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Der literarische Herbst 2019

Gefühlt herrscht hier ja schon wieder Herbst vor den Fenster, dabei hat der Sommer noch nicht einmal begonnen. Wer sich dennoch für die kommenden Titel der Verlage interessiert, die ab Sommer in den Buchhandlungen und Bibliotheken zu finden sein werden, für alle die habe ich hier wieder einmal einige Titel zusammengetragen, die ich spannend finde und auf die ich mich freue. Die Links in den Kurzannotationen führen auf die jeweiligen Buch-Homepages. Viel Vergnügen und Inspiration!

Deutschsprachige Literatur

Starten wir mit der deutschsprachigen Literatur. Dabei gibt es einige vielversprechende Debüts und neue Titel von Autorinnen, die mir ins Auge gefallen sind.

Berit Glanz – Pixeltänzer: Elisabeth, von allen nur Beta genannt, arbeitet in einem Startup: Ihr Alltag wird von Pitches und Teambuilding-Maßnahmen bestimmt; in ihrer spärlichen Freizeit entwickelt sie Tiermodelle am 3D-Drucker und probiert sich durch die Berliner Eisdielen. Als ein Fremder unter dem seltsamen Alias Toboggan sie über eine App kontaktiert, ändert sich ihr Leben. Sein Profilbild weckt ihre Neugier, doch anstelle einer Antwort schickt er sie auf virtuelle Spurensuche […]

Dana von Suffrin – Otto: Für sein Umfeld war Otto, der pensionierte Ingenieur, schon immer eine Heimsuchung. Aber als er aus dem Krankenhaus zurückkehrt, ist alles noch viel schlimmer. Nach wie vor ist er aufbrausend, manipulativ, distanzlos und von wahnwitzigen Einfällen beseelt – aber jetzt ist er auch noch pflegebedürftig. Seinen erwachsenen Töchtern macht er unmissverständlich klar: Ich verlange, dass ihr für mich da seid. Und zwar immer! Für Timna und Babi beginnt ein Jahr voller unerwarteter Herausforderungen, aber auch der Begegnung mit der eigenen Vergangenheit und Familiengeschichte, die so schräg ist, dass Außenstehende nur den Kopf schütteln können.

Sonja M. Schultz – Hundesohn: Eine Provinzkneipe irgendwo in Norddeutschland, es ist Sommer im Jahr 1989. Herbert – genannt Hawk – sitzt beim dritten Bier, als sein roter Alfa Romeo in Flammen aufgeht, das einzige, was ihm aus seinem früheren Leben geblieben ist. Nach Jahren im Knast und einer gescheiterten Liebe zu Lu, Königin der Hafenkneipe »Les fleurs du mal«, hatte er dem verteufelten Hamburger Kiez den Rücken gekehrt, hatte den eigenen Sumpf aus zuviel Schnaps und sinnlosen Schlägereien hinter sich gelassen. Endlich eine trittsichere Existenz ohne krumme Touren – und bloß keine Gefühle mehr. Doch irgendjemand ist ihm auf den Fersen. Nur wer? […]

Simone Lappert – Der Sprung: Eine junge Frau steht auf einem Dach und weigert sich herunterzukommen. Was geht in ihr vor? Will sie springen? Die Polizei riegelt das Gebäude ab, Schaulustige johlen, zücken ihre Handys. Der Freund der Frau, ihre Schwester, ein Polizist und sieben andere Menschen, die nah oder entfernt mit ihr zu tun haben, geraten aus dem Tritt. Sie fallen aus den Routinen ihres Alltags, verlieren den Halt – oder stürzen sich in eine nicht mehr für möglich gehaltene Freiheit.

Raphaela Edelbauer – Das flüssige Land: Der Unfalltod ihrer Eltern stellt die hochbegabte Physikerin Ruth vor ein nahezu unlösbares Paradox. Ihre Eltern haben verfügt, im Ort ihrer Kindheit begraben zu werden, doch Groß-Einland verbirgt sich beharrlich vor den Blicken Fremder. Als Ruth endlich dort eintrifft, macht sie eine erstaunliche Entdeckung. Unter dem Ort erstreckt sich ein riesiger Hohlraum, der das Leben der Bewohner von Groß-Einland auf merkwürdige Weise zu bestimmen scheint. Überall finden sich versteckte Hinweise auf das Loch, doch keiner will darüber sprechen. Nicht einmal, als klar ist, dass die Statik des gesamten Ortes bedroht ist. Wird das Schweigen von der einflussreichen Gräfin der Gemeinde gesteuert? Und welche Rolle spielt eigentlich Ruths eigene Familiengeschichte? […]

Christoph Poschenrieder – Der unsichtbare Roman: Wer ist schuld am Ersten Weltkrieg? Im Jahr 1918 wird die Frage immer drängender. Da erhält der Bestsellerautor Gustav Meyrink in seiner Villa am Starnberger See ein Angebot vom Auswärtigen Amt: Ob er – gegen gutes Honorar – bereit wäre, einen Roman zu schreiben, der den Freimaurern die Verantwortung für das Blutvergießen zuschiebt. Der ganz und gar unpatriotische Schriftsteller und Yogi kassiert den Vorschuss – und bringt sich damit in Teufels Küche.

Burkhard Spinnen – Rückwind: Hartmut Trössner ist ein Glückskind des Zeitgeistes. Er ist ein grüner Mogul: Chef eines erfolgreichen Windenergieunternehmens, Ehemann einer populären Schauspielerin, Vater eines kleinen Sohnes und jüngst auch Produzent einer bahnbrechenden TV-Serie.
Doch dann kommt der 9. April 2018. Hartmut Trössner verliert buchstäblich alles: Unternehmen, Frau, Kind und Haus. Den heißen Sommer verbringt er in einer Klinik. Am 27. August macht er sich auf, mit dem Zug nach Berlin. Und er ist nicht allein. Da ist jemand bei ihm, unsichtbar, hörbar nur für ihn: ein Alter Ego, das vorgibt, sein Überlebenstrainer zu sein und ihn fürs Weiterleben zu retten. Im Zug wird Trössner von einer jungen Frau angesprochen. Ihr erzählt er in mehreren Stationen sein Leben, mit ihr zusammen inszeniert er einen furiosen Auftritt in der Hauptstadt.

Mareike Fallwickl – Das Licht ist hier viel heller: Maximilian Wenger war einer der Großen, ein Bestsellerautor, ein Macher. Jetzt steht er vor einem Scherbenhaufen: Niemand will mehr seine Romane lesen, und seine Frau hat ihn gegen einen Fitnesstrainer eingetauscht. In einer kleinen Wohnung unweit von Salzburg verkriecht er sich vor der Welt.
Wengers achtzehnjährige Tochter Zoey plant ihre Zukunft nach ganz eigenen Vorstellungen. Schnell merkt sie, dass sie dabei an ihre Grenzen stößt – und das Erwachsenwerden mit Schmerz verbunden ist […]

Steffen Kopetzky – Propaganda: John Glueck ist im Krieg. Tief in Deutschland, im dunklen Hürtgenwald in der Eifel, 1944. Vor kurzem noch war er Student in New York, voller Liebe zur deutschen Kultur seiner Vorfahren; dann, als Offizier bei Sykewar, der Propaganda-Abteilung der US-Army, traf Glueck in Frankreich sein Idol Ernest Hemingway. Für ihn zieht Glueck in den scheinbar unbedeutenden, doch von der Wehrmacht eisern verteidigten Hürtgenwald bei Aachen. Er entdeckt das Geheimnis des Waldes, als eine der größten Katastrophen des Zweiten Weltkriegs beginnt: die «Allerseelenschlacht» mit über 15 000 Toten. Was kann John Glueck noch retten? Sein Kamerad Van, der waldkundige Seneca-Indianer? Seine halsbrecherischen Deutschkenntnisse? Ein Wunder?

