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Meine besten Bücher 2025

Schon wieder ist ein Jahr vergangen, schon wieder ist es Zeit für einen Rückblick auf das literarische Jahr 2025.

Wollte man sich im wahrsten Sinne des Wortes an der Oberfläche aufhalten, so wäre 2025 als das Jahr zu benennen, in dem sich die Fülle von KI-generierten Buchcover endgültig Bahn brach. Missglückte Experimente, die die Verlage auf die Cover brachten, von Arno Franks Ginsterburg (Klett-Cotta) über Dirk Schmidts Die Kurve bis hin zu Ben Shattuck, dem der Hanser-Verlag ein KI-generiertes Cover spendierte: Während sich die renommierten Verlage im Inneren der Bücher per Disclaimer verwehren, dass die Literatur für KI-Trainingszwecke ausgebeutet wird, kleben sie derweil seelenlose und bisweilen grotesk misslungene Bilder auf die Cover, die auf der Grundlage der Ausbeutung von Kunstwerken anderer Kulturschaffender basieren und die tendenziell diese Kreative beschäftigungslos machen.

KI-„Kunst“ allerorten

Eine beklagenswerte Entwicklung, die sich 2025 Bahn bracht und die in „Kunstwerken“ endete, die bei näherer Betrachtung gar keinen Sinn ergaben, wie beispielsweise bei jener Edition, die der S. Fischer-Verlag zu Ehren seines Geburtstagskindes Thomas Mann kurz vor dem Beginn von dessen Gemeinfreiheit auf den Markt warf. Das Ergebnis verstörte mit desaströsen Covern mit zahlreichen Fehlern.

Apropos Thomas Mann: diesem konnte man weder in Periodika noch auf dem Buchmarkt entgehen. Mit dutzendfachen Publikationen feierte man den Jubilar landauf und landab, was in einem ganzen Stapel von Neuerscheinungen mündete.

Dabei reichte das Ergebnis von mittelmäßigen Ausführungen (hier sei etwa der allzu leichte, passenderweise mit KI-Cover“kunst“ gezierte Angang Kerstin Holzners genannt, die sich der Sommerfrische Thomas Mann widmete) über gelungenere Ansätze wie den der Beschau der Exilgemeinde um Thomas Mann in Los Angeles von Martin Mittelmeier bis hin zur akribische Spurensuchen im Mann’schen Oeuvre etwa von Michael Maar, die der Rowohlt Verlag noch einmal auflegte.

Auch Romane widmeten sich dem Zauberer, auf dessen Spuren auch ein junger Schweizer in diesem Jahr wandeln wollte – und dabei auch von Medien wie Buchbloggern fleißig unterstützt wurde. Nelio Biedermann sein Name, der mit viel Aplomb von seinem Verlag auf den Schild gehievt wurde. Dass sein Buch ein schlecht lektoriertes und konzeptionell verhobenes Machwerk ist, davon war nur wenig zu lesen, eher erging man sich in unkritischem Lob des Autors, hob lieber sein Alter denn die Schwächen seines Erzählens hervor und verlieh seinem Roman gar die Auszeichnung als Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels.

Thomas Mann, Psychiatrien und Die Holländerinnen

Die Ansprüche waren schon einmal höher, was sich auch bei den populären Titeln dieses Literaturjahrs zeigte.

Die Jurys des Bayerischen, des Schweizer wie auch des Deutschen Buchpreises kürten unisono Dorothee Elmigers Buch Die Holländerinnen zum besten des Jahres, andere Titel hatten bei allen drei Auszeichnungen das Nachsehen. Die Jahrescharts dürften wieder einmal von den üblichen Verdächtigen Sebastian Fitzek wie Florian Illies angeführt werden (der mit seinem Buch über die Familie Mann sein Übriges zur Schwemme der Mann-Werke beitrug).

Dazu noch ein Haufen deutschsprachiger Romane, die allesamt psychiatrische Erkrankungen zum Thema hatten und die Psychiatrie zum wohl bestbeschriebenen Handlungsort im deutschsprachigen Literaturjahrgang machten (siehe hier oder hier oder hier oder hier).

Literarische Enttäuschungen wie Caroline Wahls Die Assistentin oder das eben schon erwähnte Werk Nelio Biedermanns entwickelten sich trotz aller Schwächen im digitalen Raum zu Hype-Titeln, die auch von seriösen Vertretern der Buch-Influencerzunft reihenweise empfohlen wurden, anstelle die Chance auf die Vorstellung anderer, gelungenerer Werke zu nutzen.

Mediale Monokulturen

Generell lässt sich feststellen, dass sich das Interesse weiter auf wenige, auch von den Influencern stark überrepräsentierte Titel (bspw. Verena Keßler, Anne Sauer, Daniel Schreiber) verengt, die mit entsprechenden Marketingbudget von den Algorithmen zusätzlich mit Sichtbarkeit belohnt werden, während die originellen und kleiner Titeln abseits dieser medialen Monokultur verkümmern und zu verschwinden drohen.

Selbst sehe ich es auch durch mein Tun hier auf dem Blog wie auch bei der Blogpräsenz auf Instagram: jedes Buch in Spiegel-Bestsellernähe bekommt dutzendfach mehr Klick als das Gros der vorgestellten Titel, die (zumindest den Aufrufzahlen nach) überhaupt nicht interessieren. Große Namen klicken besser wie kleine – und im Sinne der allgemeinen Aufmerksamkeitsökonomie wäre die Besprechung solcher Titel durchaus eine Möglichkeit, der schrumpfenden Sichtbarkeit des Blogs im digitalen Raum entgegenzuwirken.

