Simone Buchholz – Hotel Cartagena

Neues von der Königin des deutschsprachigen Krimis: Simone Buchholz legt mit Hotel Cartagena den inzwischen neunten Band der Reihe um die Staatsanwältin Chastity Riley vor. Und sie liefert einmal mehr. Großes Kino vom Hamburger Kiez.


Diese Party hat sich Chastity Riley eigentlich ganz anders vorgestellt. Auf einer Geburtstagsparty in einem Hamburger Hotel trifft sie auf alte Kolleg*innen. Eigentlich ist ein lockerer Abend in feschem Ambiente geplant.

Die Wände sind aus Glas, von der schwarzen Decke baumeln ein paar gedimmte Kugellampen, zu unseren Füßen liegt der Hamburger Hafen in seinem gleißenden Nachtlicht. Diese Bar macht so sehr einen auf Ausblick, dass ich eigentlich keinem Drink, den ich nicht selber gemixt habe, über den Weg trauen sollte. Zu viel aufdringliche Schönheit, zu viele Sich-mich-an-Sachen, zu viel Ablenkung. Da kann sich doch keiner auf seinen Alkohol konzentrieren.

Buchholz, Simone: Hotel Cartagena, S. 15

Doch dann kommt alles anders. Geiselnehmer stürmen die Bar, nehmen die Beamt*innen und andere Gäste als Geiseln und verzichten zunächst auf Forderungen. Um was es den Geiselnehmern geht, das erfährt man als Leser*in in einer zweiten Geschichte, die bis ins ferne, titelgebende Cartagena führt.

Vom Hamburger Hafen nach Cartagena

Einmal mehr ist der Hamburger Hafen Ausgangsort für eine dramatische Geschichte, die mit tödlichen Konsequenzen enden soll. Auf wenigen Seiten gelingt es Simone Buchholz hier wieder, eine rasante Hintergrundgeschichte zu erzählen, die berührt und mitreißt.

Und auch auf den übrigen Seiten des Buchs lässt es die Wahlhamburgerin wieder ordentlich krachen. Titelüberschriften wie „Alex Meier, Fußballgott“, „Mein Herz macht ein ungesundes Geräusch“ oder „Ist die Hammerwerfertruppe schon unterwegs“ sprechen für sich. So gut wie kaum einer anderen Schriftstellerin gelingen Simone Buchholz knackige Dialoge, die auf den Punkt geschrieben sind. Und auch abseits der Dialoge schlägt ihr Talent im Finden von ungewöhnlichen (Sprach)Bildern in Hotel Cartagena einmal mehr Funken. Eine solche Originalität beim Kreiern von Formulierungen, die gibts im deutschen Krimi nicht so oft.

Er schmeißt die Zigarette in eine Pfütze, schließt den Mercedes ab, geht über die Straße und drückt auf die Klingel, die zur Wohnung im dritten Stock links gehört.

Der Druck auf seinen Brustkorb lässt etwas nach.

Er atmet tief durch, und die Nachtluft schraubt sein Herz auf, damit der Augenblick, der gleich kommt, da auch reinkann.

Buchholz, Simone: Hotel Cartagena, S. 12

Die coolste Staatsanwältin im deutschen Krimi, die besten Dialoge, dazu noch handfeste Action – Krimiherz, was willst du mehr?

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