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Veranstaltung mit Sten Nadolny

Am kommenden Samstag, 7. Oktober 2017, kommt der preisgekrönte Schriftsteller Sten Nadolny zu einer Literarischen Soiree in die Fuggerstadt. Die Lesung, die von der Augsburger Allgemeinen veranstaltet wird, beginnt um 19:00 Uhr in der Stadtbücherei Augsburg (Eintritt 12 €). Nadolny wird aus seinem jüngst erschienenen Roman Das Glück des Zauberers lesen. Das Buch erzählt vom Zauberer Pahroc, der mit 106 Jahren beschließt, sein Leben aufzuschreiben, um seine Enkelin als Erbin seiner Kunst zu gewinnen.

Im Anschluss gibt es ein moderiertes Gespräch, in dem der Autor Auskunft über sein Schaffen und Schreiben geben wird. Das wird sicherlich höchst hörenswert, gehen doch solche Erfolge wie der Ullsteinroman oder Die Entdeckung der Langsamkeit auf das Konto des 1942 geborenen Autors.  Moderiert wird das Ganze von Michael Schreiner.

 

Im Anschluss an die Lesung und das Gespräch gibt es dann eine Neuausgabe des Literarischen Salons. Zusammen mit Wolfgang Schütz und Stefanie Wirsching (beide Augsburger Allgemeine) und Buchhändler Kurt Idrizovic werde ich über folgende drei Neuerscheinungen diskutieren:

 

Zwei der Bücher fand ich fabelhaft – eines wirklich unterirdisch (fleißige Blogleser können sich hier schon ein Bild machen, welches Buch von meinem Zorn getroffen werden wird …). Die Diskussion wird von daher auf alle Fälle kontrovers, bunt und regt im besten Falle hoffentlich zur Lektüre an. Und auch Bücher gibt es im Anschluss noch zu gewinnen …

 

Karten für den Literarischen Abend gibt es bei uns in der Stadtbücherei, bei der Buchhandlung am Obstmarkt und beim AZ-Ticketservice, Maximilianstraße 3, Augsburg. Ich würde mich freuen – eine Blogleser an diesem Abend zu treffen!

Wilhelm Genazino in Augsburg

Heute gibt es an dieser Stelle wieder einmal einen Veranstaltungshinweis für alle LiteraturfreundInnen rund um Augsburg.

Am Freitag, 17.03.2017, kommt der Büchnerpreisträger Wilhelm Genazino zu einer Literarischen Soiree in die Fuggerstadt. Auf Einladung der Augsburger Allgemeinen wird der Autor ab 19:30 Uhr im Foyer der Stadtbücherei Augsburg aus seinen Werken lesen und im Anschluss im Gespräch Rede und Antwort stehen.

Zudem gibt es nach der Lesung von Wilhelm Genazino eine Neuauflage des Literarischen Salons, der bislang immer im Stadttheater stattfand. Diesmal diskutieren Buchhändler Kurt Idrizovic von der Buchhandlung am Obstmarkt, Stefanie Wirsching von der Augsburger Allgemeinen sowie meine Wenigkeit über folgende drei Neuerscheinungen: Hanya Yanagihara Ein wenig Leben, Jonas Lüscher Kraft sowie Elena Ferrante – Die Geschichte eines neuen Namens. Konträre Meinungen sind zu erwarten. Die Moderation des Abends hat Wolfgang Schütz inne, ebenfalls Augsburger Allgemeine.

Auch Kinder- und Jugendbücher werden an diesem Abend vorgestellt, dies übernimmt Birgit Müller-Bardorff. Zudem gibt es als Abschluss noch eine Verlosung von Lesestoff – das Kommen lohnt sich also!

 

Karten für 10 Euro gibt es an folgenden Vorverkaufsstellen: Stadtbücherei Augsburg, der Buchhandlung am Obstmarkt und beim AZ-Ticketservice, Maximilianstraße 3, in Augsburg.

 

Ich würde mich freuen, wenn wir uns an diesem Abend sehen!

Jochen Distelmeyer in der Kantine

Songs from the Bottom, Vol. 1

 

Hey Folks, der old Nobody Jochen Distelmeyer (Blumfeld) gibt sich in meiner Stadt Augsburg die Ehre. Zur Info für alle Nachgeborenen: Der Chefmelancholiker vom Dienst war mal mit Blumfeld die Spitze der Hamburger Schule und schenkte der deutschen Indieszene großartige Hits wie etwa Tausend Tränen tief vom Album L’etat et moi. Nun hat sich Distelmeyer daran gemacht, zeitgenössische und durchaus schon abgenudelte Songs in seinem Album Songs from the bottom, Vol 1 zu covern und damit den Liedern neues Leben zu geben. Ein durchaus gelungenes Album, auch wenn die Musikauswahl erst einmal stutzen lässt. Al Green neben Avicii, Britney Spears neben Radiohead? Was komisch klingt, funktioniert auf dem Tonträger hervorragend, zusammengehalten durch Distelmeyers prägnant-sehnsuchtsvolle Stimme und die doch recht schmalen und minimalistischen Orchestrierungen.

