Tag Archives: Buchempfehlungen

Vorschaufieber Herbst 2020

Was für ein Jahr – wahrscheinlich weder eine Buchmesse in Frankfurt, noch eine in Leipzig. Im Radio verliehene Preise, ausgefallene Lesungen, weniger Aufmerksamkeit für die kleinen und kleinsten Verlage da draußen. Und dennoch geht es weiter in der Buchbranche. Neue Vorschauen wurden von fast allen Verlagen veröffentlicht. Und auch wenn diese manchmal etwas dünner ausfallen, gibt es wieder viel zu entdecken. Ich habe einmal mehr zusammengetragen, auf was ich mich im literarischen Herbst 2020 so freue. Bei den Tipps habe ich wie immer versucht, auch kleine unabhängige Verlage mit spannenden Titeln zu berücksichtigen.

Deniz Ohde: Streulicht (Suhrkamp)

Auf dieses Debüt bin ich wirklich gespannt. Deniz Ohde schreibt in ihrem Roman über ein Arbeiterkind, das nun wieder in seine Heimat zurückkehrt und sich seiner Wurzeln bewusst wird. Didier Eribon meets Annie Ernaux auf Deutsch? Ich bin mehr als gespannt auf dieses Streulicht – und auch das Cover hat es mir angetan.

Lily King (Übers.: Sabine Roth): Writers & Lovers (C.H. Beck)

Kann man mit 31 noch Schriftststellerin werden? Diese Frage stellt sich Casey, die ihren Traum leben will, nachdem die Mutter verstorben ist und ihr Freund sie verlassen hat. Doch wird das klappen? Schon einmal hat mich Lily King mit Euphoria begeistert. Warum nicht auch mit ihrem Writers & Lovers?

Kristof Magnusson: Ein Mann der Kunst (Kunstmann)

Kristof Magnusson ist für mich ein Meister des Alltags. Einer der dem ganz normalen Durchschnitt unserer Existenzen Bücher widmet, etwa in seinem Arztroman. Nun schreibt er über einen Künstler KD Pratz, dem ein Museum gewidmet werden soll. Ein Kunstverein will dieses Vorhaben verwirklichen, doch ein Treffen auf der Burg des Künstlers droht aus dem Ruder zu laufen. Der Mann der Kunst erscheint bei Kunstmann.

Rinske Hillen (Übers.: Ulrich Faure): Das Haus an der Keiszergracht (Schöffling)

Ein Naturphilosoph, ein Haus an der Keiszergracht in Amsterdam, das langsam verfällt, eine Familie, die auseinanderzufliegen droht, ein paar Fragen, die noch geklärt werden müssen – und ein Familiengeheimnis. Die Zutaten für den Roman von Rinske Hillen, der im Juli im Schöffling-Verlag erscheint.

Petra Piuk & Barbara Filips: Wenn Rot kommt (Kremayr&Scheriau)

Nie wieder Hütchenspiel, nie wieder in die Spielothek. Nie wieder Hütchenspiel, oh das ganze Geld ist weg. Das wussten schon die Ärzte. Und auch eine junge Frau muss das in der Rückschau erkennen, als sie verkatert in einem Hotelzimmer in Las Vegas erwacht. Und dann ist auch noch ihr Freund verschwunden. Was ist passiert? Wenn Rot kommt stammt von Petra Piuk und Barbara Filips.

Thomas Hettche: Herzfaden (Kiepenheuer-Witsch)

Ein Buch, das ich schon des Augsburger Lokalbezugs wegen lesen MUSS. Thomas Hettche, von mir nicht erst seit Pfaueninsel hoch geschätzt, schreibt einen Roman über die Familie Oehmichen, die hier in Augsburg die Augsburger Puppenkiste gründete. Laut Verlag sollen in Herzfaden alle bekannten Figuren des Marionettentheaters einen Auftritt haben. Ich bin gespannt!

Ronya Orthmann: Die Sommer (Hanser)

Ein junges Mädchen, das die Sommer bei seiner Familie in Nordsyrien ihre Sommer verbringt, während sie das restliche Jahr über ein Münchner Gymnasium besucht. Diese Perspektive auf den syrischen Bürgerkrieg und die aktuelle Lage möchte ich gerne lesen. Ronya Orthmanns Buch Die Sommer erscheint passenderweise im August.

Augustus Rose (Übers.: Werner Löcher-Lawrence): Philadelphia Underground (Piper)

In Philadelphia treibt die geheimnisvolle Société Anonyme ihr Unwesen. Sie entführt Jugendliche, die wenig später mit leeren Blick wieder irgendwo in der Stadt auftauchen. Besonders auf Lee hat es die Gesellschaft abgesehen. Aber die versteckt sich auf einem Schrottplatz, um der Société zu entgehen. Augustus Roses Buch gibts ebenfalls ab August im Buchhandel.

Thilo Krause: Elbwärts (Hanser)

Die Sehnsucht nach Dorf und Land in der Literatur boomt ja seit Jahren. Nun hat auch Thilo Krause einen Roman über dieses Thema geschrieben. Bei ihm kehrt ein junges Paar zurück in die Einsamkeit der Sächsischen Schweiz. Dieses muss sich mit Neonazis, Dorfbewohnern und alten Geschichten herumschlagen. Elbwärts erscheint bei Hanser im August.

Rachel Elliott (Übers.: Claudia Feldmann): Bären füttern verboten (Mare)

Von einer Freerunnerin in der Mitte ihres Lebens erzählt Rachel Elliott in Bären füttern verboten. Diese hat zwar schon die halbe Welt belaufen, doch ausgerechnet nach St. Ives wollen ihre Füße sie nicht tragen. Als sie doch dorthin reist, trifft sie auf eine bunte Melange von außergewöhnlichen Menschen.