In meinen Augen ist es aber ein Weg, der wenig erfolgsversprechend ist. Aufrufzahlen und Sichtbarkeit sind schön, aber gerade Blogs sind seit jeher ja eigentlich Ermöglichungsorte, bei denen auch das Abseitige und das nicht Zeitgemäße einen Platz haben darf. Warum immer nur neue Bücher besprechen oder das präsentieren, was in Buchhandlungen wie in den Feeds und Videokacheln allerorten ventiliert wird?

Wenn es schon der Kulturstaatsminister an höchster Stelle nicht schafft, eine empfehlenswerte Sommerlektüre abseits der eh schon überhypten 22 Bahnen von Caroline Wahl zu finden, so liegt es doch eigentlich an Buch-Influencern und Buch-Bloggern, die Vielfalt des Buchs in allen Facetten zu feiern, statt stumpf mehr vom Gleichen zu liefern und so die Algorithmen weiter zu veröden?

Programmatische Versteppung

Auch auf dem Buchmarkt selbst macht sich derweil eine programmatische Versteppung bemerkbar. Originelle Stimmen wie der unabhängige Berenberg-Verlag stellen ihr Tun ein, Häuser wie Die Andere Bibliothek dünnen ihr Programm auf die Hälfte aus, in dem sie ihre Erscheinungsweise von monatlich auf zweimonatlich reduzieren, andere Verlage wie der Münchner Liebeskind-Verlag lassen nun schon seit Jahren nichts mehr von sich hören. Das ist beklagenswert, sind es doch diese Häuser, die für Innovation sorgen, neue Stimmen entdecken und auch dem Abseitigen eine Chance geben.

Das alles wäre nicht so dramatisch, würde dieses Vakuum nicht von neurechten Kräften genutzt, um diesen Raum für sich zu erobern, um über das Feld der Literatur und Kultur die eigene Agenda voranzutreiben und die es in diesem Jahr sogar fertigbrachten, in Halle eine eigene Buchmesse als Gegenprogramm zu den etablierten Messen in Frankfurt und Leipzig zu organisieren und sich dafür ausgiebig selbst zu feiern.

Im Sinne eines weltoffenen wie liberalen Verständnisses kann man diese Umtriebe nur ablehnen und ich möchte deshalb weiterhin daran mitwirken, wenigstens auch in Form dieser kleinen Privatoffensive der vielgestaltigen Literatur etwas mehr Sichtbarkeit zurückzugeben, auf dass nicht das dumpfe Deutschtum die kulturelle Deutungshoheit über das Lesen erlange.

Meine besten Bücher des Jahres

Selbst die eigentlich dringende wie lohnenswerte Debatte, warum so wenig junge Männer lesen und welche Folgen das für den Buchmarkt und letzten Endes auch für die Gesellschaft hat, sie verlief nach einigen Einwürfen im digitalen Raum wieder im Nichts und blieb ohne Folgen. Dabei müssten wir uns dringend mit dem Thema der Nachwuchsförderung in Sachen Lesen und medialer Komptenz auseinandersetzen, aber leider auch hier: nichts da.

Um gegen solch schlechte Aussichten anzukämpfen, bleibt nur das Verfechten des guten Buchs und eine Sichtbarkeitmachung desselbigen in Feuilletons wie in den Weiten des Netzes.

Ich für meinen Teil kann konstatieren, dass ich auch dieses Jahr in meiner Freizeit wieder über 110 Bücher ich auf dem Blog besprochen und gelesen habe, nebst einigen weiteren Beiträgen (wen die Geschlechterverhältnisse interessieren, so ist diesbezüglich zu vermelden, dass das Verhältnis nahezu ausgewogen war. 56 Titel stammen von Frauen, 55 von Mänern, dazu die üblichen Verlagsvorschauen und ein paar Debattenbeiträge).

Was mir im Gedächtnis geblieben ist, mich beschäftigt hat und noch länger in meinen Buchregalen verweilen darf, das hat Eingang ist die Liste gefunden, die sich wie folgt zusammensetzt (Klick auf die Cover führt zu den ausführlichen Besprechungen):

Annett Gröschner – Schwebende Lasten

Bewundernswert nah an ihrer Figur, einer Blumenbinderin aus Magdeburg, bleibt Annett Gröschner in ihrem Roman Schwebende Lasten, der die Brüche des 20. Jahrhunderts und das Leben der DDR am Beispiel ihrer Heldin nachzeichnet. Gebannt folgt man diesem Leben durch die passenderweise nach Blumen betitelten Kapitel vom Niedergang nach dem Weltkrieg bis hinauf auf die Kanzel eines Fabrikkrans.

Nirit Sommerfeld – Beduinenmilch

Auch wenn er mittlerweile wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden ist, so hat der israelische Krieg in Gaza auch dieses Jahr geprägt und auch hierzulande zu erregten Debatten, Protestaktionen und Diskussionsausladungen gesorgt. Eine Versachlichung und Multiperspektive bringt Nirit Sommerfelds, das sich erkenntnisreich von Jugendlichen bis hin an Erwachsene richtet.

Martin Mittelmeier – Heimweh im Paradies

Wie oben schon erwähnt – Bücher über Thomas Mann gab es so einige in diesem Jahr. Heraus sticht dieses Buch von Martin Mittelmeier, der seinen Blick nicht nur auf Thomas Mann im Exil in Pacific Palisades beschreibt, sondern gleich auf die ganze Exilgemeinde von Theodor W. Adorno bis hin zu Arnold Schönberg und zeigt, welche Geistesblüten das Leben der Exilgemeinde dort an der kalifornischen Küste trieb.