Marius Hulpe – Wilde grüne Stadt: Iran, 1960. Der junge Reza wird vom Schah-Regime als Spion nach Europa verschickt. Studieren soll er, sich ein Leben aufbauen, Wissen sammeln und es in die Heimat transferieren. Über Umwege verschlägt es ihn ins erzreligiöse Westfalen, wo er auf Clara trifft, die in ihrer Heimat fremdelt und gegen die ständige Angst ankämpft, zu enttäuschen. Auch Reza taumelt in der Fremde. In ihrem Wunsch nach Selbstbestimmung finden sie zueinander, doch die Fliehkräfte ihrer Geschichten torpedieren ein dauerhaftes Miteinander. Daran ändert auch die Geburt ihres Sohnes Niklas nichts, der sich schämt für die überbordende Liberalität seiner Eltern. Als Reza 1979 die Islamische Revolution live im Fernsehen verfolgt, begreift er, dass es kein Zurück gibt. Er kollabiert und gerät in Abhängigkeit – von einer Familie, deren Hoffnungen er selbst stets enttäuscht hat.

Artur Dziuk – Das Ting: Vier junge Visionäre gründen in Berlin ein Start-Up up und entwickeln zusammen eine App: das sogenannte Ting, das körperbezogene Daten seiner Nutzer sammelt, auswertet und auf dieser Grundlage Handlungs- und Entscheidungsempfehlungen gibt.

Das Prinzip Ting überzeugt – die App schlägt ein wie eine Bombe. Getrieben vom Erfolg entwickelt Mitgründer Linus die Möglichkeiten immer weiter, sein eigenes Leben und das der User mithilfe des Ting zu optimieren. Doch um neue Investoren für die Firma zu gewinnen, sind er und sein Team bald gezwungen, sich auf ein gefährliches Spiel einzulassen: Sie verpflichten sich vertraglich, künftig unter allen Umständen jeder Empfehlung des Ting zu gehorchen – mit verheerenden Folgen.

Martin Beyer – Und ich war da: August Unterseher haben sich im Laufe seines Lebens viele Möglichkeiten geboten, sich gegen das Nazi-Regime zu stellen. Doch keine davon hat er genutzt. „Und ich war da“ ist die Geschichte eines Mannes, der hineinstolpert in die Dunkelheit seiner Zeit: erst in die Hitlerjugend, dann als Wehrmachtssoldat in den Russlandfeldzug. Und später, als Kriegsversehrter zurück auf dem Bauernhof seines Vaters, verdingt er sich als Henkershelfer der NS-Schergen bei den Hinrichtungen der Geschwister Scholl. Ein Mann ohne Eigenschaften, der am Ende seines Lebens zu verstehen sucht, weshalb alles so gekommen ist, weshalb er überlebt hat, wo andere gefallen sind, weshalb er zum Täter wurde, wo andere für ihre Ideale gestorben sind.

Jan Weiler – Kühn hat Hunger: Das Leben geht zwar immer weiter, aber es wird nicht unbedingt leichter. Jedenfalls nicht für jeden von uns: Kommissar Kühn zum Beispiel hat das Gefühl, schwerer zu sein, als es ihm gut tut. In der Seele und um die Hüfte rum. Während er sich damit abplagt, Gewicht zu verlieren, um interessanter für seine Frau Susanne zu werden, muss er sich gegen die Intrigen seines vermeintlich besten Freundes und Kollegen Thomas Steierer wehren: Seine Karriere bei der Mordkommission hängt an einem immer dünneren Faden – und er bekommt es mit einem Mörder zu tun, der ihm zeigt, wie tief man als Mensch sinken kann.

Emma Braslavsky – Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten:
Berlin, in einer nahen Zukunft. Die Stadt pulsiert dank der Hubot-Industrie: Robotik-Unternehmen stellen künstliche Partner*innen her, die von realen Menschen nicht zu unterscheiden sind; jede Art von Beziehungswunsch ist erfüllbar, uneingeschränktes privates Glück und die vollständige Abschaffung der Einsamkeit sind kurz davor, Wirklichkeit zu werden. Doch die Zahl der Selbsttötungen hat sich verzehnfacht. Denn die neuen Wesen beherrschen zwar die hohe Kunst der simulierten Liebe, können aber keine Verantwortung für jene übernehmen, mit denen sie zusammenleben. Immer mehr Menschen gehen an sozialer Entfremdung zugrunde. Deshalb kommt Roberta auf den Markt. Sie soll die Angehörigen der Suizidant*innen ausfindig machen, um dem Sozialamt die Bestattungskosten zu ersparen. Versagt sie, wird sie in Einzelteile zerlegt und an die Haushaltsrobotik verscherbelt. Und nicht jeder ist am Erfolg ihrer Ermittlungen interessiert.

Ulrich Tukur – Der Ursprung der Welt: Das ist nicht mehr die Welt von Paul Goullet: Er, der alte Bücher und Bilder liebt, die Schönheit, den Traum und die Phantasie, findet sich in einer Zeit, in der das Chaos herrscht und die Algorithmen. Um den den düsteren Zeiten zu entfliehen, reist er nach Paris und findet bei seinen Spaziergängen durch die Stadt plötzlich etwas Unerhörtes: ein altes Fotoalbum, dessen Bilder ihn selbst zu zeigen scheinen, inmitten eleganter Damen und Herren aus den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Fasziniert setzt sich Goullet auf die Fährte seines Doppelgängers und reist nach Südfrankreich, wo er eine erschreckende Erfahrung macht: Immer wieder scheint er die Zeit zu wechseln und sich in den Mann aus dem Fotoalbum zu verwandeln. Und die Hinweise mehren sich, dass dieser ein furchtbares Geheimnis hat.

Kriminalliteratur

Auch was die Kriminalliteratur anbelangt bin ich erfreulich oft fündig geworden. Hier acht besonders spannende Titel mit britischem Schwerpunkt, die ich auf meinem Merkzettel notiert habe:

Stuart Turton – Die sieben Tode der Evenly Hardcastle: Familie Hardcastle lädt zu einem Ball auf ihr Anwesen Blackheath. Alle Partygäste amüsieren sich prächtig, doch dann beendet ein fataler Pistolenschuss den ausgelassenen Abend. Evelyn Hardcastle, die Tochter des Hauses, wird tot aufgefunden. Unter den Gästen befindet sich jemand, der mehr über diesen Tod weiß, denn am selben Tag hat Aiden Bishop eine seltsame Nachricht erreicht: »Heute Abend wird jemand ermordet werden. Es wird nicht wie ein Mord aussehen, und man wird den Mörder daher nicht fassen. Bereinigen Sie dieses Unrecht, und ich zeige Ihnen den Weg hinaus.« Tatsächlich wird Evelyn nicht nur ein Mal sterben. Bis der Mörder entlarvt ist, wiederholt sich der dramatische Tag in Endlosschleife. Doch damit nicht genug: Immer, wenn ein neuer Tag anbricht, erwacht Aiden im Körper eines anderen Gastes und muss das Geflecht aus Feind und Freund neu entwirren. Jemand will ihn mit allen Mitteln davon abhalten, Blackheath jemals wieder zu verlassen …

Steven Price – Die Frau in der Themse: Charlotte Reckitt ist schön, stolz und gesetzlos. Ihre Coups sind phänomenal, ihre Erfolge beachtlich. Und sie ist eine Schlüsselfigur im Leben zweier Männer: William Pinkerton, berühmt-berüchtigter Detektiv, und Adam Foole, Gentleman-Dieb mit Witz und Chuzpe. Für den einen war sie einst die Erfüllung all seiner Träume, für den anderen ist sie die letzte Spur einer lebenslangen Besessenheit. Eine atemlose Jagd beginnt.

Anthony J. Quinn – Gestrandet: Celsius Daly ist Mitte vierzig und geschieden. Er lebt allein und ist völlig unsozial und tut sogar sein Bestes, diejenigen von sich fernzuhalten, die ihm helfen wollen. Seine Methoden stoßen nicht auf allgemeine Zustimmung. Die Leiche eines toten Polizisten wird am Lough Neagh ans Ufer angeschwemmt. Nie­mand ist sich sicher, ob es sich um Selbstmord, Mord oder einen Unfall handelt. Als der Tote als Detective Brian Carey der Garda Síochána identifiziert wird, entdeckt Daly schnell, dass Carey gegen Tom Morgan ermittelt hat, einen ehe­maligen IRA-Sympathisanten, der zum Schmuggler wurde. Was als einfacher Fall von Selbstmord erscheint, erweckt in Daly den Eindruck, dass in dem trostlosen Dorf Dreesh nahe der irischen Grenze Recht und Ordnung zum Stillstand gekommen sind.

