Joe R. Lansdale: Dunkle Gewässer

Panta Rhei

Alles fließt – so hätte „Dunkle Gewässer“ von Joe R. Lansdale genauso gut heißen können. Der Fluss Sabine River in Texas ist das allesdominierende Motiv der neuen Erzählung des Texaners Lansdale. Wer die Abenteuer von Huckleberry Finn und Tom Sawayer mochte – der wird hier garantiert fündig!
Die junge, aber durchaus mit allen Wassern gewaschene Sue Ellen stolpert mit ihren Freunden, der aufgrund ihrer Hautfarbe ausgegrenzten Jinx und des ebenfalls ausgegrenzten Terry in ein Abenteuer, das in der heutigen Zeit gar nicht mehr möglich scheint.
Als die mit einer Nähmaschine beschwerte Leiche von Mary Ann, einer texanischen Dorfschönheit, aus dem Sabine River gefischt wird, entspinnt sich eine temporeiche und bunte Handlung, die das Trio um Sue Ellen inklusive deren Mutter in eine Jagd nach Geld und Freiheit verstrickt. Denn Mary Ann hat eine Aufzeichnung über den Verbleib der Beute aus dem Banküberfall ihres Bruder hinterlassen. Sue Ellen und ihre Freund finden die Aufzeichnung, doch natürlich löst der Fund die Begehrlichkeiten der Erwachsenen aus. Zudem ist die häusliche Situation Sue derart dramatisch, dass die einzige Lösungsmöglichkeit in der Flucht auf einem Floß den Sabine River hinunter besteht. So wollen sich die Freunde dann auf den Weg machen, um dabei auch die kremierten Überreste von Mary Ann nach Hollywood zu schaffen, wo diese nie ankam.
Joe R. Lansdale hat es mit „Dunkle Gewässer“ mal wieder geschafft: Einen runden, dichten und von Atmosphäre gesättigten Roman vorzulegen, der den Leser von der ersten Seite an wie ein Fluss fesselt, um ihn erst am Ende der Reise wieder auszuspucken. Das Buch liest sich wie ein Werk einer längst vergangenen Epoche, als hätte Mark Twain dem Autor die Feder geführt.
Zwar spart Lansdale mal wieder, typisch für ihn, nicht an drastischen Details und weiß auch die brutalen Stellen detailliert zu schildern; dies mindert den wuchtigen Gesamteindruck aber keinesfalls und fügt sich harmonisch in diesen saft- und kraftstrotzenden Roman ein. Ich weiß selber nicht, ob ich das Buch Kindern zum Lesen geben würde, mich hätte das Buch aber auch als Kind gefesselt, obschon Lansdale ein drastischer Schriftsteller ist.
Ein Buch, aus der Zeit gefallen – sind wir dankbar, dass es seinen Weg in unsere Buchhandlungen und Bibliotheken gefunden hat! 

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