Anja Kampmann – Die Wut ist ein heller Stern

Ich war nicht der einzige, der den neuen Roman Anja Kampmanns auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2025 erwartet hätte. Zwar wurden diese Erwartungen enttäuscht, alle anderen Erwartungen konnte das neue Werk der Lyrikerin vollumfänglich einlösen. Ein sprachmächtiger und sprachsensibler Roman, der sich ganz auf den Blick seiner Heldin einlässt und vom Erstarken des Nationalsozialismus in Hamburg erzählt.

Audrey Magee – Die Kolonie

Ein Highlight gleich zu Jahresbeginn lieferte die Audrey Magee mit Die Kolonie. Sie erzählt von einem Maler und eine Linguisten, die beide auf die gleiche irische Insel reisen – und sich in ihrer gegenseitigen Abneigung verbunden sind. Unlösliche Konflikte, Sprache als Konfliktfeld, dazu die Frage nach verschiedenen Formen von Kolonialismus – Magees Buch ist trotz seines historischen Rahmens voller aktueller Themen und dazu höchst unterhaltsam (und fein von Nicole Seifert übersetzt).

Annegret Liepold – Unter Grund

Das braune Franken ist Thema des Debüts der Schrifstellerin Annegret Liepold. Sie erzählt von der jungen Referendarin, die ein Zwischenfall während des NSU-Prozess zurück in ihre Heimat treibt und sie mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert, in der Rechtsradikalismus eine zentrale Rolle spielte. Liepold blickt auf packende Weise auf die Verstrickung rechten Denkens im Landleben und das Abgleiten in den Extremismus.

Maria Messina – Sterne, die fallen

Kurzgeschichten haben es ja immer schwer auf dem Buchmarkt hierzulande. Dass die kurze Form aber ebenfalls Raum für Tiefe und Entwicklung lässt — und das vielleicht manchmal sogar mehr als in der Langform—, das demonstrieren die Erzählungen der Sizilianerin Maria Messina, die zum Glück auch durch hartnäckige Verlagsarbeit wie der der unabhängigen Friedenauer Presse langsam wieder neu entdeckt wird – Magnifico möchte man ausrufen.

Rachel Cockerell – Melting Point

Noch einmal Israel, diesmal in ganz anderer Form. Alleine aus Quellen wie Zeitungsartikeln, Tagebüchern und Briefen zusammenmontiert erzählt Rachel Cockerell ihre eigene Geschichte und wie diese mit der Geschichte des Zionismus zusammenhängt. Von Kischinau und den USA führen die Spuren der Weltgeschichte schließlich bis zu ihrer eigenen Familiengeschichte. So wissensprall und formstark war die Erforschung eigener Familiengeschichte selten.

Svealena Kutschke – Gespensterfische

Dass ausgerechnet der literarisch anspruchsvollste und erzählerisch stärkste Psychiatrieroman zugleich der war, der unter allen zumindest gefühlt am wenigsten Widerhall fand, es gehört zu den großen Ungerechtigkeiten dieses Literaturjahres. Aber nachdem man Fehler ja manchmal auch heilen kann, sei an dieser Stelle noch einmal nachdrücklich auf Gespensterfische von Svealena Kutschke hingewiesen, der höchst gelungen von Wahn und Wirklichkeit erzählt — und von der dünnen Grenze, die diese Bereiche scheidet.

Arno Frank – Ginsterburg

Noch so ein unterrepräsentiertes Buch, das auch eine Nominierung angesichts der vielen Buchpreise verdient hätte. In seinem dritten Roman Ginsterburg blickt Arno Frank auf das Leben einer fiktiven Kleinstadt namens Ginsterburg, indem er die Kleinstadt dreimal hintereinander im Abstand von jeweils fünf Jahren besucht und so Dynamiken während der Zeit des „Dritten Reichs“ anschaulich offenlegt. Ein überzeugendes Buch, bei dem nur das Cover ein Totalausfall ist.

Clara Arnaud – Im Tal der Bärin

Gleich zwei Romane um menschlich-bärige Beziehungen gab es in diesem Jahr zu lesen. Beide sehr gelungen – Eingang in die Liste gefunden hat schließlich der Roman der Französin Clara Arnaud, die von Menschen im Tal und auf dem Berg in den Pyrenäen an der Grenze zu Spanien erzählt – und wie das Auftauchen einer Bärin das Leben der Figuren gehörig durcheinanderwirbelt.

Liz Moore – Der Gott des Waldes

Ein Thriller, wie ich ihn mir vorstelle. Clever gebaut, mit genauem Blick auf die Figuren und ihre Widersprüche, ein spannendes Setting und dazu noch verschiedene Zeitebenen, die Liz Moore kunstvoll miteinander verknüpft, um so aus dem Buch das Maximalmögliche herauszuholen. Ein Feriencamp in den Adirondacks, eine reiche Familie, verschwundene Kinder und der „Schlitzer“, der in den Wäldern umgeht.

Christoph Hein – Das Narrenschiff

Manchmal zu didaktisch, zu platt in der Erzählanlage, aber trotzdem dieser Anspruch, die Entstehung, Sein und Vergehen der DDR aus Sicht seiner fünf Figuren zu erzählen, die mit der sozialistischen Republik mitaltern. Das ist bestechend gemacht und erlaubt es, mit geradezu chronistischer Detailfülle nachzufühlen, wie es damals war hinter dem „antifaschistischen Schutzvorhang“ – Christoph Hein machts möglich!

Jehona Kicaj – ë

Ein Buch, das Rezensenten bei der Suche nach dem Sonderbuchstaben des ë wahnsinnig gemacht haben dürfte. Jehona Kicaj untersucht in ihrem Debüt, wie sich Kriegstraumata der Vergangenheit bis in die Körper der Gegenwart fortpflanzen – und wie knirschende Zähne von Sprachlosigkeit und Ohnmacht erzählen. Ein verheißungsvolles Debüt, das die Autorin da vorlegt. Und übrigens: Alt-Taste gedrückt, dann 0235 eintippen, und schon ist es da, das ë.

