Theres Essmann – Federico Temperini

Von einem eigenartigen Fahrgast, vom Geiger Niccolo Paganini und einem Taxifahrer, der um die Bindung zu seinem Sohn fürchtet, erzählt die Autorin Theres Essmann in ihrem Debüt Federico Temperini. Die Novelle der Autorin ist im Tübinger Kleinverlag Klöpfer & Narr erschienen, der besonders Literat*innen aus dem Südwesten der Republik eine Stimme gibt.


Es ist ein unspektakuläres Leben, das der Taxifahrer Jürgen Krause lebt. Getrennt von seiner Frau verdient er in Köln sein täglich Brot mit Taxifahrten. Wie schon sein Vater kutschiert er Gäste durch die Domstadt. Einer dieser Gäste, die seine Dienste in Anspruch nehmen, ist Federico Temperini. Dieser kontaktiert Krause, um von ihm in die Kölner Philarmonie gefahren zu werden.

Theres Essmann - Federico Temperini (Cover)

Wie aus der Zeit gefallen wirkt dieser ältere Herr, der nun immer öfter von Krause gefahren werden möchte. Elegant gekleidet und zurückhaltend in seinen Äußerungen. Das Honorar für die Fahrten pflegt Temperini in einem Umschlag aus Büttenpapier zu hinterlegen. Aber am auffälligsten ist wohl seine verformte Hand, die er stets vor Krause im Taxi zu verbergen bemüht..

Bei einem solchen Fahrgast ist es mehr als verständlich, dass das Interesse des Taxlers geweckt wird. Nachdem Temperini gleich bei der ersten Fahrt von einem Konzert nach Hause den Begriff „Paganini“ und „Teufelsgeiger“ fallen lässt, ist Krauses Neugier schier nicht mehr zu bremsen.

Der der Hochkultur ferne Krause, der sonst eher die Lektüre der Biographie Claptons und dazu ein Bier bevorzugt, gerät nun – wie viele tausende Menschen zuvor – in den Bann des „Teufelsgeigers“. Er liest sich ein in die Vita dieses außergewöhnlichen Musikers. Fortan ist auf den Touren mit dem älteren Fahrgast Niccolo Paganini nun des Öfteren Thema. Doch was verbindet diesen Temperini mit Paganini?

Auf den Spuren Paganinis

Theres Essmann hat eine Novelle geschrieben, deren dritter Hauptdarsteller neben den beiden Hauptprotaginisten Temperini und Krause eigentlich Niccolo Paganini heißt. Auch wenn es schwer glaubhaft erscheint, dass Krause noch nie etwas von diesem Ausnahmekünstler gehört hat (schließlich ist der Teufelsgeiger schon lang zum geflügelten Wort geworden; von Filmen bis hin zu Hörspielen ist der italienische Wundergeiger über die Zeiten hinweg Thema) – über die Gespräche zwischen den beiden Männern wird der Geiger wieder lebendig. Die Geschichte seines Leichnams, das Besondere in seinem Geigenspiel – durch den Ich-Erzähler Krause bekommt man die Vita des Teufelsgeiger vermittelt.

Essmanns Sprache ist dabei genauso bodenständig und solide wie ihr Protagonist selbst. Sein Leben gleicht exakt dem, das man mit seinem Namen assoziieren würde: der Vater Taxler, der Sohn Taxler, regelmäßige Telefonate und Ausflüge mit dem getrennt lebenden Sohn, immer mittwochs Badminton und im Anschluss Gyros bei Maria. Dieser Krause steht für den Begriff Normcore. Da überrascht es wenig, dass er dann, als er von Temperini zu einem Konzertbesuch mit Paganin-Konzert eingeladen wird, zu Jeans und schwarzem Rollkragenpullover greift.

Nun ist ja zu befürchten, dass bei aller Durschnittlichkeit auch so etwas wie Langeweile aufkommen könnte. Dem ist aber mitnichten so. Denn Theres Essmann vermag es, in ihrem Debüt dieser Durschnittlichkeit ihres Krauses auch spannende Seiten abzuringen. Wie er um die Beziehung zu seinem Sohn kämpft, wie in ihm die Leidenschaft für den Teufelsgeiger geweckt wird, das schildert sie nachvollziehbar und durchdacht. Die passgenauen Dialoge unterstützen dabei die Dynamik des Romans erheblich.

Zwar könnte man, wenn man es ganz genau nimmt, abgegriffene Formulierungen wie etwa Krauses Beschreibung des „Dirigenten in seinem Pinguin-Kostüm“ (S. 94) als wenig originell kritisieren. In einem ansonsten wirklich stimmigen und gut gemachten Debüt fällt das allerdings nicht so sehr ins Gewicht.

Fazit

Es bleibt spannend, was von Theres Essmann künftig zu lesen sein wird. Federico Temperini ist auf alle Fälle eine Novelle, die Lust auf mehr macht. Glaubwürdige Figuren, eine passende Sprache und eine ganz eigene Annäherung an den Teufelsgeiger Niccolo Paganini!


  • Essmann, Theres: Federico Temperini
  • Novelle, 164 Seiten
  • Hardcover mit Lesebändchen
  • Erscheinungstermin: Februar 2020
  • ISBN 978-3-7496-1026-6, Preis: 18 Euro
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[…] Er ist amüsant und melancholisch und bringt seine Geschichte an ein harmonisches Ende.“ Buch-Haltung: „Es bleibt spannend, was von Theres Essmann künftig zu lesen sein wird. Federico Temperini […]