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Deon Meyer – Die Amerikanerin

Die Maße des neuen Krimis von Deon Meyer lassen etwas stutzen: 209 Seiten im kleinen Hardcover für 12 Euro? Das passt doch wenig zu den bisherigen Benny-Griessel-Romanen oder seinem Opus-Magnum Fever, das immerhin stolze 700 Seiten umfasst. Nun also dieses schmale Büchlein, das völlig aus dem Rahmen fällt.

Das Nachwort des Buchs bringt Aufklärung, warum Bennys neuester Fall so dünn ausgefallen ist.  Deon Meyer wurde ausgewählt, eine Art Geschenkbuch für die holländische Spannende Boekeweek zu  verfassen. Anderen Schriftsteller wie etwa Ian Rankin oder James Ellroy wurde diese Ehre bereits zuteil – nun also der Südafrikaner Meyer, der eine neue Geschichte rund um Benny Griessel ersann. Das Buch gab es in Holland als Dreingabe für alle Buchkäufer, die einen bestimmten Betrag überschritten. In der Folge entsann sich Meyer und sein deutscher Aufbau-Verlag, das Buch auch in Deutschland zu veröffentlichen.

Das ergibt Sinn, da der eigentliche Krimifalls nicht besonders spektakulär ist, das Buch allerdings in Bezug auf Bennys Privatleben einige Entwicklungen bereithält. Und nachdem das Buch extra für den niederländischen Markt geschrieben wurde, verwundert es auch nicht, dass die Hauptgeschichte eine starke holländische Prägung aufweist. Genauer gesagt spielt der Rembrandt-Schüler Carel Fabritius in Die Amerikanerin eine wichtige Rolle. Kunstsinnigen LeserInnen werden den Namen kennen – und alle Lesern von Donna Tartts Meisterwerk Der Distelfink. Bei seinen Nachforschungen im Fall einer ermordeten amerikanischen Touristin stößt Benny und sein Partner Vaughn Cupido nämlich auf den Namen des Malers. Doch wie ist der Malerin mit dem Fall der toten Amerikanerin verbunden?

Auch wenn das Buch ein wirklicher Mini-Krimi ist, so gelingt es Deon Meyer doch bravourös, auf den 200 sehr großzügig gesetzen Seiten eine knifflige Geschichte zu erzählen. Der Fall reicht zurück ins holländische Goldene Zeitalter, besitzt Twists und fängt viel südafrikanische Stimmung ein. Für Benny-Griessel-Fans eh ein Muss, für alle anderen eine gute Gelegenheit, um sich von Deon Meyer etwas anfüttern zu lassen.

Deon Meyer: Die Amerikanerin. Übersetzt aus dem Afrikaans von Stefanie Schäfer. ISBN: 978-3-352-00914-3

Candice Fox – Hades

Hades, Herr der Unterwelt

HadesAustralien, Sydney: Auf der Mülldeponie von Utulla herrscht Heinrich Archer, genannt Hades,  über sein Imperium aus Schrott und Leichen. Als listiger Mittler und graue Eminenz zieht er hält er die kriminellen Fäden in Sydney in der Hand. Doch eines Tages wirft ihn ein Ereignis völlig aus seinen gewohnten Bahnen. Nach einem missglückten Raubüberfall werden zwei Kleinkinder bei Hades abgeladen, die er in der Folge unter seine Fittiche nimmt. Er erzieht sie in seinem Kodex und plant für sie eine Karriere bei der Kriminalpolizei.

Jahre später, immer noch Sydney: Der heruntergekommene und desillusionierte Cop Frank Bennett bekommt eine neue Partnerin names Eden zugeteilt. Mit dieser schlittert er in einen großen Fall hinein. Es hat nämlich den Anschein, dass in Sydney ein mörderischer Organdieb umgeht, der an Medizin, Recht und Ordnung vorbei selbst Organtransplantationen vornimmt und sich seine zahlreichen Opfer in verschiedensten Milieus sucht.

Diese zwei zunächst noch entfernt laufenden Erzählstränge werden von Candice Fox schon bald miteinander verknüpft, wobei der Leser eigentlich von den ersten Seiten an ahnt,wo die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart liegt. Die junge Australierin erzählt ihre Geschichte, indem sie Rückblenden über den Werdegang von Hades und seinen zwei Zöglingen in die Story einbaut. Auch kommen Täter und Opfer in eigenen Erzählsträngen zu Wort, was das Tempo dieses Thrillers merklich erhöht. Hauptsächlich geschildert wird das Geschehen allerdings aus der Ich-Perspektive des Cops Frank, der somit neben all den Rückblenden auch die Außenperspektive auf Eden mitbringt und dadurch Tiefe schafft.

Abgesehen vom etwas missglückten Cover bietet Hades schnelle, gut geschriebene und dabei vor allem auch spannende Unterhaltung. Das Thema mag nicht ganz taufrisch sein, doch durch die tolle Schreibe und das hohe Tempo bleibt man bei Hades gerne am Ball. Die Krimipreisträgerin (Ned-Kelly-Award 2014 und 2015) aus Down Under schafft es, eindrucksvolle Szenen für das Kopfkino zu kreieren und den Leser durch die Seiten zu treiben. Hier hat der Herausgeber Thomas Wörtche eine echte Neuentdeckung ausgegraben – und im September geht die geplante Trilogie dann mit dem Titel Eden weiter!

Donna Tartt – Der Distelfink

Die Kunst eines Lebens

Was für ein Buch. Über 1000 Seiten, ein Leben voller Kunst, Gefahr, ein Porträt Amerikas, eine Einführung in die Kunst des Goldenen Zeitalters der Niederlande, und nicht zuletzt die sogvolle Schilderung eines kriminellen Lebens und einer Spirale, der sich niemand entziehen kann.

Kurzum: ein Roman, der seinesgleichen sucht.
Geschrieben hat ihn Donna Tartt, die sich für ihre Bücher in der Regel ein Jahrzehnt Zeit lässt. Ohne Druck entstehen dabei Epen, die im Literaturbetrieb etwas ganz besonderes sind. 1992 debütierte sie mit dem Roman Die geheime Geschichte, 2002 ließ sie Der kleine Freund folgen, ehe nun 2013 Der Distelfink erschien.

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