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Seitenblicke in Fürth | 22.03.2018

In der kommenden Woche darf ich wieder einmal das machen, was ich am liebsten tue: mich mit anderen über gute (oder schlechte) Literatur unterhalten. Dies tue ich im Rahmen der halbjährlich stattfindenden Veranstaltung Seitenblicke in der Volksbücherei Fürth.

Am 22.03.2018 werden wir ab 19:30 in den Räumen der Innenstadtbibliothek Carl Friedrich Eckart Stiftung (Friedrichstraße 6a, 90762 Fürth) über diese drei Bücher diskutieren:

Emily Ruskovich: Idaho

Ein flirrender Sommertag in Idaho, USA: eine Familie im Wald, die beiden Mädchen spielen, die Eltern holen Brennholz für den Winter. Die Luft steht, die Mutter hat ein Beil in der Hand – und innerhalb eines Augenblicks ist die Idylle zerstört. Ist es Gnade, dass der Vater, Wade, langsam sein Gedächtnis verliert? Bald wird er nicht mehr wissen, welche Tragödie sich an jenem Tag abgespielt hat, wie seine Töchter hießen und seine Frau, Jenny, die zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Auch Ann, die Frau, deren Liebe groß genug ist, um zu Wade in das leere Haus zu ziehen, wird nie den Hergang der Tat erfahren. Aber mit jedem Tag an Wades Seite erkundet sie genauer, was damals geschehen ist, und nimmt schließlich Kontakt zu Jenny auf …

Hans Pleschinski: Wiesenstein

Der alte Mann, eine Berühmtheit, Nobelpreisträger, verlässt mit seiner Frau das Sanatorium, wo beide Erholung gesucht haben, und wird mit militärischem Begleitschutz zum Zug gebracht. Doch es ist März 1945, das Sanatorium Dr. Weidner liegt im eben zerstörten Dresden und der Zug fährt nach Osten. Gerhart und Margarete Hauptmann nämlich wollen nirgendwo anders hin als nach Schlesien, in ihre Villa „Wiesenstein“, ein prächtiges Anwesen im Riesengebirge. Dort wollen sie weiterleben, in einer hinreißend schönen Landschaft, mit eigenem Masseur und Zofe, Butler und Gärtner, Köchin und Sekretärin, ein immer noch luxuriöses Leben für den Geist führen inmitten der Barbarei.
Aber war es die richtige Entscheidung? Überhaupt im Dritten Reich zu bleiben? Und was war der Preis dafür? Können sie und ihre Entourage unbehelligt leben, jetzt, da der Krieg allmählich verloren ist, russische Truppen und polnische Milizen kommen? Und das alte Schlesien untergeht?

Janet Lewis: Die Frau, die liebte

Als Martin Guerre nach langjähriger, rätselhafter Abwesenheit endlich zu seiner Frau zurückkehrt, ist Bertrande de Rols, eine Frau von 30 Jahren, von Sinnen vor Glück. Der inzwischen zehnjährige Sohn weicht dem Vater nicht mehr von der Seite, das Gut blüht auf, die große Familie ist wieder vereint. Acht Jahre lang hatte Bertrande sich gesehnt, hatte gebangt und gezürnt, war weder Witwe noch frei gewesen, und jetzt – endlich – kann sie sich hingeben. Der Liebe, ihrer Sinnlichkeit, seinem Begehren. Welcher Dämon treibt ihr plötzlich Zweifel ins Herz? Ist der Mann, den sie liebt, wirklich Martin? Hin- und hergerissen zwischen ihrer Sehnsucht nach Zugehörigkeit und einer düsteren Ahnung, entfesselt sie eine richterliche Untersuchung – und eine Tragödie.

 

Über diese drei Bücher darf ich mit Doris Höreth von der Buchhandlung Pelzner und Sibylle Brunner von der Buchhandlung Edelmann streiten.

Im Anschluss gibt es noch einen Überblick über weitere lesenswerte Neuerscheinungen in diesem Bücherfrühling.

Ich würde mich über zahlreiche Zuschauer bzw. Zuhörer freuen, wenn ich schon mal wieder in meiner fränkischen Heimat weilen darf – der Eintritt ist natürlich selbstverständlich kostenlos!

