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Uwe Neumahr – Die Buchhandlung der Exilanten

In seinem Buch Die Buchhandlung der Exilanten – Paris 1940: Zuflucht und Widerstand blickt der Autor Uwe Neumahr auf die Zeit der Besatzung in Paris und erzählt von zwei Buchhändlerinnen, die das literarischen Leben dort auch unter widrigsten Umständen entscheidend prägten.


Schlendert man durch das Viertel rund um die Pariser Sorbonne, dürfte man schnell über einen Buchladen stolpern, dessen Name so gar nichts Französisches an sich hat. Shakespeare and Company heißt der Laden, der in der Rue de la Bûcherie beheimatet ist und der mit seinen verwinkelten Gängen, den bis an die Decke reichenden Regalen und seinen antiquarischen Beständen jenes Ideal verkörpert, das viele Menschen in Sachen der Buchhandlung ihrer Träume haben dürften.

Der Name der 1951 gegründete Buchhandlung ist dabei eine Hommage an die originale Buchhandlung Shakespeare and Company, die einst von der aus den USA stammenden Buchhändlerin Sylvia Beach ein paar Straßen weiter in der Rue de l’Odéon gegründet worden war.
Nach deren Tod im Jahr 1962 benannte der Buchhändler George Whitman seine eigene Buchhandlung als Erinnerung und Referenz an das Wirken seiner Landsfrau ebenfalls in Shakespeare and Company um.
Auch der Name seiner eigenen Tochter ist eine Referenz an die legendäre Buchhändlerin. Sie, die heutige Inhaberin des Ladens, hört ebenfalls auf den Namen Sylvia und führt mit ihrem Wirken das fort, was Sylvia Beach im Jahr 1919 in Paris begann, nämlich Menschen für (anglophone) Literatur zu begeistern.

Eine Amerikanerin in Paris

Sylvia Beach - Shakespeare and Company (Cover)

Verfasste Sylvia Beach selbst schon ein Büchlein über ihre Zeit mit Shakespeare and Company, so fasst der Schriftsteller Uwe Neumahr seinen Blick in Die Buchhandlung der Exilanten deutlich weiter. Denn die Erfahrungen und Erlebnisse, die in Beachs Memoiren ausgespart werden, sind doch eigentlich die spannendsten, wie der Autor nicht nur im Nachwort schreibt, sondern auch vor allem in seinem Text zeigt.
Nicht nur, dass Beachs Buchhandlung zur Zeit der Besetzung von Paris während des Zweiten Weltkriegs in große Gefahr geriet, auch für ihre Besitzerin galt das, fand aber in ihren schriftlichen Erinnerungen dann kaum Platz.

Und auch wenn Aufmachung und Titel von Neumahrs Buch anderes suggerieren: Shakespeare and Company ist nur die eine Hälfte des Buchs, ebenso wie Sylvia Beach nicht die ist, die im Sachbuch im alleinigen Fokus steht.
Einen ergänzenden, mindestens ebenso wichtigen Teil spielt auch die Buchhändlerin Adrienne Monnier, mit der Sylvia Beach nicht nur die Liebe zu den Büchern verband.

Die 1892 geborene Monnier betrieb ihren Buchladen La Maison des amis des livres ebenfalls in der Rue de l’Odeon und leistet Sylvia Beach bei ihrem unternehmerischen Start als Buchhändlerin wichtige Starthilfe. Später wurden die beiden Frauen sogar ein Paar und prägten das literarische Leben der Stadt und weit darüber hinaus, bis zur Zeit des Einmarschs der Nationalsozialisten in Paris.

