Matthew Quirk: Die 500

Die dunkle Seite der Macht

Politik – dröge und langweilig? Nicht unbedingt, wie Matthew Quirk in seinem Debüt „Die 500“ beweist. Mit diesem Buch ist ihm ein schneller und spannender Thriller gelungen, der gerade zum Ende hin aber auch die Grenzen zum Realismus recht schnell hinter sich lässt.
Der Grundgedanke des Romans ist bestechend und auch recht entlarvend für die heutige Zeit: Statt der Politik hat in Washington schon längst eine graue Eminenz die Macht übernommen. Henry Davies hat mit seiner Lobbyfirma die 500 mächtigsten Menschen durch umfangreiche Dossiers in der Hand. Der gutgläubige Mike Ford ahnt davon nichts, als er in der Firma anheuert. Doch schnell wird dem recht sympathischen Protagonisten mit einem kriminellen familiären Hintergrund klar, dass sein Arbeitgeber mitnichten so redlich zu sein scheint, wie er sich gibt.
Als Mike seine Finger nicht von brisantem Material lassen kann und seinen Chefs hinterherspioniert, wird er rasch in ein tödliches Spiel um Macht und Einfluss gesogen.
Die Idee von Matthew Quirk ist zwar nicht bahnbrechend neu (nicht umsonst wird das Buch fast durchgängig mit John Grishams „Die Firma“ verglichen), doch mit gefiel die Umsetzung eigentlich recht gut. Mike Ford ist ein Protagonist, der den Leser mit seiner (nach)lässigen und entspannten Grundhaltung für sich zu gewinnen weiß. Auch sind einige Actionszenen gut gelungen, bis etwa die Mitte des Buchs erreicht ist.
Danach nimmt das Realitätsmaß ebenso wie die Glaubwürdigkeit rapide ab. Von einer Actionszene hangelt sich Ford zur nächsten, ohne jemals große Probleme zu bekommen. Seine Talente werden im Laufe des Buchs immer mehr und auch der konstruierte Plot zum Ende war mir etwas zu unrealistisch, um fesseln zu können.
So wird das Buch zum Ende hin ein typisch amerikanischer Reißer, der dem Leser einiges an Geduld abverlangt. Für den zweiten Teil dieser geplanten Serie ist es wünschenswert, dass Quirk ein bisschen mehr auf Inhalt statt auf Schauwerte setzt – ansonsten ein annehmbarer Thriller mit einem halbwegs originellen Setting, das mal ohne Serienmörder auskommt.          

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