Robert Hültner: Am Ende des Tages

Inspektor Kajetans Ende

„Am Ende des Tages“ ist der letzte Auftritt des großartigen Inspektor Kajetan. Von Robert Hültner ersonnen machte sich der ebenso unbequeme wie unangepasste Ermittler erstmals vor zwanzig Jahren im Roman „Walching“ auf die Suche nach der Wahrheit. In München und Münchner Umland forschend kämpfte Kajetan immer um die Wahrheit, um nun in „Am Ende des Tages“ sein letztes Rätsel zu lösen. Nebenbei zeichnete Hültner in den Bücher die schwierige Werdung Bayerns vom Ersten Weltkrieg beginnend durch die Räterepublik hindurch bis in die Zeit des erstarkenden Nationalsozialismus ohne dabei seine Krimis zu vernachlässigen.
Ein Abgesang auf den Protagonisten Kajetan ist das Buch dennoch nicht geworden, denn Hültner installiert parallel zu dem Münchner Kommissar den preußischen Versicherungsermittler Kull, der zeitgleich zu Kajetan den Absturz eines Flugzeugs in den Alpen untersuchen soll.
Kajetan verbeißt sich in München im Fall des im Zuchthaus einsetzenden Ignaz Rotter, der seine Frau auf einem abgelegenen Hof getötet haben soll, während sich bei Kull die Zeichen mehren, dass es bei dem Absturz in den Alpen mitnichten um einen einfachen Unfall ging.
Natürlich ahnt der Leser recht bald, dass die beiden Fälle der nicht gerade stromlinienförmig gebauten Ermittler irgendwie aneinander geknüpft sein müssen – doch wie sie das sind offenbart sich erst am Ende des Buchs.
Neben der wirklich gut konstruierten Handlung ist die Stärke Hültners auch sicherlich seine Fähigkeit glaubhafte Dialoge zu schreiben. Diese nehmen einen großen Teil des Romans ein und zeigen einen Autor, der dem Volk noch auf’s Maul schaut, um einen Allgemeinplatz zu gebrauchen. Bei Hültners Schreibe finden sich ebenso Anleihen vom traditionellen Bauerntheater wie auch von bayerischen Dramatikern vom Schlage eines Franz Xaver Kroetz. Mit einer spannenden und gut konstruierten Rahmenhandlung verknüpft wird so aus dem Buch wirklich ein ausnehmend guter Roman, an dessen Ende man es fast bedauert, dass dies Kajetans wahrscheinlich letzter Auftritt war.
Um es kurz zu machen: „Am Ende des Tages“ ist große Krimikunst. Handwerklich sauber geschrieben, von einer Fülle von zeitgeschichtlichen Informationen durchwirkt und nicht zuletzt Kajetan ein würdiges Ende bereitend. So ist der Roman leider höchstwahrscheinlich das letzte Glied in einer Kette von herausragenden Romanen, die weit über einen schieren Histo- oder Regio-Krimi hinausweisen. Dennoch: Packender kann man Zeitgeschichte nicht erzählen!       

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