U1_978-3-498-01203-8.inddGrundlage für dieses Album war Distelmeyers Lesereise zu seinem Roman Otis (leider von mir noch nicht gelesen), der von einem Mann und seinem irrlichternden Taum durch Berlin berichtet. Bei den Lesungen zum Roman packte Distelmeyer des Öfteren die Gitarre aus, um Songs zu covern, die ihn begleitet haben und die bei ihm geblieben sind. Und nun ist daraus das erste Album entstanden, dem noch weitere folgen dürften, wenn man der Titel nicht trügt.

 

KantineUnd nun zum großen Highlight. Jochen Distelmeyer kommt in die Kantine Augsburg zum Konzert und zum Erzählen, und im Gepäck hat er die Gitarre und Lust auf einen tollen Abend. Und das noch größere Highlight kommt jetzt – ihr könnt hier bei mir zwei Gästelistenplätze gewinnen für diesen Abend. Wie funktioniert das? Einfach einen Kommentar hier hinterlassen oder mir direkt über das Kontaktformular schreiben, warum ihr gerne Kollege Distelmeyer lauschen würdet. Und schon seid ihr im Topf und könntet am Eingang der Kantine ohne zu bezahlen passieren. Wäre das was? Dann schnell die Feder gespitzt und losgeschrieben. Viel Erfolg!

Lesungsbericht Thees Uhlmann in der Kantine

FOTO VON INGO PERTRAMER (C) PERTRAMER.AT

FOTO VON INGO PERTRAMER (C) PERTRAMER.AT

„Mein Name ist Thees Uhlmann und ich habe ein Buch geschrieben“ – mit diesen Worten, mit denen Thees Uhlmann seine Lesung in der Kantine am Freitagabend beschloss, hätte er eigentlich auch beginnen können. Das Buch, das der ehemalige Tomte-Frontmann geschrieben hat hört auf den Namen Sophia, Der Tod und Ich und erzählt von ebenjenen drei Charakteren, die miteinander einen Roadtrip unternehmen.

Sophia, der Tod und Ich

Sophia, der Tod und Ich

Nachdem der Tod den Ich-Erzähler in seiner Wohnung eigentlich abholen will und ihm verkündet, er habe noch drei Minuten zu leben, klingelt überraschenderweise Sophia, die Ex-Freundin des Ich-Erzählers an der Tür und bringt damit nicht nur den Tod aus dem Konzept. In bester Brandner-Kaspar-Manier gelingt es dem Erzähler, den Tod zu überreden, noch eine Reise zu seiner Mutter zu unternehmen. Dieses Unternehmen wächst sich dann aber schnell zu einem ebenso chaotisch wie absurden Unternehmen aus. Dialoggetrieben entspinnt sich eine Handlung, die immer wieder von Reflektionen und Debatten durchbrochen wird. Schließlich ist für den Tod die Welt der Lebenden natürlich auch so neu wie die Vorstellung des Erzähler, dass es einen personalisierten Tod geben könnte, der sich als witzig, sarkastisch und schlagfertig erweist.

Der geborene Unterhalter

DSC02638Thees Uhlmann erwies sich als lustvoller Erzähler und Unterhalter. Ungewöhnlich lange (19:30 bis 22:15 Uhr) bestritt er seine Lesung, die sich aus zwei Teilen zusammensetzte. Immer wieder unterbrach er das Vorlesen, reihte Anekdoten zur Entstehung des Buchs und seines Privatlebens aneinander und verstand es, das Publikum bei der Stange zu halten. Im ungewöhnlichen Ambiente des Flammensaals stellte sich schnell eine Dynamik zwischen Thees Uhlmann und seinem Publikum her, wovon auch dann das Signieren seines Titels für die Zuhörer zeugte. Für jeden nahm sich der Norddeutsche viel Zeit, posierte für Fotos, erfand höchst originelle Widmungen und hatte nette Worte und Umarmungen übrig. Ein höchst sympathischer Künstler, eine höchst gelungene Lesung in der Kantine – was will man mehr?

Das große DDR-Spitzelspiel

Auf den Spuren Brechts durch Augsburg

Spitzelspiel

Das große DDR-Spitzelspiel

Im Rahmen des diesjährigen Brechtfestivals, das unter dem Motto Die Heimatstadt, wie empfängt sie mich wohl? stand, inszenierte auch das Bluespots-Ensemble ein Stück mit dem Titel Das große DDR Spitzelspiel.

Die fiktive Hintergrundgeschichte: Der große AugsBürger Bert Brecht kehrt in seine Heimatstadt zurück. Das sehen die Mächte im kommunistischen Teil Deutschlands natürlich nicht gerne. Was bezweckt Bert Brecht in Augsburg? Wie steht er wirklich zur Deutschen Demokratischen Republik? An uns, den Bürgern dieser Stadt, lag es nun, Bertolt Brecht für das Ministerium für kulturelle Sicherheit zu beobachten und eine Einschätzung vorzunehmen, ob Bertolt Brecht für die Sicherheit dieser Stadt eine Gefahr darstellte.