Tommie Goerz – Im Schnee

Noch einmal Franken, diesmal im Seethaler-Sound. Gelungen erzählt Tommie Goerz von einer einzigen Nacht, in der vieles zu Ende geht in dem kleinen fränkischen Dorf im Fichtelgebirge. Schorschs bester Freund ist tot, die Dorfbewohner halten Totenwache – und währenddessen ersteht noch einmal eine Welt auf, die schon im Verschwinden inbegriffen ist. Ruhig, klar, berührend, und das nicht nur im Winter.

Ralf Westhoff – Niemals nichts

Der Hinweis des Gegenübers, man habe da selbst ein Buch geschrieben, ob man nicht einmal hineinlesen möchte, er kann zu heiklen Situationen führen. Im Fall von Ralf Westhoff, der mir sein Buch in der U-Bahn auf dem Weg von der Leipziger Buchmesse nach Hause in die Hand drückte, ist alles gut gegangen. Denn sein Debüt um zwei Bauern im Kampf gegen die Schulden ist alles anders als nichts, sonder nicht anders als gelungen zu rühmen!


Welche Bücher und Themen bleiben für euch am Ende des Jahres? Was wird fortdauern, was uns noch länger begleiten? Ich freue mich auf eure Einschätzung!

Vorschaufieber Frühjahr 2026

Das Jahr geht den Tagen mit den längsten Nächten entgegen, die Temperaturen fallen unter die Null-Grad-Marke, das Ende des Jahres rückt näher. Grund genug, sich mit verheißungsvollen Büchern zu beschäftigen, die im Fühling des kommenden Jahes erscheinen, wenn die Tage wieder länger werden und die Temperaturen in angenehmere Höhen klettern.

Wieder einmal ist es eine bunte Mischung geworden, die Titel vorstellt, die die großen Themen des Lebens ebenso wie die kleinen bearbeiten. Es finden sich lange Erzählungen neben der kurzen Form, neue Stimmen stehen neben eingeführten Namen, dazu reicht der Bogen von kleine Independent-Verlagen hin zu den großen Verlagshäusern.

Eingeteilt ist das Ganze wieder einmal in die Kategorien National, International und Krimis. Die Links hinter den Covern und Titeln führen zu den Verlagsseiten, die weiterführende Informationen über die Bücher bereitstellen – verbunden mit der Bitte, im Fall eines käuflichen Erwerbs der Titel den lokalen, unabhängigen Buchhandel anstelle von digitalen Monopolisten zu bedenken.

National

Petra Morsbach – Orion (Penguin). Ulrich Woelk – Hellere Tage (C. H. Beck). Johann Reißer – Pulver (Frankfurter Verlagsanstalt). Nadine Schneider – Das gute Leben (S. Fischer). Cihan Acar – Casino (Hanser Berlin).

Lukas Rietzschel – Sanditz (dtv). Thomas Hettche – Liebe (Kiepenheuer & Witsch). Hannah Häffner – Die Riesinnen (Penguin). Robert Seethaler – Die Straße (Claassen). Walter Fabian Schmid – Schattenwurf (Nagel & Kimche).

Wilhelm Bartsch – Meckels Messerzüge (Wallstein). Gabriele Reuter – Das Tränenhaus (Reclam). Iwan Heilbut – Zugvögel (Claassen). Regina Denk – Der Fährmann (Droemer). Nicola Denis – Wo die Kaffeekirschen leuchten (Friedenauer Presse).

International

Liz Moore – Der andere Arthur (aus dem Englischen von Cornelius Hartz, C. H. Beck). Andrew O’Hagan – Maifliegen (aus dem Englischen von Manfred Kempf und Gabriele Kempf-Allié, Claassen). Karine Tuil – Die Liebeshungrigen (aus dem Französischen von Maja Ueberle-Pfaff und Alexandra Baisch, dtv). Safae el Khannoussi – Oroppa (aus dem Niederländischen von Stefanie Ochel, Hanser). Pilar Adón – Von Vieh und Vögeln (aus dem Spanischen von Susanne Lange, Wallstein).

R. C. Sherriff – Vor uns die Zeit (aus dem Englischen von Rainer Moritz, Unionsverlag). Radka Denemarková – Schokoladenblut (aus dem Tschechischen von Eva Profousová, Hoffmann & Campe). Megan Hunter – Tage des Lichts (aus dem Englischen von Judith Schwaab, C. H. Beck). Robbie Arnott – Dusk (aus dem Englischen von Nikolaus Hansen, Piper). Lucie Rico – GPS (aus dem Französischen von Milen Adam, Matthes & Seitz Berlin).

Hal Ebbott – Unter Freunden (aus dem Englischen von Jan Schönherr, Claassen). Carys Davies – Das Pfarrhaus (aus dem Englischen von Eva Bonné, Luchterhand). Elspeth Barker – O Caledonia (aus dem Englischen von Verena von Koskull, Piper). John Horne Burns – Galleria Umberto (aus dem Englischen von Gregor Hens, Die Andere Bibliothek). Xu Zechen – Der große Kanal (aus dem Chinesischen von Daniel Fastner, Matthes & Seitz Berlin)

Rachel Khong – Real Americans (aus dem Englischen von Tobias Schnettler, Kiepenheuer & Witsch). Colin Walsh – Kala (aus dem Englischen von Andrea O’Brien, Gutkind). Alice Brito – Die Frauen der Fonte Nova (aus dem Portugiesischen von Markus Sahr, Weidle). Dario Ferrari – Die Pause ist vorbei (aus dem Italienischen von Christiane Pöhlmann, Wagenbach). Rabih Alameddine – Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter) (aus dem Englischen von Werner Löcher-Larence, C. H. Beck).

