Robert Seethaler – Ein ganzes Leben

Nach seinem großen Erfolg des Romans Der Trafikant hat Robert Seethaler nun den Verlag gewechselt und wird bei Hanser Berlin verlegt. Sein neuer Titel hat– um es vorweg zu nehmen – auch wieder das Potential, ein Bestseller mit Tiefgang zu werden.

Sein Roman Ein ganzes Leben hat das von Andreas Egger zum Thema. Vom Aufwachsen bei einem hartherzigen Bauern um die Jahrhundertwende herum über die erste Liebe bis hin zum Tode Eggers spannt Robert Seethaler seinen erzählerischen Bogen. Er erzählt, wie Egger inmitten der Berge aufwächst und zum gefragten Seilbahnbauer avanciert. Dieser Egger, mit dem Makel des Hinkens auf die Welt gekommen, ist nämlich der einzige, der am Berg gerade stehen kann. Die Liebe wird er auch noch finden, ehe er sein Leben an sich vorbeiziehen sieht.

Seethaler beschreibt sein Buch selbst als den Versuch, ein ganzes Leben mit all seinen Höhen und Tiefen in die Form eines einzigen Romans zu gießen – und dieser Versuch ist definitiv gelungen!

Ein begnadeter Erzähler

Robert Seethaler ist ein begnadeter Erzähler, der mit einer einfachen Sprache unvergleichlich gut die Atmosphäre, Gedanken und Lebenswelt seiner Charaktere einzufangen vermag. Auch hier gelingt es ihm wieder bestens, von den Nöten und Freuden Eggers zu erzählen, von seinen Aufstiegen auf die Berge, und nicht zuletzt von der Liebe. Obwohl das Buch wahrlich nicht dick ist, ist es so viel gehaltvoller als so manch andere dicker Schmöker. Er lässt den Leser an den Tiefschlägen genauso wie an den Glücksmomenten im Leben Eggers teilhaben, was zur Ergriffenheit des Lesers beiträgt.

Er begeht nicht den Fehler, angesichts der omnipräsenten Alpen in Luis-Trenker-Romantik zu verfallen, sondern zeichnet vielmehr ein Bild von Entbehrung und Einfachheit, wie es für das Leben anfangs des 20. Jahrhunderts in den ländlichen Gegenden Österreichs typisch war. Er überhöht nicht, er idealisiert nicht, er beschreibt nur.

Ein ganzes Leben auf kleinstem Raum

Robert Seethaler gelingt es auf 150 Seiten, „Ein ganzes Leben“ mit all seinen Höhen und Tiefen plastisch werden zu lassen. Ähnlich wie im Bestseller „Stoner“ von John Williams gelingt es auch hier, die vermeintlich unspektakuläre Biographie eines Menschen in wunderbare Prosa zu überführen. Einer der stärksten Titel des kommenden Bücherherbstes!

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