Die Beziehung zweier Buchhändlerinnen und ihrer Häuser

Uwe Neumahr schreibt im Vorwort zu seinem Buch dazu:

Im Herzen der Stadt befand sich ihre 1915 gegründete Buchhandlung La Maison des Amis des Livres, gegenüber in derselben Straße, in der Rue de l’Odéon 12, Sylvia Beachs wenig später eröffnete amerikanische Buchhandlung Shakespeare and Company. Auf diese Weise konnten die Leserinnen und Leser von der einen Straßenseite zur andern quasi den Atlantik überqueren und literarische Grenzen überschreiten. Grenzüberschreitungen waren Programm der beiden Frauen, nicht nur wegen ihrer Unabhängigkeit von gesellschaftlichen Konventionen und ihrer sexuellen Identität, sondern auch durch die künstlerische Avantgarde, die sie bevorzugten. André Gide, Paul Valéry, Pablo Picasso, Eric Satie, Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir waren ebenso gern gesehene Gäste der beiden Buchhandlungen wie Ernest Hemingway, T. S. Eliot, Gertrude Stein oder James Joyce. Die Rue de l’Odéon wurde zum Treffpunkt für Schriftsteller, Intellektuelle und Künstler, denen Paris und die lebendige Atmosphäre um die beiden
Frauen zum Mittelpunkt ihres Schaffens wurden.

Uwe Neumahr – Die Buchhandlung der Exilanten, S. 9

So erzählt der Schriftsteller, dem mit seinem Sachbuch Das Schloss der Schriftsteller vor drei Jahren ein großer Bestsellererfolg gelang, von der Entstehung und Wechselwirkung der beiden Buchhandlungen und von ihrer Rolle für das kulturelle Leben, das sich im Spannungsfeld der beiden Häuser entfalten konnte.

Die Szene der Odéonisten

Uwe Neumahr - Die Buchhandlung der Exilanten (Cover)

Nicht nur, dass quasi alles, was im kulturellen Leben der Stadt Rang und Namen hatte, sich bei den beiden Buchhändlerinnen die Klinke in die Hand gab: auch beeinflussten sie mit ihrem eigenen publizistischen Schaffen, der Förderung von Nachwuchs wie auch der Herausgabe von Literaturzeitschriften den literarischen Zeitgeist.
Im Falle von Sylvia Beach reichte das so weit, dass sie für die Erstveröffentlichung von James Joyce‘ epochemachendem Werk Ulysses sorgte, für das sich zunächst kein Verlag hergeben wollte und dessen Autor wie auch sein Werk zu einer Prüfung für Sylvia Beach wurden.

Davon, aber auch den belastenden Jahren während der Okkupation Frankreichs erzählt das Buch, das über Adrienne Monnier und Sylvia Beach auch die ganze Szene der sogenannten Odeonisten in den Blick nimmt. Die zunehmenden Schwierigkeiten, unter denen vor allem Sylvia Beach als US-amerikanische Ausländerin litt, der grassierende Antisemitismus, das Spannungsfeld zwischen Widerstand und Kollaboration, die Restriktionen für die Zivilbevölkerung bis hin zur Befreiung Paris‘ nach dem D-Day und die Zäsur, die das Erlebte für die ganze Szene der Odeonisten bedeutete, davon erzählt Uwe Neumahr umfassend und sehr quellenreich.

Der breitbeinige, frauen- und erlebnissüchtige Hemingway, die verzweifelten Walter Benjamin und Siegfried Kracauer, sie alle haben ihren Auftritt im Buch und lösen den Buchtitel der Exilanten wirklich ein. Darüber hinaus ist das Buch auch so spannend, weil Neumahr von den verschiedenen Überlebensstrategien und Anpassungen erzählt, etwa der ebenfalls in einer lesbischen Beziehung lebenden Getrude Stein, die die Okkupationszeit nicht nur durch einflussreiche Gönner überstand, sondern sich auch durch die Übersetzung der Reden von Marschall Petain ins Englische selbst versichern wollte.

Auch die jüdische Fotografin Gisèle Freund, die mit ihrer Arbeit das Bild der Literaten von Paris mitprägte und nach dem Einmarsch der Nazis gezwungen war, bis nach Argentinien zu fliehen, spielt eine große Rolle in diesem Porträt einer ganzen euorpäisch-amerikanischen Künstlergeneration.

