Monthly Archives: Mai 2013

Karen Engelmann: Das Stockholm-Oktavo

Nur was für Fächerfans

Für ihren Debütroman hat sich Karen Engelmann eine Epoche und ein Sujet ausgesucht, das für eine amerikanische Autorin eher ungewöhnlich ist: Das Stockholm Oktavo spielt in ebenjenem besagten Stockholm Ende des 18. Jahrhunderts und hat die Monarchie unter Gustav III. von Schweden zum Thema. Die Begeisterung für dieses Thema erklärt sich bei Karen Engelmann dadurch, dass sie selbst acht Jahre in Malmö lebte. Nun möchte sie mit ihrem Roman den Leser oder die Leserin (letztere dürfte eher die Zielgruppe sein) in Welt des höfischen Adels am Königshof Gustavs von Schweden entführen. Das Problem an dem Stockholm Oktavo ist die Tatsache, dass sich Karen Engelmann so rein gar nicht für die Handlung ihres Romans interessiert.

Karen Engelmann - Das Stockholm Oktavo (Cover)

Über Seiten werden Beschreibungen von Spielkarten, Fächern oder ähnlichen Requisiten des Romans ausgewälzt – und darunter geht die Spannung des Buchs für mich deutlich zugrunde. Ich ertappte mich während der Lektüre an zahlreichen Stellen, bei denen ich zwar gelesen hatte, das geschriebene Wort aber sofort während des Lesens auf der selben Seite schon wieder vergaß. Dieses vorbeiziehende Lesen ist bei mir immer ein Hinweis, dass mich das Buch nicht richtig packen konnte. Und bei dem Stockholm Oktavo war das leider Dauerzustand. Zwar erhält man Einblick in die höfische Welt und die damaligen Sitten, doch spannend ist das Ganze leider nicht. Mich interessieren Fächer und deren Verwendung, Komplotte um die Entourage eines Königs oder Duelle von Frauen nur dann, wenn sie packend geschrieben sind – und beim Stockholm Oktavo ist das leider nicht der Fall!

Wer auf Kostümfilme in Buchform steht und außerdem ein Faible für Kartenspiele, Fächer oder höfische Intrige hat, dem dürfte Das Stockholm Okatvo gefallen. Ansonsten überwog bei mir das Gefühl, dass Karen Engelmann lieber detailliert Szenen oder Charaktere beschreibt, als sich auf die Handlung zu konzentrieren. Das macht das Buch zäh und stellenweise wirklich redundant.

Es gibt deutlich bessere historische Romane! 

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Becky Masterman: Der stille Sammler

Und noch ein Serienkiller …

Amerika, Hort der Serienkiller. Kaum ein Thriller aus amerikanischen Gefilden kommt heute noch ohne einen irren Serienkiller mit abartigem Verhaltensritus aus. Becky Masterman ist bei ihrem Thrillerdebüt „Der stille Sammler“ auf Nummer Sicher gegangen und bedient sich genau jener sattsam bekannten Ingredenzien, um ihre Geschichte zu erzählen. Sonderlich innovativ ist das natürlich mitnichten, dafür aber leidlich spannend.
Das Besondere an „Der stille Sammler“ ist sicherlich die Protagonistin, die Jagd auf den irren Serienkiller macht:

 „Ich bin Brigid Quinn, eine nicht mehr ganz junge Frau, und jedes meiner neunundfünfzig Jahre flammt und wütet.“ (S. 242).

So beschreibt sich die bereits in den Ruhestand versetzte ehemalige FBI-Agentin selbst. Und tatsächlich zieht das Buch seinen größten Reiz aus seiner Hauptprotagonistin, einer Art altem zähen Spürhund, die in der Jagd auf den Route-66-Killer ihre Lebensaufgabe gefunden hat. Bei der Suche nach dem Serienkiller, der immer entlang der legendäre Route junge Frauen tötete, kam eine ihrer Kolleginnen ums Leben. Der Killer wurde bis heute nicht gefasst und so muss Brigid Quinn auf ihre alten Tage noch einmal ran.
Der Grundton ist, genauso wie die ganze Lebenshaltung Brigid Quinns, eher flapsig gehalten und von einem Humor durchzogen, den man nicht unbedingt teilen muss. Dennoch lockert er den Roman auf und sorgt dafür, dass sich das Buch wenigstens ein klein wenig von der üblichen Thriller-Dutzendware unterscheidet. Wer Amanda Kylers „Cut“ aufgrund einer unorthodoxen Protagonistin mochte, der wird mit „Der stille Sammler“ sicherlich auch wieder glücklich werden. Ansonsten ist der Debütroman von Becky Masterman ein üblicher Serienkillerthriller ohne große Finesse, der nur aufgrund seiner Heldin einige Pluspunkte erringen kann. Ansonsten ein Buch, das man lesen kann – dabei aber lieber auf die Taschenbuchausgabe warten sollte!

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