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Der literarische Frühling 2019

Auf diese Bücher freue ich mich  im neuen Jahr

Gefühlt ist es doch erst ein paar Wochen her, dass ich mich an eine kleine Vorschau der Herbst-Titel 2018 gemacht habe. Doch die Zeit rast, viele Verlage haben schon die Vorschauen für ihr literarisches Frühjahrsprogramm 2019 veröffentlicht. Aus den bislang publizierten Vorschauen habe ich ein paar Titel herausgepickt, auf die ich mich besonders freue (Ankündigungstexte entstammen den Verlagswebseiten). Meine Frühjahrshighlights 2019:

Johanna Holmström – Die Frauen von Själö

In einer Herbstnacht im Jahr 1891 ertränkt Kristina Andersson ihre zwei schlafenden Kinder im Meer. Sie kommt in die Nervenheilanstalt auf Själö, einer Insel im Schärengarten Finnlands – kaum eine der Patientinnen, die hier eingewiesen werden, verlässt die Insel jemals wieder.
Vierzig Jahre später wird die siebzehnjährige Elli ebenfalls dort eingeliefert. Sie wünschte sich mehr vom Leben als die Enge ihres Elternhauses. Sie lief von zu Hause weg, verliebte sich Hals über Kopf und musste vor der Polizei fliehen. Doch zu ihrer Zeit erlaubt man Frauen den Ausbruch aus ihrem Leben nicht. Jetzt ist sie ebenfalls gefangen auf der Insel Själö, wo die Zeit stillzustehen scheint …

Victor Pouchet – Warum die Vögel sterben

In der Normandie regnet es tote Vögel vom Himmel, doch in Paris nimmt man kaum Notiz davon. Nur ein promotionsmüder Student will unbedingt erfahren, was sich da – unter anderem in seinem Heimatort – ereignet hat. Er versucht allerdings ausgerechnet auf einem Vergnügungsdampfer dorthin zu gelangen. Als (weitaus) jüngster Passagier auf der Seine Princess verliebt und schlägt er sich auf diesem ›trunkenen Schiff‹ mit einem Matrosen um die Herzdame … Aber ist seine Reise nicht vor allem ein Versuch, die Familie wiederzufinden und ein wenig Ordnung in seine Notizen und sein Leben bringen?

Alan Carter – Marlborough Man

Nick Chester hat als undercover cop in seiner englischen Heimat eine Gangsterorganisation auffliegen lassen, die ihn daraufhin auf ihre Abschussliste setzte. Bei der neuseeländischen Polizei, an den landschaftlich grandiosen, rauen Marlborough Sounds versucht er nun, mit seiner Familie ein neues Leben zu beginnen. Aber auch die abgelegene Provinz hat ihre Tücken. Ohne seine ortskundige Kollegin, Constable Latifa Rapata, wäre er hilflos. In der dünnbesiedelten Gegend treibt ein unheimlicher Mörder sein Unwesen. Chester und Rapata müssen sich mit der örtlichen Nomenklatura anlegen, Rassenkonflikte werden sichtbar, und Chester darf nie vergessen, dass die britischen Gangster ihn überall auf der Welt finden können. Jederzeit …

Nicola Karlsson – Licht über dem Wedding

Ein Hochhaus in Berlin. Zwischen S-Bahnhof und tristen Grünanlagen prallen Welten aufeinander. Hannah verdient ihr Geld mit einem Modeblog und lebt erst seit kurzem hier. Dem alleinerziehenden Wolf ist von seiner Zeit im Nachtleben nur der Alkohol geblieben. Und seine Tochter Agnes will weder von ihm noch von dem Püppchen aus dem 10. Stock etwas wissen. Und doch kreuzen sich ihre Wege. Sie verbindet die existenzielle Einsamkeit der Großstadt. Sie sind auf der Flucht und zugleich wie getrieben auf der Suche. Sie ahnen, dass es jemanden gibt, der ist wie sie. Und trotzen dem Leben eine Überraschung ab.

Friedemann Karig – Dschungel

Er muss ihn finden. Seinen besten Freund, der schon immer auf der Jagd nach dem Extremen war – nie wird er vergessen, wie euphorisiert Felix neben ihm vor dem felsigen Abgrund stand, unter ihnen ragten die Klippen hervor wie aufgeklappte Messer. Doch selbst Felix sieht es nicht ähnlich, auf einer Reise in Asien spurlos zu verschwinden. Für den Erzähler steht fest: Nur er kann das rätselhafte Abtauchen aufklären. Dafür setzt er sogar seine große Liebe aufs Spiel. Schließlich verbindet ihn mit Felix eine besondere Freundschaft. Und ein Geheimnis, das sie ebenso eint wie trennt. Immer tiefer dringt der Erzähler auf seiner Suche in das wilde Kambodscha vor, in dieses nie genesene Land ohne Gedächtnis, immer verzweifelter durchforstet er seine Erinnerungen nach einem Hinweis, was passiert sein könnte. Bis er begreift, dass er den Freund nur retten kann, wenn er mit ihm verschwindet.

Katharine Dion – Die Angehörigen

Nach dem plötzlichen Tod seiner Frau Maida quält Gene die Frage, ob sie glücklich gewesen ist mit ihrem gemeinsamen Leben. Er hat sie das nie gefragt. In Gesprächen mit seiner Tochter Dary und seinen langjährigen Freunden Gayle und Ed sucht er in seiner Erinnerung nach glücklichen Momenten, die sie erlebt haben: als Paar, als Eltern, als Freunde. Doch Dary stellt nicht nur seine versöhnliche Darstellung der Vergangenheit infrage, sie lässt ihn auch an seinem Bild von Maida zweifeln. Durch sie tritt Gene eine ganz andere Frau entgegen. Während die seit Langem bestehende Kluft zwischen ihm und seiner Tochter wächst, begreift Gene nach und nach, wie wenig er sein eigenes Kind kennt – und wie geheimnisvoll seine Ehefrau eigentlich war. Neben das Glück, das er stets an Maidas Seite empfunden hat, treten Verletzung und Betrug, die es sowohl in seiner Ehe als auch in seiner Freundschaft zu Gayle und Ed gegeben hat. Und ein entsetzlicher Verdacht ergreift Besitz von ihm und droht alles hinwegzufegen, was er je zu wissen geglaubt hat.

Hanya Yanagihara – Das Volk der Bäume

Der junge Arzt Norton Perina kehrt mit einer unfassbaren Entdeckung von der Insel Ivu’ivu zurück: Hat er wirklich ein Mittel gegen die Sterblichkeit gefunden? Eine uralte Schildkrötenart soll die Formel des ewigen Lebens bergen. So kometenhaft er damit zur Spitze der Wissenschaft aufsteigt, so rasant vollzieht sich die Kolonisierung und Zerstörung der Insel.

