David Mitchell – Slade House

Ach David Mitchell, was hast du da nur wieder für ein Buch geschrieben. Es sind gerade einmal 40 Seiten vergangen, dann ist die erste Geschichte dieses schmalen Buches (236 Seiten) auch schon wieder vorbei. Darin begleiten wir einen Jungen und seine Mutter auf dem Weg ins Herrenhaus Slade House. Dort soll die Mutter ein Konzert geben, der Virtuose Yehudi Menuhin soll ebenfalls anwesend sein. Durch ein schmales Türchen finden die beiden Einlass in dem verwunschenen Haus – und der Junge einen neuen Freund, mit dem er im Garten spielen geht. Doch plötzlich löst sich der Garten auf, der Junge wird von einer Kraft gejagt und plötzlich findet er sich auf dem Farm seines Vaters in Rhodesien weiter. Doch damit nicht genug, plötzlich wird der Junge wieder zurück ins Slade House geschleudert, wo die Zwillinge Norah und Jonah auf ihn warten. Ihr Ziel: die Seele des Jungen.

Wem dieser Auftakt schon zu abgedreht ist: Finger weg von diesem Buch! Slade House (Deutsch von Mitchells Stammübersetzer Volker Oldenburg) ist ein im Umfeld von David Mitchells genresprengendem Kosmos Die Knochenuhren angesiedeltes Spin-Off. Ähnlich wie auch in seinen anderen Büchern setzt Mitchell auch hier auf eine polyphone Komposition. Chronologisch reihen sich unterschiedliche Episoden aneinander, die ihre Bezugspunkte im Slade House und dessen Bewohnern haben. Es wäre vermessen, einen Maßstab wie Realistisch an dieses Buch anzulegen, denn Mitchell geht es in seinem Buch um etwas anderes. Er erzählt hier erneut vom Kampf der Horologen gegen die Vampire und vom Wunsch der Unsterblichkeit.

Sein Buch ist ein Schauerroman, der mit popkulturellen Referenzen nur so vollgestopft ist – von Alice im Wunderland über Rocky Horror Show bis hin zu Doctor Who (an diese BBC-Serie erinnert mich zudem das Cover massiv). Zudem bevölkern wieder viele bekannte Figuren aus dem Erzählkosmos Mitchells dieses Buch und fügen sich so in das Gesamtwerk ein.

Ein wirklich abgedrehtes Buch, das zeigt, was Literatur kann. Zaubern, unsere Wirklichkeit verschieben und Welten erfinden, die nach anderen Gesetzen funktionieren. Und darin ist der Brite David Mitchell unbestritten ein echter Meister!

5 comments

  1. Also ich fand Slade House auch großartig – weiß nicht, ob du schon geguckt hattest. Was mich an Mitchell wirklich fasziniert ist die Kunstfertigkeit, mit der er seine Bücher miteinander verknüpft. Da steckt etws Größeres dahinter und ich bin mir sicher, wir hören noch von den Horologen – Vampire allerdings würde ich hier nicht sehen. LG, Bri

    1. Servus Bri,
      das auf alle Fälle. Eine witzige Nebenbeobachtung, die ich gemacht habe, ist wie Mitchell seine erfundenen Welten auch ausweitet.
      Ich habe am Wochenende das Finale der Serie „Sense8“ gesehen (in der Mitchell auch einen Gastauftritt hat). Und in der letzten Folge, an der er mitgeschrieben hat, spielt auch in dieser Welt eine Lakune eine große Rolle …

      Man darf mehr als gespannt sein, was sich dieser Mann noch so alles ausdenkt in den kommenden Büchern.

      1. Da hast du absolut recht. Ich finde das, was er da macht mit seinem Überbuch großartig. Das macht solch einen Spaß. Fast ein wenig wie eine Serie, aber eben doch anders … Sense8 hab ich nicht geschafft, ich weiß auch nicht recht weshalb. War mir glaube ich zu arg … eine Lakune … großartig. Hoffentlich kommt bald was Neues von ihm.

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