Fazit

Von all diesen Schicksalen, von den unterschiedlichen Lebenswegen durch das dunkle Kapitel der Nazizeit und von der lebhaften Kulturszene erzählt Die Buchhandlung der Exilanten neben seinem hauptsächlichen Fokus auf Sylvia Beachs und Adrienne Monniers Buchhandlungen. Dadurch gelingt Neumahr ein breit angelegtes und informatives Panorama der damaligen intellektuellen Szene.


  • Uwe Neumahr – Die Buchhandlung der Exilanten. Paris 1940 – Zuflucht und Widerstand
  • ISBN 978-3-406-84494-2 (C. H. Beck)
  • 320 Seiten. Preis: 26,00 €

Karine Tuil – Die Liebeshungrigen

Kulminationspunkt Cannes. In ihrem neuen Roman Die Liebeshungrigen blickt Karine Tuil auf einen abgewählten französischen Präsidenten und sein Umfeld und schildert einen möglichen #metoo-Skandal, der spät, dafür aber umso spektakulärer an der Croisette in Cannes einschlägt..


Liest man den neuesten Roman der Französin Karine Tuil, so wird man unweigerlich an das politische Personal der Grande Nation unserer Tage erinnert. Sie besetzt ihr Buch mit einem ehemaligen Präsidenten namens Dan Lehmann, der als Linker mit großen Erwartungen in sein Amt an der Spitze der Republik gestartet war . Ein großes politisches Werk glückte ihm allerdings nicht und so wurde er nach nur einer Amtszeit abgewählt und hadert bis heute mit dem damit einhergehenden Machtverlust.

Nicht einmal seine Frau, eine glamouröse Schauspielerin mit deutschen Wurzeln, kann ihn über den Machtverlust hinwegtrösten. Zuflucht hat dieser Dan Lehmann im Alkohol gefunden, der zunehmend seinen Alltag dominiert. Sein Versuch einer zweiten Karriere als Schriftsteller, die er mit einer Romanbiografie über Karl Marx wagte, hat nicht nur einer platten erotischen Szene wegen wenig Gnade bei Publikum und Kritik gefunden.

Ein Ex-Präsident im freien Fall

Nicht besser wird das Ganze, da ihm auch noch eine Aussage in einem Prozess über Wahlkampfspenden ins Haus steht. Bei solchen markanten biografischen Strichen kann man sich schon einmal an Nicolas Sarkozy und seine Ehefrau Carla Bruni erinnert fühlen, der jüngst mit der Nachricht der Anfertigung eines Buchs über jene zwanzig Tage im Gefängnis auffiel, die er infolge des Prozesses um die illegale Finanzierung seines Wahlkampfs durch Muammar Al-Gaddafi verbüßte.

Dieser Dan Lehmann ist eine wehleidige Figur, der seine Tage mit Trinken und einem Diktiergerät verbringt, in das er seine Weisheiten und Erkenntnisse spricht, wie Karine Tuil ausführlich zeigt.

Sicher, einige Vergünstigungen waren ihm geblieben: eine jährliche Pension in Höhe von 75.000 Euro, zu der sich ein Monatsgehalt von 13.500 Euro gesellte, das er als Mitglied des Verfassungsrats erhielt; zwei Polizeibeamte, die rund um die Uhr für seine persönliche Sicherheit sorgten; ein Dienstwagen mit zwei Fahrern: ein dreihundert Quadratmeter großes Büro in der Rue de Ponthieu, inklusive mehrerer Mitarbeiter. Doch das alles wog nicht die brennende Enttäuschung darüber auf, dass er keine wichtigen, das Schicksal der Nation betreffenden Entscheidungen mehr fällen durfte, dass er nicht für eine zweite Amtszeit gewählt worden war, dass er nicht hatte überzeugen können.