Geovani Martins – Aus dem Schatten

Jeder Schritt vor die Tür ein Spießrutenlauf, jede Begegnung mit der Polizei eine Schikane, jeder Blickkontakt ein Todesrisiko: Die Favelas von Rio de Janeiro sind harte Orte. Hier herrschen Armut und Brutalität. Hier leben die Ohnmächtigen und Verdammten. Und hier leben junge Menschen – sind sie Täter? Opfer? –, die mit all dem klarkommen müssen und sich ihre alltägliche Fragen stellen: Die Schusswaffen des Vaters mal ausprobieren? Wie kriegt man eine Frau rum? Wie wird man eine Leiche los? Wie rettet man eine Hexe? Wohin mit den Drogen, wenn eine Sondereinheit das Haus stürmt?


Violaine Huisman – Die Entflohene

Ihr Fahrstil war sportlich, mit quietschenden Reifen fuhr sie über jede rote Ampel der Champs-Elysées, in der linken Hand die Zigarette, in der rechten das Steuer, auf dem Rücksitz die beiden Töchter. Catherine konnte ausrasten, ihre Kinder unflätig beschimpfen, um sie gleich danach in Liebe zu ertränken. Die kleine Violaine und ihre Schwester lieben die Mutter abgöttisch, aber sie ist krank, sie ist manisch-depressiv.

Vea Kaiser – Rückwärtswalzer

Als Onkel Willi stirbt, stehen der Drittel-Life-Crisis geplagte Lorenz und seine drei Tanten vor einer Herausforderung. Willi wollte immer in seinem Geburtsland Montenegro begraben werden. Doch da für eine regelkonforme Überführung der Leiche das Geld fehlt, begibt man sich kurzerhand auf eine illegale Fahrt im Panda von Wien Liesing bis zum Balkan. Auf der 1029 Kilometer langen Reise finden die abenteuerlichen Geschichten der Familie Prischinger auf kunstvolle Weise zueinander.

Lawrence Osborne – Welch schöne Tiere wir sind

Die Luft scheint stillzustehen an diesem heißen Sommertag auf der griechischen Insel Hydra. Dort verbringt Naomi die Ferien in der Residenz ihres Vaters, einem englischen Kunstsammler. Gemeinsam mit der jüngeren Sam entdeckt sie bei einem Küstenspaziergang etwas Ungeheuerliches: Ein bärtiger, ungepflegter Mann liegt auf den Steinen, ein Geflüchteter aus Syrien, Faoud. Für Naomi die perfekte Gelegenheit, es ihrem Vater heimzuzahlen – für seinen obszönen Reichtum, seine hohlen Allüren, seine unerträgliche neue Frau. Doch als sie Faoud dazu anstiftet, bei ihrem Vater einzubrechen, hat das fatale Folgen.

John Ironmonger – Der Wal und das Ende der Welt

Erst wird ein junger Mann angespült, und dann strandet der Wal. Die dreihundertsieben Bewohner des Fischerdorfs St. Piran spüren sofort: Hier beginnt etwas Sonderbares. Doch keiner ahnt, wie existentiell ihre Gemeinschaft bedroht ist. So wie das ganze Land. Und vielleicht die ganze Welt. Weil alles mit allem zusammenhängt.

Kena Cusanit – Babel

1913, unweit von Bagdad. Der Archäologe Robert Koldewey leidet ohnehin schon genug unter den Ansichten seines Assistenten Buddensieg, nun quält ihn auch noch eine Blinddarmentzündung. Die Probleme sind menschlich, doch seine Aufgabe ist biblisch: die Ausgrabung Babylons. Zwischen Orient und Okzident bahnt sich gerade ein Umbruch an, der die Welt bis in unsere Gegenwart hinein erschüttern wird. Wie ein Getriebener dokumentiert Koldewey deshalb die mesopotamischen Schätze am Euphrat; Stein für Stein legt er die Wiege der Zivilisation frei – und das Fundament des Abendlandes.

Don Winslow – Jahre des Jägers

Art Keller, der berühmte US-Drogenfahnder, steht vor der Aufgabe seines Lebens: die amerikanische Anti-Drogen-Politik ist gescheitert, die Menge des jährlich importierten Heroins hat sich vervielfacht. So viele Amerikaner wie noch nie sind opiatabhängig. Die mächtigen mexikanischen Drogenkartelle versuchen, die amerikanische Regierung zu unterwandern – an deren Spitze ein umstrittener neuer Präsident steht. Art Keller folgt den Spuren des verschwundenen legendären Drogenbosses Adan Barrera und findet sich in einen brutalen und gnadenlosen Kampf gegen beide Seiten verstrickt. Er muss feststellen, dass Drogen- und Waffengeschäfte unfassbare Dimensionen angenommen haben. Dabei kommt der Feind aus einer ganz unerwarteten Richtung. Es beginnt ein entfesselter Krieg mit epischem Ausmaß, in dem die Grenzen zwischen Gut und Böse schon längst verschwunden sind.

Ian McEwan – Maschinen wie ich

Charlie ist ein sympathischer Lebenskünstler Anfang 30. Miranda eine clevere Studentin, die mit einem dunklen Geheimnis leben muss. Sie verlieben sich, gerade als Charlie seinen ›Adam‹ geliefert bekommt, einen der ersten lebensechten Androiden. In ihrer Liebesgeschichte gibt es also von Anfang an einen Dritten: Adam. Kann eine Maschine denken, leiden, lieben? Adams Gefühle und seine moralischen Prinzipien bringen Charlie und Miranda in ungeahnte – und verhängnisvolle – Situationen.

Lou Berney – Destination Dallas

November 1963: Amerika befindet sich in Schockstarre. Präsident Kennedy ist gerade in Dallas erschossen worden.
Auch den sonst nie um ein Wort verlegenen Frank Guidry macht die Nachricht sprachlos. Einige Tage zuvor hat er seinem Boss, der Mafiagröße Carlos Marcello, einen Gefallen getan und unweit des Tatorts ein Auto abgestellt. Ein Fluchtwagen, wie es nun scheint.
Da Frank weder verhaftet, noch als Mitwisser zum Schweigen gebracht werden will, muss er die Stadt schnellstmöglich verlassen.
Die junge Charlotte flieht ebenfalls, zusammen mit ihren Töchtern – vor ihrer trostlosen Ehe, der Enge ihres Zuhauses, der Chancenlosigkeit ihres Lebens. In einer Notsituation trifft sie auf den weltgewandten Frank, der vorschlägt, den Rest des Weges durch die USA gemeinsam fortzusetzen.
Schnell stellen Frank und Charlotte fest, dass sie einander auf ihrer Reise brauchen werden.

William Kent Kueger – Für eine kurze Zeit waren wir glücklich

Im Sommer des Jahres 1961 kommt der Tod in vielen Formen nach New Bremen. Als Unfall. Als Selbstmord. Und als Mord. Zusammen mit seinem kleinen Bruder Jake scheint der dreizehnjährige Frank immer am falschen Ort zu sein – oder am richtigen, schließlich liefert eine Leiche auch Stoff für gute Geschichten. Bis das Sterben auch Franks Familie heimsucht. Plötzlich tut sich vor den Brüdern die ganze Welt der Erwachsenen auf, und der Tod fordert von allen eine Entscheidung: für die Familie, die Freunde und das Leben.

