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Dennis Lehane – Shutter Island

Die Insel des Wahnsinns

Inseln haben schon immer die Fantasie von (Krimi-)Autoren beflügelt – abgeschieden, keine Fluchtmöglichkeiten und viel Verwirrung und Ablenkung. Prototyp des Insel-Krimis ist wohl Agatha Christie mit ihrem Klassiker Zehn kleine Negerlein (bzw. nun dem politisch korrekten Titel Und dann gabs keines mehr), aber auch ansonsten haben Autoren das Setting der Insel schon häufig verwendet.

 

Keine Ausnahme davon stellt Dennis Lehanes Krimi Shutter Island dar. Er hat für diesen Roman eine mehr als gruselig zu nennende Insel ersonnen, die vor der Küste Bostons ein zweites Alcatraz beheimatet.
Gefangene sind auf dieser Insel zahlreich vorhanden, jedoch ist Shutter Island eine Psychatrieanstalt für die gefährlichsten aller Straftäter.

 

Auf diese Insel verschlägt es nun Edward „Teddy“ Daniels zusammen mit seinem Partner Chuck. Als U.S.-Marshalls sollen sie das mysteriöse Verschwinden einer Patienten aus einer abgeschlossenen Zelle aufklären. Doch je länger sich die beiden auf Shutter Island aufhalten, umso verworrener wird der Fall.
Unermüdlich geht Teddy den Spuren nach, um Licht ins Dunkel zu bringen. Stimmen die Zahlen über die Straftäter in der Anstalt wirklich? Was geht im mysteriösen Leuchtturm vor sich?
Mehr als einer der Insassen und Aufpasser auf der Insel spielt wohl ein doppeltes Spiel mit Teddy.

Perfekte Konstruktion mit Schlusspointe

Shutter Island ist ein perfekt konstruierter Thriller, der den Leser ab der ersten Seite immer tiefer in seine Welt hineinzieht und versinken lässt.
Die Konstruktion des Plots und die Schlusspointe sind mehr als meisterlich geraten. Shutter Island wartet nämlich mit einem mehr als ungewöhnlichen Kniff auf, an dem man sich (sofern man den Film noch nicht gesehen hat) lange zurückerinnern wird. Die erste Lektüre des Buchs lag bei mir noch vor der Scorsese’schen Verfilmung und  bis heute erinnere ich mich eher an den Twist im Buch und meine Überraschung denn die Verfilmung.
Wie es Lehane schafft, den Leser und Teddy immer stärker an dem zweifeln zu lassen, was eigentlich auf der Hand liegt, das ist stark gemacht. Das große Finale lässt dann noch einmal alles in einem anderen Licht erscheinen und man möchte die Lektüre noch einmal von vorne beginnen.
Alleine schon diese Schlusspointe macht das Buch zu einer Pflichtlektüre jedes Fans von guter und spannender Literatur.

Gute Neuigkeiten für 2016

Der Vorteil dieses Buchs liegt zweifelsohne in der Popularität des Kinofilms, der ja von der Größe Martin Scorsese mit Stars wie Leonardo DiCaprio und Ben Kingsley verfilmt wurde. Vielleicht greift der ein oder andere Cineast nun neugierig geworden noch zu diesem Titel und entdeckt so einen der besten amerikanischen Krimiautoren der heutigen Zeit für sich.
Dennis Lehane ist es auf jeden Fall zu wünschen!

 

Eine gute Nachricht gibt es nun nach der Neuübersetzung dieses Klassikers durch Steffen Jacobs auch noch. Die teilweise verfilmte Reihe um das Privatdetektivpärchen Kenzie und Gennaro (siehe auch den Film Gone, Baby gone) kommt nun im Diogenes-Verlag im Lauf der nächsten Jahre wieder auf den Markt. Der erste Titel Streng vertraulich ist für Juli 2016 geplant. Bei mir herrscht auf jeden Fall schon Vorfreude!

 