 

Die Genossen Wubke und Oberst Heinrich

Die Genossen Wubke und Oberst Heinrich

In der Praxis lief das Ganze nun mithilfe von SMS ab. Nachdem man sich mit seiner Handynummer beim Ministerium angemeldet hatte, wurde man am Sonntagabend zum Rapport ins Ministerium (vulgo das ehemalige Stadtarchiv am Fuggerboulevard) einbestellt. Dort fand die Instruktion durch die Genossen Heinrich und Wubke statt. Wie hat man sich zu tarnen? Wie sieht Brecht heute aus? Nach der Einführung  durch die beiden findigen Apparatschiks vom Büro der kulturellen Stadtsicherheit für politisch-operative Zusammenarbeit konnte es schon losgehen.

 

Brecht vor der Apollo-Bar

Brecht vor der Apollo-Bar

Die erste SMS bestellte uns zum Bahnhof, wo Brecht von München kommend, pünktlich zum Start des Brechtfestivals in seine Heimatstadt zurückkehrte. Die erste Beschattungsarbeit führte vom Bahnhof zum Theater bis hin zu einem schummrigen Etablissement namens Apollo-Bar. Dort wohnte Brecht (und selbstverständlich auch die pflichtbewussten Beobachter) einer Burlesque-Show bei und versuchten mehr über Brechts Absichten zu erfahren. Was trieb Brecht vom Tempel der Hochkultur in das Sündenbabel? Noch blieb alles mehr als rätselhaft. Man konnte nur auf weitere Gelegenheiten hoffen, um in Brechts Nähe zu gelangen.

Farbe bekannte Brecht dann einen Tag später bei der Diskussion des Augsburger Kulturbeirats, als er sich in eine Diskussion über Theater, Kultur und den Stand der Kunst in unserer Gesellschaft generell einmischte. Gewitzte Beobachter hatten sich für das Ministerium unter die Diskussionsteilnehmer gemischt und konnten so dem Gespräch beiwohnen.

Spitzelspiel III

Bertolt Brecht in der Sparkasse

Auch bei einem Besuch des Dichters in der Stadtsparkasse hatten sich Spitzel als Azubis des Bankhauses getarnt und waren bei dem Gespräch anwesend, das Brecht mit einem Banker führte. Hier offenbarte der Dichter, dass er an einem neuen Epos arbeite, das multimedial alle Formen des Theaters zu einer neuartigen Form der darstellenden Kunst verschmelzen und  damit auch junge Menschen erreichen möchte. Doch worum sollte es dabei gehen? Würde dieses Werk eine Gefahr für die kulturelle Sicherheit darstellen? Die Spitzel waren uneins.

 

Herr Puntilla und sein Knecht Matti

Herr Puntila und sein Knecht Matti

Eine erneute Chance zum Test Brechts auf seine Ideologietreue stellte dann der Donnerstag dar. Hier wohnte Brecht einer Probe seines Stücks Herr Puntila und sein Knecht Matti bei. Auch traf er sich hier mit einer Schauspieler in einem Café. Geschickt konnten sich wieder einige Augsburger unter die Zivilbevölkerung mischen und Brecht dabei nahekommen, um den Eindruck von Brechts Prinzipientreue zu verfestigen.

 

Brecht beim Kontakt zu einer Schauspielerin

Brecht beim Kontakt zu einer Schauspielerin

Nach diesen letzten Beobachtungen traf man sich anschließend zur Langen Brechtnacht in den Räumen der Zentrale, um den Genossen Wubke und Heinrich die Meinung und Abschlussberichte über Bertolt Brechts Tour durch Augsburg darzulegen. Im Gespräch mit den Genossen bildeten sich teils konträre Meinungen über die Gefahr des Faktors Brecht. So uneins wie vielfältig waren die Meinungen, die das Ministerium für Kulturelle Sicherheit dankbar entgegennahm. Neben dem Abliefern von Beobachtungen konnte man auch zahlreichen Performances in den Räumen des Stadtarchivs beiwohnen. Soundcollagen von Brechts Gesprächen, ein Ausschnitt aus Puntila, das Verlesen von Spitzelberichten – es war einiges geboten und so wurde das DDR-Spitzelspiel wirklich zu einem großen Event, das das System DDR, das Spitzeln und den Dichter Bertolt Brecht den Teilnehmern (sofern sie sich darauf einließen) eindrücklich nahebrachte.

Hier in der BR-Mediathek gibt es nun neben diesem Beobachtungsbericht (der die Billigung des Ministerium für Kulturelle Sicherheit fand) auch bewegte Bilder, die Brecht in Aktion erkennen lassen.

 

Im Auftrag des Ministeriums für Kulturelle Sicherheit und des Büros der kulturellen Stadtsicherheit für politisch-operative Zusammenarbeit