Tag Archives: Cumbria

Paul Finch – Schattenschläfer

Der Nebel des Grauens

 

Cumbria – im Grenzland zwischen England und Schottland. Unwegsame Täler, nur abgeschiedene Weiler und viel, viel Nebel. Hierhin hat es DS Mark „Heck“ Heckenburg nach den turbulenten Geschehnissen im Vorgänger Spurensammler verschlagen.
SchattenschläferEin verschlafener Landstrich, der nur von wenigen Menschen bevölkert wird und dessen raue Natur eher etwas für Naturfreunde und Wanderer ist. Hier kann eigentlich nichts schiefgehen denkt sich Heck und sieht einer ruhigen Zeit entgegen, als von jetzt auf gleich alles anders wird.
Der nicht enden wollende Nebel nimmt den Landstrich in die Zange und plötzlich macht ein mysteriöser Fremder Jagd auf Menschen. Zwei junge Wanderinnen sehen sich dem tödlichen Fremden gegenüber wie schon bald die komplette Bevölkerung des Lake District.
Da der Mörder stets den Frank-Sinatra-Hit Strangers in the night als Erkennungszeichen pfeift, kommt Heck ein beunruhigender Gedanke – vor zehn Jahren gab es nämlich schon einmal einen Mörder, der sich dieses Liedes bediente.

Damals glaubte man allerdings den Täter tot, nachdem Gemma Piper, Hecks künftige Chefin, als Lockvogel den Täter eigentlich tödlich verwundete. Kann es sein, dass der Fremde, so sein Name damals, zurückgekehrt ist?

Heck schlägt sich durch

Der Vorgängerband - Spurensammler

Der Vorgängerband – Spurensammler

Fein nuancierte Sprache, Figuren mit Tiefe und Widersprüchen oder langwierige Ermittlungsarbeit – das ist alles Paul Finchs Sache nicht. Mit der Dezenz eines Schaufelradbaggers rackert sich Heck stets durch die Bücher von Paul Finch. Egal ob John McClane, Nick Tschiller oder Frank Martin – Heck kann sich in der Reihe der Raubeine und Ein-Mann-Armeen durchaus einreihen.

Selbstverständlich ist im ländlichen Setting das Verbrechen nicht fern, wenn Heck in einem Polizei-Cottage sitzt. Auch wenn es ein wenig unglaubwürdig wirkt, dass der omnipräsente Nebel und ein einziger Mörder ausreichen, um ein komplettes Dorf nebst Polizei in Schach zu halten, so nimmt man es in Schattenschläfer doch hin, da Finch das Tempo hoch hält. Quasi ab der Mitte des Buchs steht die Handlung nicht mehr still, als der Mörder Finch, Gemma und das ganze Dorf unter Beschuss nimmt.
Paul Finch schafft es, mit Cliffhangern, geschickten Perspektivwechseln und viel Atmosphäre für Grusel beim Leser zu sorgen.

Ein typischer Paul Finch

Schattenschläfer reiht sich mit allen Stärken und Schwächen nahtlos in die Heckenburg-Reihe ein.
Die Figuren hätten ruhig etwas mehr Tiefe bekommen dürfen, so agieren sie oftmals sehr stereotyp (Heck als Draufgänger muss natürlich die Frauen und Dorfbewohner schützen und schreckt vor keinem Alleingang zurück). Die Komplexität des Plots ist nicht hoch, dies ist aber auch nicht Ziel Finchs. Das Buch weiß zu unterhalten, Spannung zu erzeugen und den Leser gruseln zu lassen. Mehr bietet das Buch nicht, weniger aber auch nicht. Ein fixer Thriller für Zwischendurch, dessen erneut eingefärbter Buchschnitt sicher ein Hingucker im Buchregal ist!
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Reginald Hill – Rache verjährt nicht

Wolf ha(c)kt die Sache ab

Es ist einer der menschlichen Grundtriebe und das Grundthema dieses großartigen Romans: Rache.
Ähnlich wie im weltberühmten Roman Der Graf von Monte Christo von Alexandre Dumas – auf den auch Reginald Hill anspielt – wurde auch hier ein Mann hereingelegt und um seinen Ruf gebracht.
Wilfred Hadda, genannt Wolf, stieg mit seiner Firma Woodcutter Enterprises in die höchsten finanziellen Sphären auf, um anschließend tief zu fallen. Nach einer Razzia auf seinem Grundstück wird er mit einem ungeheuerlichen Vorwurf konfrontiert: er soll der Konsument von Kinderpornographie sein. Der anschließende Leidensweg des Mann hätte von Kafka nicht besser ersonnen werden können. Verurteilt und nach einer vergeblichen Flucht körperlich entstellt harrt Hadda seiner Entlassung um anschließend Rache zu nehmen.
Was sich nach der Beschreibung des Klappentextes wie ein unbarmherziger und blutiger Rachefeldzug anliest, ist in Wahrheit viel mehr: Der elegante Stilist Reginald Hill erzählt eine aus mehreren Teilen bestehende Geschichte, die die Biographie eines gefallenen Mannes ist, eine Ode an Hills Heimat Cumbria im Norden Englands und eine Studie über Rache allgemein.
Wer ein Metzelmassaker mit der Axt im Stile eines Charles-Bronson-Films erwartet, dürfte sich schnell enttäuscht sehen. Anstelle von Gewalt dominiert die Auseinandersetzung zwischen dem einsitzenden Wolf und seiner Psychiaterin Alva Ozigbo. Dies mag nicht spektakulär sein, doch packend ist es auf jeden Fall.
Die Geschichte ist voller Esprit, witzig, mit sensationell ausbalancierten Dialogen und Bonmots versehen und nicht zuletzt auch gut ins Deutsche übertragen. Dies macht aus „Rache verjährt nicht“ ein besonderes Buch, das britisch im besten Sinne ist und zugleich über die ganze beachtliche Länge von knapp 700 Seiten. Ein geistreicher Roman bei dem ich sehr darüber geärgert habe, Reginald Hill erst jetzt entdeckt zu haben, obwohl er wahrlich schon einige Bücher veröffentlicht hat.
Über die ganze Lektüre hinweg hatte ich nur einen traurigen Gedanken im Hinterkopf: dieser großartige Roman wird der letzte von Reginald Hill gewesen sein, da dieser im Jahr 2012 leider verstorben ist – ich hätte mir noch zahlreiche weitere Bücher von diesem eleganten Romancier gewünscht!
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