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Geschmackssichere Cover

Der steigende Absatz von E-Book Readern jeglicher Couleur hat auch ein anderes Phänomen mit sich gebraucht: Nachdem nun Bücher vom EPUB- bis hin zum PDF-Format auf Readern gelesen werden können, kann nun auch jeder halbwegs im Umgang mit einem Textverarbeitungsprogramm geschulte Laie zum Autoren werden. Ein Blick in die Verkaufscharts einschlägiger Onlineportale offenbart hierbei Grausiges:
Neben Titeln wie „In Liebe, dein Mörder“, „Und alles nur wegen Uschi“ oder „Zum Glück ein Pörßenel-Trainer“ stechen vor allem manche Cover der Werke ins Auge.
Egal ob grellbunt, Titelbilder mit Comic-Sans-Font oder Bilder, die wirken als hätten die Sprößlinge der Autoren diese mit Fingermalfarben oder Paint die Cover erstellt. Ästhetisch wertvoll ist meist kaum eines dieser Bücher und dürfte folglich auch von der Stiftung Buchkunst ignoriert werden.
Wer gerne einmal ein Panorama von selbsterstellten E-Book-Covern aus Übersee betrachten möchte, dem sei diese Webseite ans Herz gelegt. Der Blog sammel akribisch die schönsten (bzw. eigentlich eher abschreckendsten) Beispiele für das, was ambitionierte Hobbyautoren unter einem guten Cover verstehen.
Egal ob selbstgemalte Elfen im nonchalanten Lila-Grün Mix, kindliche Schrifttypen mit Neon-Hintergrundbeleuchtung oder wild zusammengestückelte Bildelemente, die nicht wirklich zusammenpassen.
Akribisch dokumentiert der Blog ein Kaleidoskop des visuellen Schreckens, bei dem man nicht weiß, ob es einen eher vor den Autoren oder den Leser solcher Machwerke gruselt. Unten angefügt findet sich eine kleiner Appetizer für solche lousy bookcovers, die zumindest mir keine Lust auf mehr machen!

Keigo Higashino: Verdächtige Geliebte

Die Dialektik des Verbrechens

Für diesen Roman hätte Keigo Higashino ziemlich sicher einen Rüffel von S.S. Van Dine, jenes legendären Autor des Golden Age des Detektivromans, einstecken müssen. Denn mit „Verdächtige Geliebte“ verstößt der japanische Autor gegen ziemlich viele Regeln, die van Dine damals unter dem Titel „Twenty Rules for writing detective stories“ postulierte.
Ein Showdown zwischen zwei brillanten Köpfen, eine Liebesgeschichte als subtiler Hauptstrang, eine Mörderin und eine Leiche, die bereits zu Beginn des Romans feststehen? Als das wäre dem strengen Van Dine damals wahrscheinlich nicht untergekommen – doch Keigo Higashino zeigt, wie kreativ und befreiend Kriminalliteratur sein kann, wenn man sie aus einem starren Korsett der Regeln und Konventionen befreit.

Ein großes Duell

Er konzipiert „Verdächtige Geliebte“ als großes Duell: Die Liebe versus die Vernunft, Vertuschung einer Tat versus Deduktion, Physikprofessor versus Mathegenie. Dieses Buch der Antipoden ist dabei vielleicht nicht immer spannend, dafür fasziniert es ungemein.
Nach einer Kurzschlussreaktion steht Yasuko mit der Leiche ihres Ex-Manns in ihrer Wohnung da. Ihr Nachbar, der Mathematiklehrer Higashimi, hilft ihr nach der Tat aus Liebe bei der Vertuschung der Tat und entwickelt einen strategischen Plan, um den Verdacht von Yasuko zu lenken. Dieser Plan entfaltet sich sukzessive mit dem Fortschreiten des Buchs und sorgt für die subtile Spannung. Doch leider hat Higashimi bei seinem Plan nicht mit einem gerechnet – seinem alten Freund Yukawa, mit dem er zusammen in die Welt der Mathematik eintauchte, ehe sich dieser der konkreten Welt der Physik zuwendete. Sein Alter Freund unterstützt die Polizei bei deren Ermittlungen und versucht, die von Ishigami ausgestreuten falschen Spuren und Finten zu durchschauen, um den Mord zu sühnen.
Dies gestaltet sich manchmal äußerst handlungsarm, da die wahre Leistung in „Verdächtige Geliebte“ nicht physisch sondern eher mental erbracht wird. Dennoch ist der Roman Keigo Higashinos ein Faszinosum, da er fesselt obwohl er auf alle herkömmlichen Suspense-Mittel verzichtet. Nach 320 Seiten ist das Vergnügen auch bereits wieder am Ende, nicht ohne eine überraschende Schlusspointe und ein Ende, das wirklich auf den Punkt gesetzt ist.
So mag Verdächtige Geliebte zwar gegen ebenso etablierte wie mit der Zeit auch überkommene Regeln verstoßen, dies rechtfertigt die Lektüre allerdings durch einen innovativen Plot, der ganz auf’s Köpfchen setzt!

Hier geht’s zur Webpräsenz des Buchs

Auf das könnt ihr euch freuen!

Hier nun schon einmal einige Bücher, die in nächster Zeit in diesen feuilletonistischen Eck besprochen werden:

  • „Das geheime Leben des Waisen Jun Do“ (Suhrkamp) – Adam Johnson

  • „Die irren Fahrten des Gabriel Delacruz“ (KiWi) – Jordi Punti

  • „Das Ende der Welt“ (Droemer-Knaur) – Sara Gran

  • „Silo“ (Piper) – Hugh Howey

  • „Milano Criminale“ (Ullstein) – Paolo Roversi

Welche Bücher stehen bei Euch als nächstes auf dem Leseliste?

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ (Hermann Hesse, Stufen des Lebens)

Der 23.04 – also der Welttag des Buches. Welcher Termin würde besser passen, um einen Blog zu initiieren, der sich der Literaturkritik verschreibt?
Deshalb soll dieses Datum nun als Geburtsstunde dieses Blogs dienen und fortan mit Beiträgen befüllt werden. Beiträge, die so vielfältig wie die Buchlandschaft sein sollen.

Kriminalromane, historische Romane, Thriller, E oder U – Schubladendenken ist hier ausdrücklich nicht erwünscht – und die besten Bücher widersetzen sich eh einer Einordnung in bestimmte Genres.

Deshalb von nun an hier Buchkritik über Gelesenes, vielleicht auch manchmal noch zu Lesendes – jedoch immer mit einer ehrlichen Meinung!