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Vorschau – Highlights I

Frische Bücher für 2016

Mit dem Erscheinen der Vorschauen für das literarische Frühjahr beginnt für mich immer die beste Zeit, bei der man vor lauter Blättern und Vormerken der Titel fast ganz vergisst, dass man auch dieses Jahr gar nicht zum Lesen all dieser spannenden und vielversprechenden Geschichten kommen wird. Dennoch habe ich mir vorgenommen, möglichst vielen Büchern meine Aufmerksamkeit zukommen zu lassen und Neues zu entdecken.
Hier deshalb ein paar Highlights, auf deren Erscheinen ich mich schon wirklich freue und die vielleicht auch bald hier auf diesem Blog noch genauer vorgestellt werden:

David Mitchell – Die Knochenuhren

Klappentext des Verlags:

978-3-498-04530-2An einem verschlafenen Sommertag des Jahres 1984 begegnet die junge Holly Sykes einer alten Frau, die ihr im Tausch für „Asyl“ einen kleinen Gefallen tut. Jahrzehnte werden vergehen, bis Holly Sykes genau versteht, welche Bedeutung die alte Frau dadurch für ihre Existenz bekommen hat.
Die Knochenuhren folgt den Wendungen von Holly Sykes‘ Leben von einer tristen Kindheit am Unterlauf der Themse bis zum hohen Alter an Irlands Atlantikküste, in einer Zeit, da Europa das Öl ausgeht. Ein Leben, das gar nicht so ungewöhnlich ist und doch punktiert durch seltsame Vorahnungen, Besuche von Leuten, die sich aus dem Nichts materialisieren, Zeitlöcher und andere kurze Aussetzer der Gesetze der Wirklichkeit. Denn Holly – Tochter, Schwester, Mutter, Hüterin – ist zugleich die unwissende Protagonistin einer mörderischen Fehde, die sich in den Schatten und dunklen Winkeln unserer Welt abspielt – ja, sie wird sich vielleicht sogar als deren entscheidende Waffe erweisen.

Darum freue ich mich:

Der Wolkenatlas ist mir nicht nur aufgrund der Verfilmung, sondern auch aufgrund seiner literarischen Brillanz noch immer gut in Erinnerung. Momentan lese ich gerade den nicht minder originellen Schmöker Die tausend Herbste des Jacob de Zoet und giere nach mehr. Umso schöner dass dieses Buch nun abermals in der Übersetzung von Volker Oldenburg erscheint und schon der Klappentext wieder eine überbordende Mischung verschiedenster Themen verspricht.

 


 

William Boyd – Die Fotografin: die vielen Leben der Amroy Clay

Klappentext des Verlags:

FotografinEin Klick, die Blende schließt – der Startschuss zu einem neuen Leben. Mit sieben hält Amory Clay ihre erste Kamera in Händen, eine Kodak Brownie Nummer 2, und mit ihr sind alle Weichen gestellt. Amory Clay, Fotografin, Reisende, Kriegsberichterstatterin. Statt als Gesellschaftsfotografin in London zu reüssieren, lässt Amory alles Vertraute hinter sich und beginnt 1931 ein Leben voller Unwägbarkeiten in Berlin. Ein Berlin der Nachtclubs, des Jazz, der Extravaganz und Freizügigkeit – und der ersten Anzeichen von Bedrohung und Willkür.
Amory Clay, eine Frau, die ihrer Zeit weit voraus ist, die unerschrocken ihren Weg geht, ihre Lieben lebt, ihre Geschicke selbst in die Hand nimmt. Tief fühlt sich William Boyd in sie ein und versteht es glänzend, Fiktion und Geschichte miteinander zu verschränken: das ausschweifende Berlin der frühen dreißiger Jahre, New York, wo sie den Mann trifft, der alles verändert, Paris im Zweiten Weltkrieg. Nach »Ruhelos« hat Boyd erneut eine unvergessliche Heldin geschaffen, eine verwegene, verblüffend moderne Frau, einen Künstlerroman, der das Porträt einer ganzen Epoche zeichnet.

Darum freue ich mich:

Egal ob RuhelosEines Menschen HerzArmadillo, Einfache Gewitter oder Eine große Zeit. Noch nie ist mir bislang ein schlechter Roman William Boyds untergekommen. Schon lang habe ich mir vorgenommen, diese tollen Bücher abermals zu lesen. Vielleicht bietet mir Die Fotografin genau diese Chance, wieder tief in den Boyd-Kosmos einzutauchen und wieder ein paar ältere Titel zur Hand zu nehmen?

 

Anthony Marra – Letztes Lied einer vergangenen Welt

 

Klappentext des Verlages:

MarraKeiner versteht es so wie Roman Markin, Menschen einfach verschwinden zu lassen. Wer im Leningrad der 1930er-Jahre staatlich liquidiert wird, dessen Foto landet auf dem Tisch des Retuscheurs. Nicht ein einziges Bild soll bezeugen, dass diese Person je existiert hat. Doch eines Tages will Roman nicht dem Vergessen dienen, sondern sich erinnern: an seinen Bruder – und bringt sich damit in große Gefahr …
Anthony Marra erzählt von Menschen zu ganz unterschiedlichen Zeiten: von der Primaballerina, die im Gulag Schwanensee tanzen muss; von ihrer Enkelin Galina, die sich an das Einzige klammert, was ihr von ihrer Jugendliebe bleibt: ein Gemälde des idyllischen Ortes, an dem er starb; von Kolya und seinem Bruder, die sich in der Trostlosigkeit einer sibirischen Bergbaustadt an den einzigen Traum klammern, der ihnen bleibt: die Weite des Weltalls, im Ohr die Nussknacker-Suite.