Michael Crummey (Übers.: Ute Leibmann): Die Unschuldigen (Eichborn)

Kanada ist das diesjährige Gastland der Frankfurter Buchmesse. Und auch wenn Kanada seinen Auftritt nun auf der eh schon auf der Kippe stehenden Messe zurückgezogen hat: in den neuen Verlagsprogrammen lassen sich tolle neue Stimmen von dort entdecken, z.B. Michael Crummey, dessen Roman Die Unschuldigen von zwei Waisenkinder in der kanadischen Einöde erzählt. Verglichen wird das Buch etwa mit Ian McGuires Nordwasser.

Ilona Hartmann: Land in Sicht (Blumenbar)

Eine junge Frau auf Flusskreuzfahrt auf der Donau inmitten von Senioren. Davon handelt das Debüt von Ilona Hartmann. Kann sie dem Thema der Suche nach den eigenen Wurzeln neue Facetten abringen? Ab Juli 2020 wissen wir mehr, dann kann man das Buch kaufen.

Rye Curtis (Übers.: Cornelius Hartz): Cloris (C. H. Beck)

Wenn man einen Flugzeugabsturz überlebt hat, was sichert einem dann am Besten das Überleben in der freien Natur? Sicherlich nicht ein Schuh, ein paar Karamellbonbons und eine Bibel. Doch genau das erlebt Cloris im gleichnamigen Roman von Rye Curtis.

Olga Grjasnowa: Der verlorene Sohn (Aufbau)

Noch immer habe ich kein Buch von Olga Grjasnowa gelesen, dabei wird die Autorin ja breit (und meist auch lobend) im Feuilleton besprochen. Vielleicht klappt es ja jetzt mit Der verlorene Sohn. Darin erzählt die Autorin von einem Jungen, der 1838 als Geisel an den russischen Zarenhof gelangt.

Elisabeth Filhol (Übers.: Cornelia Wend): Doggerland (Nautilus)

Auch der kleine Nautilus-Verlag hat ein mehr als beachtliches Oeuvre für den Herbst angekündigt. So erscheint mit Doggerland ein Roman von Elisabeth Filhol über eine Geologin, die über jene titelgebende Region forscht. Als sie einen Kongress in Dänemark besuchen will, wird jener durch den Orkan Xaver kräftig durcheinander gewirbelt.

Ava Farmheri (Übers.: Sonja Finck): Im düstern Wald werden unsre Leiber hängen (Nautilus)

Und noch einmal Nautilus. Was für ein großartiger Titel! In Im düstern Wald werden unsre Leiber hängen erzählt Ava Farmheri von einer jungen Insassin eines iranischen Gefängnisses im Jahr 1999, die hinter Gittern sitzt ihre Lebensgeschichte erzählt. Doch kann man ihr Glauben schenken?

Leander Fischer: Die Forelle (Wallstein)

Ein Buch über 700 Seiten übers Fliegenfischen? Da bin ich sofort dabei, vor allem wenn der Verlag eine besondere Sprache verspricht (was im Falle des Wallstein-Verlags wirklich etwas heißen will) und eine Verknüpfung der Geschichte mit der österreichischen Politik verspricht. Leander Fischers Die Forelle erscheint im Juli.

Amity Gaige (Übers.: André Mumot): Unter uns das Meer (Eichborn)

Und um im Wasser zu bleiben: Im Eichborn-Verlag erscheint im September der Roman Unter uns das Meer von Amity Gaige. Darin erzählt sie von einem Bootstrip, der schief zu gehen droht. Das Besondere daran: das Buch ist aus zwei Perspektiven geschildert. Ob das so gut klappt wie im Falle Lauren Groffs?

Pilar Quintana (Übers.: Mayela Gerhardt): Hündin (Aufbau)

Kann ein Hund einen Menschen ersetzen? Ist ein Hundewelpen die Antwort auf einen Kinderwunsch? Dieser Frage geht Pilar Quintana in ihrem Roman Hündin nach. Das Buch erscheint im Aufbau-Verlag im September.

Andreas Schäfer: Das Gartenzimmer (DuMont)

Ein Paar entdeckt in den 90er Jahren eine neoklassizistische Villa wieder, die ein Architekt 1908 entworfen hatte. Nachdem sie das Haus renoviert und in den Originalzustand zurückversetzt haben, zieht das Haus immer mehr Architekturfans an und die beiden geraten in Interessenskonflikte. Andreas Schäfers Roman gibt es ab Juli bei DuMont.

Ilja Leonard Pfeijffer (Übers.: Ira Wilhelm): Grand Hotel Europa (Piper)

Was ist dieses Europa noch? Droht es nicht schon längst in Partikularinteressen auseinanderzufallen? Die Antworten von Ilja Leonard Pfeijffer interessieren mich. Er hat einen Roman über Europa geschrieben, in dem ein Schrifsteller ein Zimmer in jenem Grand Hotel Europa bezieht.

Steven Price (Übers.: Malte Krutzsch): Der letzte Prinz (Diogenes)

Giuseppe Tomasi di Lampedusa hat mich in Form der Neuübersetzung des Leoparden durch Burkhart Kroeber im letzten Jahr wirklich begeistert. Nun hat Steven Price ein Buch über den Schöpfer jenes monumentalen Werks geschrieben. Der letzte Prinz erscheint im Oktober bei Diogenes.