Karine Tuil – Die Liebesbedürftigen, S. 37

Um ihn herum gesellen sich langsam weitere Figuren aus seinem unmittelbaren Umfeld hinzu.
Da ist Hilda Müller, eine deutlich jüngere Schauspielerin mit deutschen Wurzeln, mit der Lehman eine gemeinsame Tochter hat. Wo Lehman unter dem Machtverlust leidet, ist es bei ihr der Verlust ihrer bisherigen Arbeit als vielbeachtete Aktrice. Kein Regisseur will sie als Frau an der Seite eines gescheiterten Präsidenten mehr besetzen.

Ein komplexes Personengefüge

Karine Tuil - Die Liebeshungrigen (Cover)

Den Ausweg aus der Krise verheißt ihr der anstehende Film eines gefeierten Regisseurs, der Hilda als Arbeiterin besetzen will. Geschrieben hat die Buchvorlage ausgerechnet Marianne, die Ex-Frau von Dan, mit der er zusammen drei Kinder hat. Diese beiden führt Karine Tuil ebenso als Erzählfiguren ein, wobei das Ganze zusätzlich verkompliziert wird, da nicht nur Hilda eine Affäre mit dem Regisseur beginnt, sondern auch Mariannes Tochter Leo für den Regisseur schwärmt.

Angesichts der komplexen Ausgangslage überrascht es nicht, dass Karine Tuil einige Zeit braucht, um die Figuren mitsamt ihrer Abhängigkeiten auf dem Spielfeld zu platzieren und diese aufeinander auszurichten.

Was dann folgt, ist ein Roman, der unbarmherzig auf den Kulminationspunkt Cannes zuläuft. Mitleidenschaft, so der Titel der Buchverfilmung, kennt hier nämlich jeder und keiner. Während die Figuren alle voreinander Dinge verheimlichen, mal näher aufeinander zutreiben und sich wieder entfremden, hat es der Film derweil in die Auswahl zu den Filmfestspielen an der Croisette geschafft.

Kulminationspunkt Cannes

Dort innerhalb und außerhalb des Kinosaals treffen alle Figuren aufeinander und es entwickelt sich ein verhängnisvolle Dynamik. Denn obwohl er sich filmisch mit der Frage von #metoo auseinandersetzen wollte, umfloren den Film und vor allem seinen Regisseur nun realiter plötzlich Vorwürfe von überzogener Gewalt und Machtmissbrauch, die sich im Rahmen der Vorführung der Films dort in Cannes Bahn brechen.

Wie schon ihr vorletzter Roman Menschliche Dinge verhandelt auch Die Liebeshungrigen wieder die Fragen von Macht und Einfluss, deren Aushandlungsmittel hier fast ausschließlich Sex und Affären sind. Während auf der Leinwand und unter der Sonne Cannes die größten Illusionen gepflegt werden, sieht die Realität deutlich ernüchternder aus.

Nach außen wahrt man die Fassade, postet seinen vermeintlich glamourösen Alltag, während Lehman, der von seiner Frau ein Auftrittsverbot für den Roten Teppich erhalten hat, in der Villa eines befreundeten Unternehmers am Pool säuft oder eine Schauspielerin, die in Mitleidenschaft lediglich die Rolle des Körperdoubles spielt, verzweifelt Zutritt zu den wichtigen Veranstaltungen und Netzwerktreffen zu erhalten versucht, während sie in der günstigsten Absteige nächtigen muss.

Alle Figuren taumeln hier auf eigene Weise durch die Handlung, was einen Gesellschaftsroman im besten Sinne ergibt.
Denn nicht nur, dass Karine Tuil in die Sphären der großen Politik und der Filmwelt vorstößt (besonders schön hier die kleine Referenz an die Übersetzerin und Buchpreis-Gewinnerin Anne Weber, die einer Filmproduzentin ihren Namen leihen darf), besonders interessant wird der Roman neben seiner Figurenkonstellation voller Abhängigkeiten und gesellschaftlichen Schichten besonders durch die mannigfaltige Brechung der Frage von Macht, Machtausübung und Machtverlust.