Darum freue ich mich:

Anthony Marras erster Roman Die niedrigen Himmel begeisterte mich schon über die Maßen (deshalb auch ein verdienter erster Platz in meinen Jahrescharts 2015). Umso erfreuter war ich, als ich in den Ankündigungen nun diese neuen Stories des Amerikaners über sein Leib-und-Magen-Thema Russland entdeckte.
Nachdem ich auch mit meinem letzten Kurzgeschichtenband aus dem Hause Suhrkamp mehr als gute Erfahrungen gemacht habe, freue ich mich auch auf diese Geschichtensammlung sehr. Und außerdem ist das Cover ein echter Blickfang!

Joel Dicker – Die Geschichte der Baltimores

Klappentext des Verlags:

DickerBis zum Tag der Katastrophe gab es zwei Goldman-Familien. Die Baltimore-Goldmans und die Montclair-Goldmans. Die »Montclairs« sind eine typische Mittelstandsfamilie, kleines Haus im unschicken New Jersey, staatliche Schule für Marcus, den einzigen Sohn. Ganz anders die Goldmans aus Baltimore: Man ist wohlhabend und erfolgreich, der Sohn Hillel hochbegabt, der Adoptivsohn Woody ein Sportass erster Güte. Als Kind ist Marcus hin- und hergerissen zwischen Bewunderung für diese »besseren« Verwandten und Eifersucht auf ihr perfektes Leben. Doch Hillel und Woody sind seine besten Freunde, zu dritt sind sie unschlagbar, zu dritt schwärmen sie für das Nachbarsmädchen Alexandra – bis ihre heile Welt eines Tages für immer zerbricht. Acht Jahre danach beschließt Marcus, inzwischen längst berühmter Schriftsteller, dass es Zeit ist, die Geschichte der Baltimores aufzuschreiben. Aber das Leben ist komplizierter als geahnt, und die »Wahrheit« über ihre Familie scheint viele Gesichter zu haben.

Darum freue ich mich:

Joel Dicker – dieser Name bürgt für mich für Qualität. Seinen Roman Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert halte ich für mehr als gelungen, ein Schmöker, der mich eine Woche im August 2013 gefangen genommen hat. Wie der Schweizer seine erfundene amerikanische Kleinstadt schildert, das war für mich großes Kino. Hoffentlich kann Die Geschichte der Baltimores da wieder anknüpfen! 
 

Anthony Doerr – Memory Wall

Klappentext des Verlags:

DoerrUnser Leben, unsere Welt werden durch unsere Erinnerungen zusammengehalten. Was geschieht mit uns, wenn wir sie verlieren, und welche Möglichkeiten tun sich auf, wenn andere unsere Erinnerungen wiederbeleben können? Der 74-jährigen Alma Konachek, die in einem Vorort von Kapstadt lebt, widerfährt genau dies. Sie verliert ihr Gedächtnis. Unbekannte brechen mehrfach in ihr Haus ein, auf der Suche nach Hinweisen zu einem spektakulären Fossilienfund ihres plötzlich verstorbenen Mannes. Denn Alma hat eine Wand voller Fotos, Gedächtnisstützen, Speichermedien, in der sich irgendwo der fehlende Hinweis zu dem gesuchten Fossil befindet.
In dieser lichten, wunderschönen Novelle gelangt schließlich ein Junge in den Besitz des Geheimnisses dieser alten Frau und ihres Mannes, einer Episode aus ihrer Vergangenheit mit der Macht, ein Leben zum Guten zu wenden. Der Junge reist dazu in die Karoo-Wüste und setzt sich dieser wilden Landschaft aus. Wie alle Werke Doerrs zeugt auch dieses von der Größe des Lebens – von der geheimnisvollen Schönheit der Fossilien, Wolken, Blätter – vom atemberaubenden Glück, in diesem Universum zu leben. Die Vorstellungskraft und Sprachmacht, das Einfühlungsvermögen und die Erzählkunst Anthony Doerrs sind unvergleichlich.

Darum freue ich mich:

Platz 2 in meinem Ranking der besten Bücher des Jahres 2015 und nun eine Novelle? Ist gekauft! Wenn er er schafft, die erzählerische Magie seines Buchs Alles Licht, das wir nicht sehen erneut zu entfachen, wird dieses Buch hoffentlich auch im Jahresranking 2016 weit oben stehen. Der Klappentext klingt auf jeden Fall auch schon einmal verheißungsvoll!

Diese persönlichen Highlights sind nur ein kleiner Ausschnitt des breiten Spektrums, mit dem die Verlage uns schon bald beehren. Worauf freut ihr euch? Welche Titel muss man im Auge behalten?

