Alissa Wenz – Die Komponistin

Das Leben der „vergessenen“ Komponistin Mélanie Bonis steht im Mittelpunkt von Alissa Wenz‚ Roman Die Komponistin, die darin auf das Leben der musikalisch so begabten Frau blickt, ihr Leben mitsamt der Widerstände und Konflikte schildert, und nicht zu letzt auch Lust macht, sich mit ihrem vielgestaltigen Oeuvre zu beschäftigen.


Beethoven, Bach, Brahms ja, aber Bonis? Schnell bringt man bei einer Aufzählung von Komponisten eine ganze Riege berühmter Männer zusammen, aber wenn es um Komponistinnen geht, dann sieht die Sache schon ganz anders aus. Namen wie Emilie Mayer oder Ethel Smyth dürften einer breiteren Bevölkerung noch immer nicht bekannt sein, obwohl sie zeitlebens durchaus beachtet wurden, dann aber nach ihrem Tod schnell wieder von den Spielplänen verschwanden und erst langsam wieder entdeckt werden.

Einige Publikationen beschäftigen sich nun mit den Komponistinnen, etwa die Anthologie Komponistinnen von Arno Lücker und die etwas kompaktere Darstellung Komponistinnen. Frauen, Töne & Meisterwerke von Aliette de Laleu. Dass wir hier allerdings gerade erst am Anfang des Wiederentdeckens stehen, das zeigt auch Alissa Wenz‘ Roman Die Komponistin. Denn die Französin Melanie Bonis, die im Mittelpunkt ihres biografischen Romans steht, findet in Aliette de Laleus Buch ebenso wie in Arno Lückers Anthologie nur kurz Erwähnung. Lücker liefert neben der biografischen Vignette noch eine Werkbeschreibung ihrer Bacarole, damit hat es sich dann aber.

Das Leben der Komponistin Mélanie Bonis

Alissa Wenz - Die Komponistin (Cover)

Dass da viel mehr Raum für Ausdeutung und Annäherung vorhanden ist, das stellt Wenz in ihrem Roman eindrücklich auf 234 Seiten unter Beweis.

So erzählt die Autorin – selbst eine studierte Musikerin – von Mélanie Bonis‘ Aufwachsen im Paris der 1860er Jahre. Für eine junge Frau ist zu dieser Zeit Raum für Musik, der über die musikalische Untermalung im Salon hinausreicht, nicht vorgesehen. Und doch eignet sich das junge Mädchen essenzielle Kenntnisse des Klavierspiels und der Harmonielehre an, die sie dann am Pariser Konservatorium unter dem Lehrer Cesar Franck vervollkommnen kann.

Sie schafft es ebenso wie ihr Kommilitone Claude Debussy in die Meisterklasse des Konservatoriums, wo sich ihr musikalisches Talent entfalten kann.

Kontrapunkt, Fuge, Studium der Imitation, der Kanons, Überleitungen, Übungen, Kompositionen. Du bist zweiundzwanzig Jahre alt. Du fühlst dich nicht als Pionierin, du willst einfach nur existieren. Du schreibst gern, denkst dir gern etwas aus, entwickelst gern etwas. Seitdem du klein warst, seit deinen verrückten Improvisationen am Klavier zu Hause, seit diesem Geburtstag, der in deinem Rhythmus gefeiert wurde, treiben Melodien durch deinen Kopf, durch deine Arme, sie drängen sich dir auf, und jetzt willst du lernen, wie du sie anordnen kannst. Du begnügst dich nicht einfach mit dem, was aus dir heraussprudelt, und hast schon unzählige Versuche durchgestrichen, viele Entwürfe zerknüllt. Du willst das Wunderbare erreichen; suchst nach der Vollkommenheit der Musik. Das ist dein Ziel, deine Melodien sollen deine Gefühle spiegeln.

Alissa Wenz – Die Komponistin, S. 30

Eine arrangierte Ehe

Weniger erfolgreich hingegen ist ihre Liebe zu dem Sänger Amédéé-Louis Hettich, mit dem sie unter den Augen einer Anstandsdame zusammen komponiert und sich immer mehr verliebt. Den Heiratsantrag bescheiden die Eltern abschlägig, woraufhin Amédéé nach Italien zieht und dort heiratet.
Mélanie ehelicht stattdessen den von ihren Eltern vorgesehenen wohlhabenden Witwer Albert Domange im Jahr 1883. Für dessen Kinder wir Bonis zur Stiefmutter, der „petit maman“, aber auch eigene Kinder wird sie mit Domange haben.

Die innere Distanz zur Musik und die ihr innewohnende Kraft, die Mélanie Bonis immer wieder neu entdecken wird, bis hin zur Publikation ihrer Kompositionen mitsamt der öffentlichen Überraschung, als das Geschlecht des Komponisten „Mel Bonis“ offenbar wird, Alissa Wenz zeichnet Bonis‘ künstlerischen Lebensweg chronologisch nach, durchgängig dargebracht in der Du-Perspektive (übersetzt aus dem Französischen von Alexandra Baisch).