Machtverlust und Machterhalt

Begehren und Sex sind bei ihr eigentlich nie reiner Selbstzweck, immer wieder wird darüber die Frage von Macht verhandelt. Anders als im schon erwähnten Roman Menschliche Dinge kommt Tuil hier zu überzeugenderen Schlüssen und schont ihre Figuren nicht. Konsequent blickt sie auf das Miteinander ihrer Personen, das viel zu oft ein Gegeneinander ist und bei dem die Autorin an Dramatik nicht spart (vielleicht sogar den ein oder anderen Strich zu dick aufträgt, insbesondere im Finale).

Im Falle von Die Liebeshungrigen tritt auch der seltene Fall auf, dass der deutsche Titel dem französischen Original fast überlegen ist (Übersetzung des Textes aus dem Französischen von Maja Ueberle-Pfaff und Alexandra Baisch).

Großartig mehrdeutig zu lesen ist dieser Titel, den die deutsche Übertragung für den sperrigeren französischen Originaltitel La guerre par d’autres moyens gefunden hat, schließlich klingen in ihm schon die Sehnsucht nach Liebe und der Hunger nach ihr an, die in Tuils Buch dann auch schlüssig ausgedeutet werden.

Fazit

Die Liebe und das Geliebtwerden, es wollen hier fast alle Figuren. Vor allem aber wollen sie Macht — und das ergibt einen hochaktuellen, gesellschaftlich relevanten Roman, wie ihn in dieser Form wohl nur französische Autor*innen hinbekommen.

Die Liebeshungrigen erzählt unterhaltsam von Süchten und Verlangen und blickt von ganz oben nach ganz unten. Süchte und Verlangen fängt Tuils Buch erfreulich facettenreich ein und verstrickt ihre Figuren mit viel erfreulich viel erzählerischer Lust in einem Gespinst der Abhängigkeiten und Konflikte.


  • Karine Tuil – Die Liebeshungrigen
  • Aus dem Französischen von Maja Ueberle-Pfaff und Alexandra Baisch
  • ISBN 978-3-423-28522-3 (dtv)
  • 400 Seiten. Preis: 25,00 €

Gaspard Koenig – Humus

Gaspard Koenig hat ihn geschrieben, den Roman, der einem unterschätzten Tier endlich den Platz in der Literatur zuerkennt, den es verdient. Die Rede ist vom Regenwurm. Zwei unterschiedliche Freunde haben in ihm den Sinn ihres Lebens ausgemacht. Für die Verwirklichung dieses Lebenssinns zahlen sie allerdings einen hohen Preis, zur Freude der Leser*innen von Humus.


Die Debatten über die agrikulturelle Ausrichtung des Landes und den Konflikt zwischen der Landbevölkerung und den Stadtbewohnern, sie flammten bei uns zuletzt im vergangenen Jahr auf, als die Bauernproteste für Aufsehen sorgten und nicht nur hierzulande Straßen blockierten und erhitzte Debatten auslösten. Bis nach Brüssel führte die Bauernschar der Weg, die dort im Europaviertel (mist)haufenweise Dünger und Gülle verspritzten und so ihrem Unmut auch olfaktorisch Luft machten.

Auch in Frankreich kennt man diese Debatten, die der Philosoph Gaspard Koenig in einen ebenso leichtfüßigen wie gegenwartsschweren Roman verwandelt hat, der auf den Titel Humus hört.

Der Regenwurm als Retter

Von jenem Humus ist allerdings anfänglich noch nichts zu spüren, als die gegensätzlichen Arthur und Kevin sich zu spüren – im Gegenteil. Statt Erde und Äcker bietet sich die nahe Paris gelegene AgroParisTech als großes Stahl- und Betonskelett dar, in der die Natur nur in Vorlesungen Thema ist. So ist es auch in den Vorlesungen des Regenwurmexperten Marcel Combe, der in seinen Vorträgen den Studierenden die Welt unter ihren Füßen aufschließt, die durch Betonversiegelung und kalte Architektur zumindest am Campus kaum mehr erlebbar ist.