Zinzi Clemmons – Was verloren geht

„Du bist ja keine richtige Schwarze“, sagt ihre weiße Mitschülerin eines Tages zu Thandi. Die Worte hallen nach, bis sie eine junge Frau wird. In Pennsylvania wächst sie auf, schließt Freundschaften, beginnt Liebschaften, doch sie gehört nie richtig dazu. Johannesburg ist die Heimat ihrer Mutter – für Thandi unendlich weit entfernt. Bis ihre Mutter an Krebs erkrankt, das Sterbebett zu Hause aufgebaut wird und Thandi sich mit ihrem Vater die Pflegestunden teilt. Es beginnt eine schmerzliche Reise zu ihren Wurzeln und eine erhellende Suche nach Halt, nach Liebe, nach einer eigenen Familie.

Peter Hoeg – Durch deine Augen

Simon hat versucht, sich das Leben zu nehmen. Peter will ihm helfen und nimmt Kontakt mit der Therapeutin Lisa auf. Die drei waren einst Kindergartenfreunde, doch daran kann Lisa sich nicht mehr erinnern. Als Forscherin hat Lisa eine Methode gefunden, wie man das Bewusstsein eines Menschen als Hologramm sichtbar machen kann. So will sie Patienten helfen, wieder in eine echte Beziehung zu anderen zu treten. In ihrem Bemühen, den völlig in sich verschlossenen Simon zu retten, kommen sich Peter und Lisa näher. Auch die verschüttete Kindheit steigt wieder vor Lisa auf.

Juan S. Guse – Miami Punk

Der Atlantik hat sich über Nacht von der Küste Floridas zurückgezogen und eine Wüste hinterlassen. Kreuzfahrtschiffe rosten im Sand vor Miami, die Hotels bleiben leer, der Hafenbetrieb ist eingestellt und selbst die Dauerwerbesendungsindustrie liegt am Boden. Mittendrin eine überambitionierte Indie-Game-Programmiererin, eine strauchelnde Arbeiterfamilie, eine junge Soziologin und ein E-Sport-Team aus Wuppertal.

Michael Römling – Pandolfo

Mailand 1493: Der junge Pandolfo wird schwer verletzt und ohne Gedächtnis von dem Seidenhändler Bernadino Bellapianta auf der Straße gefunden. Nun arbeitet er für den reichen Unternehmer und Abenteurer. Auf der Suche nach seiner Vergangenheit steigt Pandolfo mit einem Flugmaschinenbauer in die Lüfte auf, stolpert über einen toten Osmanen, verliebt sich zum zweiten Mal in dieselbe Frau, überlebt einen weiteren Mordanschlag und kommt langsam dahinter, dass sein Wohltäter nicht ganz so tadellos ist, wie er scheint.

Kamel Daoud – Zabor

Ismaël, der sich selbst Zabor nennt, verliert früh seine Mutter. Der Vater verstößt ihn, Stiefmutter und Halbgeschwister wollen das Kind nicht im Haus haben. Zabor wächst bei seiner altjüngferlichen Tante und dem stummen Großvater auf. Trost und Zuflucht findet er in der Literatur, er verschlingt alles, was er in die Finger kriegen kann. Viel ist das jedoch nicht in einem algerischen Dorf, das im Süden bereits an die Sahara grenzt, und so beginnt Zabor, seine eigenen Geschichten zu schreiben und entdeckt dabei schon früh ein besonderes Talent: Er hat die Gabe, das Leben von Sterbenden zu verlängern. So lange er über die Leute schreibt, so lange hält er den Tod auf Abstand. Wenn der Arzt und das Heilige Buch nicht mehr helfen können, dann holt man Zabor. So auch, als eines Tages sein Vater im Sterben liegt.

Joel Dicker – Das Verschwinden der Stephanie Mailer

Es ist der 30. Juli 1994 in Orphea, ein warmer Sommerabend an der amerikanischen Ostküste: An diesem Tag wird der Badeort durch ein schreckliches Verbrechen erschüttert, denn in einem Mehrfachmord sterben der Bürgermeister und seine Familie sowie eine zufällige Passantin. Zwei jungen Polizisten, Jesse Rosenberg und Derek Scott, werden die Ermittlungen übertragen, und sie gehen ihrer Arbeit mit größter Sorgfalt nach, bis ein Schuldiger gefunden ist. Doch zwanzig Jahre später behauptet die Journalistin Stephanie Mailer, dass Rosenberg und Scott sich geirrt haben. Kurz darauf verschwindet die junge Frau …

Preti Taneja – Wir die wir jung sind

Der alte Devraj, ehemaliger Maharadscha und Chef eines mächtigen indischen Mischkonzerns, der nur ehrfürchtig „The Company“ genannt wird, ist alt geworden und will sein Erbe verteilen. Er hat drei Töchter, Ranjit Singh, sein Berater, Teilhaber und Wegbegleiter, hat zwei Söhne, die ebenfalls mit bedacht werden sollen.Wer wird sich durchsetzen in diesem umfassenden Machtkampf, der auch ein Geschlechterkampf ist?

Rachel Kushner – Ich bin ein Schicksal

Romy Hall tritt eine zweimal lebenslängliche Haft in der Stanville Women’s Correctional Facility an, tief in Kaliforniens Central Valley. Draußen die Welt, von der sie nunmehr abgeschnitten ist: San Francisco, wo sie aufwuchs und wo ihr kleiner Sohn Jackson lebt. Drinnen eine ganz neue: Hunderte Frauen, die um das Nötigste zum Überleben kämpfen; ständiges Bluffen und Katzbuckeln und die beiläufige Gewalt durch Aufsichtspersonal wie Gefangene. Aber es gibt auch einen Hoffnungsschimmer am Horizont: einen noch an Ideale glaubenden Sozialarbeiter, der sich der jungen Frau annimmt…

Ralph Ellison – Der unsichtbare Mann

Der namenlose Ich-Erzähler verliert sein Stipendium, weil er einem Förderer des von Weißen eingerichteten Südstaaten-Colleges für Schwarze nicht die gewünschte Kulisse, sondern die Realität der Farbigen vor Augen führt. Er muss sein Glück dort suchen, wo es Arbeit gibt, und landet in Harlem, einem brodelnden Hexenkessel, inmitten von schwarzem Glamour und Blue Notes, Swing und Spirituals, politischen Aufwieglern und verlorenen Spinnern.