Lisa McInerney – Blutwunder: Ryan Cusack hat schon eine beachtliche Karriere als Dealer hingelegt. Dabei weiß er wie alle Zwanzigjährigen noch gar nicht genau, was eigentlich sein Ding ist. Kein guter Zeitpunkt also, dass seine Freundin Karine ihm den Laufpass gibt, weil er sein Leben nicht auf die Reihe kriegt. Und kein guter Zeitpunkt, dass sein Boss ihn in eine Sache verwickelt, die leicht aus dem Ruder laufen kann. Dan Kane will die Stadt mit hochwertigem Ecstasy überschwemmen, das er aus Italien bezieht. Sich mit der neapolitanischen Camorra einzulassen, ist natürlich immer heikel, selbst wenn die Jungs zunächst auf deiner Seite stehen. Und dann gibt es ja noch Jimmy Phelan, der das organisierte Verbrechen der Stadt kontrolliert, vor allem die Drogengeschäfte. Der sieht es überhaupt nicht gern, wenn man ein Stück von seinem Kuchen nimmt, ohne vorher zu fragen. Es kann also sein, dass Ryan Cusacks beachtliche Karriere bald schon einen empfindlichen Dämpfer bekommt. Erst recht, als die erste Lieferung mit den italienischen Wunderpillen verloren geht …

Hideo Yokoyama – 2: Zwei Fälle, zwei Ermittler, ein Schauplatz: Japan, Polizeipräsidium Präfektur D.

Fall 1: Inspektor Futawatari wird mit der personellen Umstrukturierung der Präfektur beauftragt, doch Kriminalpolizei-Legende Michio Osakabe weigert sich überraschend, in Ruhestand zu gehen. Osakabe wird zu einem Sandkorn im Getriebe der Polizeibürokratie – bis Futawatari darauf stößt, dass Osakabe nicht aufgehört hat, in einem grausamen Fall zu ermitteln, der nie gelöst wurde …

Fall 2: Abteilungsleiterin Tomoko Nanao wird benachrichtigt, als eine junge Polizistin plötzlich nicht mehr zur Arbeit erscheint. Nanao ist für alle weiblichen Polizeikräfte der Präfektur verantwortlich und hat einen dunklen Verdacht. Als Nanao im Polizistinnen-Wohnheim erfährt, dass die vermisste Frau von einem mysteriösen jungen Mann umworben wurde, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Pierre Pouchairet – Unheiliges Land: In Nablus, dem Zentrum des Widerstands gegen Israel, wird eine Familie jüdischer Siedler grausam ermordet. Dany und Guy, beide aus Frankreich stammend, Offiziere der israelischen Justizpolizei, werden zu Beobachtern der Ermittlungen ernannt. Maïssa, eine palästinensische Polizistin, führt ihrerseits hartnäckig eigene Ermittlungen durch, da die jungen Palästinenser, die aufgegriffen wurden, eines Verbrechens beschuldigt werden, das sie möglicherweise nicht begangen haben. Der Fall wird von israelischer Seite als Terrorismus eingestuft. Maïssa ist die Tochter einer Ministerin und früheren PLO-Aktivistin. Sie kann auf die Netzwerke ihres Vaters zurückgreifen.

Andreas Pflüger – Geblendet: Jenny Aaron musste viele Male über Leben und Tod entscheiden, oft in Sekundenbruchteilen. Nie hat sie gezögert. Doch jetzt steht sie an einem Scheideweg. Was ist wichtiger: ihr Augenlicht vielleicht wiederzubekommen oder die Abteilung, jene Spezialeinheit, der sie ihr Leben verschrieben hat, vor ihrer größten Bedrohung zu beschützen?

Es ist niemals leicht lautet der Kodex der Abteilung. Das gilt mehr als je zuvor. Denn es ist nur noch ein Hauch bis zu ihrer Auslöschung.
Aber ist die Abteilung wirklich das, wofür Aaron sie immer hielt?

Merle Kröger – Die Experten: Rita Hellberg, Tochter eines Ingenieurs, will ihre Eltern in Kairo eigentlich nur besuchen. Doch der Vater entscheidet: Die Familie gehört zusammen. Ägyptens Präsident Nasser träumt von einer afrikanischen Rüstungsindustrie, und so baut der Vater einen Jagdbomber. Während ihre Mutter sich dem Leben in Kairo verweigert, erkennt Rita bald, dass es für sie keinen besseren Ort geben kann, um ihre eigene Zukunft zu betreten. Sie lässt sich mitreißen in eine faszinierende Welt im Umbruch. Erst mit der Zeit wird ihr klar, dass sie mitten in einem Konflikt gelandet ist, in dem um historische und zukünftige, um weltpolitische und regionale Interessen mit allen Mitteln gekämpft wird. Jeder beobachtet jeden, Bomben explodieren, Menschen sterben. Rita Hellberg muss sich entscheiden, wo sie steht.

Candice Fox – Missing Boy: Ein achtjähriger Junge ist spurlos verschwunden, und sein Verschwinden gibt Rätsel auf: Er und seine drei Freunde befanden sich in einem Zimmer auf der 5. Etage des White Caps Hotel, während ihre Eltern im hoteleigenen Restaurant unten zu Abend aßen. Als Sara Farrow um Mitternacht nach den Kindern sieht, ist ihr Sohn Richie weg. Die anderen drei Jungs schwören, dass sie in ihrem Zimmer geblieben sind, und die Aufzeichnungen der Hotel-Überwachungskameras bestätigen, dass Richie das Gebäude tatsächlich nicht verlassen hat.

Internationale Literatur

Norwegen

Bei der Frankfurter Buchmesse wird Norwegen das Gastland sein. Dementsprechend hier ein paar Titel aus dem hohen Norden, auf die ich mich sehr freue.

Tarjei Vesaas – Das Eisschloss: Die Geschichte von zwei elfjährigen Mädchen, Siss und Unn. Unn kommt als Waise zu ihrer Tante in ein Dorf auf dem norwegischen Land und bringt mit ihrer Verstummtheit nach dem Verlust der Eltern das Gefüge der kleinen Gemeinschaft kaum merklich aus dem Gleichgewicht. Siss fühlt sich zu ihr hingezogen, die Mädchen freunden sich an – bis Unn plötzlich verschwunden ist. Ein eisgefrorener Wasserfall im Fluss mit glitzernden Türmchen und durchsichtigen Kammern, den die Kinder »Eis-Schloss« nennen, hat sie auf fatale Weise angezogen. Siss muss mit dem Verlust und ihrer Einsamkeit zurechtkommen und zieht sich in sich zurück. Wie gelingt es ihr, diese Vereisung aufzutauen und wieder Teil der Dorf- und Schulgemeinschaft zu werden?

Erik Fosnes Hansen – Ein Hummerleben: Ein Hotel hoch oben im norwegischen Fjell in den 1980er-Jahren. Sedd wächst bei seinen Großeltern auf. Über seinen Vater weiß er nicht viel, die Mutter ist verschollen. Liebevoll, aber bestimmt wird er von den Großeltern – der Großvater ist nebenbei Tierpräparator, die Großmutter stammt aus Wien – auf seine Rolle als künftiger Hotelerbe vorbereitet. Er hilft als Laufbursche, Küchenjunge und Tourenbetreuer aus und verinnerlicht den Leitsatz »Jeder einzelne Gast zählt« bereits im zarten Kindesalter. Zufluchtsort ist für ihn die Großküche des Hotels, in der der ehemalige Seefahrer Jim schaltet und waltet und für Sedd Vater, Mutter und Freund zugleich ist, wenn die Großeltern keine Zeit für ihn haben. Doch spätestens, als der Bankdirektor Berg bei einem Essen stirbt, zeigen sich erste Risse in der vermeintlichen Idylle.

Stig Saeterbakken – Durch die Nacht: Karl Meyer ist Zahnarzt und führt ein durch und durch bürgerliches Leben. Doch als sein erst achtzehnjähriger Sohn Ole-Jakob Suizid begeht, droht es die Familie zu zerreißen. Karls Frau Eva steht unter Schock, die Tochter Stine verstummt. Auch Karl ist in seiner Trauer gefangen. Er denkt zurück an sein Kind, vor allem aber an das, was die Familie schon vor dessen Tod auf eine Belastungsprobe stellte: Karls Liebschaft mit der deutlich jüngeren Mona. Ist es diese Affäre, die Ole-Jakob in den Tod getrieben hat? Die Schuldfrage steht im Raum – und Karl läuft davon. Er begibt sich auf eine Reise in die Slowakei. Dort hofft er, Erlösung zu finden: in einem Haus, in dem man, so heißt es, mit seinen tiefsten Ängsten konfrontiert wird – und das man entweder gebrochen oder geheilt verlässt.

