Markus Feldenkirchen – Keine Experimente

Dieser Slogan sicherte schon 1957 den Sieg für Adenauers konservative Christdemokraten und auch dem Abgeordneten Frederik Kallenberg gereicht dieses Schlagwort zu seinem Lebensmotto.
Aufgewachsen im wertekonservativen Sauerland hat es Kallenberg aus der etwas rückständigen und piefigen Gesellschaft bis in den Deutschen Bundestag hineingeschafft, aus dem er zu Beginn des Buches plötzlich verschwunden ist.
Klug montiert beginnt Markus Feldenkirchen seinen zweiten Roman, indem er abwechselnd von Frederiks Jugend und seinen letzten Wochen vor seinem Verschwinden berichtet. Er zeichnet das Bild einer tristen Jugend und eines Aufstiegs an die Macht, den Frederik von seinen Idealen als konservativer Abgeordneter getragen, unbeschadet meistert. Mit ebensolcher Akribie und schriftstellerischen Finesse fügt Feldenkirchen dann aber dem Saubermann-Image des Abgeordneten Kallenberg erste Makel zu, ehe er ihn im Laufe des Buches demontiert und mit der ebenso frei denkenden wie verführerischen Liane konfrontiert, die sein Weltbild gehörig ins Wanken bringt.
Die Stärke dieses an Stärken wahrlich nicht armen Buches liegt in der komplexen Charakterzeichnung des Abgeordneten Kallenberg mit seinen Idealen, Vorstellungen, Ängsten und Wünschen. Markus Feldenkirchen lässt diesen Abgeordneten, der zahlreiche Ansätze zur Karikatur böte, niemals zur bloßen Abziehfolie eines Parlamentariers werden. Glaubwürdig und nachvollziehbar schildert er die Ereignisse, die Kallenbergs Weltbild prägten und zeichnet einen Mann, den man zwar trefflich kritisieren kann, dessen klare Haltung dem Leser dennoch Respekt abnötigt. Gerade in den heutigen Zeiten der stromlinienförmigen Politik und Medienberichterstattung zeichnet Feldenkirchen das Bild eines geradlinigen Menschen, der für seine Ideale eintritt und dafür auch Spott und Häme erträgt.
Was „Keine Experimente“ neben der klaren Sprache und der psychologisch fundierten Personenzeichnung ausmacht, ist der augenzwinkernd feine Humor, der durchaus immer mal wieder durchblitzt. Wie in seiner Haupttätigkeit als Journalist für den Spiegel schafft es auch Feldenkirchen nach „Was zusammen gehört“ erneut, einen ebenso lesenswerten wie gut lesbaren Roman vorzulegen, der beweist, dass die Politik mitsamt ihren Protagonisten durchaus Material für großartige Bücher bietet!          

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