Neben der Musik und dem kompositorischen Drang Bonis‘ findet auch auch die Liebe und das Begehren viel Raum in Die Komponistin. So ist in Wenz Interpretation vor allem die erotische Spannung zwischen dem inzwischen wieder nach Paris zurückgekehrten Amédéé und die in der Trostlosigkeit ihrer Ehe gefangenen Mélanie ein wichtiger Motor ihrer schöpferischen Qualität.

Manchmal kippt das Ganze dabei etwas ins parfümierte Kostümdrama, wenn die Amour fou zwischen Amédéé und Mélanie immer heftiger entbrennt und die Blicke immer tiefer werden, er auf der Bühne die Liebesarie aus Bizets Perlenfischer darbietet oder am Ende sogar noch eine Inzest-Episode ins Buch hineinfindet. Hier ist etwas arg viel Drama mit Tendenz zum Klischee inszeniert, wo doch schon ein Fokus auf Bonis Musik, ihre Erfolge und Scheitern genug Drama böte.

Fazit

So ist Alissa Wenz‘ Vorhaben da am überzeugendsten, wo sie bei der Musik und den Widerständen im Leben von Mélanie Bonis bleibt. Ihr Roman schafft Bewusstsein für die Herausforderungen weiblichen Komponierens auch im 19. Jahrhundert und macht mit seinen sinnlichen Schilderungen des vielgestaltigen Werks von Mélanie Bonis Lust, sich tiefer in ihre Klangwelten einzuhören.

Damit leistet die Französin auch einen wichtigen Beitrag, um auf literarischer Ebene ein breiteres Bewusstsein für weibliches Komponieren und die gebotene Beschäftigung damit zu schaffen.

Dass das dringend nötig ist, zeigt kurioserweise auch eines der beiden eingangs zitierten Werke, nämlich die Anthologie Komponistinnen von Arno Lücker. In seinem schmalen Beitrag zu Mélanie Bonis behauptet er nämlich, dass Amédéé und Mélanie spät doch noch ihr Glück gefunden und geheiratet hätten. Eine völlig falsche Darstellung, wie man aus Alissa Wenz‘ Roman und der Biografie von Bonis‘ Urenkelin Christine Géliot weiß, auf deren Erkenntnissen auch Wenz‘ Buch fußt.

So ist also im Sachen weiblichen Komponierens und der Vermittlungen noch immer viel zu tun, auch wenn Alissa Wenz hier einen wichtigen Schritt geht, bis es dann eben tatsächlich einmal heißt: Bach, Beethoven, Brahms und Bonis!


  • Alissa Wenz – Die Komponistin
  • Aus dem Französischen von Alexandra Baisch
  • ISBN 978-3-8031-3390-8 (Wagenbach)
  • 240 Seiten. Preis: 24,00 €

John Lanchester – Das habe ich wegen dir getan

Was tun, wenn das Innerste der eigenen Beziehung plötzlich zum vielfach konsumierten und besprochenen Serienstoff wird? John Lanchester erkundet es in seinem neuen Roman Das habe ich wegen dir getan und legt sein Buch dabei als eine Art Königinnenduell an.


„Jede erfolgreiche Ehe hat ihre eigene Sprache. Eine Sprache, die nicht für fremde Ohren bestimmt ist.“ So hebt John Lanchesters neuer Roman an. Lanchester, der sich mit seinen Romanen schon in der Gattung des Gesellschaftsromans (Kapital) oder Dystopie (Die Mauer) literarisch umgetan hat, legt diesmal einen Beziehungsroman im wahrsten Wortsinn vor.

Das habe ich wegen dir getan blickt nun ins Innerste der Verbindung zwischen zwei Menschen. Die zwei Menschen, die uns an ihrer eigenen Beziehungssprache teilhaben lassen, sind die Ich-Erzählerin Kate und ihr Ehemann Jack, der laut Beschreibung seiner Frau zu jener Gattung von mittelalten Ehemännern zählt, die der Werbung für Altersvorsorge oder Kreuzfahrten im Rentenalter entsprungen sein könnten.

Bequem haben sie sich im fortgeschrittenen Altern eingerichtet in ihrem Londoner Oberschichtleben und sind das, was man gemeinhin als eingespieltes Duo bezeichnet. Auf Partys von befreundeten Architekten findet Jack Gefallen daran, mit Tiraden über die Ottolenghi’sche Kochschule die Abendgesellschaft zu unterhalten, Kate kennt die Marotten und Macken des Ehemanns und kann seine Worte und rhetorischen Winkelzüge schon im Schlaf vorhersagen. Es ist ein fast symbiotisches Miteinander, das die beiden im zum Smarthome ausgebauten Zuhause führen, fern großer Sorgen oder Nöte.