Stephen Crane (Übers.: Bernd Gockel): Die rote Tapferkeitsmedaille (Pendragon)

Der amerikanische Bürgerkrieg ist ein Thema, mit dem ich mich noch nicht vertieft beschäftigt habe. Nun ist im Pendragon-Verlag eine Neuübersetzung von Stephen Cranes Roman Die rote Tapferkeitsmedaille zu entdecken. Darin beleuchtete der Autor 1895 zum ersten Mal den Krieg aus der Sicht eines einfachen Soldaten. Ein spannendes Vorhaben, diese Neuübersetzung von Bernd Gockel.

Christoph Nußbaumeder: Die Unverhofften (Suhrkamp)

Im September erscheint im Suhrkamp-Verlag ein Titel, auf den ich mich auch sehr freue. Die Unverhofften ist das Debüt des niederbayerischen Dramatikers Christoph Nußbaumeder. In seinem 700 Seiten starken Roman erzählt er die Geschichte einer Familie und dem wirtschaftlichen Aufstieg über die Jahrzehnte hinweg.

Daniel Mellem: Die Erfindung des Countdowns (dtv-Verlag)

Im September erscheint das Debüt von Daniel Mellem. Dieser studierte erst Physik, eher er dann zum Deutschen Literaturinstitut in Leipzig kam. Das Thema der Physik ist es auch, das in seinem Buch eine Rolle spielt. Er erzählt in Die Erfindung des Countdowns von einem Forscher, der eigentlich den Traum einer Mondrakete verwirklichen will, doch dann in den Zweiten Weltkrieg hineingezogen wird.

Zaia Alexander: Erdbebenwetter (Tropen)

Die dunklen Seiten von Los Angeles soll Zaia Alexander in ihrem Roman Erdbebenwetter beleuchten. Wenn das nur halb so gut klappt wie in A.G. Lombardos Graffiti Palast (oder bei Jan Wilms Winterjahrbuch) könnte das wirklich ein weiteres Highlight in Sachen LA-Romane für mich werden.

Robert Moor (Übers.: Frank Sievers): Wo wir gehen (Insel)

Über das Gehen und unsere Wege durch die Natur schreibt Robert Moor in seinem Buch. Nachdem ich eh ein großer Fan der Gattung Nature Writing bin, ist auch Wo wir gehen für mich quasi Pflichtlektüre.

Kai Wieland: Zeit der Wildschweine (Klett Cotta)

Auf diesen Roman musste ich etwas länger warten. Prangte Zeit der Wildschweine schon in meiner letzten Vorschau oben auf meinem Zettel, wurde Kai Wielands Roman nun eingedenk der Corona-Krise etwas nach hinten geschoben. Nun soll es im Juli so weit sein und das neue Buch des Schöpfers von Amerika erscheinen.

Kevin Barry (Übers.: Bernhard Robben): Beatlebone (Rowohlt)

Ein neuer Roman von Kevin Barry? Ich bin dabei? Dunkle Stadt Bohane zählte zu meinen außergewöhnlichsten Leseerlebnissen der letzten Jahre (übersetzt von Bernhard Robben). Nun ist das Gespann wieder zurück, diesmal bei Rowohlt. Beatlebone erzählt vom ausgebrannten John Lennon, der auf seine irische Insel flüchtet und mit seinem Chauffeur eine wilde Tour erlebt.

Sandra Newman (Übers.: Milena Adam): Himmel (Matthes & Seitz)

Eine Vorschau ohne etwas von Matthes & Seitz? Das geht natürlich nicht. Diesmal habe ich einen Blick auf den Roman Himmel von Sandra Newman geworfen. Ice Cream Star wird allenorten gelobt, ich habe es noch nicht gelesen. Jetzt bietet sich die Chance mit einem etwas weniger voluminöseren Buch, in dem William Shakespeare, ein futuristisches New York und Träume eine Rolle spielen.

Welche von den hier vertretenen Büchern sprechen euch an? Oder auf was freut ihr euch? Oder ist der Herbst 2020 nicht so euer Literaturjahrgang?

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Meine Leipziger Buchmesse daheim

Wäre, wäre, Fahrradkette, wie der große Philosoph und Fußballversteher Lothar Matthäus einst bemerkte. Da hat man das Zimmer und die Bahnfahrt für die Leipziger Buchmesse schon gebucht. Die Presseakkreditierung ist auch durch und die Termine ausgemacht. Interviews, Verlagsbesuche, Diskussionen: der Zeitplan steht. Und dann das: Absage der Leipziger Buchmesse, zum ersten Mal in der Geschichte. Danke Coronavirus!

Eine unerwartete Lücke tut sich auf im Kalender – was soll man da machen? Nachdem auch noch offiziell das Rahmenprogramm Leipzig liest abgesagt wurde, entschied ich mich, die Reise nach Leipzig nicht anzutreten. Schade drum, besonders, da ich diesen literarischen Frühlingsjahrgang für ausgesprochen stark erachte.

Aber wenn ich schon nicht zur Buchmesse komme, dann will ich sie wenigstens in einer Form hier auf dem Blog stattfinden lassen. Ich habe mich entschlossen, hier als kleine Übersicht in meinen Augen wichtige Titel dieses Frühjahrs vorzustellen. Da eine solche Buchmesse ja auch immer ein soziales Get-together ist, wollte ich das Element des Miteinander über Bücher-Redens hier auf dem Blog ein bisschen nachbilden. Dafür versammele ich hier Besprechungen anderer Blogger*innen sowie ein paar eigene Rezensionen. Hoffentlich kann euch diese Auswahl auch ein bisschen inspirieren.

Nationale Literatur

Tobias vom Blog Buchrevier über den neuen Roman Die rechtschaffenen Mörder von Ingo Schulze.

Fräulein Julia über Irina Liebmanns Die große Hamburger Straße.