Line Madsen Simenstad – Königin-Maud-Land ist geheim: Auf einem sommerlichen Steg in den Schären teilen zwei Schwestern ihre Geheimnisse, kurz bevor eine von ihnen die Insel der gemeinsamen Kindheit verlässt. Ein Vater liegt im Sterben wie ein roter Riesenstern vor der Implosion, während seine Tochter neben ihm wacht. Eine Mutter beschützt ihr Kind vor der trüben Welt, vor der sie selbst am meisten Schutz bedürfte. Eine Tochter und ihre Hündin sind der einzige Anker des Vaters in einer dunklen Silvesternacht. Eine junge Frau vertraut sich bei einer nächtlichen Taxifahrt durch Oslo einem Fremden an.

Roy Jacobsen – Die Unsichtbaren: Auf einer Insel mitten in der atemberaubenden Küstenlandschaft Norwegens wächst Ingrid Barrøy auf. Das raue Inselleben hat seine eigenen Gesetze, bestimmt von weiten Horizonten und vom Meer, von harten Wintern und leuchtenden Sommern. Ein Leben, das, wie die Landschaft selbst, durchwoben ist von einer fesselnden, spröden Schönheit, fernab der übrigen Welt.

Eines Tages spült das Meer die große Geschichte an Barrøys Strände: Der Zweite Weltkrieg nimmt für Ingrid in dem jungen russischen Soldaten Alexander Gestalt an, der sich von einem sinkenden deutschen Gefangengenschiff auf die Insel retten kann. […]

Andere Länder

Sharlene Teo – Schöne Monster: »Heute bin ich seit sechzehn Jahren auf dieser heißen, schrecklichen Erde«, lautet der erste Satz dieses Debütromans aus dem brodelnden Herzen Singapurs – und dann wird alles noch viel heißer und schrecklicher.
»Schöne Monster« erzählt die Geschichte von drei Frauen, eine Geschichte von Betrug und Trauer, Erinnerung und der dunklen Kraft der Schönheit.

R. O. Kwon – Die Brandstifter: Sie lernen sich im ersten Jahr an der prestigeträchtigen Edwards University kennen. Die allseits beliebte Phoebe erzählt niemandem, dass sie sich die Schuld am Tod ihrer Mutter gibt. Will fügt sich als mittelloser Stipendiat nur schwer an der elitären Hochschule ein und verschweigt, aus welch einfachen Verhältnissen er stammt. Sicher fühlt er sich nur in seiner Liebe zu Phoebe. Von Trauer und Schuldgefühlen getrieben, gerät Phoebe in den Bann einer christlichen Sekte, an deren Spitze der ebenso charismatische wie rätselhafte John Leal steht. Will erkennt in ihm von Anfang an einen Scharlatan, muss aber hilflos mitansehen, wie sich Phoebe immer weiter radikalisiert – bis hin zu einem Terrorakt, bei dem niemand unschuldig bleibt.

Karina Sainz Borgo – Nacht in Carcas: Adelaida beerdigt ihre Mutter, aber sie bleibt nur kurz am Grab stehen. Auf dem Friedhof ist es gefährlich, genau wie an jedem anderen Ort in Venezuela. Noch vor kurzem kamen die Menschen aus Europa, um hier ihr Glück zu machen. Nun versinkt das Land in Chaos und Elend. Als Adelaida gewaltsam aus ihrer Wohnung vertrieben wird, weiß sie nicht wohin. Alles, was sie geliebt hat, existiert nur noch in ihrer Erinnerung. Wenn sie sich retten will, bleibt ihr nur die Flucht.

Fran Ross – Oreo: »Niemand reizt mich ungestraft«, warnt die sechzehnjährige Christine alias Oreo. Als Tochter einer schwarzen Mutter mit sehr heller Haut und eines jüdischen weißen Vaters mit dunklem Teint ist Oreo eine doppelte Außenseiterin. Der Vater machte sich schon früh aus dem Staub, zurück blieb ein Rätsel, das Oreo das Geheimnis ihrer Geburt enthüllen soll. Also auf nach New York: »Den find ich, den Motherfucker.« Dort trifft sie auf einen schwulen »Reisehenker«, der in großen Firmen Massenentlassungen vornimmt, einen stummen Produzenten von Werbespots und einen Zuhälter. Ohne Angst und Respekt stürzt sich Oreo kopfüber in die Auseinandersetzung mit Vorurteilen und Klischees.

Michael Donkor – Halt: Ghana, 2002. Belinda kennt die Regeln. Sie weiß, wie man Wassergläser richtig poliert, wie man einhundert Stofftaschentücher wäscht und bügelt und den Deckel fest draufhält auf den Erinnerungen an das Dorf ihrer Kindheit, bevor sie als Hausmädchen nach Kumasi kam. Mary ist noch dabei, die Regeln zu lernen. Sie ist elf Jahre alt und kaum zu bändigen, sie ist Belindas Lehrling und die kleine Schwester, die diese nie hatte.
Amma hat genug von Regeln. Eine Musterschülerin an ihrer exklusiven Londoner Privatschule, war sie immer stolz auf ihre ghanaischen Eltern. Bis jetzt. Als diese sehen, wie ihre ehemals so selbstbewusste Tochter immer mürrischer und verstockter wird, beschließen sie, dass die einfühlsame Belinda genau der gute Einfluss sein könnte, den Amma braucht. […]

Sam Byers – Schönes neues England: Das kleine Edmundsbury ist derart angesagt, dass es als das neue London gilt. Alle, die etwas auf sich halten, sind schon dort oder wollen hin. Doch unter der Oberfläche ist nicht alles nur schön. Der Vorort wird von einer Technologiefirma namens Green beherrscht, in deren inneren Machtbereich nur wenige vordringen. Und plötzlich kippt der trügerische Frieden: Ein Bauunternehmer beschließt, ein soziales Wohnprojekt zur Luxusanlage umzugestalten. Ein rechter Politiker erhält immer mehr Zuspruch. Und eine Aktivistengruppe droht, die Browserverläufe sämtlicher Einwohner nach und nach im Internet zu veröffentlichen.

Chigozie Obioma – Das Weinen der Vögel: Der Schutzgeist des jungen Chinonso ruft die Götter an. Hat sein Schützling nicht alles für seine große Liebe Ndali getan? Hat er ihr auf der Brücke nicht das Leben gerettet? War es nicht ihre Familie, die Chinonso, den ungebildeten Farmer, mit Verachtung reizte? Erst diese Verachtung trieb ihn doch nach Zypern, fort von der Heimat, in der Hoffnung auf Bildung, Aufstieg und eine Zukunft mit Ndali. Und wurde nicht erst während dieser Reise Hoffnung zu Wut und Liebe zu Schuld?

Petina Gappah – Aus der Dunkelheit strahlendes Licht: Seit ihrer Jugend ist Petina Gappah von der Geschichte um David Livingstone besessen – dem berühmten schottischen Missionar und Afrikaforscher, der sich des großen geografischen Rätsels seiner Zeit verschrieben hatte, der Entdeckung der Nilquellen. Aus Faszination wurde ein Roman: Als Livingstone 1873 auf der Suche stirbt, will seine treue Gefolgschaft seinen Leichnam in seine Heimat zurückbringen. So machen sich 69 Gefährten auf den wagemutigen Weg, ihn quer durch Afrika zu tragen, angeführt von einer jungen Frau – Halima, Livingstones scharfzüngiger Köchin.