Keine Disco Doll mehr

Doch diese Beziehung kommt schon nach wenigen Seiten zu ihrem jähen Ende, denn überraschend stirbt Jack und die von ihm mit dem Kosenamen „Disco Doll“ bedachte Kate fällt in ein Loch der Trauer. Keine Lebensfreude, keine Disco mehr, nur noch eine schmerzende Leerstelle, wo früher ihr Mann an ihrer Seite war.

Erst ein Buchclub bei einer Bekannten, zu dem Kate nach einer langen Trauerphase eingeladen wird, ändert für sie alles. Denn das Buch, das die Damen an jenem Abend diskutieren, wirf Kate erneut aus der Bahn.

Ich will nicht sagen, dass das die letzten Sekunden waren, in denen ich glücklich war, denn ich war ja nicht glücklich, ich war in tiefer Trauer, ich fühlte mich verloren, leer, verzweifelt. Aber diese Trauer hatte etwas in sich Geschlossenes, eine Art Vollständigkeit. Ich wusste, was geschehen war, und ich wusste, was ich fühlte. Dieses Gefühl endete in diesem Raum in diesem Moment, als ich jemand etwas sagen hörte, das ich niemals für möglich gehalten hätte.
„Und was soll diese Geschichte, dass er sie immer „Disco Doll“ nennt? Wie war das nochmal, was er da immer sagt? „Komm her, Disco Doll“ oder so was?“
„He, ich will dich, Disco Doll“, sagte Evely.
Ich spürte, wie mir der Boden unter den Füßen entglitt.

John Lanchester – Das habe ich wegen dir getan, S. 142 f.

Intimes Wissen einer Beziehung

John Lanchester - Das habe ich wegen dir getan (Cover)

In dem Buch stößt Kate auf jene ureigene Sprache der Beziehung, die Jack und sie verband – und die sie eigentlich als einzige kannten. Doch sogar die Handlung und die Figurenzeichnung im diskutierten Buch scheint eine Blaupause ihrer eigenen Existenz zu sein. Wie kann die junge Autorin Phoebe von diesen intimsten Dingen ihrer Ehe wissen?

Das treibt Kate um und wird noch dringlicher, als sich das Buch in seiner Serienadaption zu einem weltweiten Netflix-Streaminghit á la Sally Rooney auswächst, der gleichermaßen von der Kritik wie auch dem Publikum für seine Amoralität gefeiert wird. Denn Drehbuch wie Roman sind bar jeder Moral oder Zuneigung zu ihren Figuren – und Kate ist erschüttert.

Wie das sein kann, dass die Autorin von jener Sprache der Beziehung weiß und was sie zum Verfassen der Geschichte und des Drehbuchs bewogen hat, das erzählt die andere Perspektive des Romans. Hier kommt die zweite Ich-Erzählerin ins Spiel, nämlich Phoebe selbst, die in der Logik des Romans den Widerpart zur trauernden und verratenen Kate einnimmt.

Nicht nur altersmäßig ist sie das Gegenteil von Kate. Die junge Frau laboriert an der Bindung zu ihrer Mutter, die mit den Worten „anstrengend“ und „kompliziert“ nur unzureichend beschrieben ist. Während ihr Bruder sein Glück in Tasmanien sucht, kümmert sich Phoebe um ihre Mutter, der sie es nicht recht machen kann, das aber auch gar nicht so wirklich will. Der Erfolg ihres Buchs ist für sie auch eine Belastung, die noch deutlich größer wird, als plötzlich Kate vor ihrer Haustür steht und Redebedarf hat…

Die Vielfalt von Beziehungen

Das habe ich wegen dir getan blickt auf unterschiedliche Beziehungen, die der Roman allesamt feinnervig analysiert. Das eingespielte Miteinander von Mann und Frau, die Bindung von einer Tochter zu ihrer Mutter – und das Werben verschiedener Frauen um den gleichen Mann. Diese drei Beziehungsformen sind gewissermaßen der erzählerische Motor, die Lanchesters Geschichte antreibt.

Durch die Perspektivwechsel zwischen Phoebe und Kate beschleunigt der Text zusätzlich, der nicht nur auf eine große Konfrontation in diesem Königinnenduell der zwei so unterschiedlichen zuläuft. Auch fragt Lanchesters Roman danach, welchen Preis wir für unsere Beziehung zu zahlen bereit sind und wohin uns diese im Extremfall führen können. Mal entweichen Figuren gen Tasmanien, mal erfordert das Aushalten in Beziehungen auch eine gehörige Portion Resilienz und Selbstverleugnung.
Die Unzufriedenheit der Figuren mit ihren Bindungen ist greifbar, bis hin zu den dramatischen Konsequenzen, die das Buch dann für eine der Figuren bereithalten wird…

Fazit

Was macht eigentlich eine gute Ehe aus? Und wie geht man mit Verrat in dieser Ehe um? Und was ist das Gegenteil einer Ehe? John Lanchester stellt sich in Das habe ich wegen dir getan diesen Fragen und illustriert sein literarisches Nachdenken höchst unterhaltsam, zulaufend auf eine große Konfrontation.

