Reginald Hill – Rache verjährt nicht

Wolf ha(c)kt die Sache ab

Es ist einer der menschlichen Grundtriebe und das Grundthema dieses großartigen Romans: Rache.
Ähnlich wie im weltberühmten Roman „Der Graf von Monte Christo“ von Alexandre Dumas – auf den auch Reginald Hill anspielt – wurde auch hier ein Mann hereingelegt und um seinen Ruf gebracht.
Wilfred Hadda, genannt Wolf, stieg mit seiner Firma Woodcutter Enterprises in die höchsten finanziellen Sphären auf, um anschließend tief zu fallen. Nach einer Razzia auf seinem Grundstück wird er mit einem ungeheuerlichen Vorwurf konfrontiert: er soll der Konsument von Kinderpornographie sein. Der anschließende Leidensweg des Mann hätte von Kafka nicht besser ersonnen werden können. Verurteilt und nach einer vergeblichen Flucht körperlich entstellt harrt Hadda seiner Entlassung um anschließend Rache zu nehmen.
Was sich nach der Beschreibung des Klappentextes wie ein unbarmherziger und blutiger Rachefeldzug anliest, ist in Wahrheit viel mehr: Der elegante Stilist Reginald Hill erzählt eine aus mehreren Teilen bestehende Geschichte, die die Biographie eines gefallenen Mannes ist, eine Ode an Hills Heimat Cumbria im Norden Englands und eine Studie über Rache allgemein.
Wer ein Metzelmassaker mit der Axt im Stile eines Charles-Bronson-Films erwartet, dürfte sich schnell enttäuscht sehen. Anstelle von Gewalt dominiert die Auseinandersetzung zwischen dem einsitzenden Wolf und seiner Psychiaterin Alva Ozigbo. Dies mag nicht spektakulär sein, doch packend ist es auf jeden Fall.
Die Geschichte ist voller Esprit, witzig, mit sensationell ausbalancierten Dialogen und Bonmots versehen und nicht zuletzt auch gut ins Deutsche übertragen. Dies macht aus „Rache verjährt nicht“ ein besonderes Buch, das britisch im besten Sinne ist und zugleich über die ganze beachtliche Länge von knapp 700 Seiten. Ein geistreicher Roman bei dem ich sehr darüber geärgert habe, Reginald Hill erst jetzt entdeckt zu haben, obwohl er wahrlich schon einige Bücher veröffentlicht hat.
Über die ganze Lektüre hinweg hatte ich nur einen traurigen Gedanken im Hinterkopf: dieser großartige Roman wird der letzte von Reginald Hill gewesen sein, da dieser im Jahr 2012 leider verstorben ist – ich hätte mir noch zahlreiche weitere Bücher von diesem eleganten Romancier gewünscht!

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