Herbert Kapfer – 1919

Soldaten, Rückkehrer, Revolutionäre, Minister, Freikorpskämpfer, Gymnasiasten, Matrosen, Monarchisten, Vertriebene, Verliebte, ein Vagabund, eine Zeitungsverkäuferin: In ihren Geschichten präsentieren sich die tausendfachen Probleme einer Zeit, die von den Explosionen des Krieges erschüttert und von der katastrophalen Niederlage geprägt ist, von Hunger, Massenelend und Kriegsgewinnlern, von fanatischem Nationalismus und sozialrevolutionären Ideen, von militärischer Gewalt und Fantasien freier Liebe. In 1919 fließen Hunderte von Splittern, Szenen und Handlungsverläufen aus zeitgenössischen Romanen, Berichten und Aufsätzen zusammen. Ein Erzählstrom in 123 Kapiteln, der aus den Ideen und Kämpfen der Zeit schöpft, aus trivialen, völkischen, utopischen, dadaistischen, reaktionären, politischen, literarischen und fotografischen Quellen. Ein Spiel mit historischen Möglichkeiten und literarischen Figuren, imaginierten Geschichten und realen Ereignissen, kollektivem Wahn und individuellen Wirklichkeiten. Eine Fiktion, die extreme Positionen vorführt und die Widersprüche der Weimarer Republik zuspitzt, die von Kaiser Wilhelms Glück und Ende erzählt, von der Bruderschaft der Vagabunden und dem Untergang einer Flotte, von den Träumen der Kunst und der Rückkehr deutscher U-Boote.

Johan Harstad – Max, Mischa & die Tet-Offensive

Max Hansen wächst in Norwegen auf. Genauer: im Stavanger der 80er Jahre, wo die Väter für Monate auf Ölplattformen verschwinden, während die Kinder im Märchenwald Vietnamkrieg spielen. Ein Idyll – bis Max‘ Familie in die USA emigriert.
Während der Vater nun von Long Island aus um die ganze Welt fliegt und so selten zu Hause ist, dass die Ehe der Eltern daran zu zerbrechen droht, rücken Max und seine ebenso einsame Mutter näher zusammen. Bis Mordecai kommt, der zunächst Max‘ bester Freund und später ein bekannter Schauspieler wird. Er macht ihn auch mit Mischa bekannt, einer sieben Jahre älteren bildenden Künstlerin. Max und Mischa verlieben sich ineinander. Sie ist es auch, die Max anstiftet, sich auf die Suche nach seinem geheimnisvollen Onkel zu machen, einem Vietnam-Kriegsveteranen, mit dem sein Vater vor langer Zeit gebrochen hat. Sie finden ihn im Apthorp-Building in Manhattan und ziehen schon bald bei ihm ein. Die unkonventionelle WG, in der man einander mit Großmut und Verständnis begegnet, wird zum Epizentrum des Lebens von Max, Mischa, Mordecai und Onkel Owen. Für einen Moment scheint es, als hätte Max ein Zuhause gefunden…

John Lanchester – Die Mauer

Joseph Kavanagh tritt seinen Dienst auf der Mauer an, die England seit dem großen Wandel umgibt. Er gehört nun zu jener Gruppe von jungen Menschen, die die Mauer unter Einsatz ihres Lebens gegen Eindringlinge verteidigt. Der Preis für ein mögliches Versagen ist hoch. Schaffen es Eindringlinge ins Land, werden die verantwortlichen Verteidiger dem Meer – und somit dem sicheren Tod – übergeben. Das Leben auf der Mauer verlangt Kavanagh einiges ab, doch seine Einheit wird zu seiner Familie, und mit Hifa, einer jungen Frau, fühlt er sich besonders eng verbunden. Gemeinsam absolvieren sie Kampfübungen, die sie auf den Ernstfall vorbereiten sollen. Denn ihre Gegner können jeden Moment angreifen. Und die sind gefährlich, weil sie für ein Leben hinter der Mauer alles aufs Spiel setzen.

Jean-Baptiste del Amo – Tierreich

Während Europa von Kriegen und Umwälzungen erschüttert wird, kämpft eine Familie von Schweinezüchtern um ihr Fortbestehen – und nutzt die in immer größerem Maßstab stattfindende Ausbeutung des Rohstoffs Tier, um sich in unsere heutige, hochindustrialisierte Welt hinüberzuretten.
Éléonore, Kind eines kranken Vaters und einer lieblosen Mutter, erbt Anfang des 20. Jahrhunderts von ihren Vorfahren Schweine und die Gewissheit, dass Gewalt gegen Mensch und Tier zum Leben dazugehört. Mit Disziplin und unbändiger Härte gegen sich selbst allen Schicksalsschlägen trotzend, hält sie den landwirtschaftlichen Betrieb aufrecht und versteht es, ihn über die Jahrzehnte hinweg zu vergrößern und später ihrem Sohn Henri zu übergeben. Achtzigjährig erlebt die erschöpfte Matriarchin schließlich, wie dieser mit ihren Enkeln Serge und Joël den familiären Zuchtbetrieb zu einer gigantischen, die Ressource Tier grausam ausbeutenden Tierfabrik ausbauen. Das anonymisierte Elend der Schweine spiegelt nicht nur den Wahnsinn dessen, was die Menschheit unter Fortschritt versteht, sondern wirft auch die Frage auf: Wer sind die eigentlichen Bestien?

Josephine Rowe – Ein liebendes, treue Tier

Eine abgelegene Kleinstadt im Südwesten Australiens, Anfang der Neunzigerjahre. Jack Burroughs hat den Krieg, an dem er vor mehr als zwanzig Jahren teilgenommen hat, nie überwunden. Als sein geliebter Hund eines Nachts von einem wilden Tier buchstäblich in Stücke gerissen wird, verliert er endgültig die Kontrolle über sein verpfuschtes Leben. Vor Weihnachten verschwindet er spurlos – genau wie früher schon, nur fürchtet seine Tochter Ruby, dass es diesmal endgültig ist. Schließlich funktioniert die Familie schon lange nicht mehr. Evelyn, Jacks Frau, fühlt sich um das bessere Leben betrogen, das sie eigentlich hätte leben sollen. Früher hat sie ihre ältere Tochter Lani losgeschickt, wenn Jack sich davongemacht hatte, weil er die Schreie der Vergangenheit nicht mehr aushalten konnte. Heute verkauft Lani auf Partys die Beruhigungstabletten ihres Vaters und ist vor allem darauf aus, in Schwierigkeiten zu geraten …
Jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich, aber nicht immer ist das Schicksal einer Familie unausweichlich.

Ben Aaronovitch – Die Glocke von Whitechapel

Constable und Zauberlehrling Peter Grant steht vor seiner größten Herausforderung: Das Schicksal Londons steht auf dem Spiel. Der gesichtslose Magier, verantwortlich für grauenvolle übernatürliche Verbrechen, ist zwar endlich demaskiert und auf der Flucht. Doch er verfolgt einen perfiden Plan, der ganz London in den Abgrund stürzen könnte. Um den Gesichtslosen zu stoppen, muss Peter all seine magischen Kräfte aufbieten – und einen bösen alten Bekannten kontaktieren: Mr. Punch, den mörderischen Geist des Aufruhrs und der Rebellion.


Gibt es Bücher, auf die ihr euch besonders freut? Oder Autor*innen, die mal wieder von sich hören lassen? Bin auf eure Tipps und Meinungen sehr gespannt!