Auch wenn Bastian Sick ob des Titels die Hände über dem Kopf zusammenschlagen möchte – schließlich empörte sich dieser einst in seiner Zwiebelfisch-Kolumne über den Umstand des um sich greifenden fehlerhaften Dativ-Trends, der mit der Konstruktion wegen dir immer stärker das eigentlich korrekte deinetwegen verdränge – so ist das Buch von solchen Spitzfindigkeiten abgesehen der unterhaltsame Blick in das Innere einer geschmeidig funktionierenden Ehe und zugleich der Blick auf das Gegenteil davon, das konfliktreiche Gegeneinander zwischen zwei Frauen und Generationen, das sich fast wie ein Königinnenduell auf großer Theaterbühne liest, ausgefochten mit durchaus heutigen Mitteln.

John Lanchester ist mit Das habe ich wegen dir getan ein unterhaltsamer, ebenso aktueller wie universeller Roman gelungen, den man gar nicht als Netflix-Serie verfilmt braucht — das Buch schafft das mit dem Kopfkino spielend selbst!


  • John Lanchester – Das habe ich wegen dir getan
  • Aus dem Englischen von Dorothee Merkel
  • ISBN 978-3-608-96726-5 (Klett Cotta)
  • 400 Seiten. 26,00 €

Constantin Lieb – Wildboden

Das Ende des Künstlers Ernst Ludwig Kirchner erzählt Constantin Lieb in seinem Debütroman Wildboden. Dabei taucht er vor der Schweizer Bergkulisse tief ein in die Seele des Malers – und die seiner Partnerin Erna Schilling.


Die Biografie des Malers Ernst Ludwig Kirchner hält einige spannende Volten bereit. Der 1880 in Aschaffenburg geborene Kirchner hatte eigentlich schon sein Architekturstudium erfolgreich abgeschlossen, als er beschloss, sich lieber als Maler verdingen zu wollen. Der malende Autodidakt war einer der Gründungsmitglieder der Künstlervereinigung Brücke, die er 1905 zusammen mit Karl Schmidt-Rottluff, Fritz Bleyl und Erich Heckel ins Leben rief.

„Warum eigentlich Brücke?“ fragt eine der Aufpasserdamen.
Kirchner und Heckel antworten im selben Augenblick „Nietzsche“, die Köpfe mühsam über Wasser haltend.
„Ach.“
„Was groß ist am Menschen, das ist, dass er eine Brücke und kein Zweck ist“, ruft Heckel und spuckt etwas Wasser aus, kurz bevor sie das Ufer erreichen.

Constantin Lieb – Wildboden, S. 28

Doch der künstlerische Erfolg war nicht ohne Schattenseiten. 1937 verdammten die Nazis Kirchners Kunst wie auch die Heckels und die seiner anderen Kollegen der Brücke als „entartet“ und ließen sie aus den Museen entfernen, teilweise sogar in Berlin verbrennen.

Ernst Ludwig Kirchners Schaffensrausch in Davos

Constantin Lieb - Wildboden (Cover)

Dort lebte Kirchner aber schon lange nicht mehr, er war 1917 bereits nach Davos übergesiedelt, genauer gesagt in den Davoser Ortsteil Frauenkirch/Wildboden. Er verbrachte er seine Zeit in einem fiebrigen Schaffensrausch, unterstützt von seiner Partnerin Erna Schilling, als Constantin Liebs Roman einsetzt.

Längst hat sich Erna mit dem schwierigen Kirchner arrangiert. Während sie auf eine Hochzeit mit ihrem Mann hofft, sich um den Haushalt kümmert und sogar für nächtliche Diktate zur Verfügung steht, wenn Kirchner seine Korrespondenzen pflegen muss, gibt sich dieser ganz seiner Kunst hin. Für die örtliche Schule soll er ein Portal gestalten, wie im Wahn malt er teilweise, verfällt in manische Zustände und giert nach der nächsten Dosis Eukodal, heute besser bekannt unter dem Namen Oxycodon.

Nicht nur künstlerisch ist dieser Ernst Ludwig Kirchner ein Getriebener. Auch die Idylle der Schweiz ist längst der neuen Realität gewichen, da die Nationalsozialisten sich auch von der erklärten Neutralität der Schweiz nicht abschrecken lassen.
Der Mord am SA-Agitator Wilhelm Gustloff, der den Nazis auch in der Eidgenossenschaft den Boden bereiten wollte, lässt den eh schon auf dem Rand der Manie balancierenden Kirchner vollends die Facon verlieren.

