Klüpfel/Kobr: Herzblut

Mit mehr Herzblut als die Vorgänger geschrieben

Wenn Kluftinger ein Tatort-Team wäre, wäre er am ehesten mit den Ermittlern Boerne und Thiel aus Münster zu vergleichen – ein reiner Krimi ist ein Roman des Autorenduos Klüpfel und Kobr nämlich niemals. Zugunsten der schon fast karikaturesk anmutenden Figur des Kommissar Kluftingers mit all seinen Marotten und Hilflosigkeiten tritt die Rahmenhandlung des Krimis oftmals in den Hintergrund.
Bei den Vorgängerromanen hatte man da mehrmals den Eindruck, dass der Krimi mehr oder minder eine lästiges Gerüst ist, das nur als Steilvorlage für die Comedy-Episoden des meist sehr grenzdebil agierenden Kluftinger dient (abgesehen von der Realitätsferne – keine Polizei der Welt würde solch einen Kommissar ermitteln lassen …). Doch bei „Herzblut“ sind diese Eskapaden der Allgäuer Spürnase dankenswerterweise wieder etwas in den Hintergrund getreten, wenngleich immer noch für mein Empfinden mit zu viel Platz ausgestattet. Die Krimihandlung wird – sehr auf Mainstream gebürstet – von der Suche nach einem Serienmörder getragen. Die Auflösung des Ganzen ist dann aber sehr dilettantisch geraten (ich persönlich wusste nach Seite 270 von 400, wer der Mörder war und worin sein Motiv bestand) – insgesamt aber ansprechender als die beiden mehr als schwachen Vorgänger „Schutzpatron“ und „Rauhnacht“. Würde man den Krimi als reinen Krimi bewerten, käme er sicher nicht mehr über ein sehr durchschnittliches Ergebnis.
Da die Episoden des Kommissars inklusive den Auseinandersetzungen mit seinem Intimfeind Dr. Langhammer allerdings durchaus an manchen Stellen sehr lustig sind und dem Ganzen so einige Pointen schenken, werten sie den Gesamteindruck von „Herzblut“ auf.
Insgesamt ist das neue Buch des Allgäuer Autorenduos Klüpfel und Kobr ein Werk, das irgendwo zwischen derbem Bauerntheater und Regiokrimi oszilliert und dennoch ein zumindest fast stimmiges Etwas bildet. Wer die Bücher der Beiden bisher schätzte, wird auch mit diesem Werk nicht enttäuscht!       

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