Claus Cornelius Fischer: Nukleus

Selbstmordanschlag in Berlin

Also die Eröffnung seiner Romane kann er, der Claus Cornelius Fischer. Bewiesen hat er das nicht zuletzt in seinem ersten Thriller um die Notärztin Ella Bach, der im Jahr 2011 unter dem Titel „Erlösung“ erschien. Die ersten hundert Seiten dieses Romans zählten zu dem Packendsten, das mir im vor zwei Jahren unterkam. Das die Story danach etwas verflachte, verzieh man dem Autor dafür einigermaßen.
Auch in seinem zweiten Ella-Bach-Thriller packt Fischer sein ganzes Können in die Eröffnungssequenzen, die en Détail einen Selbstmordanschlag auf die Berliner U-Bahn und die anschließende Rettungsaktionen beschreiben. Doch nach dem hochtourigen Auftakt verflacht die 527 Seiten starke Erzählung zunehmend. Der Autor vermengt die Auswirkungen des Anschlags, Ella Bachs Privatleben und das Verschwinden von Ellas bester Freundin Annika zu einem mäandernden Erzählstrom, der nicht immer weiß, wo er hinwill. Dies ist der Spannung nicht unbedingt zuträglich, doch ohne hier allzuviel verraten zu wollen, kann ich feststellen, dass das letzte Drittel des Buchs wieder einiges herausreißt. Als mir klar wurde, wie der Hase läuft, konnte ich das Buch nicht mehr zur Seite und musste die Lektüre beenden, ehe ich schlafen gehen konnte.
Das filmreife Ende entschädigt auch für die phasenweise auftretenden Längen in „Nukleus“ und zeigt, was für ein talentierter Autor in Claus Cornelius Fischer steckt.
Natürlich ist es müßig, darüber zu debattieren, warum gerade eine Notärztin nun bereits zum zweiten Mal in eine globale Verschwörung stolpern und diese so gut wie alleine aufklären sollte. Wer sich an den zahlreichen Unwahrscheinlichkeiten nicht stört, die Fischer in seinem neuen Roman auffährt, wird mit einer ebenso spannenden wie aktuellen Lektüre belohnt.

Die Grundidee, die hinter „Nukleus“ steckt, dürfte jeden Leser, der das Internet und damit auch Google, Facebook und Konsorten häufiger nutzt, zum Nachdenken bringen. Zwar glaube ich noch immer an das Gute im Menschen, doch der Thriller liefert einige Denkimpulse und stark geschriebene Exkurse über das Internet und seine Konsequenzen.

Insgesamt ein lesenswerter und kluger Thriller, der im Gegensatz zu der üblichen Krimi-Dutzendware auch mit einigen Reflektionen und Denkanstößen aufwarten kann. Wer ein wenig aussagekräftiges Cover und kleine Durchhänger in der Mitte des Buches verkraften kann, bekommt mit „Nukleus“ die ganze Dosis: Außergewöhnliche Infos, jede Menge medizinisches Fachwissen und nicht zuletzt ganz viel Spannung – Empfehlung!

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