Meine Besprechung des aktuellen und gesellschaftlich relevanten Debüts von Cihan Acar: Hawaii

Marina alias Nordbreze hat eine Rezension zum neuen Buch von Kathrin Wessling verfasst. Der Titel des Buchs lautet Nix passiert.

Wolfgang Schneider auf Deutschlandfunk Kultur über Leif Randts neue Kreation Allegro Pastell.

Petra vom Blog Literaturreich ist mit der Bloggerin und Trauerbegleiterin Jasmin Schreiber in den Marianengraben abgetaucht.

Marcus schreibt für das Bücherkaffee und hat Christoph Kloebles neuen Roman Das Museum der Welt gelesen.

Jan Drees laß das Debüt Tauben leben von Paula Czienskowski und bespricht es auf Lesen mit Links.

Internationale Literatur

Hauke Harder vom Blog Leseschatz über Delphine de Vigans Dankbarkeiten.

Um das Buch Der Anhalter von Gerwin van der Werf kümmert sich Mareike vom Blog Bücherwurmloch.

Der Isländer Ragnar Helgi Olafsson hat ein Buch mit dem schönen Titel Handbuch des Erinnerns und Vergessens verfasst. Birgit vom Blog Sätze & Schätze hat es besprochen.

Tobi vom Blog Lesestunden hat sich das Buch Eisfuchs von Tanya Tagaq näher angeschaut.

Constanze schreibt auf Zeichen & Zeiten über ihre Lektüre von Ben Smiths Buch Dahinter das offene Meer.

Ich habe mit großer Begeisterung Liz Moores Krimi und Gesellschaftspanorma Long Bright River gelesen.

Die Klappentexterin kümmert sich um Sigrid Nunez‚ vielbesprochenes Werk Der Freund.

Eine Wiederentdeckung ist der bei Dörlemann erschienene Roman Die Berglöwin von Jean Stafford. Auf dem Hotlistblog wurde dieser besprochen.

Sachbücher

Lena vom Blog Wortgelüste über das Buch Sie hat Bock von Katja Lewina.

Alexandra vom Blog Bücherkaffee über Patrik Svenssons Das Evangelium der Aale

Hilma af Klint – noch nie gehört? Der Beitrag von Isabella auf Novellieren ändert das.

Und noch nicht von mir besprochen aber ganz oben auf meiner Liste in Sachen Nächster Titel: Kübra Gümüsay mit Sprache und Sein.


So viel erst einmal zu Titeln, über die ich auf anderen Blogs gestoßen bin und die ich mir auf der Buchmesse sicherlich einmal genauer angeschaut hätte. Jetzt müssen wir das halt digital nachholen. Welche Bücher sind eure Titel des Frühjahrs? Was hat euch begeistert oder abgeschreckt? Lasst es mich wissen!

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Indiebookday 2019

Fünf Empfehlungen

Auch dieses Jahr ist es wieder soweit: der Indiebookday findet statt. Die Idee dahinter ist eigentlich ganz einfach: man sucht an diesem Tag einen Buchladen seines Vertrauens auf und kauft dort ein oder mehrere Bücher. Diese sollten allerdings aus unabhängigen Verlagen stammen.

Aus diesem Grunde habe ich hier fünf kurze Empfehlungen zusammengetragen, die ich gerne weiterempfehlen möchte, und die in den nächsten Wochen hier auf Buch-Haltung noch etwas genauer vorgestellt werden sollen.

Jean-Baptiste del Amo – Tierreich

Leider hat es mit dem Preis der Leipziger Buchmesse für die Übersetzung des Buchs durch Karin Uttendörfer nicht so ganz klappen wollen. Nichtsdestotrotz eine große Empfehlung für dieses wirklich schweinische Buch!

Während Europa von Kriegen und Umwälzungen erschüttert wird, kämpft eine Familie von Schweinezüchtern um ihr Fortbestehen – und nutzt die in immer größerem Maßstab stattfindende Ausbeutung des Rohstoffs Tier, um sich in unsere heutige, hochindustrialisierte Welt hinüberzuretten. Éléonore, Kind eines kranken Vaters und einer lieblosen Mutter, erbt Anfang des 20. Jahrhunderts von ihren Vorfahren Schweine und die Gewissheit, dass Gewalt gegen Mensch und Tier zum Leben dazugehört. Mit Disziplin und unbändiger Härte gegen sich selbst allen Schicksalsschlägen trotzend, hält sie den landwirtschaftlichen Betrieb aufrecht und versteht es, ihn über die Jahrzehnte hinweg zu vergrößern und später ihrem Sohn Henri zu übergeben. Achtzigjährig erlebt die erschöpfte Matriarchin schließlich, wie dieser mit ihren Enkeln Serge und Joël den familiären Zuchtbetrieb zu einer gigantischen, die Ressource Tier grausam ausbeutenden Tierfabrik ausbauen. Das anonymisierte Elend der Schweine spiegelt nicht nur den Wahnsinn dessen, was die Menschheit unter Fortschritt versteht, sondern wirft auch die Frage auf: Wer sind die eigentlichen Bestien?

Davide Enia – Schiffbruch vor Lampedusa

Eine Entdeckung, auf die mich Louisa Kröning vom Wallstein-Verlag auf der Buchmesse brachte. Von Davide Enia hatte ich bis vorletzte Woche nämlich noch nie etwas gehört oder gelesen.