Jan Christophersen – Ein anständiger Mensch: Steen Friis ist studierter Philosoph und öffentlicher Intellektueller: Als Autor mehrerer Bestseller zu Fragen des Anstands wird er von der Presse zitiert, sobald die richtige Haltung zum aktuellen Weltgeschehen zur Debatte steht. In dieser Rolle fühlt Steen sich wohl – bis die Ereignisse weniger Tage all seine Werte infrage stellen. Mit seiner Frau und einem befreundeten Paar verbringt er ein Wochenende in seinem dänischen Inseldomizil. Man plaudert und geht gemeinsam in die Pilze, und ganz beiläufig erinnert seine Frau ihn an ein altes Versprechen: sich gegenseitig auch in der Liebe die größtmögliche Freiheit zu lassen. Noch bevor Steen sich über die ganze Tragweite dieses Gesprächs bewusst wird, geschieht ein Unglück, an dem er sich allein schuldig wähnt und das nicht nur sein Ego, sondern sein gesamtes Weltbild zu erschüttern droht.

Claire Adam – Goldkind: Für welches Kind würdest du dich entscheiden? Eine hochdramatische Familiengeschichte auf Trinidad: Paul ist verschwunden. Eines Abends kehrt der Junge nicht von seinem Streifzug durch den Busch zurück, der gleich auf der anderen Straßenseite beginnt. Clyde ist besorgt, vor allem aber ist er wütend, denn schon immer hat sein Sohn ihm Ärger bereitet, ganz anders als dessen alles überstrahlender Zwillingsbruder Peter. Stunden vergehen, Tage. Schließlich melden sich Entführer. Als Clyde begreift, worum es ihnen geht, steht er vor einer ungeheuerlichen Entscheidung: Darf er wirklich das Leben eines seiner Kinder zugunsten des anderen opfern?

Valeria Luiselli – Archiv der verlorenen Kinder: Eine Mutter, ein Vater, ein Junge und ein Mädchen packen in New York ihre Sachen ins Auto und machen sich auf in die Gegend, die einst die Heimat der Apachen war. Sie fahren durch Wüsten und Berge, machen Halt an einem Diner, wenn sie Hunger haben, und übernachten, wenn es dunkel wird, in einem Motel. Das kleine Mädchen erzählt Witze und bringt alle zum Lachen, der Junge korrigiert jeden, der etwas Falsches sagt. Vater und Mutter sprechen kaum miteinander.
Zur gleichen Zeit machen sich Tausende von Kindern aus Zentralamerika und Mexiko nach Norden auf, zu ihren Eltern, die schon in den USA leben. Jedes hat einen Rucksack dabei mit einem Spielzeug und sauberer Unterwäsche. Die Kinder reisen mit einem Coyote: einem Mann, der ihnen Angst macht. Sie haben einen langen Marsch vor sich, für den sie sich Essen und Trinken einteilen müssen. Sie klettern auf Züge und in offene Frachtcontainer. Nicht alle kommen bis zur Grenze.

Marieke Lucas Rijneveld – Was man sät: Kurz vor Weihnachten bemerkt die zehnjährige Jas, dass der Vater ihr Kaninchen mästet. Sie ist sich sicher, dass es dem Weihnachtsessen zum Opfer fallen wird. Das darf nicht passieren. Also betet Jas zu Gott, er möge ihren älteren Bruder anstelle des Kaninchens nehmen. Am selben Tag bricht ihr Bruder beim Schlittschuhlaufen ins Eis ein und ertrinkt. Die Familie weiß: Das war eine Strafe Gottes, und alle Familienmitglieder glauben, selbst schuld an der Tragödie zu sein. Jas flieht mit ihrem Bruder Obbe und ihrer Schwester Hanna in das Niemandsland zwischen Kindheit und Erwachsensein, in eine Welt voll okkulter Spiele und eigener Gesetze, in der die Geschwister immer mehr den eigenen Sehnsüchten und Vorstellungswelten auf die Spur kommen.

Leslie Jamison – Der Gin-Trailer: Als junge Frau läuft Tilly von zu Hause weg und landet in der schäbigen Unterwelt Nevadas, wo sie statt des großen Glücks nur Drogen, Alkohol und die falschen Männer findet. Eines Tages, nachdem Tilly beinahe dreißig Jahre lang keinen Kontakt zu ihrer Familie hatte und sich in einem Trailerpark in der Wüste fast zu Tode getrunken hat, steht ihre Nichte vor der Tür ihres Wohnwagens und zwingt sie zu einem Neuanfang. Der Gin-Trailer erzählt die Geschichte der eigentümlichen Beziehung, die zwischen den beiden entsteht.

Daniel Mason – Der Wintersoldat: Der hochbegabte Wiener Medizinstudent Lucius meldet sich beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges freiwillig und landet im eisigen Winter 1914 in einem Behelfslazarett in den Karpaten, wo ihm die junge Nonne Margarete erst alles beibringen muss. Als ein schwer traumatisierter, aber äußerlich unverletzter Soldat eingeliefert wird, begeht Lucius einen gravierenden Fehler.

Noelle Revaz – Efina: Bei einem Theaterbesuch wird Efina von dem Talent des Schauspielers T überwältigt, dem sie vor langer Zeit schon einmal begegnet ist. Nach diesem Abend beginnen sie sich Briefe zu schreiben, die sie anfangs jedoch beide nicht abschicken. Erst langsam beginnt ein Dialog zwischen ihnen, der jedes Klischee eines Liebesbriefwechsels ins Gegenteil verkehrt. Seitenlang erklären sie sich, warum der andere nicht anziehend ist – und doch liest man die Faszination aus jeder Zeile. Ihre Briefe changieren zwischen Intimität und Distanz, Liebe und Verachtung, Verletzen und Verehren.

Regina Porter – Die Reisenden: Anfang der Sechziger weht Hoffnung durch das Land. Martin Luther King marschiert auf Washington, Amerika hat einen Traum. Der junge James will seine ärmliche irische Herkunft hinter sich lassen und träumt von einer strahlenden Zukunft als Anwalt. Nur wenig später wird die junge, schöneAfroamerikanerin Agnes auf der Heimfahrt von ihrem ersten Date von einem weißen Polizisten angehalten. Schreckliche Momente folgen. Agnes zweifelt, ob sie überhaupt eine Zukunft hat. Beide ahnen nicht, auf welch unerwarteten Wegen die Geschichte der nächsten Jahrzehnte sie und ihre Familien zusammenführen wird.

Jamel Brinkley – Unverschämtes Glück: Zwei Studenten erscheinen auf einer Party, um dort Frauen zu treffen, werden aber mit der unangenehmen Wahrheit ihrer eigentlichen Wünsche konfrontiert. Ein kleiner Junge, dessen Vater vermisst wird, verbringt in rasender Wut über einen schlechten Haarschnitt die ganze Nacht draußen. Und bei einer Capoeira-Veranstaltung kämpfen zwei Brüder mit ihrer schmerzhaften Familiengeschichte.

Claire Lombardo – Der größte Spaß, den wir je hatten: Vierzig glückliche Ehejahre: Für die vier erwachsenen Sorenson-Schwestern sind ihre Eltern ein nahezu unerreichbares Vorbild – und eine ständige Provokation! Wendy, früh verwitwet, tröstet sich mit Alkohol und jungen Männern. Violet mutiert von der Prozessanwältin zur Vollzeitmutter. Liza, eine der jüngsten Professorinnen des Landes, bekommt ein Kind, von dem sie nicht weiß, ob sie es will. Und Grace, das Nesthäkchen, bei dem alle Rat suchen, lebt eine Lüge, die niemand ahnt. Was die vier ungleichen Schwestern vereint, ist die Angst, niemals so glücklich zu werden wie die eigenen Eltern. Dann platzt Jonah in ihre Mitte, vor fünfzehn Jahren von Violet zur Adoption freigegeben. Und Glück ist auf einmal das geringste Problem.

David Diop – Nachts ist unser Blut schwarz: Alfa Ndiaye kämpft im Ersten Weltkrieg an der Seite der Franzosen gegen die Deutschen – ein „Schokosoldat“ wie die Kameraden ihn nennen. Als Alfas geliebter Kindheitsfreund in seinen Armen verblutet, wird er von Wut und Rache gepackt. Wie ein Wahnsinniger zieht er mit seiner Machete über das Schlachtfeld und kehrt jeden Abend mit einem Gewehr des Feindes samt abgetrennter Hand zurück. Erst bewundern ihn die anderen, dann fürchten sie den Wilden und wenden sich ab.