Krimis

Garry Disher – Zuflucht (aus dem Englischen von Peter Torberg, Unionsverlag). Daniel Faßbender – Heaven’s Gate (Diogenes). Mary Roberts Rinehart – Die Villa am Meer (aus dem Englischen von Eva Sobottka, Oktopus). Henry Wise – Holy City (aus dem Englischen von Karen Witthuhn, Polar Verlag). Ken Jaworowski – What about the bodies (aus dem Englischen von Lea Dunkel, Pendragon).

Vorschaufieber Herbst 2025

Wie jedes Jahr ganz antizyklisch hier wieder meine Vorschau auf die Bücher, die uns in der zweiten Jahreshälfte 2025 erwarten und die mich neugierig gemacht haben. Es ist nicht auszuschließen, dass sich der ein oder andere Titel dann auch schon bald hier in der Buch-Haltung besprochen findet.

Wie immer gilt: der Link auf die Buchtitel im Text führt zu den dahinterliegenden Verlagen, die mehr Infos zu den entsprechenden Büchern bereithalten. Und sollte sich jemand mit dem Gedanken eines späteren Kaufs des ein oder anderen hier vorgestellten Buchs tragen, so empfehle ich dringend den Erwerb im lokalen, inhabergeführten Buchhandel, wider die Monotonie von Großkonzernen, die Vielfalt des Buchhandels bedroht.

National

Anselm Oelze – Die da oben (Wallstein). Raphaela Edelbauer – Die echtere Wirklichkeit (Tropen). Bijan Moini – 2033 (Atrium). Tim Staffel – Wasserspiel (Kanon). Sophia Klink – Kurilensee (Frankfurter Verlagsanstalt).

Angela Steidele – Ins Dunkel (Suhrkamp). Christoph Poschenrieder – Fräulein Hedwig (Diogenes). Berit Glanz – Unter weitem Himmel (Berlin Verlag). Nirit Sommerfeld – Beduinenmilch (Ars Vivendi). Bernhard Heckler – Die beste Idee der Welt (Kunstmann).

Dora Zwickau – Gesellschaftsspiel (Piper). Christoph Nußbaumeder – Das Herz von allem (Rowohlt Berlin). Annette Selg – Das Jahr bevor ich verschwand (Schöffling). Caroline Schmitt – Monstergott (park x ullstein). Lina Schwenk – Blinde Geister (C. H. Beck)

International

Anjet Daanje – Das Lied von Storch und Dromedar (aus dem Niederländischen von Ulrich Faure. Friedenauer Presse). Percival Everett – Dr. No (aus dem Englischen von Nikolaus Stingl. Hanser). Mariette Navarro – Am Grund des Himmels (aus dem Französischen von Sophie Beese. Kunstmann). Bret Anthony Johnston – We Burn Daylight (aus dem Englischen von Sylvia Spatz. C. H. Beck). V. V. Ganeshananthan – Der brennende Garten (aus dem Amerikanischen von Sophie Zeitz. Tropen).

Benoit d`Halluin – Ein Schrei im Ozean (aus dem Französischen von Paul Sourzac. Karl Rauch). Mirinae Lee – Die acht Leben der Frau Mook (aus dem Englischen von Karen Gerwig. Unionsverlag). Gabrielle Filteau-Chiba – Die Ungezähmten (aus dem Französischen von Karin Segerer Ben Shattuck – Die Geschichte des Klangs (Hanser). Maria Messina – Sterne, die fallen (aus dem Italienischen von Christine Pöhlmann. Friedenauer Presse).

Priya Hein – Das Lächeln von Riambel (aus dem Englischen von Mirjam Nuenning. Gutkind). Ian McEwan – Was wir wissen können (aus dem Englischen von Bernhard Robben. Diogenes). Arturo Pérez-Reverte – Der Italiener (aus dem Spanischen von Carsten Regling. Folio Verlag). András Visky – Die Aussiedlung (aus dem Ungarischen von Timea Tankó. Suhrkamp) E. M. Forster – Die längste Reise (aus dem Englischen von Niklas Fischer. Nagel und Kimche).

Hiroko Oyamada – Die Fabrik (aus dem Japanischen von Nora Bierich. Rowohlt). José Rizal – Noli me tangere (aus dem phlippinischen Spanisch von Annemarie del Cueto-Mörth. Insel). Kate Chopin – Das Erwachen (aus dem Englischen von Melanie Walz. Dörlemann). Christine Dwyer Hickey – Alle unsere Leben (aus dem Englischen von Kathrin Razum. Unionsverlag). Ken Kesey – Seemanslied (aus dem amerikanischen Englisch von Milena Adam. Märzverlag)

Callan Wink – Bärenzähne (aus dem Englischen von Hannes Meyer. Suhrkamp) Katrina Tuvera – Die Kollaborateure (aus dem philippinischen Englisch von Jan Karsten. Wagenbach). Claudia Lanteri – Die Insel und die Zeit (aus dem Italienischen von Verena von Koskuss. Folio). Kamel Daoud – Huris (aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller. Matthes & Seitz). Gustavo Faverón Patriau – Unten leben (aus dem Spanischen von Manfred Gmeiner. Droschl).

Krimis

Xenophon Kontiades – Die Nacht, in der Pavlos starb (aus dem . Mariana Travacio – Ein Mann namens Loprete (aus dem Spanischen von . Seishi Yokomizo – Die Spatzenmorde von Onikobe (aus dem Japanischen von Ursula Gräfe. Blumenbar). Andreas Pflüger – Kälter (Suhrkamp). Alan Parks – Möge Gott dir vergeben (aus dem Englischen von Conny Lösch. Polar).