Rückblick – Die Besten 2015

Die 10 besten Bücher des Jahres

Zugegeben, so ganz hab ich das mit dieser Liste bis zum Jahresende nicht ganz hinbekommen, dafür waren einfach noch zu viele Bücher zu lesen. Nun ist aber die Zeit gekommen, Rückschau zu halten und ein paar Titel hier nochmals aufzulisten, die mir dieses Jahr besonders viel Freude bereitet haben, mich besonders zum Nachdenken gebracht haben oder einfach gut unterhalten haben.
Einsteigen, Anschnallen, hier kommt meine Top Ten Liste: Nicht alle Titel sind frisch dieses Jahr erschienen, für eine Top 20 wären auch mehr als genug Bücher da gewesen, bei ungefähr 120 gelesenen Titeln hatte ich auch eine breite Auswahl. Hier jedenfalls die streng auf 10 Titel limitierte Liste (mit dem Klick aufs Cover kommt ihr zu den entsprechenden Rezensionen in Langform):

Platz 10
Richard Ford – Frank

Altherrenprosa eines grumpy, white old man, so dachte ich zunächst nach dem Studium des Klappentextes von Richard Fords Frank. Interessiert es mich wirklich, was ein amerikanischer Grummler im Ruhestand zu sagen hat? Absolut, wie ich nach der Lektüre dieses Buchs feststellen durfte. Vier etwa gleichlange Erzählungen bilden den Rahmen der Reflektionen von Frank Bascombe. Dieser muss sich mit dem Zerfall und der Endlichkeit auseinandersetzen, vanitas und memento mori in den Vereinigten Staaten. Ob er Veteranen am Flughafen begrüßt oder ob der Hurrikan Sandy nicht nur Franks ehemaliges Zuhause vernichtet – Franks Erlebnisse sagen viel über den momentanen Zustand Amerikas aus und sind darüber hinaus wirklich exzellent zu lesen.

Platz 9
Michael Robotham – Um Leben und Tod 

Was bringt einen Menschen dazu, ein paar Tage vor seiner finalen Haftentlassung zu fliehen und alles aufs Spiel zu setzen, was er hat?
Diesen Gedanken spinnt Michael Robotham in seinem Thriller Um Leben und Tod durch und serviert uns mit Audie Palmer einen grundsympathischen Helden, den man trotz Ausbruch und Himmelfahrtsmission unterstützen möchte.
Michael Robotham kann einfach schreiben. Geschmeidig greift ein Rädchen ins andere, die eine Enthüllung führt zur nächsten. Mit hoher Präzision führt er den Leser durch den Plot und vermag das ein ums andere mal mit einem Hakenschlag zu überraschen und dabei die Figurentiefe nicht zu vergessen.
Zu Recht wurde dieser Roman auch mit dem Dagger-Award als bester Krimi des Jahres ausgezeichnet!

Platz 8
Adam Johnson – Nirvana

Kurzgeschichten sind immer ein Thema für sich. Oftmals hat man das Gefühl, der Autor sei mit dem Besen durch die Schreibstube gefegt und hätte alle Überreste, Manuskriptschnipsel und Ideenfragmente zusammengekehrt und in Form eines Kurzgeschichtenbandes Reibach machen wollen. Bei Adam Johnson hatte ich dieses Gefühl zu keiner Zeit. Souverän, originell und toll geschrieben sind seine Kurzgeschichten, die lange im Gedächtnis bleiben.
Johnson erzählt von einer Flucht aus Südkorea, von einem uneinsichtigen Aufseher eines Stasi-Gefängnisses oder von der Krebserkrankung einer Frau, die mit einem Schriftsteller verheiratet ist (das alter ego des Autoren ist nicht von der Hand zu weisen).
Intensive, originelle und erinnerungswürdige Kurzgeschichten!

Platz 7
Adrian McKinty – Die verlorenen Schwestern

Adrian McKinty ist einer meiner absoluten Lieblingsautoren, der im Krimisegment einfach Maßstäbe setzt. So leicht wie er kann kaum ein Autor mit Form und Struktur spielen, pokulturelle Bezüge einflechten und die Leser auf gleichbleibendem Niveau unterhalten. Mit Die verlorenen Schwestern beweist er das erneut, der Roman ist ein verzwickter Krimi im Krimi. Erst wenn der katholische Bulle Sean Duffy ein altes Rätsel um einen Mord in einem von innen verschlossenen Pub löst, kann er in seinem aktuellen Fall einem Bombenleger das Handwerk legen. Große Krimikunst und dazu noch unglaublich unterhaltsam und auch in Sachen Anspielungen auf die Kunst und Kultur der wilden 80er sehr unterhaltsam.
Der für mich bislang beste Buch der vier Titel der Reihe bislang.

Platz 6
Karl-Ove Knausgård – Lieben

Selten hat mich ein Buch zuletzt so aufgewühlt und die Vorlage dafür gegeben, meine eigenen Gedanken und Vorstellungen zu hinterfragen. Schuld daran ist der Norweger Karl-Ove Knausgård und seinen autobiographischen Erinnerungen. Mit seinem ersten Buch Sterben kriegte er mich noch nicht so wie mit diesem Titel. Die Lektüre dieses über 750 Seiten starken Titels zog sich bei mir über mehrere Wochen. Aber immer wieder wenn ich zu diesem Titel griff hatte ich schon nach einigen Seiten und geschilderten Szenen den Eindruck – das kenne ich, hier finde ich mich wieder. Knausgårds Reflektionen sind teils banal, teils philosophisch, auch beschreibt er ungeschönt das Leben und wie sich die Liebe bei ihm äußert. Eine großartige Reflektionsvorlage und ein Dokument der Liebe und ihrer Bedeutung für ein Individuum.