Dunkle Wolken über Davos

Je näher die Nazis an die Grenze heranrücken, umso mehr dunkle Wolken ziehen auch über Kirchner auf, was schließlich zu seinem dramatischem Freitod im Juni 1938 führen wird.

Porträt Ernst Ludwig Kirchners von Erna Schilling

Constantin Lieb konzentriert sich in Wildboden ganz auf jene letzten Monate Kirchners, in denen sich die Getriebenheit des Künstlers noch einmal bis hin zum tragischen finale furioso steigerte. Der künstlerische Rausch, die Kompromisslosigkeit des Künstlers, mit der er auch seine Partnerin behandelte, die bei der Erschaffung des großen Ganzes, seiner Kunst mitzuwirken hatte, Lieb schildert es sowohl direkt aus der Perspektive des Künstlers wie auch der Erna Schillings, die mit den Kapriolen ihres Mannes wie auch ihrer Akzeptanz dort in Wildboden kämpft.

In mehrere Teil aufgeteilt zeichnet Lieb den Weg vom Schaffensrausch bis hin zum Freitod nach und blickt über diese Zäsur hinaus. Denn Wildboden erzählt in seiner Mischung aus Dokumentation und Fiktion auch noch vom Nachleben der Kunst Kirchners, an der Erna Schilling als seine umsichtige Managerin entscheidenden Anteil hatte. Denn wenn Wildboden neben dem Ende Ernst Ludwig Kirchners eines zeigt, dann das: die Kunst steht eigentlich nie für sich alleine. Es braucht Menschen, die sie fördern, unterstützen und mit ihrer Zuwendung überhaupt erst ermöglichen.

Kirchners Werk und Schillings Beitrag

In diesem Sinne setzt der Künstlerroman auch Erna Schilling und ihrem Opfer für die Kunst ein Denkmal und begreift die Kunst Kirchners als Werk zweier unterschiedlicher Seelen. Erst deren Zusammenwirken ermöglichte diese Kunst, die auch heute noch in vielen Museen der Welt zu sehen ist und die ihre Faszination nicht verloren hat.

Schön auch, dass sich Constantin Lieb in seinem Debüt dafür entschieden hat, besonders in den kurzen Zwischenspielen, die den drei Teilen vorangestellt sind, auch etwas in der Kunst der Malerei mit Worten zu versuchen, indem er einen zeitlich nachgeordneten Besuch im Wildbodenhaus des Künstlers unternimmt, frei von einer allzu konkreten Verortung.

Der Fuß rutscht auf der untersten Sprosse ab, schnell umgreifen. Alles ist Farbe, schwungvoll auf die Flächen gestrichen und noch nicht getrocknet. Die Hand greift die nächste dunkle, feuchte Sprosse und die nächste, langsam zieht man sich nach oben, und verschwindet so im Bild der Situation, bis man sich mit einem Mal von außen sieht, die Wände links und rechts verzerrt, Bildachsen krümmen sich, Perspektiven fächern sich auf, während unten im Dorf ide Kirchturmglocke zehn Mal zur vollen Stunde schlägt.

Constantin Lieb – Wildboden, S. 172

So trifft das Buch manchmal fast einen zarten expressionistischen Ton, der zwar nicht ganz so radikal ist, wie es beispielsweise Mariam Kühsel-Hussaini in ihrem Kunstroman Tschudi vorgemacht hat, der aber die Geschichte in all ihren Schattierungen hervorragend auskleidet.

Fazit

Mit Wildboden ist Constantin Lieb ein Einstand nach Maß gelungen. Der bislang eher als Drehbuchautor in Erscheinung getretene Lieb hat sich mit dem Freitod Ernst Ludwig Kirchners ein persönliches, zeithistorisch und auch kunstgeschichtlich interessantes Sujet ausgesucht, dass durch die kluge Wahl der Perspektiven und eine überlegte Fokussierung besticht.

Sein Buch trifft gekonnt den Sweetspot zwischen Gefälligkeit, Anspruch, Schwere, Geschichtsstunde und Unterhaltung, sodass dem Werk ein großer Erfolg beschieden sein könnte, der auch die Kunst Ernst Ludwig Kirchners, vor allem aber auch den Anteil Erna Schillings an dieser Kunst wieder ins öffentliche Bewusstsein rücken könnte.


  • Constantin Lieb – Wildboden
  • ISBN 978-3-458-64627-3 (Insel Verlag)
  • 240 Seiten. Preis: 25,00 €

Quelle Titelbild: Städel Museum, Frankfurt am Main

Christina Walker – Verteidigung eines Gartens

Mit ihrem neuen Roman Verteidigung eines Gartens arbeitet Christina Walker weiter an ihrem Ruf als literarische Spezialistin für besondere Wohnverhältnisse. Sie erzählt von einer Frau, die durch den Rückzug in eine Gartenlaube Raum finden will, um sich neu zu sortieren. Doch dieser Raum ist in vielfältiger Hinsicht bedroht.