Davide Enia ist nach Lampedusa gefahren, um sich selbst ein Bild von der Insel zu machen, die in den Medien zum Sinnbild für die Flüchtlingskrise geworden ist. Seine Gespräche mit Rettungshelfern, Freunden und Fischern, aber auch seine persönlichen Eindrücke bei Rettungsaktionen und »Anlandungen« verwebt er zu einer unglaublich dichten und ergreifenden Erzählung. Lampedusa ist dabei ein Mikrokosmos, in dem die Folgen von Migration, Flucht und Grenzen unmittelbar spürbar sind. Gleichzeitig erinnert Enia sich an magische Sommer an der sizilianischen Küste und seine früheren Urlaube auf der Insel, und versucht, die Unschuld dieser Zeit wieder heraufzubeschwören.

Die Schönheit des Mittelmeers und der Natur werden ebenso sichtbar wie die menschlichen Tragödien, die dort zum Alltag geworden sind.

Auguste Hauschner – Der Tod des Löwen

Auch vom Homunculus-Verlag hörte ich auf der Leipziger Buchmesse zum ersten Mal. Meine liebe Kollegin Birgit Böllinger wies mich auf den Verlag und besonders auf diesen Titel von Auguste Hauschner hin.

Das frühe 17. Jahrhundert. Prag ist in Aufruhr. Wie ein böses Vorzeichen hängt ein blutroter Meteor über der Stadt. Der böhmische König Rudolf II. leidet unter Verfolgungswahn und fürchtet um seinen Thron. Er beauftragt Alchemisten und Astronomen, seine Macht zu sichern. Als diese keine Lösung finden, zwingt er Rabbi Löw, den Erschaffer des Golems, ihn in die Geheimnisse der Kabbala einzuweihen – und ihm dazu die Kammer von dessen schöner, schwer kranker Tochter zu öffnen. Doch sein Handeln bringt nicht nur das Mädchen an den Rand des Todes, sondern treibt auch einen Keil zwischen die Glaubensgemeinschaften Prags. Während im Judenviertel die ersten Häuser brennen, beginnt das Lieblingstier des Königs, ein mächtiger Berberlöwe, in seinem Käfig zu rasen.

Sigurdur Pálsson – Gedichte erinnern einer Stimme

Die Lyrik ist hier auf dem Blog ja äußerst schwach vertreten. Umso wichtiger, auch in diese Richtung einmal eine nachdrückliche Empfehlung auszusprechen.

Der kleine Elif-Verlag von Dincer Gücyeter kümmert sich um diese literarische Gattung. Immer wieder gibt es spannende Lyrik-Projekte, für die sich der Verlag stark macht – so auch dieses: Gedichtern erinnern einer Stimme des Isländers Sigurður Pálsson fängt die Stimmen und Gedanken eines Menschen ein, der um sein baldiges Ableben weiß, und nun noch einmal die Momente nutzt, um Rückschau zu halten. Übertragen wurden diese Gedichte von Jón Thor Gíslason und Wolfgang Schiffer.

Bei diesem Buch handelt es sich um eine zweisprachige Ausgabe – so kann man das Unvertraute Isländische und das vertraute Deutsch besonders gut auf sich wirken lassen.

Gabriele Tergit – Effingers

Dieses Buch hat durch die Vorstellung im Literarischen Quartett schon etwas an Bekanntheit hinzugewonnen. Dennoch ist Gabriele Tergit noch immer eine Unbekannte, deren Werke (z.B. Käsebier erobert den Kurfürstendamm) zu Unrecht vergessen sind. Der Schöffling-Verlag kümmert sich jetzt dankenswerterweise um diese spannende Autorin.

»Effingers« ist ein Familienroman – eine Chronik der Familie Effinger über vier Generationen hinweg. Außer dass sie Juden sind, unterscheidet sich ihr Schicksal in nichts von dem anderer gutsituierter gebildeter Bürger im Berlin der Jahrhundertwende. Alle fahren sie im sich immer wiederholenden Lebenskarussell, das sich durch Glück, Schmerz, Leichtsinn, Erfolg und Scheitern dreht. »Effingers« ist ein typisch deutsches Bürgerschicksal in Berlin, wie es das der »Buddenbrooks« in Lübeck war.
Als der Nationalsozialismus sich breitmacht, wird das deutsche Schicksal zu einem jüdischen. Wer wachsam ist, wandert aus.
Die Geschichte der Familie Effinger beginnt mit einem Brief des 17-jährigen Lehrlings Paul Effinger, und sie endet mit einem Brief: dem Abschiedsbrief des nunmehr 80-Jährigen kurz vor seiner Deportation in die Vernichtungslager.

Das sind meine Empfehlungen zum Indiebookday 2019. Habt ihr auch Lieblingsbücher aus unabhängigen Verlagen? Was empfehlt ihr?

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Büchertipps für den Urlaub

Die Urlaubssaison steht in den Startlöchern. Und weil es für einen Urlaub nichts Besseres gibt, als ein tolles Buch (oder auch zwei oder zehn), kommen hier fünfzehn Büchertipps für eine gelungene Urlaubsbegleitung. Alle Bücher erschienen dieses Jahr und entführen mal in fremde Länder, mal in vergangene Zeiten und mal in Welten, die uns ohne Bücher verschlossen blieben:

 

Der erste Buchtipp entführt gleich in exotische Gefilden. In Rachel Kushners Debütroman Telex aus Kuba erzählt sie meist aus der Sicht von Expat-Kindern vom Kuba der 50er Jahre. Die Castro-Brüder putschen, Provokateuere wiegeln die Landbevölkerung auf. Und mittendrin die kindlichen Erzähler, Stripperinnen und Ernest Hemingway.

Knifflig wird es bei einem der besten Krimischriftsteller der Gegenwart. Adrian McKinty lässt seinen katholischen Bullen Sean Duffy bereits zum zweiten Mal in seiner Karriere auf ein Locked-Room-Mystery stoßen. Eine ermordete Journalistin im abgeschlossenen Schloss von Carrickferrgus. Keine Möglichkeit für den Täter, um in den Burghof zu gelangen oder zu entkommen. Wie hat das der Mörder das angestellt?

