Oliver Pötzsch – Die Burg der Könige

Ein Ausflug ins Mittelalter

Oliver Pötzsch dürfte dem geneigten Leser wahrscheinlich schon von seiner Henkerstochter-Reihe bekannt sein (mit der er übrigens auch auf dem amerikanischen E-Book-Markt äußerst erfolgreich ist). Auch einen zeitgenössischen Thriller hat er vorgelegt, ehe er nun mit seinem Opus magnum wieder ins Mittelalter zurückkehrt.
Mit knapp 940 Seiten ist das Buch äußerst umfangreich und ein echter Schmöker, der alles bietet, was man weithin mit dem Mittelalter assoziiert: Schöne Burgfräulein, Intrigen, Mönche, Kämpfe und finstere Verschwörungen.

Pötzsch erzählt von der jungen, unabhängigen und rebellischen Agnes, der Tochter eines Burgvogts, die auf der Burg Trifels in der Kurpfalz lebt. Diese legendäre Burg, auf der Kaiser Barbarossa einen Schatz verborgen haben soll, steht auch im Mittelpunkt der bunten Geschichte, da die Lebensläufe der Protagonisten immer wieder mit der Burg verwoben sind. Die Burg wird ebenso zum Schicksal des jungen und revolutionären Burgschmieds Mathis und es scheint, als berge der Trifels tatsächlich Geheimnisse, die auch Jahrhunderte später
Im Hintergrund behandelt Pötzsch große Themen wie die Bauernaufstände und die Machtkämpfe um den Kaiserthron (hier verlangt der bayerische Autor seinen Lesern etwas Aufmerksamkeit ab). Auch kreuzen große historische Gestalten die Wege der Protagonisten – so hat z.B. Götz von Berlichingen genauso wie die damaligen Könige und Kaiser einen Gastauftritt.

Kleinere Fehler im Text

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Trotz aller löblichen Ambitionen, die man in „Die Burg der Könige“ erkennen kann, soll auch hier noch ein kleiner Kritikpunkt meinerseits geäußert werden. Was mich am Roman stets etwas störte, waren die Dialoge und das Verhalten der Charaktere. Die emanzipierte Haltung von Agnes erschien mir für den damaligen Ständestaat genauso übertrieben wie die Dialoge. So beschimpfen sich die Protagonisten gegenseitig als „Kanaille“ (dieser Begriff wurde im Deutschen erst zwei Jahrhunderte später verwendet), kennen bereits Viertelstunden und reden von „x-beliebigen“ Dingen. Diese sprachliche Ungenauigkeiten störten mich im Kontext etwas, wer hierauf aber keinen gesteigerten Wert legt, der bekommt eine wendungsreiche, spannende und bunte Geschichte serviert.

Gelungene Buchgestaltung

(c) Smajaa / Flickr

Ein besonderes Wort will ich auch hier über die äußerst gelungene Gestaltung des Buches verlieren: Schon das Cover weckt Erinnerungen an mittelalterliche Codices und im Inneren wird das Motiv einer Handschrift bzw. Inkunabel weitergeführt. Die großen Kapitel ziert am Beginn eine rubrizierte Kapitale, als ein schön gestalteter Großbuchstabe. Darüber hinaus gibt noch einen umfangreichen Anmerkungsapparat mit Wandertipps, Infos über die Protagonisten des Buchs und weitere Infos. Die rot gestalteten Vorsatzblätter zeigen die geographische Verortung des Romans und Dies rundet den Gesamteindruck des Buches positiv ab und hebt das Buch aus dem Gros der Mittelalterschmöker heraus. 

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