Paul Mendelson – Die Unschuld stirbt, das Böse lebt

Die toten Jungen von Kapstadt

Der Tatort, zu dem Vaughn de Vries nahe Kapstadt gerufen wird, ist ein bedrückender Schauplatz eines Verbrechens:  In einem Abfallcontainer wurden die Leichen zweier Jungen entsorgt. Die anämischen Körper zeigen, dass die Jungen lange kein Licht mehr gesehen haben. Zudem ergibt die gerichtsmedizinische Auswertung, dass die beiden Opfer vor ihrem Tod missbraucht wurden. All das katapultiert den Ermittler de Vries in Erinnerungen sieben Jahre zurück. Damals verschwanden drei Jungen in Südafrika und blieben verschwunden. Zwei der Toten sind nun tatsächlich die Entführungsopfer aus dem Jahr 2007 – und de Vries wird mit seinem damaligen Versagen konfrontiert.

978-3-499-27072-7Umso verbissener macht er sich deshalb natürlich an die aktuellen Ermittlungen, um damit auch den Entführern der Jungen sieben Jahre zuvor auf die Spur zu kommen. Wo wurden die Jungen so lange gefangen gehalten und wer hat bei diesem Verbrechen seine Finger im Spiel? Erschwert wird seine Suche nach der Wahrheit dabei von einem Polizeiapparat, der de Vries zahlreiche Knüppel zwischen die Beine wirft, um ihn scheitern zu sehen. Interne Ermittler haben es genauso auf de Vries abgesehen wie die Leitung der Polizeibehörde – und so muss dieser an zwei Fronten kämpfen, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen.

 

 

Die Unschuld stirbt, das Böse lebt ist das Debüt des in London und Südafrika lebenden Autoren Paul Mendelson, der nun die Krimilandkarte Südafrikas bereichert. Ist dieses Land eh schon überdurchschnittlich gut repräsentiert (man denke nur an Deon Meyer, Roger Smith, Andrew Brown, Malla Nunn, etc.), kommt nun ein weiterer interessanter Ermittler hinzu. Vaughn de Vries ist ein desillusionierter Cop, dessen erste Ermittlung an Fälle wie die von Natascha Kampusch oder Josef Fritzl erinnert.

Mendelson arbeitet mit Rückblenden zurück ins Jahr 2007, als die Jungen verschwanden, und beleuchtet das Geschehen aus mehreren Perspektiven. Mit geschickt gesetzten Cliffhangern und Perspektivwechseln schafft es Mendelson, den Leser bei der Stange zu halten. Auch wenn das Ende nicht das Versprechen einer Auflösung, die die Grenzen des Genres sprengt (so kündet der Klappentext) einlösen kann, so verfolgt man doch gerne die verzweifelten Ermittlungen von Vaughn de Vries.

Zwar weist das Debüt von Paul Mendelson noch einige kleine Schwächen auf (z.B. allzu stereotyp der Alleingang von Vaugh de Vries bei seinen Ermittlungen, der ihn in die Bredouille bringt) und auch die Übersetzung von Jürgen Bürger ruckelt an einigen Stellen (obwohl man von diesem Übersetzer eigentlich bessere Qualität gewohnt ist). Von diesen kleinen Makeln abgesehen ist das Buch ein solide konstruierter Thriller, der auf einige weitere Bücher dieses Autoren hoffen lässt. Ein guter Auftakt für Vaughn de Vries – da darf mehr folgen!

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