Annelie Wendeberg: Teufelsgrinsen

Sherlock und Anna

In den letzten Jahren erfuhr Sherlock Holmes ein Comeback wie es nur wenigen literarischen Figuren zuteil wird: in Kinofilmen mit Robert Downey Jr., in mehreren neuen Erzählungen (u. a. „Das Geheimnis des weißen Bands“ von Anthony Horowitz) und einer Fernsehserie der BBC.
Nun bereichert auch Annelie Wendeberg den Sherlock-Holmes-Kosmos mit einer weiteren Erzählung, die der Detektiv aus der Baker Street bevölkert.
Das Ungewöhnliche an „Teufelsgrinsen“ ist, dass Annelie Wendeberg – eine deutsche Umweltmikrobiologin – dieses Buch auf Englisch schrieb und als E-Book publizierte, ehe es vom Kiepenheuer&Witsch-Verlag auf Deutsch herausgebracht wurde.
Der Roman dreht sich um die Forscherin Anna Kronenberg, die als Mann verkleidet praktizieren muss, da es Frauen im Viktorianischen Zeitalter nicht gestattet war, an Universitäten zu forschen.
Dies klappt auch erstaunlich gut, bis ein gewisser Sherlock Holmes ihren Weg kreuzt. Er erkennt ihr Geheimnis doch behält es für sich, da er Annas Verstand und ihr Wissen für einen besonderen Fall benötigt. Im Wasserwerk, das London mit Wasser versorgt, wurde ein Cholera.Opfer gefunden. Doch wie es scheint handelt es sich um einen Mordanschlag. Kronenberg und Holmes müssen versuchen, den Hintermännern das Handwerk zu legen …
Das Bild, das Annelie Wendeberg in „Teufelsgrinsen“ von Sherlock Holmes zeichnet, dürfte eingefleischten Holmesianer wohl wenig gefallen: der legendäre Detektiv flirtet mit Anna Kronenberg, duzt seine Mitmenschen und weicht auch ansonsten vom gewohnten Bild ab. Puristen, die das Werk Arthur Conan Doyles verehren, dürfte „Teufelsgrinsen“ somit weniger gefallen. Allen, die Interesse an einer unkonventionellen Holmes-Episode haben, die Charakterisierung des britischen Detektivs nicht so ernst nehmen und sich gerne in das viktorianische England zurückversetzen lassen möchten, könnten trotzdem ihre Freude an diesem Titel finden
So ist „Teufelsgrinsen“ ein Roman über Sherlock Holmes, der sich eher an Medizin- und Medizingeschichtlich interessierte Menschen wendet, darüber hinaus aber auch ein solider Krimi.

0 comments

  1. Da muss ich Dir zustimmen, wer die Verkörperung des tradionellen Doyle-Holmes verehrt, wird hier nicht so recht glücklich. Ging mir zumindest so. Ich mag den Doyle-Holmes, sehr sogar, und ich mochte auch die Interpretation der Filme mit Robert Downey Jr., auch die Variante in "Elementary", der US-Serie um einen modernen Holmes im heutigen New York, gefällt mir gut, weil das alles irgendwie genau den Ton trifft, aber hier hatte ich mich doch stark an der leider viel zu vorhersehbaren Anbandelung von Holmes und Kronberg gestört, einfach weil es zu simpel war, es darauf hinauslaufen zu lassen. Manchmal ist es schöner, wenn man das Offensichtliche vermeidet. Im Mai erscheint ja jetzt der zweite Band, wirst Du ihn lesen?

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