Schrebergarten, Gartenlaube, Laubenpieper. Es schwingt etwas Niedlich-Romantisches in all diesen Begriffen mit, die eines der größten Hobbys der Deutschen beschreiben. Knapp 900.000 Schrebergärten gibt es in Deutschland. Es sind Orte, die ihren Besitzern Gärtnern und Auszeiten im Grünen verheißen. Ein reiner Garten Eden, bar jeder Einschränkung oder Reglementierung, ist aber selbst ein Kleingarten in Deutschland natürlich nicht, so will es das Bundeskleingartengesetz.

Dieses dient als Grundlage für die jeweiligen Verordnungen und Satzungen in den Kleingärten, die von den Obmännern und Obfrauen vor Ort auf ihre Einhaltung kontrolliert werden sollen. Eine wichtiger Grundsatz des Gesetzes ist es, dass dieses das Wohnen im eigenen Kleingarten untersagt. Einzelne Übernachtungen gestattet die Gesetzgebung, alles darüber Hinausreichende ist aber verboten.

Marianne Roth, der zentralen Figur in Christina Walkers neuem Roman Verteidigung eines Gartens, ist diese Gesetzgebung aber herzlich egal. Sie hat schließlich ganz andere Probleme. Ihr Mann ist bei einem Autounfall verstorben. Hinterlassen hat er ihr nur Schulden, denn ohne das Wissen seiner Frau hat er Hypotheken auf sein Haus und die darin beheimatete Bäckerei aufgenommen – und diese verspielt.

Rückzug in den Schrebergarten

So kommt es nun zum notgedrungenen Auszug Mariannes aus ihrer eigenen Immobilie – und dem Aufbruch nach Neu-Amerika. Dieses befindet sich aber keinesfalls kontinentenweit von ihrer alten Wohnung entfernt, sondern lediglich außerhalb der namenlosen Stadt an einem Fluss mit Wehr. Es handelt sich nämlich um eine Kleingartenkolonie, in der die Witwe nun die Hütte ihres verstorbenen Mannes bezieht.

Aus ähnlichen Gründen nannte Marianne ihre Unterkunft nicht „Hütte“, sondern „Gartenhaus“ und in besser aufgelegten Momenten manchmal sogar „Kabine“. Das kleine, aber solide Gebäude im Blockhausstil war nicht billig gewesen, zumindest das hatte Carl zugegeben. Marianne hatte nicht weiter nachgefragt, weil dabei meistens nichts herauskam,

Christina Walker – Verteidigung eines Gartens, S. 9

Ihren Verstoß gegen das Bundeskleingartengesetz beäugt der Schrebergarten-Obmann Herr Gregor skeptisch, allein ist Marianne mit ihrer undogmatischen Wohnortwahl aber nicht. Auch andere Parzellen sind illegalerweise dauerhaft durch Personen belegt, die aus ganz unterschiedlichen Gründen dort in Neu-Amerika einen Rückzugsort für sich gefunden haben.

Eine Frau, eine Parzelle, ein neues Leben

Christina Walker - Verteidigung eines Gartens (Cover)

Marianne befindet sich dabei nicht nur im Roman in guter Gesellschaft, auch werkübergreifend findet die Witwe Verbündete. Denn schon in ihrem Romanen Auto (2021) und Kleine Schule des Fliegens (2023) standen bei Walker Figuren im Mittelpunkt, die ihr Leben auf kleinstem Raum führen wollten.
So erzählte sie in ihrem Debüt von einem Buchhandelsvertreter, der fortan im stillgelegten Mercedes vor seinem Haus wohnen wollte und im zwei Jahre danach erschienenen Roman war es dann ein rekonvaleszenter Krebs-Patient, der seine eigenen vier Wände nicht verlassen sollte, um angesichts seines fragilen Gesundheitszustandes Ansteckungen zu vermeiden.

Dieses Motiv führt die Vorarlbergerin auch in diesem Roman nun fort, weitet es aber zugleich, indem sie um Marianne herum ein ganzes Ensemble von Figuren stellt, das eine vollumfänglichen Rückzug von der Welt verhindert. Denn nicht nur, dass das Arbeitsamt auf eine richtige Meldeadresse von Marianne dringt, auch sucht ihre ehemalige Nachbarin Grete den Kontakt zu Marianne. Und dann ist da noch die ebenfalls regelmäßig in den Schrebergarten zurückkehrenden junge Didi, die vor häuslicher Gewalt und schulischer Ausgrenzung immer wieder nach Neu-Amerika flieht.