Fantastischer geht es da im barocken Roman des jungen Autors Forrest Leo zu. In Der Gentleman prallt die Handlung auf Fußnoten, die Liebe auf Suizide und überall hat der Teufel seine Hand im Spiel. Ein überwucherndes, gewitztes und spritziges Buch, das wie aus der Zeit gefallen wirkt und ins England 1850 entführt.

Von großer Aktualität hingegen ist Karine Tuils Zeit der Ruhelosen, das uns ins Frankreich der Gegenwart bringt. Macht, Politik und Journalismus. Tuil entwirft ein großes Panorama der Zustände im Machtapparat Frankreichs. Und dieses Panorama ist kein schönes oder schmeichelhaftes Bild unserer Nachbarn, sondern ein hartes Porträt, das von Machtstreben, Skandalen und kleinen und großen Kriegen dominiert wird.

Von einem Krieg handelt auch Licht des Neuseeländers Anthony McCarten. Und zwar den, den Thomas Alva Edison für seine Erfindungen ausfocht und der ihn in den Clinch mit Menschen wie JP Morgan und Nikola Tesla brachte. McCarten lässt den Erfinder sein Leben rekapitulieren und erschafft dabei viele unvergessliche Figuren, die sein Buch bevölkern.

 

Eine weitere interessante neue Erzählstimme aus Neuseeland kommt von David Coventry. Jener erzählt in Die unsichtbare Meile auf höchst literarisch ansprechende Weise von einem Radsportteam aus Neuseeland, das bei der Tour de France im Jahr 1928 antritt, um ins Rennen der besten Radfahrer der Welt einzugreifen. Dabei plagen sie nicht nur die sportlichen Konkurrenten, sondern auch Erinnerungen an den 1. Weltkrieg.

DER literarische Beitrag zum (überhypten) Lutherjahr kommt von Feridun Zaimoglu, der einen schwer fasslichen und anstrengenden, dann aber auch brillanten Roman rund um den Reformator geschrieben hat. Jener sitzt, bewacht von einem katholischen Landsknecht, auf der Wartburg und schreibt an seiner Bibelübersetzung, als das Böse die Burg heimsucht. Literatur wie ein Kanten Brot aus dem Mittelalter: hart, manchmal schwer zu kauen, aber auch nahrhaft und lohnenswert.

Wir reisen etwas weiter in der Zeit und landen bei Ulf Torreck alias David Gray, der ins schmutzige und mörderische Paris 1805 entführt. Ein Mörder geht in den Gassen der Seine-Metropole um und meuchelt junge Frauen. Der Teufel geht um – so raunt man in den Gassen. Doch der Polizist Louis Marais mag nicht so recht an die okkulten Zeichen glauben und macht sich mit keinem Geringeren als dem Maquis de Sade auf die Suche nach dem Täter.

Ein wahres Epos hat der Filmemacher und Autor Chris Kraus mit Das kalte Blut erschaffen. 1200 Seiten Breitwandunterhaltung. Ein Patient im Krankenhaus erzählt seinem Bettnachbarn seine Lebensgeschichte und wie es dazu kam, dass er mit einer Kugel im Kopf nun im Krankenhaus liegt. Das Problem an der Sache – der Erzähler ist ein brutaler Nazi, der im Dritten Reich und dann im BND Karriere gemacht hat. Die deutsche Antwort auf Die Wohlgesinnten.

Der BND spielt auch im nächsten Buchtipp eine essenzielle Rolle, genauso wie das BKA, die Politik und eigentlich der gesamte Machtapparat Deutschlands. Jener droht in Andreas Pflügers Epos Operation Rubikon von einem Kartell unterwandert zu werden, das nur ebenjene Operation Rubikon stoppen könnte. Für den Erfolg der Aktion muss die Staatsanwältin Sophie Wolf fast alles opfern. Im deutschen Thriller hat man so etwas Ambitioniertes und Komplexes selten gelesen.

 

Eine englische Ehe beschreibt ebenjene Ehe zwischen einem Literaturprofessor und seiner Frau. Diese verschwand nach einer ausgedehnten Schwimmrunde und niemand weiß, was seitdem geschehen ist. Als nun der emeritierte Professor meint, seine Frau wieder auf der Straße entdeckt zu haben, beginnt eine Re- und Dekonstruktion jener Ehe. Schön komponiert und ein nüchterner Blick auf die Institution Ehe.

Eine Dekonstruktion gibt es auch im folgenden – für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierten – Roman des Schweizer Autors Lukas Bärfuss. In Hagard sieht der Erzähler ein paar blauer Schuhe im Zürcher Feierabendgedränge und beschließt, der Besitzerin jener Schuhe zu folgen. In den folgen drei Tagen erlebt der Mann einen Abstieg sondergleichen und wird in einen Strudel gezogen, der sich nicht aufhalten lässt.

Der nächste Schweizer auf dieser Empfehlungsliste lässt ebenfalls einen Mann aus seinem alten Leben ausbrechen. Der Rhetorikprofessor Richard Kraft flie(g/h)t ins Silicon Valley, um dort bei einem Wettbewerb teilzunehmen, der sich um folgende Frage dreht: Weshalb ist alles, was ist, gut – und warum kann es besser gemacht werden? In der Folge ringt Kraft mit sich und wir sind Zeugen dieses Prozesses. Ein Abgesang auf die Spezies Mann und den Neoliberalismus – und noch so viel mehr. Lüscher Buch ist brillant!

