk genauso gut wie seine anderen irischen Schriftstellerkollegen. Ein Glücksgriff für mich, dieser Roman!

 

 

Homer – Odyssee

Etwas Anspruch darf auch einmal sein – die Möglichkeit dazu bot und bietet die Taschenbuchausgabe der Odyssee im neuen Deutschland-Ableger des Penguin-Verlags. Dieser Klassiker der Weltliteratur liegt hier in der Übersetzung von Kurt Steinmann vor und weist ein einigermaßen gut lesbares Schriftbild auf. Man braucht Geduld und muss sich auf die Sprache einlassen. Wenn man dann allerdings ins Homers Lyrik eingefunden hat, versteht man schnell, warum auch dieser Text nach tausenden von Jahren immer noch seinen Reiz hat. Die Geschichten vom Zyklopen Polyphem und der listenreichen Flucht des Odysseus oder die Episode rund um die verlockenden Sirenen sind schon längst in die Legendenbildung eingegangen. Hier kann man sie noch einmal im Kontext erleben und neu entdecken.

Für ambitionierte Leser und Kultur-Kenner, die sich mit wirklichen Originalen beschäftigen wollen!

 

 

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