So ist dieser Roman der bislang „offenste“, der Marianne aus der armseligen Beengtheit ihrer Laube immer wieder in die große Welt entlässt, in der Walkers Figuren zwischen Schulfluren, den Regalen eines Supermarkts und Angelausflügen umherirren.

Fazit

Die Verteidigung eines Gartens vermeidet es, den Schrebergarten als idyllischen Ort der Selbstverwirklichung zu verklären, im Gegenteil: die Kleingärten von Neu-Amerika lassen jede Idylle vermissen. Immer wieder stolpern die Laubenpieper über Tierkadaver und Knochen, die herbstlich-graue Welt drückt Flora und Fauna darnieder.
Das Refugium vor den Toren der Stadt ist von Natur und Bürokratie bedroht, Marianne versucht unter dem Radar zu bleiben und ist doch immer wieder gezwungen, es mit der Welt da draußen aufzunehmen, Gewalt in Beziehungen ist ebenso ein Thema des Romans wie auch der genaue Blick auf die Schilderung von Armut und den Versuch, diese zu überspielen.

All das macht aus Die Verteidigung eines Gartens eine durchaus herbe Angelegenheit, der trotz Christina Walkers werkimmanenten Thema der Selbstisolation diesmal so stark wie nie zuvor auch in die Leben ihrer anderen Figuren blickt. Sie alle umranken Mariannes neue Existenz in Neu-Amerika allesamt so verschlungen, wie es die Bohnen in ihrer Parzelle dort in Neu-Amerika tun.


  • Christina Walker – Verteidigung eines Gartens
  • ISBN 978-3-7017-1828-3 (Residenz-Verlag)
  • 296 Seiten. Preis: 26,00 €

Louise Kennedy – Red

Ein in der Schule überbrachter Trennungsbrief wird zum Anfang der Beziehung von Róisín zu Redmond „Red“ Camelin, die Louise Kennedy in ihrem neuen Roman erkundet. Es ist ein Beziehung, die die beiden viele Jahre und über ihre Heimat Irland hinaus begleiten soll…


Schon einmal erwies sich Louise Kennedy als Spezialistin für vertrackte Beziehungen. In ihrem Debüt Übertretung schilderte sie eine Affäre zur Zeit der Troubles, die die beiden Beteiligten in große Gefahr und Loyalitätskonflikte brachte. Auch ihre Kurzgeschichten, die abermals der Göttinger Steidl-Verlag unter dem schönen Titel Das Ende der Welt ist eine Sackgasse veröffentlichte, umkreisten komplizierte Beziehungen vor tristem Hintergrund.

Nun erscheint mit Red ein Roman, der das Thema der komplizierten Beziehung fortführt und ausbaut. Auch die Veröffentlichung des Romans selbst ist eine solche vertrackte Angelegenheit. Denn anstelle des Steidl-Verlags ist es nun mit Claassen ein Imprint des Ullstein-Verlags, bei dem Red in der Übersetzung des bewährten Duos Hans-Christian Oeser und Claudia Glenewinkel erscheint.

Die zwischenzeitliche Insolvenz des Steidl-Verlags dürfte seinen Teil dazu beigetragen haben, dass das Buch nun in einem neuen Haus erscheint. Die fortgesetzte Publikation Louise Kennedys hierzulande ist auf alle Fälle ein Glücksfall, denn Red zeigt Kennedys literarische Qualitäten, was ihren Sinn für Tristesse, für Bindung und emotionale Tiefe anbelangt.

Red und Róisín – eine komplizierte Freundschaft

Schon die Welt ihrer Figuren ist da Ausdruck jener Hoffnungslosigkeit, die sich Irland in weiten Teilen der 1980er Jahre bemächtigt hat. Róisín lebt zusammen mit ihrer alleinerziehenden Mutter Una in einem kleinen Haus in einem kleinen irischen Städtchen, das nicht gerade durch Attraktivität oder ein gutes Freizeitangebot besticht.

Sie hatten den Platz erreicht, der eigentlich nur der breiteste Teil der Hauptstraße war und Parkplätze für einige wenige Autos bot. Sie fremdelte mit dieser Stadt an der Fernstraße zwischen Dublin und Cork, mit ihrem Verkehr aus scheißendem Vieh, scheppernden Bussen und schweren Sattelschleppern. Die Läden entstammten einem anderen Jahrhundert. Eine Lederwerkstatt, handgenähte Taschen und Gürtel, säuberlich ausgelegt unter Zaumzeug und Sätteln, ein Textilgeschäft, im Fenster altmodische Klamotten, an eine Hartfaserplatte gepinnt und durch zerknitterte gelbe Folie vor dem Ausbleichen geschützt.