Mit Corruption gelingt es Don Winslow endlich wieder, an die alte Größe seiner Epen wie Tage der Toten anzuknüpfen. Er beschreibt den Alltag einer Polizeieinheit, deren Anführer Denny Malone von Korruption und Druck zermalmt zu werden droht. Sein schnell geschnittener Thriller trifft dabei die amerikanischen Zustände auf den Punkt und thematisiert Rassismus, Korruption und Loyalität auf das Vorzüglichste.

Ein Epos ist auch das letzte Buch dieser Empfehlungsschar, nämlich das 200 Jahre umfassende Werk Aus hartem Holz der Pulitzerpreisträgerin Annie Proulx, das von der Besiedelung Kanadas bis zum Raubbau der Gegenwart einen Bogen schlägt und dessen Handlungsnetz fast den gesamten Erdball umspannt. Sie zeigt anhand zweier Clans den unersättlichen amerikanischen Traum nach Energie und Wohlstand. Ein Buch für ausgedehnte Lektüren und nachdenkenswerte Impulse.

 

Was sind eure Entdeckungen dieses Bücherjahres und welche Titel gehören unbedingt in die Strandtasche oder den Koffer?

[Bildnachweis: Flickr, LWYang, unter CC.BY 2.0]

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Bücher unterm Weihnachtsbaum

Bücher unterm Baum

Überraschung – noch 10 Tage bis Weihnachten – und noch immer keine Idee, was ihr schenken sollt?
Um diesem Problem zu begegnen, habe ich mich einmal für euch hingesetzt und einige Bücher hier versammelt, die zur Weihnachtszeit tolle Geschenke sind. Überhaupt, Bücher sind ja mein Präsent Nummer Eins, mit dem richtigen Buch für den richtigen Menschen kann man nämlich kaum etwas verkehrt machen.
Und bevor ihr jedem eurer Lieben 25 von Adele unter den Baum legt, dann macht euch lieber ein bisschen Mühe und sucht einen Buchhändler oder eine Buchhändlerin eures Vertrauens auf und lasst euch beraten oder von mir inspirieren. Und wenn das gewünschte Buch nicht vorrätig sein sollte, dann kann es euch der Buchhändler auch noch fix (meist sogar am nächsten Tag) besorgen, wenn er oder sie auf zack ist.
Außerdem macht es ja Spaß, im allgemeinen Trubel einfach mal ein bisschen zu verharren, zwischen Buchregalen zu stöbern und in andere Welten zu versinken.
Doch genug der Vorrede, hier kommen meine Tipps – vom spannenden Thriller bis hin zum gesellschaftskritischen Buch. Taschenbücher, fest gebundene Bücher Paperbacks. Dicke Titel und auch schmale Werke. Ob erst als teureres Hardcover erschienen, oder doch als preisgünstigere Taschenbuch – lasst euch einfach inspirieren!

Die schützende Hand – Wolfgang Schorlau

(Kiepenheuer&Witsch, Paperback, 14,99 €, ISBN 9783462046663)
 

 

„Wer erschoss Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos?“ Diese Frage führt den Stuttgarter Privatdetektiv und EX-BKA-Ermittler Georg Dengler in seinem mittlerweile achten Fall ganz tief in die Geheimnisse des NSU und seiner schützenden Aufpasser. Wie Dengler gräbt sich auch Schorlau immer tiefer in den Komplex aus Staatsschutz, Vertuschung und ausländerfeindlichen Morden. Und schon bald wird klar, dass es hier deutlich mehr Fragen als Antworten gibt. Mit vielen Quellen breitet Schorlau die Hintergründe dieses wohl einzigartigen Falles aus und zeigt, wie tief in die Morde auch staatliche Stellen verstrickt waren und sind. Weniger ein Krimi als ein hochaktuelles Zeitdokument des Themas NSU. Gut geschrieben, gut lesbar und ein ideales Geschenk für jeden an Zeitgeschichte und Spannung interessierten Leser (z.B. Papa).

 

Die Romantherapie – Susan Elderkin (…)

(Insel-Verlag, Taschenbuch, 10,00 €, ISBN 9783458360353)

Was soll ich immer nur lesen? Eine essenzielle Frage, die sich dem Leser guter Bücher öfter stellt. Susann Elderkin und ihre Mitstreiter setzen dieser Frage nun ihre Romantherapie entgegen, die 253 Bücher für ein besseres Leben anbietet. Was hier so pathetisch klingt, ist ein nach thematischen Schwerpunkten geordnetes Kompendium, das Bücher für bestimmte Situationen anbietet. Diese sind alphabetisch geordnet und bietet somit jedes Mal genau das Buch, das der Situation entgegenkommt. Es gibt Bücher gegen Angst, für Hochzeiten, gegen Stress, Einsamkeit, und so weiter und so fort. Die Bücher gehören teilweise zum Kanon der Weltliteratur, teilweise sind spannende Entdeckungen dabei. Jeweils kurz wird auf den Inhalt Bezug genommen, ehe die Verbindung zum thematischen Oberbegriff hergestellt wird.

 

Angereichert wird das mit Listen (u.a. die besten Bücher bei Erkältungen, für die Insel, für jeweilige Lebensabschnitte, etc.), Glossaren und Registern. Ein tolles Geschenk für jeden Bücherwurm!