Paul Finch – Spurensammler

No more Mr. Nice Guy

Der inzwischen dritte Fall für DS Mark „Heck“ Heckenburg steigt gleich mal in die Vollen ein: nachdem er einen Neonazi zur Strecke gebracht hat bekommt es Heck mit alten Feinden zu tun. Seine alte Nemesis aus dem Mädchensammler-Fall ist zurück. Eigentlich im Gefängnis, wird der ehemalige Anführer der Nice Guys, einer Gruppe die für wohlhabende Kunden junge Mädchen entführte und anschließend umbrachte, ins Krankenhaus verlegt. Dieser Transport wird jedoch überfallen und der Chef-Nice Guy verschwindet. In der Folge beginnt eine brutale Mordserie an Männern, die mit den Nice Guys in Verbindung standen. Offenbar möchte jemand sämtliche lose Enden der Gruppe abschneiden. Und Heck findet sich inmitten einer brutalen Hatz, bei der auch er ins Visier der Nice Guys gerät. Schließlich hat er drren Anführer damals hinter Gitter gebracht. Und jetzt gilt das Alice-Cooper-Motto: „No more Mister Nice Guy“
Wer sich vom neuen Fall von Mark „Heck“ Heckenburg einen spannenden Fall erwartet, in dem Ermittlungsarbeit eine wichtige Rolle spielt, der sieht sich schnell getäuscht. Die Ermittlungsergebnisse fallen Heck eher in den Schoß und sind Aufhänger zu weiteren Actionszenen.
Heck muss sich mit seinen Einsätzen vor John McClane oder Rambo nicht verstecken, auch wenn im Buch die Kollegen ihm impliziert nahelegen, dass er letzterer nicht sei. Der Bodycount des britischen Ermittlers spricht da aber eine andere Sprache. Die Schlagzahl, mit der hier die Opfer der Nice Guys sterben, ist beträchtlich. Langweile kommt somit im Lauf der Lektüre nicht auf, schließlich setzt schon das Finale zwischen Heck und den Nice Guys 150 Seiten vor Ende des Buchs ein. Fans von Action kommen hier definitiv auf ihre Kosten.
Zwar baut Spurensammler sehr stark auf Finchs Erstling Mädchenjäger auf, für das Verständnis des neuen Heckenburg-Thrillers ist die Kenntnis des ersten Bandes aber nicht zwingend notwendig. Wer sich von expliziter Gewalt in Thrillern nicht abschrecken lässt und exzessive Action mit einem Ein-Mann-Rollkommando mag, der hat mit Spurensammler seinen Thriller gefunden. Hier werden keine Gefangenen gemacht!

Michael Robotham – Um Leben und Tod

Auf der Flucht

Audie Palmer muss verrückt sein. So ist jedenfalls die landläufige Meinung der Offiziellen, als der Fall des geflüchteten Verbrechers publik wird: Einen Tag vor seiner Entlassung bricht dieser aus dem Gefängnis aus und macht sich daran einen Plan zu verfolgen, von dem niemand weiß, was Audie damit bezweckt. Allerdings lässt die Flucht des Mannes bei einigen Offiziellen im Macht- und Polizeiapparat die Alarmglocken schrillen und so beginnen diverse Parteien eine Jagd auf den Flüchtigen.

Schließlich geht auch das Gerücht um, Audie wüsste über den Verbleib von 7 Millionen Dollar Bescheid. Diese waren nämlich der Grund weshalb er damals verurteilt wurde. Zusammen mit seinem Bruder soll er einen Geldtransporter überfallen haben und dabei reiche Beute gemacht haben. Bis heute fehlt vom Geld allerdings jede Spur.

Ist Audie auf der Suche nach dem Geld? Oder geht es ihm um etwas ganz Anderes? Rennt er vor Schwierigkeiten weg oder geradewegs auf sie zu?

Um Leben und Tod ist ein besonderes Buch im Schaffen von Michael Robotham, funktioniert es doch ohne die aus den bisherigen Büchern bekannten Protagonisten Vincent Ruiz und Joe O’Loughlin und spielt diesmal durchgängig in Amerika statt in England.

20 Jahre lang trug Robotham die Idee zu diesem Buch mit sich herum, ehe er nun Life or Death schrieb. Obwohl ich die bisherigen Bücher Robothams über alles schätze (z. B. Dein Wille geschehe oder Erlöse mich) muss ich nach der Lektüre des neuesten Buches sagen, dass ich seine beiden Hauptprotagonisten kaum vermisst habe. Mit Audie Palmer hat er einen ebenso rührenden Charakter ersonnen, der dem Leser schnell ans Herz wächst – eine Mischung etwa aus Gandalf und Yoda, wie es sein Ex-Mithäftling einmal bemerkt.

Um Leben und Tod bietet nicht unbedingt viel Neues, dafür weiß Michael Robotham aber, wie man eine Geschichte erzählt. Zahlreiche Wendungen, Kniffe und Erzählstränge sorgen dafür, dass es während der 470 Seiten niemals langweilig wird. Die Hatz auf Audie verschneidet der Australier mit zahlreichen Rückblenden auf das Leben Audies und den Ereignissen des Überfalls und langsam zeigt das Mosaik ein stringentes und plausibles Bild.

Warum floh Audie einen Tag vor seiner Entlassung? Wo sind die sieben Millionen Dollar abgeblieben? Und warum wird der Ex-Häftling gleich von mehreren Parteien so unbarmherzig durch Texas gejagt? Nach den schnellen 470 Seiten ist man schlauer und wurde von Michael Robotham bestens unterhalten.

Jeder, der dieses Jahr in den Sommerurlaub fährt und spannende Bücher zu schätzen weiß, sollte diesen Titel in seinen Koffer packen – man wird es kaum bereuen!