Louise Kennedy – Red, S. 15

Der Vater, ein katholischer Polizist in der überwiegend protestantisch geprägten Royal Ulster Constabulary (was Assoziationen zu Adrian McKintys Krimireihe um den katholischen Bullen Sean Duffy weckt), hat die Familie schon vor einiger Zeit verlassen. So wohnen jetzt Tochter und Mutter mit höchst unterschiedlichen Tagesrhythmen gemeinsam unter einem Dach und schlagen sich durchs Leben.

In der Schule ist Róisín eine Außenseiterin, die erst durch die Freundschaft mit Redmond „Red“ Camelin aus ihrer sozialen Isolation geholt wird. Für eine Mitschülerin soll Róisín nämlich an jenen Red einen Zettel überstellen, in dem ihm die Mitschülerin das Ende ihrer „Beziehung“ mitteilt – was allerdings für Róisín der Auslöser ihrer eigenen Beziehung zu Red wird, die Louise Kennedy teilweise in großen zeitlichen Sprüngen ausgehend vom Oktober 1982 bis ins Jahr 2007 nachverfolgt.

Im London der Hausbesetzerszene

Louise Kennedy - Red (Cover)

Dabei ist das Verhältnis – wie könnte es bei Louise Kennedy anders sein – ein durchaus ambivalentes und zeitweise recht schwieriges. Denn nach den Wirren der Schulzeit trifft Róisín wieder auf Red, als dieser in einem besetzten Haus im Londoner Stadtteil Pimlico wohnt. Hier spielt Kennedy ihr Talent für die genaue Zeichnung der Trostlosigkeit und ihrer vielen Schattierungen gekonnt aus.

Während sie mit den Menschen aus dem unmittelbaren Umfeld Reds Beziehungen eingeht und die Londoner Jahre in großer Armut erlebt, sieht sie Freunde in die Drogensucht abrutschen, während auch noch das AIDS-Virus grassiert. Sie selbst geht Beziehungen mit anderen Männern an, lebt sich aus, sieht Menschen in ihrem engsten Umfeld an Alkohol oder Heroin sterben – und blickt doch auch immer auf Red, der immer irgendwo um sie ist.

A rake’s progress als Leitmotiv

Für sie wirkt jener Redmond Camelin fast wie eine Figur aus dem berühmten Bilderzyklus A rake’s progress von William Hogarth, mit dem sie Red in Kontakt bringt, als sie in einem konkurrenzbedingten Anflug von Bildungsbürgertum das Sir John Soane’s Museum in London besuchen. Dieser Bilderzyklus aus dem 18. Jahrhundert, der wie in einem Comicstrip über acht Bilder hinweg den Niedergang des reichen Erben Tom Rakewell zeichnet, wird so etwas wie die Folie für Reds eigenen Niedergang, dem man an der Seite von Róisín beiwohnt.

Im Soane’s Museum schloss sie sich einer Führung an. Als sie durch die Säle schritt, wurde ihr bewusst, dass ihre Erinnerungen an den Ort eher impressionistisch war, ein flirrendes Bild aus Pompejirot und Portland Stone. Andere Aspekte ihres Besuchs kehrten jedoch so scharf in ihr Gedächtnis zurück, dass es wie eine Heimsuchung wirkte. Der gebannte Ausdruck in Reds Gesicht, als er Octavia zuhörte, seine Enttäuschung darüber, dass Róisín nicht sag, was in A Rake’s Progress gesehen hatte. Sie wartete bis zwei Uhr, dann ging sie zum Bildersaal und zwängte sich hinein. Der Führer streifte sich weiße Handschuhe über , die Besucher drängten vor. Es war nur eine Geschichte, dachte sie, als er die Holzpaneele aufklappte, ein Leben in acht Bildern. Glück und Unglück, Liebe und Verlust, Verbrechen und Strafe, keine verschlüsselte Botschaft, die ins Dunkel lockte.

Louise Kennedy – Red, S. 358

Das kann man auch auf Red übertragen. Viele Emotionen, eine komplizierte und dafür umso tieferwurzelnde Bindung zwischen den beiden Hauptfiguren, dazu eine genaue Zeichnung der Milieus des ländlichen Irlands der frühen 1980er Jahre und des Londons der Hausbesetzerszene der späten 1980er Jahre, all das bietet Red auf und schildert eine Freundschaft, die Höhen und vor allem viel Tiefen mitmachen muss.

Fazit

Irische Literatur von ihrer besten Seite, die Louise Kennedy hier präsentiert. Rau, manchmal düster, nicht ohne Hoffnung, präzise in der Schilderung der Milieus und voller Emotionen, das kennzeichnet den Roman, dessen Zugänglichmachung unter nun einem neuen Dach wirklich ein Glücksfall ist!


  • Louise Kennedy – Red
  • Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser und Claudia Glenewinkel
  • ISBN 978-3-546-10171-4 (Claassen)
  • 384 Seiten. Preis: 24,00 €