Platz 5
Steffen Kopetzky – Risiko

Dieses Buch war meine erste Begegnung mit Steffen Kopetzky, und auch einer Lesung mit dem Pfaffenhofener Autoren durfte ich in diesem Jahr beiwohnen. Sein Risiko ist ein episches Breitwandabenteuer, ein Roman für Karl-May- und Spionage-Fans und so faszinierend wie facettenreich.
Er erzählt von einer ebenso verzweifelten wie mutigen Expedition, die den Schiffsmaat und Funker Sebastian Stichnote von den Schiffen Breslau und Göben über Istanbul durch die Wüste bis Afghanistan führen wird.
Liebe, Verschwörung, Kämpfe, Verfolgungen – in diesem Roman gibt es alles. Übergreifendes Motiv ist das Spiel Risiko oder wie es damals hieß Das große Spiel. Ein toller Schmöker, in dem man nächtelang versinken kann und sich an der Sprache delektiert. So muss ein historischer Roman sein!

Platz 4
John Williams – Butcher’s Crossing

Auf der Nummer 4 kurz vor dem finalen Treppchen findet sich ein Roman, der 2015 nach einem langen Dornröschenschlaf von Bernhard Robben neu ins Deutsche übertragen wurde und nach dem großartigen Stoner als zweite Perle von John Williams jetzt neu entdeckt wurde. Nach dem Lebensweg in Stoner (Farmerjunge wird Universitätsdozent) geht es jetzt für Andrews den umgekehrten weg. Von der Uni aus bricht er auf, um sich als Mann zu beweisen und Büffel zu jagen.
Doch sein Trip in die große Wildnis und sein Plan zur Büffeljagd werden schnell zu einem existenzialistischen Kampf ums Überleben, als seine Mannschaft vom Schnee in den Bergen überrascht wird und die Natur unbarmherzig zurückschlägt. Meine Wiederentdeckung des Jahres!

Platz 2
Joachim Meyerhoff – Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Bei diesem dritten Band von Meyerhoffs Erinnerungen stimmt alles: Timing, Pointen und Nostalgie. Sein Buch ist eine warmherzige Hommage an seine Großeltern und zugleich seine Zeit an der Otto-Falckenberg-Schauspielschule in München.
Selten musste ich in letzter Zeit bei einem Buch so viel lachen und dann wieder wehmütig an die Zeit mit den Großeltern zurückdenken. 
Meyerhoff gelingt der Spagat zwischen Erinnerung, Pointengewitter und nüchterner Betrachtung anstelle von verklärtem Kitsch.
Das Beste seiner bislang drei erschienenen Bücher. Dieses Buch sollte verschenkt, gelesen und dann wieder verschenkt und gelesen werden. Großartig!

Platz 2
Anthony Doerr – Alles Licht, das wir nicht sehen

Ich weiß nicht, wann mich ein Buch zuletzt derart beeindruckt hat, mich mitzittern ließ, mich in seine Welt zog und heftig schlucken ließ. Bei Alles Licht, das wir nicht sehen ist genau dies im Sommer 2015 der Fall gewesen. Obwohl man natürlich einwenden könnte – schon wieder ein Buch über den Zweiten Weltkrieg, ist das wirklich noch notwendig und lohnend? Ja, wenn es so toll erzählt ist, wie Anthony Doerr es tut. Wie meisterhaft er die zwei Erzählstränge von Werner Hausner und Marie-Laure gegeneinander verschneidet und sie vom Ruhrgebiet und Paris nach Saint-Malo gelangen lässt, das ist große Literatur und absolut mitreißend. 
Neben Ralf Rothmanns Im Frühling sterben dieses Jahr der beste Titel über ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte!

Platz 1
Anthony Marra – Die niedrigen Himmel 

Ein Buch, so gut, dass ich es in der Mitte abbrach um noch einmal von vorne beginnen zu können. Eine Sprachmacht, die seinesgleichen sucht. Der für mich best-konstruierte Roman, den ich dieses Jahr lesen durfte, dessen Faszination mit dem Voranschreiten jeder Seite steigt. Virtuos springt Marra zwischen den Zeiten hin und her, reißt einzelne Schicksale an, lässt Verknüpfungen langsam entstehen und zeigt mehr als eindrücklich, dass Heldenmut, Nächstenliebe und Courage auch in schwersten Zeiten Bestand haben können. Sein eindringliches Portrait des Tschetschenienkriegs und des Lebens der Menschen unter schwierigsten Bedingungen ist so eindrücklich wie fesselnd, es ergeben sich Querverbindungen und man hat den Eindruck, dass alles mit allem zusammenhängt. Mein Lieblingstitel des Jahres – dieses Buch werde ich auch definitiv noch das ein ums andere Mal in die Hand nehmen!