Der literarische Herbst 2018 (Teil 2)

Vor einiger Zeit ging schon ein Artikel online, in dem ich zahlreiche Bücher aufführte, auf die ich mich freue. Heute wird das Ganze fortgeführt, da inzwischen die Programme einiger weiterer Verlage online gegangen sind. Vorhang auf also für Runde Zwei der Novitätendisco (mit mehr Indie-Verlagen, mehr Frauen, und überhaupt!):

 

Bunte Cover liegen im Trend. Diese beiden Werke treten den Beweis an: Tom Rachmans Die Gesichter und Richard Powers Die Wurzeln des Lebens. Bislang konnte mich keines von Rachmans Büchern so wirklich vom Hocker hauen. Vielleicht wird das mit dem neuen Buch anders? Darin erzählt er von einem Sohn, der sich aus dem Schatten seines Vaters lösen möchte (Übersetzung von Bernhard Robben). Auch auf Richard Powers freue ich mich, schließlich habe ich noch nichts von diesem Autor gelesen und würde diesem Zustand gerne Abhilfe schaffen.

Thematisch in die Reihe der farbenfreudigen Cover passt auch Chris Kraus‘ neuer Roman Sommerfrauen, Winterfrauen. Kraus‘ letzter opulenter Roman Das kalte Blut konnte mich wirklich begeistern – hoffentlich kommt der neue Titel an dieses 1200seitige Werk auch heran. Weiter geht es mit Christian Torklers Der Platz an der Sonne, hierin entwirft der Autor eine Vision von Deutschland im Jahr 1978, in dem Berlin in Trümmern liegt. Alternative Geschichtsschreibungen mag ich sehr – mal sehen, ob auch dieses Buch überzeugen kann!

Etwas weiter von Deutschland weg spielt der nächste Vorschautitel, nämlich Wonder Valley von Ivy Pochoda. Darin lässt die Autorin mehrere Figuren in der Gluthitze Kaliforniens aufeinanderprallen. Man darf auf diesen literarischen Flipperautomaten durchaus gespannt sein, wie ich finde.

 

Um mit spannenden Autorinnen fortzufahren: auch Nino Haratischwili lässt mit Die Katze und der General wieder von sich hören. Nach ihrem monumentalen Wurf Das achte Leben und der Auszeichnung mit dem Brecht-Preis der Stadt Augsburg freue ich mich nun, wieder von der Autorin zu hören. Eine weitere tolle Autorin ist Jennifer Clement, die nach ihrem Blick auf den blutigen Drogenkonflikt in Mexiko in Gebete für die Vermissten nun ein weiteres heißes gesellschaftliches Eisen anfasst. Nämlich die Faszination der Amerikaner für Waffen. Gun Love heißt das Buch und erscheint im September bei Suhrkamp.

Ebenfalls im September erscheint das Debüt von Min Jin Lee, das in Amerika ein Bestseller war und auf der Shortlist des National Book Award stand. In Ein einfaches Leben erzählt die Autorin vom Milieu der koreanischen Einwanderer. Laut Verlagswerbung stecken 20 Jahre Arbeit in dem Buch – nicht nur eingedenk der aktuellen Ereignisse rund um Amerika und Nordkorea bin ich mehr als gespannt.

Die große Faszination an Büchern ist es ja, dass sie mich in andere Leben und Welten hineinschauen lassen. Mit der Lebenswelt von koreanischen Einwanderern in den USA hätte ich ja normalerweise keine Berührungspunkte. Ein weiterer dieser Weltenöffner könnte Der Sport der Könige der Autorin C.E. Morgan sein. Darin erzählt sie von einer Familie von Pferdezüchtern in den Südstaaten der USA – darüber hinaus scheint mir das Buch – wenn man nach der Ankündigung geht – auch die aktuellen Probleme der USA auf der Folie dieses Romans zu verhandeln.

Ein schwarzhumoriger Spaß könnte auch das Buch Glorreiche Ketzereien von Lisa McInerney werden. Es erscheint im Liebeskind-Verlag, der ja immer ein gutes Händchen für außergewöhnliche Bücher hat.

 

Auch im Bereich der Spannungsliteratur gibt es einige Titel, auf die ich mich freue, unter anderem auf Nachschub aus dem Polar-Verlag, der wieder einmal ein spannendes Programm aufbietet. Besonders ins Auge fiel mit das Buch Grant Park von Leonard Pitts Jr., der in diesem Buch das die Unruhen in Memphis 1968 und die Wahl Barack Obamas zum Präsidenten verbindet. Über seinem Krimi scheinen die Themen Rassismus und Amerikas Auseinandersetzung mit seinem historischen Erbe zu schweben. Ich bin gespannt.

In eine ganz andere Richtung zielt der Krimi Murder Swing, der von einem Vinyl-Detektiv erzählt, der in London seinem Tagewerk nachgeht. Er wird angeheuert, eine seltene Pressung zu finden, womit das ganze Schlamassel beginnt. Dieses Buch scheint mir der Bruder von den Titeln wie Hari Kunzrus White Tears oder Vintage von Grégoire Hervier zu sein.

Marlow ist der inzwischen schon siebte Band in der Reihe um den Berliner Kriminalkommissar Gereon Rath. Nachdem im Herbst die Verfilmung der ersten Bände der Reihe im Free-TV zu sehen ist und bislang jeder Roman ein Bestseller war, dürfte sich diese Geschichte hier nahtlos fortsetzen (wenngleich die Bücher von Volker Kutscher nun bei Piper statt Kiepenheuer&Witsch erscheinen).

Ein weiterer Garant für gute Kriminalliteratur ist Dennis Lehane. Seine Bücher sind eigentlich immer grandios – was ich hoffentlich nach der Lektüre auch von Der Abgrund in dir sagen werde. Auch Desperation Road von Michael Farris Smith lässt mich hoffen. Er erzählt in seinem Buch von einem frisch entlassenen Häftling und einer Mutter mitsamt Tochter auf der Flucht. Könnte klischeebeladen werden, könnte aber auch voll einschlagen. Ich werde berichten!

 

Ein toller Titel, der schon so bei mir wunderbar funktioniert ist Männer, die sich schlecht benehmen von Joshua Ferris. Klingt gut, wird gekauft. Und Kurzgeschichten gehen eh immer. Ein weiterer Titel, dessen Klappentext mich sehr anspricht, ist der Titel Der Blumensammler von David Whitehouse. Darin dreht sich alles um einen unscheinbaren Mann, den ein Brief auf eine große Reise schickt. Darin sind sechs seltene Blumen notiert – und der Mann begibt sich auf die Suche nach diesen Blumen.

