Kurzkritiken

Alan Carter – Prime Cut

Krimis aus Australien sind in meinem Regal Mangelware. Abseits von Peter Temple und Konsorten besitze ich fast keine Krimis vom Roten Kontinent.
Umso besser dass Alan Carter nun einen Debütkrimi geschrieben hat, der dem Vergleich mit einem Meister wie Peter Temple durchaus standhalten kann. Aber der Reihe nach:
Der Roman spielt in einem kleinen Dörfchen Hopetoun an der Westküste Australiens, das dank seiner Erdschätzen als Minenstadt einen wahren Boom erlebt. Von überall reisen Hilfsarbeiter in das Städtchen und es herrscht eine gereizte Stimmung, in die das Auftauchen einer Wasserleiche recht wenig passt. Aufklärung ist vonnöten. Und diese soll durch den Ermittler Cato Kwong erfolgen.
Cato Kwong wurde nach einem Fauxpas ins Viehdezernat abgeschoben, obwohl er ein begnadeter Schnüffler ist. Mitsamt seines Vorgesetzten soll er nun in Hopetoun ermitteln und die Identität der Wasserleiche sowie deren Verscheiden aufklären.
Angereichert wird dieser Plot noch durch einen zweiten Plot, der von der Vergangenheit bis in die Gegenwart reicht. In England ermordete einst ein Familienvater seine Familie. Stuart Miller sollte diesen Fall einst aufklären, doch der Mörder verschwand spurlos. Nun scheint in Australien, wo sich Miller als Pensionär niedergelassen hat, dieser Mörder wieder zugeschlagen zu haben. Parallel zu Kwong macht sich Miller an das Lösen seines alten Cold Cases.  
           
Ein klar strukturierter Plot, plastische und glaubwürdige Charaktere und eine stringente Schreibe machen diesen fast schon mustergültigen Krimi aus. Ein reifes Debüt von Alan Carter, das zeigt, dass er die Regeln für gute Krimis verstanden hat. Wie er die zwei Erzählstränge behandelt, wie er seinen kantigen Ermittlern Kontur verleiht, das ist mehr als nur gekonnt. Ein Schreiber beherrscht sein Handwerk, wenn ich über den Tod von Figuren irritiert und nachdenklich bin, wenn mich der Plot länger als zum Zuklappen der letzten Seite fesselt – alles das ist hier der Fall. 
Gut dass schon neue Fälle mit Cato Kwong darauf warten, ins Deutsche übertragen zu werden. Eine Krimireihe, die man im Auge behalten sollte!

Ray Banks – Dead Money

Wenn man auf fiese Noir-Krimis steht, die dahin gehen, wo es weh tut, dann sollte man definitiv den frisch gegründeten Polar-Verlag auf dem Radar haben. Nachdem mich die ersten beiden Publikationen nicht so wirklich vom Hocker hauen konnten (Eberhard Nembachs „Gypsy Blues“ doch noch etwas eher als Jörg Walendys „Tag der Unabhängigkeit„, obwohl beide Plots gar nicht schlecht klangen). Doch nun hat sich die Qualität mit dem ersten irischen Noir, den ich rezensieren durfte, schlagartig gebessert. Ray Banks ist ein schottischer Autor, der in Werbeankündigungen auch gerne mal als Kult-Autor bezeichnet wird, da ihm in seiner Heimat Schottland wohl großer Erfolg beschieden ist. Auch Kollegen wie Ken Bruen rühmen den schottischen Schriftsteller in höchsten Tönen. Nach „Dead Money“ kann man die Lobpreisungen für das Schreiben des ehemaligen Croupiers nachvollziehen, denn hier weiß jemand offenbar ganz genau, wie man auf den Punkt kommt.
In seinem Debütroman erzählt Banks von zwei Freunden, die füreinander durch die Hölle gehen. Nachdem ein Pokerspiel aus dem Ruder lief und Les Beale einen Mitspieler ermordete muss ihm sein bester Freund und Ich-Erzähler Alan Slater beim Entsorgen der Leiche helfen. Kompliziert wird es, als sich die Leiche als lebendig und die Kreditgeber Les‘ als sehr brutal erweisen …
In guter alter Noir-Manier tritt sich der Held immer tiefer in den Morast aus Schuld und Sühne und muss alle Kräfte aufbieten, um das mörderische Karussell zu stoppen.
Ein kleiner und höchst fieser Roman, der den Leser über seine 208 Seiten fesselt und mitnimmt. Kunstvoll verknappt schreibt Banks derbe-direkt und voll auf die Zwölf. Ebenfalls eine Empfehlung für alle Freunde guter Krimis, die auch etwas düsterer ausfallen dürfen.

0 comments

  1. Oh perfekt, beide Bücher liegen schon hier bei im Regal, müssen nur noch gelesen werden! 😀 Bevor ich mir "Prime Cut" vornehme, wollte ich aber unbedingt einen Garry Disher vorher lesen, so als Einstimmung auf die australische Kriminalliteratur. 😉 Kenne bisher noch keinen Krimi, der dort spielt, daher passt das ganz gut zusammen.

    Und bei "Dead Money", fies? Klingt suuuuper! 🙂 Den Polar Verlag habe ich auch mit großer Neugier seit einer Weile auf dem Radar, "Gypsy Blues" liegt auch noch hier bei mir, bin gespannt, den neuen Ken Bruen "Kaliber" mag ich auch gern lesen und auch sonst und überhaupt, das Programm von denen ist schon verlockend, ich bin gespannt, wie sich die Bücher nachher lesen. Verdammt, ich brauche mehr Zeit! 😀

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