Robert Wilson – Stirb für mich

Spannung trotz irreführendem Titel & Klappentext

Bitte machen Sie nicht den Fehler und lassen Sie sich von dem Titel oder dem Klappentext dieses Buches täuschen. „Stirb für mich“ von Robert Wilson mutet zwar zu Beginn wie der hundertste Aufguss eines Entführungsthrillers an, entwickelt sich aber schnell zum undurchschaubaren Spiel zwischen verschiedenen Parteien, Charakteren und einer famosen Hatz, die mich fesseln konnte.

Mag es auch vorgeblich um die Entführung der Industriellen-Tochter Alyshia D’Cruz und die Unternehmungen des Ex-Militärs Charles Boxer gehen, sie zu befreien – „Stirb für mich“ führt schnell eine Vielzahl von Protagonisten und Gruppen ein, die ihr Interesse an Alyshia und ihrem Vater Frank D’Cruz haben. Das erfordert vom Leser einige Aufmerksamkeit, liest sich aber interessanter als der nächste Abklatsch eines platten Kidnapping-Krimis.

Was sich schon im grandiosen Sevilla-Quartett Wilsons andeutete, führt er auch in „Capital Punishment“ (so der viel treffendere Originaltitel) fort. Geheimdienste und ihre klandestinen Operationen bekommen genauso ihren Platz im Buch wie interessant Exkurse über Terror und das moderne Indien. All das macht das Buch in meinen Augen sehr lesenswert und überzeugt dank der Schreibe Wilsons und seinem Talent, die komplizierte Welt da draußen nicht unnötig einfach machen zu wollen.

Etwas überrascht war ich aber trotzdem schon: Einer der laut New York Times „besten Thrillerautoren der Welt“ legt ein neues Werk vor und das Interesse ist dabei verschwindend gering? Zugegeben, wer glaubt noch irgendwelchen Lobpreisungen, die von Kollegen oder Zeitungsredaktionen über Autoren ausgeschüttet werden?
Bei Robert Wilson finde ich die Vorschusslorbeeren allerdings ausnahmsweise einmal gerechtfertigt, schließlich war er ja bereits mehrere Male auch für die Dagger-Awards, also die britischen Buchpreise für Kriminalliteratur, nominiert. Auch „Stirb für mich“ ist wieder für einen Dagger nominiert – und das meiner Meinung nach völlig zu Recht.

Ein vielschichtiges Buch mit einigen Strängen, die erfordern, dass der Leser einen Überblick über die Protagonisten behält, und ein Einblick in das heutige Indien. Spannung ist definitiv vorhanden, auch wenn sich der deutsche Verlag den nichtssagenden Titel und den unglücklich formulierten Klappentext hätte schenken können. Außergewöhnlich gut!

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