Welche Bücher haben euch dieses Jahr über die Maßen begeistert? Welche Titel vermisst ihr auf der Liste? Ich freue mich auf eure Anregungen!

Bücher unterm Weihnachtsbaum

Bücher unterm Baum

Überraschung – noch 10 Tage bis Weihnachten – und noch immer keine Idee, was ihr schenken sollt?
Um diesem Problem zu begegnen, habe ich mich einmal für euch hingesetzt und einige Bücher hier versammelt, die zur Weihnachtszeit tolle Geschenke sind. Überhaupt, Bücher sind ja mein Präsent Nummer Eins, mit dem richtigen Buch für den richtigen Menschen kann man nämlich kaum etwas verkehrt machen.
Und bevor ihr jedem eurer Lieben 25 von Adele unter den Baum legt, dann macht euch lieber ein bisschen Mühe und sucht einen Buchhändler oder eine Buchhändlerin eures Vertrauens auf und lasst euch beraten oder von mir inspirieren. Und wenn das gewünschte Buch nicht vorrätig sein sollte, dann kann es euch der Buchhändler auch noch fix (meist sogar am nächsten Tag) besorgen, wenn er oder sie auf zack ist.
Außerdem macht es ja Spaß, im allgemeinen Trubel einfach mal ein bisschen zu verharren, zwischen Buchregalen zu stöbern und in andere Welten zu versinken.
Doch genug der Vorrede, hier kommen meine Tipps – vom spannenden Thriller bis hin zum gesellschaftskritischen Buch. Taschenbücher, fest gebundene Bücher Paperbacks. Dicke Titel und auch schmale Werke. Ob erst als teureres Hardcover erschienen, oder doch als preisgünstigere Taschenbuch – lasst euch einfach inspirieren!

Die schützende Hand – Wolfgang Schorlau

(Kiepenheuer&Witsch, Paperback, 14,99 €, ISBN 9783462046663)
 

 

„Wer erschoss Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos?“ Diese Frage führt den Stuttgarter Privatdetektiv und EX-BKA-Ermittler Georg Dengler in seinem mittlerweile achten Fall ganz tief in die Geheimnisse des NSU und seiner schützenden Aufpasser. Wie Dengler gräbt sich auch Schorlau immer tiefer in den Komplex aus Staatsschutz, Vertuschung und ausländerfeindlichen Morden. Und schon bald wird klar, dass es hier deutlich mehr Fragen als Antworten gibt. Mit vielen Quellen breitet Schorlau die Hintergründe dieses wohl einzigartigen Falles aus und zeigt, wie tief in die Morde auch staatliche Stellen verstrickt waren und sind. Weniger ein Krimi als ein hochaktuelles Zeitdokument des Themas NSU. Gut geschrieben, gut lesbar und ein ideales Geschenk für jeden an Zeitgeschichte und Spannung interessierten Leser (z.B. Papa).

 

Die Romantherapie – Susan Elderkin (…)

(Insel-Verlag, Taschenbuch, 10,00 €, ISBN 9783458360353)

Was soll ich immer nur lesen? Eine essenzielle Frage, die sich dem Leser guter Bücher öfter stellt. Susann Elderkin und ihre Mitstreiter setzen dieser Frage nun ihre Romantherapie entgegen, die 253 Bücher für ein besseres Leben anbietet. Was hier so pathetisch klingt, ist ein nach thematischen Schwerpunkten geordnetes Kompendium, das Bücher für bestimmte Situationen anbietet. Diese sind alphabetisch geordnet und bietet somit jedes Mal genau das Buch, das der Situation entgegenkommt. Es gibt Bücher gegen Angst, für Hochzeiten, gegen Stress, Einsamkeit, und so weiter und so fort. Die Bücher gehören teilweise zum Kanon der Weltliteratur, teilweise sind spannende Entdeckungen dabei. Jeweils kurz wird auf den Inhalt Bezug genommen, ehe die Verbindung zum thematischen Oberbegriff hergestellt wird.

 

Angereichert wird das mit Listen (u.a. die besten Bücher bei Erkältungen, für die Insel, für jeweilige Lebensabschnitte, etc.), Glossaren und Registern. Ein tolles Geschenk für jeden Bücherwurm!

Der amerikanische Architekt – Amy Waldman

(Heyne, Taschenbuch, 9,99 €, ISBN 9783453417625)
In Zeiten, in denen amerikanische Präsidentschaftskandidaten Muslimen die Einreise in die Vereinigten Staaten von Amerika komplett verbieten möchten, in denen sich Muslime stets nach Attentaten persönlichen von den Taten distanzieren müssen, in denen die Hysterie allgemein zuzunehmen scheint, da scheint ein kühler Kopf mehr als geboten. Diese geistige Abkühlung, will sagen Reflektion, bietet Amy Waldman mit der klugen, multiperspektivische Erzählung Der amerikanische Architekt. Dieser Architekt ist eigentlich ein Muslim, der mit dem Glauben eigentlich gar nichts am Hut hat. Doch dann gewinnt er ausgerechnet die Ausschreibung eines Wettbewerbs zur Gestaltung der Gedenkstätte für die Opfer eines Anschlags, der von radikalen Muslimen verübt wurde. Als die Identität des Architekten ans Licht der Öffentlichkeit kommt, beginnt ein Kampf der Kulturen, der Werte und der Lebensentwürfe. Waldman liefert keine Antworten, sondern beobachtet nur distanziert, wie die Debatte ihren Lauf nimmt. Hier darf man selbst überlegen, Position beziehen und sich in andere einfühlen. Das beste Rezept gegen Hysterie und ein ideales Geschenk für alle, die gerne den Kopf einschalten!