Whitney Scharer – Die Zeit des Lichts: In ihrem spektakulären Debütroman erzählt Whitney Scharer vom Leben der Fotografin Lee Miller. Sie schildert die Pariser Bohème der Dreißigerjahre, Lee Millers Liebesbeziehung mit Man Ray und ihre Arbeit als Kriegsreporterin. Vor allem aber zeigt sie eine Frau, die sich weigerte, in jemandes Schatten zu stehen, und die sich als selbstbewusste Künstlerin behauptete.

Chris Power – Mothers: Ein heruntergekommener Comedian verdient sein Geld damit, auf Junggesellenabschieden die besten Nummern eines anderen Comedians nachzuspielen, er weiß, dass er längst zu einer Karikatur dessen geworden ist, was er mal sein wollte. Der Moment, in dem er für sich einen Ausweg aus diesem Leben sieht, ist zugleich auch der Moment, in dem äußerlich alles zusammenbricht. Auf einer Wanderung durch britisches Hügelland stellt ein frischverliebtes Paar fest, dass sie einander nicht genug mögen, um sich besser kennenlernen zu wollen. Eine Tochter kommt ihrer Mutter, die längst aus ihrem Leben verschwunden ist, nirgendwo so nahe wie in einem zerfledderten Reiseführer von Innsbruck.

Lauren Groff – Florida: Eine Mutter läuft Nacht für Nacht gegen Wut und Zweifel an, zwei Mädchen werden allein in der Wildnis zurückgelassen, eine junge Frau gibt jeglichen Besitz auf. Situationen schlagen um, und Menschen verwandeln sich in der flirrenden Hitze Floridas, das hier viel mehr ist als ein Land: eine Atmosphäre, in der alles, was das Leben ausmacht, üppig gedeiht und gerade dann, wenn man es am wenigsten erwartet, die vertraute Oberfläche durchbricht.

Joachim Schnerf – Wir waren eine gute Erfindung : Man kennt das: Jedes Jahr kommt die Familie am Feiertag zusammen und jedes Jahr gibt es dieselben Diskussionen, werden die neuesten Anekdoten fürs Absurditätenalbum gesammelt. So auch beim Sederabend der Familie von Salomon. Zwischen den rituellen Liedern, dem Auszug aus Ägypten und der Suche nach der versteckten Matze wird erzählt, gelacht, provoziert und gestritten. Die Enkelin taucht im Palästinensertuch auf, die Tochter bekommt eine ihrer berüchtigten Schreiattacken, der Schwiegersohn verdrückt sich beim geringsten Anzeichen von Streit. Salomon selbst reißt KZ-Witze, die abgesehen von ihm, dem Auschwitz-Überlebendem, keiner zu schätzen weiß […]

J. L. Carr – Die Lehren des Schuldirektors George Harpole: George Harpole ist Mitte dreißig, voller Ideale und arbeitet schon eine Weile an der St Nicholas, als er auf den Direktorenposten befördert wird. Für ein halbes Jahr soll er die Geschicke der Schule leiten. Bald stellt er fest: Die eigentliche Herausforderung ist das, was außerhalb des Klassenzimmers passiert. Denn dort gilt es sich durch ein kompliziertes Beziehungsgefüge zu hangeln. Auch die Zusammenarbeit mit den Kollegen erweist sich als schwieriger als gedacht. Ganz zu schweigen von dem Umgang mit den Eltern. Zum Glück gibt es auch Lichtblicke: Die hübsche Mrs Foxberrow etwa, ihres Zeichens überzeugte Reformpädagogin. Und den ein oder anderen Schüler natürlich.

Edward Carey – Das außergewöhnliche Leben eines Dienstmädchens namens PETITE, besser bekannt als Madame Tussaud: 1761 wird ein winziges Mädchen namens Marie Grosholtz im Elsass geboren. Nach dem Tod ihrer Eltern wird sie Gehilfin des exzentrischen Wachsbildners Doktor Curtius in Bern, der sie mit nach Paris nimmt, wo sie mit der dominanten Witwe Picot und ihrem stillen Sohn Edmond in einem leerstehenden Affenhaus Quartier beziehen. Sobald sie das Gebäude in einen Ausstellungsraum für Wachsfiguren und Wachsköpfe verwandelt haben, wird ihr Handwerk zur Sensation und führt Marie bis an den Königshof in Versailles. Das Geschäft mit den Wachsköpfen berühmter und berüchtigter Zeitgenossen, großer Philosophen und notorischer Verbrecher blüht. Doch in Paris werden die Paläste gestürmt und das Volk verlangt nach Köpfen – genau das, was die Wachsbildner liefern!

So viel zu meinen Sichtungen. Welche Bücher der kommenden Saison interessieren euch am meisten?

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So war der Auftakt von „Gottschalk liest?“ in Augsburg

Am Aschermittwoch ist bekanntlich ja alles vorbei – manches beginnt allerdings auch. So auch die neue Sendung Gottschalk liest?, die für den BR am Abend im Kurhaus Göggingen in Augsburg aufgezeichnet wurde. Ich war vor Ort.


Vieles hatte Thomas Gottschalk nach seinem Abschied bei Wetten, Dass …? probiert. Doch so richtig wollte nichts mehr funktionieren. Sowohl der Samstagabendshow als auch Gottschalks Karriere war kein Glück beschieden. Seinen Frieden hat der Showmaster damit nicht wirklich gemacht, wenngleich er im Warmup scherzte, er werde an diesem Abend sicher keine Wette präsentieren. Doch schwang auch etwas Nostalgie in seinen Worten nach. Früher sei zu Beginn die Eurovisionshymne erklungen, er habe Deutschland, Österreich und die Schweiz begrüßt, heute begrüße er Göggingen, Landsberg und Augsburg Nordost.

Nun also die nächste Neuerfindung des Thomas Gottschalk, diesmal als Literaturfreund. Schon einmal durfte er sich in dieser Rolle präsentieren, als er im Literarischen Quartett im ZDF Peter Handkes Die Obstdiebin besprach. Und nun ist er mit seiner Literaturleidenschaft also beim Bayerischen Rundfunk gelandet.

Dort moderiert er seit 2017 wie in Anfangszeiten eine monatliche Radioshow . Zu dieser kommt jetzt dann viermal im Jahr Gottschalk liest? hinzu. Die Aufzeichnungen sollen über den ganzen Freistaat verteilt stattfinden. Den Auftakt machte nun meine Wahlheimat Augsburg, Geburtsort von Bertolt Brecht und von Thomas Bernhard einst als „Lechkloake“ tituliert.

Der erste Veranstaltungsort für Gottschalk liest?: Das Kurhaus in Göggingen

Schon vor der Aufzeichnung wurden Karten verlost, 300 Zuschauer*innen waren eingeladen. Als Aufzeichnungsort hatte man eine der pompösesten Locations der Stadt ausgesucht: das Kurhaustheater im Stadtteil Göggingen. Dabei handelt es sich um das einzige erhaltene Multifunktionstheater aus dem 19. Jahrhundert, dessen Alter und Grandezza man dem Haus an jeder Stelle ansieht.

Nach einigem Anstehen wurden dann die Pforten ins Theater geöffnet, wo sich der Blick auf ein relativ unspektakuläres und für Gottschalk-Verhältnisse untypisch dezentes Bühnenbild ergab. Aus einem mir nicht ersichtlichen Grund wurde ich in der ersten Reihe postiert (vielleicht ist es doch der Blogger-Ruhm? Oder wollte das Produktionsteam doch eher einfach etwas jüngere Gesichter in der ersten Reihe sehen? Es darf munter spekuliert werden).
Dann kurzer WarmUp-Teil mit Gottschalk, Auftaktklatschen und schon konnte es losgehen.

Als Gäste der Auftaktsendung waren geladen: Sarah Kuttner, Ferdinand von Schirach, Vea Kaiser und als Lokalmatador der Fotograf Daniel Biskup. Mit allen vieren wollte er in seiner Funktion als Leser über ihre Bücher sprechen, weniger Literaturkritik denn Hintergrundinfos zu Werk und Wirken. So die Idee, die Gottschalk schon im WarmUp umriss und die er dann auch in die Praxis umsetzte.