Veranstaltungstipp: Georg Klein in Augsburg (10.03.2018)

Bereits zum dritten Mal findet in der Stadtbücherei Augsburg eine Literarische Soiree in Zusammenarbeit mit der Augsburger Allgemeinen statt. Und diesmal treffen einige günstige Voraussetzungen zusammen: am Samstag, 10.03.2018 (ab 19:00 Uhr) ist nämlich ein waschechter Augsburger Literat auf der Bühne zu erleben. Georg Klein wuchs in Augsburg-Oberhausen auf, verfasste mehrere preisgekrönte Romane (unter anderem den Roman unserer Kindheit, für den er den Preis der Leipziger Buchmesse erhielt) – und am Samstag Abend wird er nun aus seinem jüngst erscheinenden Roman Miakro lesen. Für jenes Buch wurde er im Übrigen abermals für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Das lässt doch hoffen!

Im Anschluss gibt es wieder einen Überblick über neue Kinder- und Jugendbücher, ehe wir dann mit einer Spezialausgabe des literarischen Salons starten. Zusammen mit Stefanie Wirsching und Wolfgang Schütz von der Feuilletonredaktion der Augsburger Allgemeinen und Kurt Idrizovic von der Buchhandlung am Obstmarkt diskutiere ich über folgenden drei Neuerscheinungen:

Für alle Interessierten hier noch die Links für weitere Informationen über die Bücher: Arno Geiger – Unter der Drachenwand, Sayaka Murata – Die Ladenhüterin und Bernhard Schlink – Olga.

Karten für den Literaturabend zu 12 Euro gibt es bei der Buchhandlung am Obstmarkt, in der Stadtbücherei oder direkt bei mir in der Stadtteilbücherei Göggingen.

Ich würde mich freuen, möglichst viele Literaturfans (und Blogleser) an diesem Abend willkommen zu heißen!

Wilhelm Genazino in Augsburg

Heute gibt es an dieser Stelle wieder einmal einen Veranstaltungshinweis für alle LiteraturfreundInnen rund um Augsburg.

Am Freitag, 17.03.2017, kommt der Büchnerpreisträger Wilhelm Genazino zu einer Literarischen Soiree in die Fuggerstadt. Auf Einladung der Augsburger Allgemeinen wird der Autor ab 19:30 Uhr im Foyer der Stadtbücherei Augsburg aus seinen Werken lesen und im Anschluss im Gespräch Rede und Antwort stehen.

Zudem gibt es nach der Lesung von Wilhelm Genazino eine Neuauflage des Literarischen Salons, der bislang immer im Stadttheater stattfand. Diesmal diskutieren Buchhändler Kurt Idrizovic von der Buchhandlung am Obstmarkt, Stefanie Wirsching von der Augsburger Allgemeinen sowie meine Wenigkeit über folgende drei Neuerscheinungen: Hanya Yanagihara Ein wenig Leben, Jonas Lüscher Kraft sowie Elena Ferrante – Die Geschichte eines neuen Namens. Konträre Meinungen sind zu erwarten. Die Moderation des Abends hat Wolfgang Schütz inne, ebenfalls Augsburger Allgemeine.

Auch Kinder- und Jugendbücher werden an diesem Abend vorgestellt, dies übernimmt Birgit Müller-Bardorff. Zudem gibt es als Abschluss noch eine Verlosung von Lesestoff – das Kommen lohnt sich also!

 

Karten für 10 Euro gibt es an folgenden Vorverkaufsstellen: Stadtbücherei Augsburg, der Buchhandlung am Obstmarkt und beim AZ-Ticketservice, Maximilianstraße 3, in Augsburg.

 

Ich würde mich freuen, wenn wir uns an diesem Abend sehen!

Das literarische Quartett – eine Kritik

Zum Abschalten

 

Das Literarische Quartett Quelle: ZDF

Das Literarische Quartett
Quelle: ZDF

Gestern Abend war es wieder einmal soweit -und ich habe es mir angetan. Bereits zum vierten Mal wurde im ZDF am Freitagabend unter Leitung von Volker Weidermann (nicht immer nur) über Bücher gestritten. Wobei letzter Satz eine falsche und eine wahre Aussage über das Programms im Berliner Ensemble beinhaltet: während man von einer Gesprächsleitung durch Volker Weidermann kaum sprechen kann, ist das Wort Streiten bei dieser Art von Sendung mehr als  angebracht. Doch von vorn:

Ohne die krankheitsbedingt fehlende Christine Westermann saßen sich diesmal Volker Weidermann, Maxim Biller und als Gast Eva Menasse gegenüber. Trotz der absenten Christine Westermann hatte man sich entschieden, trotzdem alle vier Bücher anstelle von nur drei ins Programm zu nehmen und diese in 45 Minuten durchzuhecheln. Über die Auswahl und die Omnipräsenz des Kiepenheuer-Witsch-Verlags und seiner Autoren war an dieser Stelle schon genug gesagt worden.