Breaking News – Frank Schätzing

(S.Fischer-Verlag, Taschenbuch 12,00 €, ISBN 9783596030644)
 
Breaking News ist das Amalgam aus der Geschichte Israels, einer Begehung der Schauplätze des arabischen Frühlings und ein Polit-Verschwörungsthriller.
Frank Schätzing erzählt stellvertretend durch drei Charaktere die Entwicklung Israels von der Gründung 1948 bis hin zur Regierung Scharon. Diese Familienerzählung beleuchtet die verschiedenen Aspekte, die Israel heute ausmachen (Siedler, ultraorthodoxe Juden, etc.) und die Gemengelage, die eine Lösung des Israel-Palästina-Konflikts nahezu unlösbar erscheinen lässt.
In diese Episoden, die chronologisch immer wieder aufblitzen, schneidet Schätzing die Geschichte von Tom Hagen, einem einstigen Reporterstar, der nun nach Fehlern auch im arabischen Frühling immer einen Schritt zu spät ist. Doch dann gerät er in Israel an Material, an dem auch der Geheimdienst Schin Bet Interesse hat und deshalb die Jagd auf Hagen eröffnet.
Dass Breaking News so ausgezeichnet funktioniert liegt an der tollen Schreibe Schätzings. er schafft es, in seiner prägnanten Sprache das Tempo zu variieren, Szenen zu überblenden und gekonnt zwischen seinen Protagonisten hin- und herzuwechseln. Großes Kino und mit fast 1000 Seiten auch ein Geschenk, an dem der Thriller- und Geschichtsfan lange seine Freude hat!

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke – Joachim Meyerhoff

(Kiepenheuer&Witsch, Hardcover, 21,99 €, ISBN 9783462048285)
Bereits der dritte Band seiner autobiographischen Erinnerungen – und sein bester bislang. Meyerhoff erinnert sich in diesem Buch an seine Großeltern, die in ihrer Villa in Nymphenburg dem Alkohol über den Tag und die Maßen zusprechen. Während sich die Großeltern einen ganz eigenen Rhythmus geschaffen haben, muss Meyerhoff derweil an der Otto-Falckenberg-Schule einiges an Drill über sich ergehen lassen, da er Schauspieler werden will, ganz wie die eigene Großmutter.
Meyerhoffs Buch ist unglaublich lustig und ebenso traurig. Die Nostalgie und die Erinnerungen an die Großeltern verschneidet er mit lustigen Szenen aus seiner Schauspieler-Ausbildung und erzählt mit großem humoristischen Geschick. Alleine die Szenen der Gespräche seiner Großeltern und die komikreichen Schilderungen der Eigenheiten der Senioren sind die Lektüre dieses Buches wert.   Ein ideales Weihnachtsgeschenk für jeden, der gute Bücher und Humor mag. Ohne den Schenkelklopferwitz bedienen zu wollen, schafft Meyerhoff einen der lustigsten und melancholischsten Titel seit Langem. Für alle!

Die Gestirne – Eleanor Catton

(btb-Verlag, Hardcover, 24,99 €, ISBN 978-3-641-15896-5)

Und zum Abschluss nach Breaking News noch ein ebensolch dicker Schmöker, der diesmal nach Neuseeland entführt. Geschrieben hat ihn Eleanor Catton, die die jüngste Booker-Preisträgerin aller Zeiten ist. Ihr Buch ist mit 1040 Seiten mehr als nur umfangreich und bietet ein pralles Panoptikum an unterschiedlichsten Themen: Horoskope, Goldgräber, ungelöste Morde, Liebe – was will man mehr? Genau das Richtige für lange Winterabende, Teetassen, Kaminfeuer und Decken. Hier sei noch kurz der Klappentext zitiert:
Neuseeland zur Zeit des Goldrausches 1866: Als der Schotte Walter Moody nach schwerer Überfahrt nachts in der Hafenstadt Hokitika anlandet, trifft er im Rauchzimmer des örtlichen Hotels auf eine Versammlung von zwölf Männern, die eine Serie ungelöster Verbrechen verhandeln: Ein reicher Mann ist verschwunden, eine opiumsüchtige Hure hat versucht, sich das Leben zu nehmen, und eine ungeheure Summe Geld wurde im Haus eines stadtbekannten Säufers gefunden. Moody wird bald hineingezogen in das Geheimnis, das schicksalhafte Netz, das so mysteriös ist wie der Nachthimmel selbst.

 

So – und damit viel Spaß beim Besuch in der Buchhandlung eures Vertrauens!

Habt ihr auch Geschenketipps für Weihnachten? Dann immer her damit!

 

Augsburg und seine Blogger

Blogger Augsburgs, vereinigt euch!

Vor einiger Zeit durfte ich im Rahmen der Augsburger Blogparade auch einen Beitrag über mein Augsburg schreiben, und heraus kam dieser Artikel über das literarische Augsburg.