Dies führte dann aber dazu, dass trotz kleiner Einspieler zu den Büchern die Inhalte der Titel relativ nebulös blieben. Bei Sarah Kuttners Kurt steht der Tod eines Kindes im Mittelpunkt, in Vea Kaisers Rückwärtswalzer wird eine tiefgekühlt Leiche nach Montenegro überführt. So viel ließ sich noch aus den Gesprächen über die Bücher destillieren. Andere Werke wie Ferdinand von Schirachs Kaffee und Zigaretten und Daniel Biskups Fotoband Wendejahre blieben trotz Gespräch dagegen seltsam unkonturiert. Geschuldet war dies auch dem Tempo, mit dem Gottschalk durch die Gespräche preschte. Alle Gespräche blieben unter zehn Minuten, was in der Folge zu einem wirklich bemerkenswerten Kuriosum führte.

Der Meister der Überziehung unterzieht

In die Abmorderation hinein wurde ein Signal gegeben, dass es doch bitte weitergehen möge. Gottschalk war deutlich unter der veranschlagten Zeit geblieben. Und das beim einstigen König des Überziehens. Daraufhin auch seine konsternierte Rückfrage – „Was ich vergessen hatte zu fragen. Wie lang soll die Sendung eigentlich werden?“.

Also noch zehn Minuten auf der Uhr, die dann zur spannendsten Phase gerieten. Denn hier gab es zum ersten Mal auch Interaktion zwischen den Gästen, die ansonsten wie Staffage in der Möbellandschaft saßen. Kann man Bestsellererfolge planen? Lesen Kinder wirklich weniger als früher? Welche Rolle spielt der Tod in den vorgestellten Büchern? Auch wenn ich von Schirachs Thesen nicht immer teile – er war ein Gesprächspartner auf Augenhöhe, der sich auch vor einem maliziösen Lob oder einer rhetorischen Riposte nicht scheute. Aber auch Sarah Kuttner und Vea Kaiser brachten sich immer wieder ein und sorgten und so für eine Belebung der Veranstaltung.

Wo will Gottschalk mit seiner Sendung hin? Wie wird sich die Konzeption der Sendung eventuell noch wandeln? Nach dieser Auftaktveranstaltung weiß man noch nichts sicher. Kann die Sendung Lust aufs Lesen machen? Hier sehe ich auf alle Fälle Potential. Generell ist es ja auch zu begrüßen, wenn man für Literatur Öffentlichkeit schafft und dafür auch Zugpferde wie Thomas Gottschalk einspannt. Hoffentlich ist dieser Sendung ein größerer Erfolg beschieden als den vorherigen Fernsehprojekten, die der Showmaster anpackte. Ich würde es ihm und der Literatur gönnen.


Die Ausstrahlung der ersten Folge Gottschalk liest findet am 19.03.2019 um 22:00 Uhr im Bayerischen Rundfunk statt.

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Irland literarisch

Der Sommer ist nun endgültig angekommen. Eine Hitzewelle rollt durchs Land, auf den Straßen hingegen rollt weniger. Die Blechkolonnen stauen sich auf den Autobahnen in die Ferienregionen.

Auch ich habe das schöne Wetter für einen Urlaub genutzt und mich auf die grüne Insel Irland begeben. Dort nutzte ich die freien Tage für einen Roadtrip, der neben dem Essen und den Begegnungen auch stark im Zeichen der Literatur stand. Schließlich stammen ja nicht von ungefähr vier Literaturnobelpreisträger von der Insel. Das literarische Erbe und die aktuelle Literaturszene dieses Landes will dieser Beitrag nun in Auszügen ergründen.

Das Book of Kells

Das Book of Kells

Die herausragende Erzähl- und Schrifttradition manifestiert sich wohl in keinem Werk so sehr wie im weltberühmten Book of Kells. Dieses entstand irgendwann im 8. oder 9 Jahrhundert und gilt als Höhepunkt der insularen Buchmalerei. Es umfasst die vier Evangelien und ist spektakulär gestaltet. Sein Ruhm ist derart groß, dass es sogar zum Weltdokumentenerbe erklärt wurde – und das völlig zu recht. Es wird in den Hallen des Trinity College in Dublin aufbewahrt und ist unumstrittener Höhepunkt der Buchgestaltung – was es zum Pilgerort für Bibliophile aus aller Herren Länder macht. Zwar kann man das Buch nicht in seiner Gänze bewundern, sondern nur die jeweils gerade präsentierten Seiten auf einem Lichttisch bewundern, das wird aber gut durch eine umfangreiche Ausstellung zur Geschichte des Book of Kells kompensiert.

Im Anschluss an die Ausstellung geht es dann ein Stockwerk hinauf in die Bibliothek des Trinity College. Auch wenn die Räume de facto niemals als Kulisse für die Harry-Potter-Filme gedient haben – eine Inszenierung könnte man sich hier zu jeder Sekunde vorstellen. In den Gewölben werden historische Folianten aufbewahrt, die auch heute noch für den Leihverkehr zur Verfügung stehen. Eine wirkliche Prachtbibliothek, die sich zurecht vor Besuchern kaum retten kann.

Irische Klassiker

Doch auch moderne Bücher und Literatur sind im Straßenbild Dublins respektive Irlands omnipräsent. So finden sich allenorten Statuen und Büsten berühmter Dichter, unter anderem von den Nationalhelden Oscar Wilde oder William Butler Yeats. Jener wird im Keller der National Library in Dublin auch mit einer sehenswerten Ausstellung geehrt (Sparfüchse aufgepasst – der Eintritt ist frei). Der Literaturnobelpreisträger wird hier in allen Facetten präsentiert. Von persönlichen Gegenständen bis hin zu von ihm vorgetragenen Gedichten umfasst die Ausstellung so gut wie alle Aspekte der Faszination W. B. Yeats.

Die Samuel Beckett Bridge in Dublin

Den anderen Nationalheiligen Samuel Beckett hingegen gibt es nicht nur in Büstenform – auch eine andere Ehre ist ihm zuteil geworden. So ist der Erschaffer des Godot auch als Brückpate verewigt. Die Samuel-Beckett-Bridge überspannt den Fluss Liffey und sorgt so für schnelles Vorankommen in Dublin. Schön, dass von Beckett somit auch etwas Zugängliches bleibt (ja, ich weiß natürlich, dass das Werk des Iren lohnend ist und gar nicht so unzugänglich ist, wie ich hier inkriminiere).

Auch James Joyce kann man – erwartungsgemäß nicht entgehen. Der Erschaffer der Dubliner-Kurzgeschichten und des epochemachenden Ulysses wird allenorten mit Statuen, Stadtrundgängen, Tafeln und Ähnlichem gerühmt und ist als Person genauso wie sein Werk auch nach über 75 Jahren seit seinem Ableben nicht vergessen (nicht zuletzt beweist das ja auch die ebendige Tradition des Bloomsdays).

Besucht man die Buchhandlungen in Cork, Limerick oder Dublin (die von Thalia-ähnlichen Ketten abgesehen durchweg geschmackvoll und gut sortiert sind), so sind die Klassiker wie etwa Seamus Heaney oder George Bernard Shaw immer noch vertreten. Doch auch eine ganze Riege neuer Stimmen buhlt an den Thementischen und in den Irland-Regalen um Aufmerksamkeit. Hier deshalb ein paar zeitgenössische Autor*innen, die auch außerhalb Irlands durchaus Erfolge feiern.

Autor*innen der Neuzeit

Einer der bekanntesten Schriftsteller des Landes dürfte zweifelsohne John Boyne sein. Mit seinem Jugendbuch Der Junge im gestreiften Pyjama gelang ihm ein riesiger Erfolg (inklusive Verfilmung), von den von mir gelesenen Büchern möchte ich zwei empfehlen. Zum Einen ist dies der Roman Das Lied der Einsamkeit und zum anderen der Roman Cyril Avery.

Ein anderer erfolgreicher Schriftsteller ist Joseph O’Connor. Größere Bekanntheit dürfte zwar seine Schwester Sinead O’Connor genießen, dennoch verdient auch ihr schreibender Bruder und insbesondere sein Buch Die Ballade vom lauten Leben Aufmerksamkeit.

Auch Emma Donoghue gelang schon ein weltweit beachteter Erfolg mit ihrem Roman Raum, der lose auf dem Schicksal der Familie von Joseph Fritzl und Natascha Kampusch basiert. Ihr Roman wurde ein Bestseller und erhielt auch in der filmischen Variante viel Aufmerksamkeit. Von ihr gab es zuletzt den Roman Das Wunder zu lesen.

