Ryan David Jahn – Der letzte Morgen

Wenn der Milchmann zweimal klingelt

Nach den Büchern Ein Akt der Gewalt, Der Cop und Die zweite Haut liegt nun mit Der letzte Morgen das neueste und bislang dickste Buch von Ryan David Jahn vor. Der amerikanische Thrillerautor entführt dabei gewohnt gewalttätig den Leser zurück ins Jahr 1952:

Zwei Morde, viele Probleme

Viel passiert in Jahns neuestem Roman: ein kleiner Junge beschließt, dass die Tyrannei seines Stiefvaters ein Ende haben muss. Der Buchhalter einer Unterweltgröße wird nach einem verlorenen Pokerspiel gewalttätig. Ein Cop kommt nicht über den Verlust seiner Frau hinweg. Ein Staatsanwalt wird erpresst und entfacht eine Spirale der Gewalt. 
Ryan David Jahn verwebt zahlreiche Stränge (im Laufe des Buchs werden es noch deutlich mehr) zu einem umfangreichen Bild, einen eigenen Mikrokosmos des Verbrechens.
In dessen Mittelpunkt steht unfreiwillig Eugene Dahl, ein Milchmann, der eigentlich keiner Fliege etwas zuleide tun würde.
Allerdings wird er unfreiwillig in den Strudel der Gewalt gezogen, den die zwei Morde auslösen, die am Anfang des Buches begangen werden.
Um sich aus diesem Mahlstrom zu befreien, ist Eugene Dahl gezwungen, zu einem unbarmherzigen Rächer zu mutieren und sich seinen Weg aus dem Abgrund freizukämpfen.

Ein grobes Gemälde der Gewalt

Der letzte Morgen ist ein Buch, das sich für alle eher etwas feinsinnigen Leser wohl eher weniger eignet. An expliziten Szenen und Gewaltschilderungen mangelt es dem Roman von Ryan David Jahn 
Ein feinsinniger Poet wird Jahn in seinem Schriftstellerdasein wohl nicht mehr. Mit grobem Strich skizziert er seine Figuren. Jahns Interesse liegt weniger auf der Inneneinsicht der Protagonisten als vielmehr auf dem Vorantreiben seines Plots. Mit schnellen und zahlreichen Kapiteln unterteilt er die Erzählung und springt immer wieder von einem zum nächsten Charakter.

Zwar ruckelt die Übersetzung das ein oder andere Mal, doch das Tempo machen die inhaltlichen und schriftstellerischen Schwächen des Buches dann doch wieder wett, sodass am Ende ein unbarmherziger Thriller mit Splatter-Elementen steht, der abgehärtete Thrillerfreunde gut unterhalten dürfte.

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