Doch bei der Auflistung blieb ein Wermutstropfen – hatte man doch einen mehr oder minder Kessel Buntes an Blogs bekommen. Welcher Blog hat eigentlich welchen Schwerpunkt? Welche Blogs passen abseits der einzelnen Artikel am besten zu meinen Interessen oder in meinen Newsfeed? Und waren in der Liste wirklich alle Blogs vertreten, die die Bürger dieser Stadt so betreiben?Schon damals zeigte sich wie mannigfaltig die Bloggerszene aus Augsburg ist. Unterschiedlichste Beiträge – von Gastro-Tipps über Konzert-Locations bis hin zu höchst subjektiven Liebeserklärungen an die Stadt reichte die Palette – deckten wohl fast alle Geschmäcker ab. Gerade für eine Stadt wie Augsburg, die nicht unbedingt den Ruf als Digitalstadt Nr. 1 genießt, spricht die Anzahl und Varietät der Blogger und Blogs eine deutliche Sprache.

Monika Schmich von Candid Communications hat sich nun einmal die Mühe gemacht, sämtliche bekannte Blogs von Augsbürgern und über Augsburg zu sammeln, nach Themen zu ordnen und in eine ansprechende Form zu bringen. Hier ist das Ergebnis

Eine tolle Übersicht und neues Futter für alle Feed-Reader, Lesezeichen-Listen und persönliche Seiten-Favoriten. Viel Spaß beim Entdecken!

Augsburg Literarisch

Die Büchereien Augsburgs

Die Stadtbücherei Augsburg (c) AZ

Zunächst – schon rein beruflich prädestiniert – will ich ein paar Worte zu den Büchereien Augsburgs verlieren, allen voran die Stadtbücherei Augsburg, mein Arbeitgeber. Mit 1,3 Millionen Ausleihen im Jahr 2014 kann sich die Bücherei, die die größte öffentliche Einrichtung im schwäbischen Raum ist, sicherlich sehen lassen. Für 20 Euro Jahresgebühr (bzw. 10 Euro für Studenten, Schüler, Rentner, etc.) bekommt man einen interessanten Mix aus Kinder- Sach – oder Hörbüchern, Spielen, BluRays oder Konsolenspielen. Auch E-Books lassen sich ohne Mehrgebühren ausleihen – somit muss man das Sofa eigentlich gar nicht verlassen, um die Bücherei zu nutzen. Mehr  250.000 Medien beträgt der Bestand, der sich auf die Hauptstelle am Ernst-Reuter-Platz und die vier Zweigstellen in Kriegshaber, Lechhausen, Haunstetten und Göggingen aufteilt. Ein besonderer Service ist in meinen Augen auch der schon etwas betagte Bücherbus, der von der Firnhaberau bis nach Inningen alles anfährt, was zu weit von den Büchereien entfernt ist.

Nachdem das Projekt einer neuen Stadtbücherei sehr sehr lang auf Halde lag ist es umso erfreulicher, dass die Stadtteile nun eigentlich ganz gut ans literarische Netz angeschlossen sind. Mal schauen wie sich die finanzielle Schieflage der Stadt auf die kommenden Jahre auswirken wird …

Die UB Augsburg

Doch natürlich sollte an dieser Stelle auch die Universitätsbibliothek mit ihren höchst unterschiedlichen Teilbibliotheken oder die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg nicht unerwähnt bleiben.

Der Bestand der UB Augsburg ist klar auf das wissenschaftliche Buch ausgerichtet – jeder der im Bestand der Stadtbücherei nicht fündig wird, sollte hier mal einen Blick riskieren. Zudem ist die Benutzung der UB Augsburg kostenlos, als sogenannter Ortsnutzer kann jeder ansässige Interessierte eine Karte erhalten, die gratis ist.

Die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg

Und wem die Universitätsbibliothek zu modern ist, der dürfte sich in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg wohlfühlen. Diese Bibliothek marschiert trotz Finanzierungssorgen stramm auf ihr 500-jähriges Bestehen zu und gehört inzwischen dem Freistaat. Die in der Schaezlerstraße gelegene Staats- und Stadtbibliothek hat auch das schwäbische Pflichtexemplarrecht inne, sprich jedes Buch, das in Schwaben erscheint und gedruckt wird, muss mit einem Exemplar dort abgeliefert werden. Man kann sich vorstellen, was das in der Stadt mit Weltbild, Wißner- und Kontextverlag und Konsorten bedeutet …

Daneben gibt es natürlich noch kleinere Bibliotheken mit wissenschaftlichem Schwerpunkt wie die der FH Augsburg oder spezielle Einrichtungen wie die Diözesan- und Pastoralbibliothek.