Meine besten Bücher 2024

Schnell ging dieses Jahr zu Ende – und auch wenn die weltpolitische Lage von zerbrochener Regierung hierzulande über die Wiederwahl Donald Trumps in den USA bis hin zum gescheiterten Klimagipfel in Baku nur wenig Hoffnungsstiftendes hervorzubringen wusste, so ist doch wenigstens literarisch gesehen dieses Jahr wieder ein höchst vielfältiges und bereicherndes gewesen.

Reinen Eskapismus sollte man dabei allerdings nicht betreiben, denn auch der Buchbranche geht es nicht gut. Schlagzeilen über renommierte Häuser wie den Suhrkamp-Verlag, der einen neuen Eigner bekam, um wieder in sichereres ökonomisches Fahrwasser zu gelangen, weiter schrumpfender mediale Berichterstattung über die Kultur und das Aus von etablierten Fernsehsendungen wie Lesenswert (und damit auch verbunden das Versanden von Debatten über Literatur) dazu noch schrumpfende Kulturetats und damit auch weniger Geld für die wichtige Arbeit von Bibliotheken und Co. – all das lässt nicht unbedingt zuversichtlich in die Zukunft blicken.

Dennoch will ich mich auch 2025 weiterhin bemühen, so gut ich das neben meiner eigentlichen Arbeit schaffe, hier auf dem Blog der Literatur ein Schaufenster zu geben, auch wenn ich an den Abrufzahlen merke, dass hier ebenfalls das Interesse an der vorgestellten Literatur merklich schrumpft.

Dass sich meine Versuche dennoch eines gewissen Interesses in Form von knapp eintausend Abonnentinnen und Abonnenten erfreuen, motiviert mich weiterhin, dieses Projekt hier nicht einzustellen.

Nach diesen Präliminarien aber nun Vorhang auf für das, um das es anstelle von mir wirklich gehen soll, nämlich die Literatur in Form von diesjährig erschienenen Titel, die für mich ganz besonders herausgeragt haben. Der Klick auf die Cover führt zu den ausführlichen Besprechungen.

Paul Murray – Der Stich der Biene

Paul Murray - Der Stich der Biene (Vorschaubild)

Will man noch einmal eine voluminöse Familiengeschichte lesen, die das Tolstoi’sche Diktum der Familien, die alle auf ihre eigene Art traurig sind, bestätigt? Unbedingt, wenn der Autor dieser Geschichte Paul Murray heißt. Denn er erzählt in Der Stich der Biene literarisch markant von den vier Mitgliedern der Familie Barnes, die im Laufe des Romans höchst lesenswert auseinanderdriften bis hin zur Frage, ob das wirklich noch eine Familie ist, die hier im Mittelpunkt steht.

Nathan Hill – Wellness

Nathan Hill - Wellness (Cover)

Von der ganzen Familie reduziert Nathan Hill in seinem zweiten Streich namens Wellness in seiner erzählerischen Grundkonstellation auf eine Paarbeziehung herunter. Der unterschiedliche Blick auf die Ehe und die Frage, wie eine gelungene Ehe im 21. Jahrhundert aussehen kann, dieser Frage geht der US-amerikanische Schriftsteller in seinem Roman nach, der neben dem genauen Blick auf die Figuren auch durch die stilistische Fülle an Erzählansätzen überzeugt.

Nicole Seifert – Einige Herren sagten etwas dazu

Nicole Seifert - Einige Herren sagten etwas dazu (Cover)

Ilse Schneyder-Lengyel, Ruth Rehmann, Christine Koschel oder Elisabeth Plessen – nie gehört? Kein Wunder, wie Nicole Seifert in ihrem Sachbuch Einige Herren sagten etwas dazu zeigt. Denn obwohl sie alle auf den Tagungen der Gruppe 47 lasen, kennt heute kaum jemand ihre Namen. Warum das so ist, das führt die Literaturwissenschaftlerin Seifert in ihrem Buch sehr lesens- und bedenkenswert aus und zeigt, was uns durch die Marginalisierung dieser Autorinnen alles entgangen ist.

Lucy Fricke – Das Fest

Angesichts der Polykrisen unserer Zeit kann man schon einmal die Hoffnung verlieren. Wie schön, dass es da noch Lucy Fricke gibt. Mit ihrem unnachahmlichen Talent für Menschenzeichnungen macht sie einen Regisseur zu dessen 50. Geburtstag selbst zur Figur in einem von einer Freundin wohlorchestrierten Spiel. Diese bereitete ihm einen Fest-Tag, der eindrücklich unter Beweis stellt, dass es nie zu spät ist, sein Leben zum Guten zu ändern.

Ann Napolitano – Hallo, du Schöne

Ann Napolitano - Hallo du Schöne

Ein modernes Update des Klassikers von Little Women von Louisa May Alcott liefert die Autorin Ann Napolitano in ihrem Buch Hallo du Schöne. Sie erzählt darin von und den vielfältigen Herausforderungen, die das Leben für die vier Töchter einer Chicagoer Familie im 21. Jahrhundert bereithält. Was hält eine Familie im Inneren zusammen? Wie tief kann Verbundenheit reichen und wann stößt sie an Grenzen? Das erkundet Ann Napolitano mit ihren Little Women aus Chicago gelungen.