Die Auswahl des Literarischen Quartetts Quelle: ZDF

Die Auswahl des Literarischen Quartetts
Quelle: ZDF

Dennoch musste ich auch konstatieren, dass man sich hier wieder einmal für die meiner Meinung nach unrelevantesten Titel dieser Tage entschieden hat. Ein englischer Proust (Anthony Powell, der nun schon seinen 100. Geburtstag feiern würde) und die Unterstützung von Nischenverlagen in Ehren – ich glaube trotzdem dass man mit seiner Auswahl näher am Puls des literarischen Lebens liegen müsste und es auch nicht schaden würde, einmal einen Bestseller unter die Lupe zu nehmen. So standen vier Titel im Programm, mit denen ich nicht viel anzufangen wusste, obwohl ich mich durchaus als literarisch firm bezeichnen würde. Aber vielleicht hätte mir die Sendung Appetit auf die Bücher machen können?

Machen wir es kurz – nein. Worum genau geht es in den vier Büchern? Warum haben sie es verdient, sie zu lesen? Bei diesem Gehetze, das im Berliner Ensemble produziert wurde, blieb sehr vieles auf der Strecke. Inhaltsangaben und -zusammenfassungen zählen eh nicht zum eingeplanten Konzept, wie mir scheint. Dennoch wäre es schön, wenn man die Titel wenigstens grob vorgestellt bekommen könnte, ehe man sich gegenseitig ins Wort fällt. So ist das gegenseitige Niederbrüllen, der permanente Kampf um Aufmerksamkeit und die Deutungshoheit des Buchs und das grundsätzliche Schlecht-Finden der jeweils nicht selbst vorgeschlagenen Titel ein unangenehm oft auftretendes Phänomen. Gerade Maxim Biller tut sich hier mit steilen Thesen und der Lust zum Krawall hervor. Dies wäre in Maßen ja durchaus noch erträglich, hier jedoch bräuchte es jemanden, der die Konflikte einbremsen und regulieren müsste. Doch Volker Weidermann als Gesprächsleiter scheint mir hier ebenfalls eine glatte Fehlbesetzung zu sein. Die ganze Sendung wirkt wie ein einziger ADHS-Trip, das Gehetztsein überträgt sich sehr schnell auf den Zuschauer. Kaum ein Argument, das schlüssig zu Ende geführt werden würde. Und dass ein anderer Kritiker aufgrund von klar vorgetragenen Urteilen von einer anderen Sichtweise überzeugt werden würde? Dieser Gedanke ist nun ganz und gar abwegig …

Der Schweizer Literaturclub Quelle: SRF

Der Schweizer Literaturclub
Quelle: SRF

Nun möchte ich auch Vergangenes nicht glorifizeren und das „alte“ Quartett zum einzigen Maßstab machen. Doch auch ohne die alten Folgen im Hinterkopf wirkt das Quartett lediglich auf Krawall gebürstet und schafft es, auch ambitioniertere Leser nachhaltig zu verschrecken. Das muss einem auch erst einmal gelingen. Auch wenn ihn Maxim Biller gestern verächtlich schmähte – vieles was ich mir an Diskussionen wünsche und hier vermisse, finde ich beim Pendant der Eidgenossen. Der Schweizer Literaturclub ist so, wie ich mir niveauvolles Diskutieren über Bücher vorstelle. Ruhe in der Diskussion, ein Vorgeschmack auf den Stil des Buchs – hier tut man sich und seinen Nerven etwas Gutes und bekommt wohltuende Eindrücke, ohne dass eigene Egos im Vordergrund stehen. . Für mich ist Literatur nämlich zu wichtig , als dass man sich permanent über sie in die Haare kriegen sollte.

Für das Literarische Quartett in der momentanen Form im ZDF beherzige ich nur das Motto der vor wenigen Tagen leider gestorbenen Fersehikone Peter Lustig aus dem gleichen Sendehaus: Und jetzt, ihr wisst schon – abschalten!