Zwar ist Jess Kidd Britin, doch ihren Roman Der Freund der Toten sei hier trotzdem empfohlen, spielt er doch in Dublin und setzt sich mit der Geschichte der Waisen in Irland auseinander. Ein Thema, das bis heute nicht abgeschlossen ist und tiefe Narben bei vielen Menschen zurückgelassen hat.

Ein Möglichkeit, um mit solchen Missständen umzugehen, ist immer die Thematisierung und Behandlung in Form von Literatur. Insbesondere die Gattung des Kriminalromans bietet sich hier an. Und so sollte es auch nicht verwundern, dass auch hier Irland eine ganze Riege von hochtalentierten Autor*innen bietet, die immer wieder Stellung beziehen und in ihren Büchern auch unbequeme Wahrheiten ansprechen. Zu diesen Autor*innen zählen für mich ganz klar Lisa McInerney (Glorreiche Ketzereien), Adrian McKinty (die Reihe um den katholischen Bullen Sean Duffy während des IRA-Terrors) oder Ken Bruen (mit seiner Jack-Taylor-Reihe). Durchweg Bücher, die sich durch Härte, aber auch grimmigen Humor auszeichnen und wirklich toll unterhalten.

Die Liste der Autor*innen ließe sich fast beliebig fortsetzen. So wären hier noch beispielsweise Donal Ryan (Die Gesichter der Wahrheit), Claire-Louise Bennett (Teich) oder Edna O’Brien (Die kleinen roten Stühle) . Nicht verschweigen sollte man natürlich den Klassiker Frank McCourt (Die Asche meine Mutter) oder etwa Colm Toíbín (Nora Webster). Natürlich darf man aber auch nicht ColumMcCann (Transatlantik) oder die große Anne Enright vergessen. Oder, oder, oder.

Ich beschließe hiermit allerdings meine Aufzählung, um die Frage an euch weiterzugeben: Vielleicht habt ihr auch noch Leseanregungen oder Empfehlungen? Wer ist euer irischer Lieblingsschriftsteller respektive Lieblingsschriftstellerin?

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Gesucht: Europäische Literatur

Auch dieses Jahr feiern wir hier in Augsburg mit vielen weiteren Städten und Gemeinden in der Zeit vom 2. bis 15. Mai 2018 die Europa-Woche. In zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen wird der Gründung der EU mit dem Vertrag von Maastricht gedacht.

Da ich von diesem Projekt Europa im Gegensatz zu manchen lauten Stimmen dieser Tage nach wie vor überzeugt bin, möchte natürlich auch ich mich an dieser Woche mit einer Veranstaltung beteiligen. Bestärkt hat diese Überzeugung im Übrigen natürlich auch ein Buch, das mich die Institution EU und ihre Mitarbeiter neu sehen ließ, die Rede ist von Robert Menasses Brüssel-Panorama Die Hauptstadt.

Gemündet sind alle Überlegung in die Ausarbeitung eines literarischen Europa-Abends, bei dem alle möglichen neuen Bücher aus den 28 Mitgliedsstaaten vorgestellt werden sollen, grenzen- und genreübergreifend.

Natürlich habe ich mir selbst schon Gedanken gemacht und zu vielen Ländern aktuelle Bücher herausgesucht und angelesen. Je weiter ich allerdings mit meinen Überlegungen voranschritt, umso diffiziler wurde aber auch die Buchfindung. Bücher aus England, Frankreich oder Österreich sind ja im Buchhandel omnipräsent – doch je kleiner oder „exotischer“ die Länder werden, umso schwieriger wird die Lektürefindung.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle den Ball einmal gerne zurückspielen – an alle meine höchst belesenen Mitblogger und Mitleser da draußen, die sich im Dschungel der Literatur so gut auskennen. Welche Neuerscheinungen (oder aktuellen Bücher, nicht älter als zwei oder drei Jahre) sollten bei einer solchen literarischen Reise auf gar keinen Fall fehlen? Was hat euch zuletzt begeistert?

Besonders interessieren würden mich dabei auch wie oben schon angedeutet jene Länder, die ich nicht so auf meinem literarischen Radar habe, sprich Staaten wie etwa Zypern, Luxemburg, Estland oder Rumänien. Gnädig bin ich auch in der Causa England – auch Großbritannien darf bei meiner literarischen Europaschau noch einmal mitmachen.

 

 

Ich bin auf eure Empfehlungen und Linktipps (am besten Autor, Titel und entsprechendes Land) sehr gespannt und sage schon mal vielen Dank!

 

[Beitragsbild: Pexels]

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Jörg Magenau – Bestseller

Bücher für Millionen

Es gehört zu meinen wöchentlichen Aufgaben und Ritualen in der Bibliothek – das Aufhängen und Abgleichen der Spiegel-Bestsellerliste. Immer wenn das neue orangefarbene Plakat geliefert wird, gilt es zu vergleichen: welche Titel stehen auf der Liste und welche Bücher sind im Besitz meiner Bücherei? Gibt es eventuelle Neueinsteiger oder Trends im Belletristik- und Sachbuchbereich, die an mir vorbeigegangen sind? Die Liste dient mit dabei immer als Gradmesser der Leseinteressen und lässt interessante Rückschlüsse zu.

Nicht nur ich widme mich (genauso wie viele tausend andere BuchhändlerInnen, BibliothekarInnen und VerlagsmitarbeiterInnen) regelmäßig der Bestsellerliste – auch Jörg Magenau hat das getan, seines Zeichens ehemaliger Literaturredakteur und nun als freier Autor tätig. Aus seiner Feder stammen Bücher wie das zuletzt erschienene Princeton 66, in dem er sich der USA-Exkursion der Gruppe 47 widmet. Nun gibt es von ihm das Buch Bestseller, das seine Intention schon im Untertitel verrät: Bücher, die wir liebten – und was sie über uns verraten.

Bestseller von früher bis heute

Darin betrachtet Magenau die Bestsellerlisten seit dem 2. Weltkrieg und zeichnet Trends nach, untersucht, welche äußeren Einflüsse zu bestimmten Moden geführt haben (könnten) und stellt ganz unterschiedliche Titel vor, die sich in den Jahrzehnten in Deutschland am besten verkauft haben. Er verknüpft das mit Zeit- und Geistesgeschichte und schafft so einen umfassenden Blick auf die Bundesrepublik und die literarischen Geschmäcker ihrer Bewohner. Hierbei widmet er sich dem Wiedererstarken der Natur-Bücher (etwa Peter Wohlleben mit seinen Bestsellern über Bäume, Seelenleben der Tiere und Netzwerke in der Natur) genauso wie Phantastik-Trends (von Momo bis zum Herrn der Ringe) oder dem Wunsch nach literarischer Verdrängung nach dem 2. Weltkrieg. Doch es ist nicht nur die Belletristik, die Magenau in seinen angenehm portionierten Kapiteln betrachtet, auch Sachbücher wie etwa die von Günther Wallraff finden sich in Bestseller. Er gibt dabei Überblick über thematisch in seine Argumentation passende Bücher, stellt diese teilweise in mit kurzen Synopsen vor und macht so Lust auf die neue Lektüre von Büchern, die schon tausende anderer Leser begeistern (oder zumindest zum Kauf verlocken) konnten.

Dabei ist Magenau auf Höhe der Zeit, denn auch aktuellste Geschehnisse um die Spiegel-Bestsellerlisten finden in diesem Buch ihren Platz. So geht Magenau auf den Skandal um die Causa Finis Germania von Rolf-Peter Sieferle ein (ein Spiegel-Redakteur nominierte das stark rechtslastige Buch des Historikers Sieferle, die Spiegel-Redaktion merzte es kurzerhand auf der eigenen Bestsellerliste aus und kommunizierte das schlecht – der Skandal war geboren) und bezieht Stellung.

Das alles macht aus Bestseller eine Wundertüte, eben so bunt und vielfältig wie die Bestsellerlisten selbst. Ein Buch für Literaturfans und alle, die sich für literarische Strömungen und Moden interessieren. Gut geschrieben, mit einem umfangreichen Anmerkungsapparat versehen – so darf das Buch gerne auch selbst auf die Bestsellerlisten springen!

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