Isabel Bogdan – Der Pfau

Der Pfau ist los …

9783462048001_10Schottland, zu Füßen der Highlands: hier haben sich Fiona und Hamish MacIntosh niedergelassen und herrschen über ihr kleines Reich. Einige Cottages haben sie dort renoviert und vermieten diese an zahlende Gäste aus ganz England. Erfüllen die Cottages auch keine hohen Standards, so haben sich Lady und Lord MacIntosh dazu entschlossen, das Ganze mit einigen Tieren aufzuwerten. Eine Gans, ein Hund und viele Pfaue bevölkern das Reich der MacIntoshs und es könnte alles perfekt sein, gäbe es da nicht ein Problem:
„Einer der Pfauen war verrückt geworden. Vielleicht sah er auch nur schlecht, jedenfalls hielt er mit einem Mal alles, was blau war und glänzte, für Konkurrenz auf dem Heiratsmarkt.“ (Isabell Bogdan, Der Pfau, S. 7)

Während der aufsässige Pfau nun alles attackiert, was eine blaue Farbe aufweist, sei es eine Regentonne oder blaue Fahrzeuge, versuchen sich  die MacIntoshs mit dem Tier zu arrangieren.
Chaotisch wird das Ganze allerdings, als sich eine Gruppe Banker ankündigt, die auf dem schottischen Gut ein paar Tage zwecks Teambuilding verbringen will. Ein malerisches Gut fernab der restlichen Zivilisation – das erscheint den Verantwortlichen eine gute Idee zu sein. Doch mit dem Pfau außer Rand und Band hat niemand gerechnet.
Isabel Bogdan kennt man bislang von ihren Übertragungen aus dem Englischen ins Deutsche, von ihr übersetzte Autoren sind unter anderem Jane Gardam, Jasper Fforde, Jonathan Evison oder Jonathan Safran Foer. Auch leichtere Kaliber wie Sophie Kinsella hat sie schon den deutschen Lesern zugänglich gemacht, ehe nun mit Der Pfau ihr belletristisches Debüt im Verlag Kiepenheuer-Witsch erschien.
 Das Buch selbst vermag durch seine tolle Aufmachung zu überzeugen. Toll das Eyecatcher-Cover mit dem metallic-glänzenden Schwan, das schon optisch mit Tee, Schirm und Flinte auf das anglistische Setting einstimmt. Den Band muss man definitiv einmal in natura ansehen, das Bild hier wird dem Cover nicht gerecht. Die Monographie selbst ist relativ klein gehalten, was angesichts der lediglich 250 Seiten nicht überrascht.
Die Geschichte in Der Pfau ist nicht weltbewegend – aber das will sie auch nicht sein. Isabel Bogdan schreibt eine leichte Komödie, in der der Pfau der Dreh- und Angelpunkt ist. Nachdem dieser durch den Einsatz einer Flinte die Ewigkeit schaut, setzt eine turbulente Komödie ein, in der alle Personen Misstrauen wegen des Verscheidens des Pfaus hegen. Jeder wähnt sich schuldig am Tod des Tieres – nur die Köchin im Banker-Cottage hegt ganz eigene Pläne.
Stets begegnen sich die Banker und das Hauspersonal, es verschieben sich Dynamiken und als Leser beobachtet man den Eiertanz der Protagonisten mit einem Schmunzeln.
Zoten oder Schenkelklopfer wird man in Bogdans Debüt nicht finden, die Komödie ist eher vom British Understatement gekennzeichnet. Dennoch gelingt ihr eine Unterhaltung, die zum Schmunzeln anregt und durch den Pfau außer Rand und Band angeheizt wird. Wer wieder einmal eine nette Komödie ohne viel Tiefgang lesen möchte – der greife hier zu!

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