Ben Smith – Dahinter das offene Meer

Wie wird sie aussehen, die Zukunft der Energie? Und wie unser Leben? Der Engländer Ben Smith findet in seinem Debütroman eine beunruhigende mögliche Antwort auf diese Fragen. Dahinter das offene Meer erzählt in einem dystopischen Umfeld angesiedelt von Offshore-Windenergie, Einsamkeit und dem Verlust von Sicherheit (übersetzt von Werner Löcher-Lawrence). Gerade in diesen Tagen eine unerwartet aktuelle und beunruhigende Lektüre.


Reduzierter geht es kaum: ein alter Mann und ein Junge, beide auf einer Art Plattform, inmitten eines Windenergie-Parks. Vieles ist nur angedeutet: wann und wo? Nicht weiter wichtig für Smiths Geschichte. Klar dagegen der Auftrag des Jungen, der ihn auf die Plattform geführt hat. Zusammen mit dem alten Mann ist er für die Wartung der Plattform und der Windräder zuständig. An allen Ecken bröckelt es, viele der Windräder sind schon zerstört oder nicht mehr am Netz. Der Leistungsgrad der Anlage liegt nur noch irgendwo bei 60%.

Kaum ist das eine Windrad repariert, fällt das nächste aus. Eine Sisyphosaufgabe, mit der schon der verschwundene Vater des Jungen beschäftigt war. Tag für Tag wandert der Junge durch die verlassenen Gänge der Plattform, alle paar Monate landet mal wieder ein Versorgungsschiff an, das dem Alten und dem Jungen Dosen mit undefinierbarem Speisebrei liefert. Doch ansonsten sind die beiden auf sich alleine gestellt und müssen für den Erhalt des Windparks sorgen. Franz Kafka meets Erneuerbare Energien.

Ein Kammerspiel im Offshore-Windpark

Ein Mann und ein Junge auf begrenztem Raum. Einige Geheimnisse und die Aufgabe, fernab der Zivilisation (sofern sie noch existiert) nicht verrückt zu werden. Irgendwo zwischen Odysee im Weltraum und The Shining siedelt Ben Smith seine Erzählung an, wenn er etwa den Jungen nachts durch die ächzenden und quietschenden Gänge der verlassenen Plattform streifen lässt. Das dystopische Setting vermag der Brite hervorragend einzufangen – besonders beachtlich, da dieses Genre in letzter Zeit ja einen wirklichen Boom erlebt hat und in meinen Augen schon übersättigt ist. In Dahinter das offene Meer kann man allerdings ein originelles Buch entdecken, das einen frischen Zugriff auf die Frage liefert, wie sie aussehen könnte, unsere Zukunft der Energie und die des ökologischen Wandels. Wenngleich das Ergebnis in Smiths Szenario äußerst beunruhigend ausfällt – spannend und gut geschrieben ist das Ganze auf alle Fälle!

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