Uwe Wittstock – Marseille 1940

Uwe Wittstock - Marseille 1940 (Vorschaubild)

Was Flucht eigentlich bedeutet und welchen Einsatz es Fluchthelfer und Flüchtende abverlangte, ihre Leben zu retten, das zeigt Uwe Wittstock in seinem erzählenden Sachbuch Marseille 1940 eindrücklich. Mit Sinn für Komposition und Rasanz schildert er die Schicksale von Franz Werfel, Anna Seghers, Klaus Mann und vielen anderen, deren Fluchtrouten größten teils in Marseille kulminierten – und an deren Rettung ein Mann entscheidend beteiligt war: Varian Fry

Markus Thielemann – Von Norden rollt ein Donner

Der Wolf kommt – oder sind es eigentlich nicht fremde Menschen, die die dort in der Lüneburger Heide auf Ablehnung stoßen? Markus Thielemann hat einen eminent politischen Roman geschrieben, der die bäuerliche Lebenswelt auf dem Land ebenso beleuchtet wie völkisches Siedlungsdenken. Für mich persönlich mein Favorit auf den Gewinn des Deutschen Buchpreises 2024, der dann aber an Martina Hefter ging. Auch in Ordnung, aber dieser literarische Donner, er grummelt immer noch nach.

Samantha Harvey – Umlaufbahnen

Samantha Harvey - Umlaufbahnen (Vorschaubild)

Eine schwerelos schwebende Erzählstimme, die die Astronaut*innen an Bord einer Raumstation begleitet und der es gelingt, fast immersiv das Leben in der Schwerelosigkeit und die doch unentrinnbare Erdanziehungskraft dort oben zu beschreiben. Dieses Kunststück vollführt Samantha Harvey in Umlaufbahnen, die es damit nicht nur zum Gewinn des Booker Prizes, sondern auch zu einem Platz hier in der Liste geschafft hat.

Andrew O’Hagan – Caledonian Road

Andrew O'Hagan - Caledonian Road (Vorschaubild)

Mein Favorit des Jahres, der alles das mitbringt, was ich zu schätzen weiß: ein großer Schmöker, vielschichtiges Romanpersonal von Lords bis zu Möchtegern-Gangstern, dazu der über ein Jahr beschriebene Niedergang eines Public Intellectual, der auch als Niedergang des Britischen Weltreichs gelesen werden kann. Das alles bietet Andrew O’Hagan in seinem famosen Roman Caledonian Road, der mich diesen Sommer wunderbar unterhalten hat und mit dem der britische Autor auf den Spuren großer englischer Gesellschaftsromane wandelt.

Golo Maurer – Rom – Stadt fürs Leben

Rom, die Sehnsuchtsstadt, aber auch als Grund für Verzweiflung und das Mittel der Ironie als letzter Rettungsweg: Ihn beschreitet Golo Maurer in seinem ebenso komischen wie liebevollen Blick auf die ewige Stadt. Müll, nicht erscheinende Busse und dann auch noch Klobrillen, die sich allen Fixierungsversuchen verwehren. Das sind Themen, die den Kunsthistoriker und Bibliothekar umtreiben – und mich grandios unterhielten und dem Abgleich mit der römischen Realität im Sommerurlaub standhielten.

Daniel Mason – Oben in den Wäldern

Daniel Mason - Oben in den Wäldern (Vorschaubild)

Ein Grundstück in Massachusetts ist es, das im erzählerischen Mittelpunkt von Daniel Masons drittem und bislang besten Roman steht. Literarisch klug miteinander verzahnt kombiniert Mason Geschichten von der Zeit der Siedler bis in unsere Gegenwart hinein – und verpackt diese Geschichten in ganz unterschiedliche Stile, die von Übersetzer Cornelius Hartz gekonnt ins Deutsche übertragen werden. So entsteht Oben in den Wäldern ein literarischer Garten, der reiche Frucht bringt.

Maike Albath – Bitteres Blau

Maike Albath - Bitteres Blau (Vrschaubild)

Italien als Gastland der Buchmesse präsentierte sich bemerkenswert rückwärtsgewandt und verbannte die Bücher in eine kleine Kammer am Rande der großen Piazza. Wie staunenswert und präsentabel die Fülle an Stimmen und Themen eigentlich ist, das zeigt Maike Albath, indem sie in Bitteres Blau die neapolitanische Literaturszene in den Blick nimmt und durch diesen kleinen Ausschnitt auf das Große Ganze von der Mafia bis Elena Ferrante blickt.

Tana French – Feuerjagd

Tana French - Feuerjagd (Cover)

Mit soziologisch scharfem Blick erzählt Tana French von dem, was ein kleines Dorf im irischen Hinterland zusammenhält. Doch lässt ein möglicher Goldrausch das komplizierte Gefüge aus Lügen, gegenseitiger Kontrolle und Misstrauen implodieren? Dem geht Tana French in ihrem Roman Feuerjagd nach und gönnt ihrer jugendlichen Heldin Trey und dem pensioneten Polizisten Cal einen zweiten Auftritt, diesmal im glutheißen Sommer, bei dem nicht nur die Sonne vom Himmel brennt.

Percival Everett – James

Percival Everett - James (Vorschaubild)

Welche Chancen in Neuinterpretationen bekannter Kunstwerke liegen, das stellt Percival Everett in James eindrücklich unter Beweis. James erzählt Mark Twains Klassiker Huckleberry Finn noch einmal – allerdings mit einem entscheidenden Kniff. Diesmal steht der Sklave Jim im Mittelpunkt, der von Percival Everett nicht nur seinen richtigen Namen James zurückerhält, sondern vor allem auch eine eigene Stimme. Mit dieser erzählt er uns eine Geschichte, die im Gedächtnis bleibt.

Leo Vardiashvili – Vor einem großen Walde

Leo Vardiashvilis Roman Vor einem großen Walde ist eine hervorragende Einführung in ein Land, das in diesem Jahr die Schlagzeilen dominierte: Georgien. Dessen wechselvolle Geschichte und Zerrissenheit scheint in Vardiashvilis Roman auf, der zugleich von einer Schnitzeljagd auf den Spuren von Hänsel und Gretel erzählt. Nur gibt es hier nicht unbedingt eine Hexe, aber familiäre Geheimnisse, die entdeckt werden wollen.