Das Verschwinden des Josef Mengele von Oliver Guez dreht sich um die Flucht des ehemaligen KZ-Lager“arztes“ Josef Mengele, die er nach dem Ende des Dritten Reichs nach Buenos Aires antrat. In Frankreich war der Titel ein Bestseller und wird von Nicola Denis übersetzt. Diese hat auch schon Eric Vuillards Die Tagesordnung ins Deutsche übertragen.  Apropos Eric Vuillard: der Matthes&Seitz-Verlag bringt ein neues Sortiment mit Backlist-Titeln und Taschenbücher auf den Markt. Besonders auf die Ausgabe von Eric Vuillards Kongo freue ich mich. In diesem ursprünglich 2015 erschienen Buch montiert Vuillard die Geschehnisse rund um die Kongo-Konferenz im Jahr 1884. Die HC-Ausgabe entging mir, im Paperback wird die Lektüre nun nachgeholt. Und auch eine weitere Veröffentlichung des umtriebigen Verlags aus Berlin hat meine Aufmerksamkeit. Vermächtnis einer Jugend ist die Autobiographie von Vera Brittain, die als Hilfskrankenschwester die Schrecken des Ersten Weltkriegs miterleben musste. Genau 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs sicher eine lohnende Lektüre.

 

Billige Wortspiele mit seinem Nachnamen spare ich mir – nicht aber den Hinweis auf das Buch. Mein Ein und Alles von Gabriel Tallent klingt nach einem facettenreichen Porträt eines jungen Mädchens in der Abgeschiedenheit Nordamerikas. Höchst aktuell und hoffentlich angemessen moralisch ambivalent gehalten wird der Roman Die Polizisten des Franzosen Hugo Boris. Er erzählt darin von drei Polizisten, die die Abschiebung eines Flüchtlings in die Wege leiten müssen.

Etwas mehr Zerstreuung bietet Christian Schnalke in seinem Roman Römisches Fieber, der von Franz Wercker erzählt, der 1818 über eine Station am Gardasee in den Dunstkreis einer deutschen Künstlergemeinschaft in Rom gerät. Mich erinnert diese Beschreibung stark an die Titel oder Porträt ohne Dichter oder Keyserlings Geheimnis von Klaus Modick.

Die letzten beiden Vorschautipps kommen aus dem Hause DuMont und Ullstein. Im Kern eine Liebesgeschichte von Elizabeth McKenzie verspricht einen amerikanischen Gesellschaftsroman, bei dem auch der Humor nicht zu kurz kommt. Das lässt hoffen. Erst letztens fragte ich mich, ob es vielleicht dieses Jahr noch einen großen Roman zum Thema 1968 und dessen 50. Geburtstag gibt. Im Programm des Ullstein-Verlags bin ich nun auf den Krimi Die Tote im Wannsee des Autorentrios Lutz, Wilhelm und Kellerhoff gestoßen, das diese literarische Lücke hoffentlich etwas zu stopfen vermag.

 

Bevor ich mich nun nach dieser Auflistung völlig verzweifelt frage, wann man das alles lesen sollte noch die Frage an euch – haben sich für euch schon weitere Leseperlen aus den kommenden Programmen herauskristallisiert? Ich bin auf weitere Tipps gespannt!

 

 

Der literarische Herbst 2018

Auch wenn uns erst einmal ein hoffentlich großartiger Sommer 2018 bevorsteht – im literarischen Betrieb stehen die Zeichen schon wieder stark auf Herbst. Die aktuellen Vorschauen sind zumeist schon online gegangen – und ich habe die Zeit genutzt, um mir zahlreiche Wunschtitel aus den Programmen herauszupicken, auf die ich mich freue. Deshalb kommt hier eine erste höchst subjektive und vorfreudige Auswahl an Titel für den literarischen Herbst 2018 (genauere Infos über die Titel und deren Erscheinungsdatum verbergen sich hinter den Links im Text). Eine zweite Rutsche wird demnächst folgen:

 

 

Stefan Thome fand sich schon öfter auf Nominierungslisten für den Deutschen Buchpreis wieder. Nach seinen beiden Büchern aus Sicht zweier Ehepartner (Fliehkräfte und Gegenspiel) gibt es nun Neues vom hessischen Autor. In Gott der Barbaren beschäftigt er sich mit einer christlichen Aufstandsbewegung in China im 19. Jahrhundert. Ein geographisches und historisches Kapitel, bei dem ich gerne dazulerne. In der harten Gegenwart landet man dann wieder mit Dodgers von Bill Beverly. Dieser erzählt von vier jugendlichen aus den Ghettos von L.A., die sich auf einen Roadtrip durch die USA machen. Bevor die literarische Vorschau über den großen Teich geht, freue ich mich auf einen weiteren Titel aus den USA. Man sollte mit dem Wort Epos ja vorsichtig sein, gerade da es so inflationär in Vorschauen gebraucht wird. Nach allem, was man von Dark Town allerdings so liest, könnte dies hier tatsächlich zutreffen. Es geht um eine schwarze Polizeieinheit, die 1948 in Atlanta ihren Dienst versieht. Rassismus und Korruption dominieren die Stadt. Da finden zwei der Polizisten die Leiche einer Farbigen – deren Todesumstände niemanden außer die beiden Polizisten interessieren. Das klingt doch nach einer vielversprechenden Mischung aus James Ellroy und Dennis Lehane (von dem später auch noch die Rede sein wird.)

Nun aber wie angekündigt der Sprung über den Teich – zunächst nach England. Dort spielt der neue Roman von Michael Ondaatje (von ihm stammen unter anderem die Werke Der englische Patient und Katzentisch). Dieser erzählt vom jungen Nathaniel, der mitsamt seiner Schwester von seinen Eltern in London 1945 zurückgelassen wird. Erst spät beginnt Nathaniel die Hintergründe für diese Tat zu verstehen. Ebenfalls in England, genauer gesagt im verschlafenen Lynton spielt das neue Buch von Claire Fuller, die mit Eine englische Ehe eines meiner Lieblingsbücher 2016 geschrieben hat. Dort soll Frances ein Gutachten zur Renovierung eines Herrenhauses anfertigen. Sie quartiert sich kurzerhand in dem Haus ein und verbringt einen Sommer in der englischen Provinz.

 

 

Eine ganze Riege von Büchern mit bunten Covern und hoffentlich ebenfalls so bunten Inhalten: Wie man aus dieser Welt verschwindet erzählt von einer Spurensuche in Brasilien. Dort ist eine Autorin verschwunden und ihre Übersetzerin macht sich auf die Suche nach ihr, quer durch ganz Rio (leichte Anklänge an Die Morde von Pye Hall sind hier offenbar nicht ausgeschlossen). In die Schweiz entführt das neue Buch von Verena Roßbacher. In Ich war Diener der Familie Hobbs erinnert sich jener titelgebende Diener der Anwaltsfamilie Hobbs an ein Unglück, das sich in den besseren Kreisen der Zürcher Gesellschaft ereignete. Der KiWi-Verlag verspricht ein „literarisches Ereignis – voller psychologischer Brillanz, umwerfender Poesie und treffsicherem Humor“. Ich bin gespannt.