Wer also ein spezielles Buch in Augsburg sucht und ausleihen möchte, der wird ziemlich sicher fündig. Aber auch für all diejenigen, die Bücher nicht leihen sondern besitzen möchten, die werden in Augsburg glücklich

 

Die Buchhandlungen Augsburgs

Die Buchhandlung am Obstmarkt (c) Kurt Idrizovic

Abgesehen von den üblichen verdächtigen Ladenklonen, die sich in jeder Großstadt finden (und bei denen mal wohl öfter einen Badezusatz als einen wirklich ausgefallenen Titel findet) gibt es in Augsburg eine erfreulich hohe Dichte an inhabergeführten Buchhandlungen, die wohl für jeden Geschmack etwas bieten. Vom altehrwürdigen Antiquariat bis hin zum modernen Shop mit sorgsam kuratierten Programm gibt es in dieser Stadt viele Facetten. Egal ob die kleine familiäre Taschenbuchhandlung Krüger im Färbergässchen oder die große Auswahl von Bücher Pustet (bei der man auch zweimal im Jahr im Rahmen der Lesenacht übernachten und schmökern kann, schon ausprobiert) – eigentlich kann man in der Innenstadt kaum ein paar Schritte tun, ohne über eine Buchhandlung zu stolpern. Egal ob gelungene Mischung aus Feinkost- und Buchhandlung (Kolonial und Feinkost neben der Kresslesmühle) oder repräsentative Räume (Rieger&Kranzfelder im alten Fuggerhaus) – irgendwo wird sicher jeder fündig.

An dieser Stelle muss auch auf jeden Fall auch die umtriebige Buchhandlung am Obstmarkt von Kurt Idrizovic genannt werden, die neben ihrem ausgewählten Sortiment von Gegenwartsliteratur auch mit Veranstaltungen nicht geizt. Egal ob Literatur im Biergarten, Brecht-Spaziergänge oder Lesungen im Bahnpark Augsburg – wenn es um literarische Veranstaltungen in Augsburg geht, dann ist Idrizovic meist nicht weit weg.

 

Was sonst noch geboten ist

Doch auch außerhalb von Bibliotheken und Buchhandlungen ist die Literatur in Augsburg in einer erfreulichen hohen Dichte anzutreffen. Eine dieser Idrizovic-Ideen war auch der Literarische Salon, der inzwischen in der Haag-Villa stattfindet. Verschiedene Persönlichkeiten (und manchmal auch meine Wenigkeit) stellen lesenswerte Titel vor und diskutieren diese dann untereinander, Reibungen nicht ausgeschlossen.

Ebenfalls im Theater, und zwar auf der Brechtbühne, beheimatet ist der von Horst Thieme moderierte Poetry Slam, der zuvor in der Kresslesmühle stattfand. Besonders sei an dieser Stelle auf die vom 3.-7.11 November stattfindende Deutsche Poetry-Slam-Meisterschaft hingewiesen, die so ziemlich das Größte in Sachen Slam werden dürfte, das Süddeutschland respektive Augsburg seit langem gesehen hat. Das sollte man sich schon einmal dick in seinem Kalender anstreichen.

Ein Novum für die Stadtgesellschaft war sicher die Aktion Augsburg liest ein Buch bei der über Monate hinweg Der Trafikant von Robert Seethaler gelesen und durch unterschiedliche Aktionen begleitet wurde. Nachdem Städte wie Frankfurt schon vorgelegt hatten, zog Augsburg dann nach und wählte die Geschichte des Jungen Franz Huchel, der in der Zeit des Austrofaschismus in Wien zum Mann wird. Die finale Lesung mit dem Autoren Seethaler lockte dann in die Stadtbücherei ungewohnt große Mengen an Zuhörern, sodass die Kapazitäten hier schnell erreicht waren. Eine erfreuliche Tatsache, dass gute Literatur auch in einer Stadt wie Augsburg noch Massen begeistern kann.

Eine schöne Einrichtung ist für mich auch das offene Buchregal im Hofgarten, bei dem man immer mal wieder vorbeischlendern und Bücher einstellen oder mitnehmen kann (und diese gleich einmal im schönen Ambiente anschmökern kann).

Auch gibt es daneben natürlich noch die klassischen Lesungen, die nach meinen Erfahrungen noch nie so trist wie im berühmten Loriot-Sketch waren (man erinnere sich an „Krawehl, krawehl! Taubtrüber Ginst am Musenhain trübtauber Hain am Musenginst Krawehl, krawehl!“).

Die Namen die hier in der Fuggerstadt demnächst wieder aus ihren Werken lesen, können sich durchaus sehen lassen. Autoren wie Rolf Lappert, Feridun Zaimoglu, Andreas Altmann oder gar der Bestseller-Autor Sebastian Fitzek (und die kommen nur in den nächsten paar Wochen) – wer will findet immer spannende Aktivitäten rund ums Buch in Augsburg.

Fazit

Wer suchet, der findet: Diese Worte aus dem Matthäus-Evangelium bewahrheiten sich in Augsburg literarisch einmal mehr. Abseits von Brecht gibt es nämlich so viel mehr, egal ob Bücherei, Buchhandlung oder spannendes Event rund um das geschriebene und gesprochene Wort. Die Kultur- und Literaturszene der Stadt lebt, auch wenn sie noch den ein oder anderen frischen Impuls vertragen könnte. Dass aber zu weniger los sei, darüber kann man sich wahrlich nicht beschweren!

Ich hoffe ich konnte euch ein paar Anregungen geben und freue mich über Rückmeldungen.

 

Wo lest ihr am liebsten? Was sind eure Tipps für das literarische Leben in Augsburg? Immer her mit euren Anmerkungen!