Scott Preston – Über dem Tal

Ein Jahr, das mit Bauernprotesten begann, endet für mich auch mit einem enorm starken Text aus dem Agrarmilieu, genauer gesagt der Schafzucht. Das Leben von Schafzüchtern am Rande der Legalität ergründet Scott Preston in seinem Debüt Über dem Tal, das mit einer beeindruckenden Sprachmacht aufwartet (übersetzt von Bernhard Robben). Sein Cumbria ist in düstere Farben gepinselt, was das Buch umso eindringlicher macht. Eine echte Überraschung aus dem Nichts, die das Jahr literarisch wirklich enorm stark abgeschlossen hat!

Vorschaufieber Frühjahr 2025

Nur mehr gut 30 Tage, bis das alte Jahr vergangen ist. Grund genug, eine Vorausschau auf die kommenden Bücher zu wagen, auf die ich mich im Frühjahr des kommenden Jahres besonders freue.

Wie immer ist eine handverlesene Auswahl entstanden, die große und kleine Häuser, internationale wie nationale Stimmen und Genres in sich vereint. Hinter den Covern verbergen sich weiterführende Infos zu den Büchern auf den entsprechenden Verlagsseiten. Ein Klick genügt!

Vielleicht ist ja auch für euch der ein oder andere Titel dabei, auf den ihr euch freut. Lasst es mich gerne wissen!

National

Jonas Lüscher – Verzauberte Vorbestimmung (Hanser). Tommy Goerz – Im Schnee (Piper). Ursula Krechel – Sehr geehrte Frau Ministerin (Klett-Cotta). Christine Wunnicke – Wachs (Berenberg). Steffen Schröder – Der ewige Tanz (Rowohlt).

Steffen Kopetzky – Atom (Rowohlt). Burkhard Spinnen, Charles Wolkenstein – Erdrutsch (Kanon). Antje Rávik Strubel – Der Einfluss der Fasane (S. Fischer). Arno Frank – Ginsterburg (Klett Cotta). David Finck – Der Schwindel (Piper).

Annegret Liepold – Unter Grund (Blessing). Ricarda Messner – Wo der Name wohnt (Suhrkamp). Katharina Köller – Wild Wuchern (Penguin). Rebekka Frank – Stromlinien (S. Fischer). Annett Gröschner – Schwebende Lasten (C. H. Beck).

International

Charlotte McConaghy – Die Rettung (aus dem Englischen von Jan Schönherr, S. Fischer). Cristina Henriquez – Der große Riss (aus dem Englischen von Maximilian Murrmann, Hanser). Rachel Kushner – See der Schöpfung (aus dem Englischen von Bettina Abarbanell, Rowohlt). Jente Posthuma – Woran ich lieber nicht denke (aus dem Niederländischen von Andreas Ecke, Luchterhand). Niall Williams – Das ist Glück (aus dem Englischen von Tanja Handels, Ullstein).

Susan Barker – Old Soul (aus dem Englischen von Volker Oldenburg, Suhrkamp nova). Taffy Brodesser-Akner – Die Fletchers von Long Island (aus dem Englischen von Sophie Zeitz, Eichborn). William Boyd – Brennender Mond (aus dem Englischen von Ulrike Thiesmeyer, Kampa), Tan Twan Eng – Das Haus der Türen (aus dem Englischen von Michaela Grabinger, Dumont). Yael van der Wouden – In ihrem Haus (aus dem Englischen von Stefanie Ochel, Gutkind).

Aurélien Bellanger – Die letzten Tage der Linken (aus dem Französischen von Frank Weigand, Claassen). Gabriela Wiener – Unentdeckt (aus dem Spanischen von Friederike von Criegern, kanon). Colum McCann – Twist (aus dem Englischen von Thomas Überhoff, Rowohlt). Nenad Veličković – Nachtgäste (aus dem Bosnischen von Barbara Antkowiak, Jung und Jung). Jean-Baptiste del Amo – Der Menschensohn (aus dem Französischen von Karin Uttendörfer, Matthes und Seitz).

Liz Moore – Der Gott des Waldes (aus dem Englischen von Cornelius Hartz, C. H. Beck). Lai Wen – Himmlischer Frieden (aus dem Englischen von Judith Schwaab, Claassen) María Ospina Pizano – Für kurze Zeit nur hier (aus dem Spanischen von Peter Kultzen, Unionsverlag). Hugo Lindenberg – Die imaginäre Nacht (aus dem Französischen von Lena Müller, Edition Nautilus). Emma Pattee – Auf der Kippe (aus dem Englischen von Stefanie Jacobs, Piper).

Alan Murrin – Cost Road (aus dem Englischen von Anna-Nina Kroll, dtv). Camilla Barnes – Keine Kleinigkeit (aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren, Piper). Angie Kim – Happiness Falls (aus dem Englischen von Wibke Kuhn, hanserblau). Amanda Peters – Beeren pflücken (aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit). Essie Chambers – Swift River (aus dem Englischen von Simone Jakob, Eichborn).

Krimi

Andreas Storm – Die Victoria Verschwörung (Kiepenheuer Witsch). Eli Cranor – Ozark Dogs (aus dem Englischen von Cornelius Hartz, Atrium). Samuel W. Gailey – Tiefer Winter (aus dem Englischen von Andrea Stumpf, Polar Verlag). Louise Doughty – Deckname: Bird (aus dem Englischen von Astrid Arz, Suhrkamp). Nicolás Ferraro – Ámbar (aus dem Spanischen von Kirsten Brandt, Pendragon).