Ebenfalls im KiWi-Verlag erscheint der Debütroman von Philip Schwenke, der als Reporter für die Neon und Capital schreibt. In Das Flimmern der Wahrheit über der Wüste widmet er sich Karl May. Dieser machte mit seinen Büchern die Leser Glauben, dass er den Wilden Westen mindestens ebenso gut kannte wie seine Figuren Old Shatterhand und Winnetou. Dabei hatte Sachsen nie verlassen. Doch dann bricht er im Alter von 60 Jahren zu einer Orientreise auf – und muss zahlreiche Enttäuschungen erleben.

Zurück nach Samthar geht es für die Ich-Erzählerin in Anna Katharina Fröhlichs Rückkehr nach Samthar. Dort in der indischen Provinz existierte einst ein Königreich – doch bei der Rückkehr muss die Errzählerin erfahren, das alles vergangen ist und vom einstigen Glanz kaum mehr etwas übriggeblieben ist. Mit Glanz und Verfall in Indien beschäftigt sich auch ein weiteres Buch in diesem literarischen Herbst, nämlich Ghachar Ghochar von Vivek Shanbag. Darin schildert er den Aufstieg und Verfall einer indischen Familie, die ins Gewürzgeschäft einsteigt. Das klingt für mich nach einer indischen Variante der Buddenbrooks. Ich bin auf alle Fälle gespannt!

 

 

Ein vielversprechendes deutsches Debüt kommt vom jungen Lukas Rietzschel, der in Mit der Faust in die Welt schlagen vom Aufwachsen zweier Brüder in der Provinz Sachsens erzählt. Weiter gehts in puncto verheißungsvoller Debüts aus Deutschland mit Das weiße Schloss, das Unterhaltung im Stile von Kazuo Ishiguros Alles, was wir geben mussten verspricht. Alles andere als ein Debütant ist der Österreicher Wolf Haas, der mit Junger Mann vier Jahre nach Brennerova wieder von sich hören lässt.

Den Wettbewerb in puncto schönstes Cover könnte in diesem Herbst Jess Kidd gewinnen, deren zweites Buch auf Deutsch im DuMont-Verlag erscheint. Es trägt den Titel Heilige und andere Tote und erzählt von einem geheimnisumwitterten Messie, der in einem herrschaftlichen Anwesen im Westen Londons residiert. Und auch ein alter Bekannter veröffentlicht zehn Erzählungen unter dem Titel Die Wahrheit über das Lügen – die Rede ist von Benedict Wells. Sein Roman Vom Ende der Einsamkeit hat sich zu einem richtigen Longseller entwickelt – nun also Prosa in Kurzform von Wells.

 

 

Neues von der Altmeisterin Jane Gardam gibt es ebenfalls in diesem Herbst zu entdecken. Beziehungsweise neues Altes. Weit weg von Verona ist das Debüt der inzwischen schon 90-jährigen Britin. Im Mittelpunkt des Buches ein junges Mädchen, das immer die Wahrheit sagt. Persönlich freue ich mich auch sehr auf Der Erzähler, der neue Roman von Richard Flanagan, einem meiner absoluten Lieblingsautoren. Der Plot seines neuen Buchs klingt spannend. Ein mittelloser Autor soll die Memoiren eines berühmten Kriminellen verfassen – und das bevor der Prozess beginnt. Unter Druck beginnt der Schriftsteller einfach seine eigene Version der Dinge zu erfinden (im Übrigen scheint das Thema Wahrheit und Lügen einer der großen literarischen Trends dieses Herbstes zu sein).

Auch etwas gehobener und gut gemachter Blödsinn, Absurdität und Tragikomik darf gerne einmal sein. Guten Morgen, Genosse Elefant könnte genau das bieten. Ab Herbst 2018 wissen wir mehr. Einen Generationenroman, der den Niedergang einer ganzen Familie zwischen Den Haag und Riga verspricht, das ist Der Stammhalter von Alexander Münninghoff. Das Buch erscheint im C.H.Beck-Verlag. Und einer der schönsten Titel der kommenden Saison stammt für mich schon jetzt von Thomas Klupp. Sein neues Buch trägt den Titel Wie ich fälschte, log und Gutes tat.

 

So viel zunächst zu den kommenden Büchern, die mein Interesse wecken konnten. Gibt es Titel, die bei euch absolute Muss-Titel im Herbst 2018 sind?

Worauf ich mich 2018 freue

Nachdem ich ja bereits einen Blick zurück auf das Lesejahr 2017 geworfen habe, ist es nun an der Zeit, den Blick nach vorne zu richten auf die Bücher, die uns 2018 erwarten. Bei meinem Stöbern durch die Verlagsvorschauen bin ich wieder auf eine Vielzahl an Titeln gestoßen, die allesamt recht spannend klingen. Vorhang auf für meine Novitätenrevue:

David Schalko kennt man als austrophiler Serienschauer von den Serien Braunschlag oder Die Aufschneider. Im April legt er seinen Roman Schwere Knochen vor. Einen Monat früher wird das Buch Das Echo der Bäume von Sara Novic veröffentlicht, das zurück in die Tage des Serbienkriegs 1991 führt. Im Piper-Verlag erscheint ebenfalls im März der Roman Ein Geständnis von Thekla Chabbi, in dem sie eine Frau im Gefängnis jenes titelgebende Geständnis ablegen lässt. Zuück in die Zeit des Zweiten Weltkriegs entführt der Niederländer Stefan Hertmans mit seinem Buch Krieg und Terpentin (Erscheinungsdatum ebenfalls März).

 

Der Schöffling-Verlag aus Frankfurt veröffentlicht anlässlich des 100. Geburtstags von Jens Rehn sein Büchlein Nichts in Sicht noch einmal, Ursula März steuerte das Nachwort bei. Mit So enden wir gibt es im März Nachschlag für alle Leser von Daniel Galera. Im Suhrkamp-Roman erscheint der neue Roman, der sich um drei Freunde und verlorene Ideale dreht. Ebenfalls das zweite Buch auf Deutsch erscheint im April von Celeste Ng (die Autorin mit dem vokalärmsten Nachnamen, den ich kenne). Es hört auf den Titel Kleine Feuer überall. Und schließlich ist da noch George Saunders und sein Lincoln im Bardo. Für jenen Roman heimste der Amerikaner den Man Booker Prize 2017 ein, zudem freue ich mich besonders auf dieses Buch, da der Übersetzer Frank Heibert heißt. Auf seine Übertragung darf man schon gespannt sein.

 

Eine Geschichte der Wölfe von Emily Fridlund fuhr schon einige Lorbeeren ein, ich bin sehr gespannt, was das Buch wirklich kann. Auch Speicher 13 von Jon McGregor ist eines jener Bücher, die ich auf alle Fälle auf meinen Zettel gepackt habe. Der Liebeskind-Verlag aus München hat ja immer ein gutes Händchen, was lesenswerte Bücher abseits des Mainstreams angeht. Abseits des Mainstreams scheint auch das Buch Teich von Claire-Louise Bennett zu spielen, hier dreht sich alles um eine Frau in Irland, die aus der Gesellschaft aussteigt und in einem Cottage an der Küste ihr Leben nach ihren Spielregeln lebt. Über den großen Teich führt die nächste interessante Neuerscheinung – zu dem Schauplatz einer Familientragödie bringt die Autorin Emily Ruskovich die Leser nach Idaho.