Der amerikanische Architekt – Amy Waldman

(Heyne, Taschenbuch, 9,99 €, ISBN 9783453417625)
In Zeiten, in denen amerikanische Präsidentschaftskandidaten Muslimen die Einreise in die Vereinigten Staaten von Amerika komplett verbieten möchten, in denen sich Muslime stets nach Attentaten persönlichen von den Taten distanzieren müssen, in denen die Hysterie allgemein zuzunehmen scheint, da scheint ein kühler Kopf mehr als geboten. Diese geistige Abkühlung, will sagen Reflektion, bietet Amy Waldman mit der klugen, multiperspektivische Erzählung Der amerikanische Architekt. Dieser Architekt ist eigentlich ein Muslim, der mit dem Glauben eigentlich gar nichts am Hut hat. Doch dann gewinnt er ausgerechnet die Ausschreibung eines Wettbewerbs zur Gestaltung der Gedenkstätte für die Opfer eines Anschlags, der von radikalen Muslimen verübt wurde. Als die Identität des Architekten ans Licht der Öffentlichkeit kommt, beginnt ein Kampf der Kulturen, der Werte und der Lebensentwürfe. Waldman liefert keine Antworten, sondern beobachtet nur distanziert, wie die Debatte ihren Lauf nimmt. Hier darf man selbst überlegen, Position beziehen und sich in andere einfühlen. Das beste Rezept gegen Hysterie und ein ideales Geschenk für alle, die gerne den Kopf einschalten!

Breaking News – Frank Schätzing

(S.Fischer-Verlag, Taschenbuch 12,00 €, ISBN 9783596030644)
 
Breaking News ist das Amalgam aus der Geschichte Israels, einer Begehung der Schauplätze des arabischen Frühlings und ein Polit-Verschwörungsthriller.
Frank Schätzing erzählt stellvertretend durch drei Charaktere die Entwicklung Israels von der Gründung 1948 bis hin zur Regierung Scharon. Diese Familienerzählung beleuchtet die verschiedenen Aspekte, die Israel heute ausmachen (Siedler, ultraorthodoxe Juden, etc.) und die Gemengelage, die eine Lösung des Israel-Palästina-Konflikts nahezu unlösbar erscheinen lässt.
In diese Episoden, die chronologisch immer wieder aufblitzen, schneidet Schätzing die Geschichte von Tom Hagen, einem einstigen Reporterstar, der nun nach Fehlern auch im arabischen Frühling immer einen Schritt zu spät ist. Doch dann gerät er in Israel an Material, an dem auch der Geheimdienst Schin Bet Interesse hat und deshalb die Jagd auf Hagen eröffnet.
Dass Breaking News so ausgezeichnet funktioniert liegt an der tollen Schreibe Schätzings. er schafft es, in seiner prägnanten Sprache das Tempo zu variieren, Szenen zu überblenden und gekonnt zwischen seinen Protagonisten hin- und herzuwechseln. Großes Kino und mit fast 1000 Seiten auch ein Geschenk, an dem der Thriller- und Geschichtsfan lange seine Freude hat!

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke – Joachim Meyerhoff

(Kiepenheuer&Witsch, Hardcover, 21,99 €, ISBN 9783462048285)
Bereits der dritte Band seiner autobiographischen Erinnerungen – und sein bester bislang. Meyerhoff erinnert sich in diesem Buch an seine Großeltern, die in ihrer Villa in Nymphenburg dem Alkohol über den Tag und die Maßen zusprechen. Während sich die Großeltern einen ganz eigenen Rhythmus geschaffen haben, muss Meyerhoff derweil an der Otto-Falckenberg-Schule einiges an Drill über sich ergehen lassen, da er Schauspieler werden will, ganz wie die eigene Großmutter.
Meyerhoffs Buch ist unglaublich lustig und ebenso traurig. Die Nostalgie und die Erinnerungen an die Großeltern verschneidet er mit lustigen Szenen aus seiner Schauspieler-Ausbildung und erzählt mit großem humoristischen Geschick. Alleine die Szenen der Gespräche seiner Großeltern und die komikreichen Schilderungen der Eigenheiten der Senioren sind die Lektüre dieses Buches wert.   Ein ideales Weihnachtsgeschenk für jeden, der gute Bücher und Humor mag. Ohne den Schenkelklopferwitz bedienen zu wollen, schafft Meyerhoff einen der lustigsten und melancholischsten Titel seit Langem. Für alle!

Die Gestirne – Eleanor Catton

(btb-Verlag, Hardcover, 24,99 €, ISBN 978-3-641-15896-5)

Und zum Abschluss nach Breaking News noch ein ebensolch dicker Schmöker, der diesmal nach Neuseeland entführt. Geschrieben hat ihn Eleanor Catton, die die jüngste Booker-Preisträgerin aller Zeiten ist. Ihr Buch ist mit 1040 Seiten mehr als nur umfangreich und bietet ein pralles Panoptikum an unterschiedlichsten Themen: Horoskope, Goldgräber, ungelöste Morde, Liebe – was will man mehr? Genau das Richtige für lange Winterabende, Teetassen, Kaminfeuer und Decken. Hier sei noch kurz der Klappentext zitiert:
Neuseeland zur Zeit des Goldrausches 1866: Als der Schotte Walter Moody nach schwerer Überfahrt nachts in der Hafenstadt Hokitika anlandet, trifft er im Rauchzimmer des örtlichen Hotels auf eine Versammlung von zwölf Männern, die eine Serie ungelöster Verbrechen verhandeln: Ein reicher Mann ist verschwunden, eine opiumsüchtige Hure hat versucht, sich das Leben zu nehmen, und eine ungeheure Summe Geld wurde im Haus eines stadtbekannten Säufers gefunden. Moody wird bald hineingezogen in das Geheimnis, das schicksalhafte Netz, das so mysteriös ist wie der Nachthimmel selbst.

 

So – und damit viel Spaß beim Besuch in der Buchhandlung eures Vertrauens!

Habt ihr auch Geschenketipps für Weihnachten? Dann immer her damit!

 

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