 

Anthony McCarten hat mich bislang noch nie enttäuscht, auch von seinem Buch Jack erwarte ich Großes, zumindest jedoch eine nuancierte Annäherung an Jack Kerouac sollte drin sein. Große Erwartungen stelle ich auch an Ralf Rothmanns neues Buch Der Gott jenes Sommers, der damit zurückkehrt in jenes Universum, das er bereits in Im Frühling sterben durchmaß. Ein weiterer Kandidat in dieser Riege der vielversprechenden Verheißungen könnte auch David Mitchell sein, der mit dem Wolkenatlas eines meiner absoluten Lieblingsbücher geschaffen hat. Er legt diesmal einen Schauerroman mit dem Titel Slade House vor. Eine weitere Ankündigung, die aufhorchen lässt, ist der neue Thriller von Frank Schätzing. Dieser will ja immer den großen Wurf – ob ihm das bei Die Tyrannei des Schmetterlings gelingt – man darf gespannt sein!

 

Als Stefan-Zweig-Fan und Schachfreund ist auch das Buch Die Schachspieler von Buenos Aires von Ariel Magnus ein Werk, das ich auf meinem Zettel habe. Genauso wie das mit dem National Book Award ausgezeichnete Werk Singt, ihr Lebenden und Toten von Jesmyn Ward. Sie ist die bislang einzige Frau, der das Kunststück gelang, zweimal mit jenem Preis ausgezeichnet zu werden. Nach einem wirklich faszinierenden Schmöker, der zum Versinken einlädt, klingt auch John Boynes neues Buch Cyril Avery. In Die Kunst zu verlieren entführt Alice Zeniter schließlich die Leser in ein Land, das auf meiner literarischen Landkarte bislang noch kaum vorkam – Algerien. Erscheinen wird jenes Buch im Juni 2018.

 

Klaus Modick ist einer meiner deutschsprachigen Lieblingsschriftsteller. In seinem neuen, im März erscheinendem Buch, widmet er sich nun Keyserlings Geheimnis. Was sich hinter jenem Geheimnis verbirgt und wie sich Modick dem heute schon wieder ziemlich vergessenen Schriftsteller annähert, das bleibt abzuwarten. Im Herbst 2018 werden sich abermals die Tore zur Buchmesse in Frankfurt öffnen. Das Gastland heißt diesmal Georgien. Georgische Literatur (mit Ausnahme von Nino Haratischwili) ist nun auch nicht so meine Domäne. Vielleicht ändert sich das mit dem Buch Reise nach Karabach von Aka Morchiladze aus dem Weidle-Verlag (Erscheinungsdatum Februar 2018). In eine ganz andere Richtung geht Jonathan Lees Roman High Dive, der zurück in die Thatcher-Jahre Englands führt. Und schließlich hat mich beim Durchblättern der Vorschauen auch der Roman Barbarentage von William Finnegan  aus dem Suhrkamp-Programm gepackt, der von der Leidenschaft zum Surfen handelt. Auch dieses Buch wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auf meine Leseliste wandern.

 

Diese bunte Mischung ist nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns dieses Jahr so alles erwarten wird. Nicht nur ich habe schon fleißig in den Programmen geschmökert, auch viele andere Blogger haben sich Gedanken gemacht, was sie dieses Jahr lesen möchten und worauf sie sich freuen. Stellvertretend seien hier die Vorschauen auf den Blogs Muromez, Bücherherbst, Zeichen&Zeit sowie bei Stefan Mesch verwiesen. Viel Spaß beim Schmökern – und gerne freue ich mich auch auf eure Tipps und Anregungen!

Adventskalender – Türchen 16

Heute gibt es noch einmal neues Vorschaumaterial, auf das ich mich in den kommenden Monaten besonders freue:

Graham Moore – Die letzten Tage der Nacht

New York, 1888. Thomas Edison hat mit seiner bahnbrechenden Erfindung der Glühbirne ein Wunder gewirkt. Die Elektrizität ist geboren, die dunklen Tage der Menschheit sind Vergangenheit. Nur eine Sache steht Edison und seinem Monopol im Weg, sein Konkurrent George Westinghouse. Zwischen den beiden Männern entbrennt ein juristischer Kampf, es geht um die Millarden-Dollar-Frage: Wer hat die Glühbirne wirklich erfunden? Und wer hat also die Macht, ein ganzes Land zu elektrifizieren?

Neben diesem Titel gibt es noch eine weitere Neuerscheinung, die sich um Thomas Edison und seinen Kampf mit Konkurrenten dreht. Sie kommt von Anthony McCarten und trägt den Titel Licht.

 

Don Winslow – Corruption

In den Straßenschluchten von New York lässt der internationale Star-Autor Don Winslow ein alptraumhaft realistisches Szenario von Drogen, Menschenhandel, Mord entstehen. Er zeichnet die todbringende Allianz von staatlichen Stellen und organisiertem Verbrechen: Sie sehen sich als Elitetruppe der Polizei, eine verschworene Einheit, ausgestattet mit weitreichenden technischen und rechtlichen Möglichkeiten. Gemeinsam sollen sie für Ruhe und Ordnung in ihrem Revier sorgen, dem nördlichen Manhattan. Und genau das tun sie. Hier gelten ihre Spielregeln, hier geschieht nichts ohne ihr Wissen. Doch die Truppe ist extremem Stress ebenso ausgesetzt wie extremen Risiken … und extremen Verlockungen …

Ob Don Winslow wohl an alte Großtaten anknüpfen kann oder in seinem Formtief verharrt?

 

Maja Lunde – Die Geschichte der Bienen

England im Jahr 1852: Der Biologe und Samenhändler William kann seit Wochen das Bett nicht verlassen. Als Forscher sieht er sich gescheitert, sein Mentor Rahm hat sich abgewendet, und das Geschäft liegt brach. Doch dann kommt er auf eine Idee, die alles verändern könnte – die Idee für einen völlig neuartigen Bienenstock.

Ohio, USA im Jahr 2007: Der Imker George arbeitet hart für seinen Traum. Der Hof soll größer werden, sein Sohn Tom eines Tages übernehmen. Tom aber träumt vom Journalismus. Bis eines Tages das Unglaubliche geschieht: Die Bienen verschwinden.

China, im Jahr 2098: Die Arbeiterin Tao bestäubt von Hand Bäume, denn Bienen gibt es längst nicht mehr. Mehr als alles andere wünscht sie sich ein besseres Leben für ihren Sohn Wei-Wen. Als der jedoch einen mysteriösen Unfall hat, steht plötzlich alles auf dem Spiel: das Leben ihres Kindes und die Zukunft der Menschheit.