Wie Sie wissen, sind es die Regenwürmer, die die Grundlage des Bodenlebens schaffen. Durch ihre ununterbrochene Verdauung, die sie jeden Tag das Äquivalent ihres eigenen Körpergewichts verzehren lässt, zersetzen sie organische Materie in biogene Stoffe, von denen sich wiederum die Pflanzen ernähren. Man schätzt, dass Regenwürmer pro Jahr und pro Hektar dreihundert Tonnen Material verschlingen und wieder ausscheiden. Ja, recht gehört, dreihundert Tonnen! Die Erde, über die Sie laufen, die Erde, die uns mit Nahrung versorgt, besteht in der Tat zu einem Großteil aus so entstanden organisch-anorganischen Verbindungen, mit anderen Worten aus Regenwurmscheiße. Genau deshalb vermutete der große Charles Darwin, dass uns Regenwurm das wichtigste Tier der Evolution ist. Ohne ihn bricht alles zusammen.

Gaspard Koenig – Humus, S. 10

Zwischen bäuerlicher Scholle und Startups

Gaspard Koenig - Humus (Cover)

Bewegt von den Erkenntnissen über die Wichtigkeit des Regenwurms und der von ihm geleisteten Arbeit, beschließen die beiden Freunde, die Kraft des Wurms zu nutzen und ihn zu fördern. Die Wege, auf die sie dieser Gedanke bringt, führt Arthur und Kevin allerdings maximal weit auseinander.

Während Arthur zusammen mit seiner Partnerin Anne den heruntergekommenen Hof seiner Familie naturnah umbauen will und so ein Gegengewicht zu den pestizidgedüngten umliegenden Äckern schaffen will, stolpert Kevin mitten hinein in die Welt der Startups, in die ihn seine Idee eines Wurmkomposters befördert.

Als seine findige Geschäftspartnerin Philippine das Geschäft mit dem von Würmern kompostierten Bioabfalls immer größer aufzieht, kommt Kevin in den Kontakt mit Start Ups und Risikokapitelgebern, wird mitten hineingesogen in sein Projekt namens Veritas, das sich immer größer ausnimmt, Philippine und Kevin bis ins Silicon Valley führt und dem Wurmfreund schon bald über den Kopf zu wachsen droht.

Greenwashing und Vorschriftendschungel

Gaspard Koenig hat einen Roman geschrieben, der die so unterschiedlichen Lebens- und Karrierewege von Arthur und Kevin als Ausgang nimmt, um über unser Verhältnis der Natur, das Greenwashing und unseren Ressourcenverbrauch nachzudenken. Gelungen skizziert und karikiert er die Welt der Hochfinanz und der sinnentleerten Kapitalgeber auf der einen Seite, die bäuerliche Gängelung durch Bürokratie und Vorschriften auf der anderen Seite.

Souverän übersetzt durch Koenigs Stammübersetzer Tobias Roth ist Humus ein Roman, der die ländliche Renitenz feiert und die verfahrene Situation zeigt, in der es weder Arthur im Kleinen auf seiner heimischen Scholle noch Kevin in der Hochglanzwelt der Startups vermögen, ihren eigentlichen Zielen der Förderung des Regenwurms nahezukommen. Im Gegenteil, lustvoll beobachtet Koenig, wie sich seine Figuren immer mehr im undurchdringlichen Dickicht von Vorschriften oder im Spiegelkabinett der hippen Techunternehmer verrennen und aus dem Ganzen einen Ausweg nehmen, der sie mitten hinein in eine Welt führt, gegen die sich die Bauernproteste in Brüssel oder Paris noch sehr harmlos ausnehmen.

Fazit

So ist Gaspard Koenigs Roman ein hochaktuelles Buch, das durch die vordergründige Distanzierung der beiden Freund und die dahinterliegenden Ähnlichkeiten in ihren Lebenswegen viel erzählt über unser Verhältnis zur Natur und die zunehmende agrikulturelle Entgrenzung, der wir kaum wieder Herr werden können. Und auch wenn man Koenigs Hintergrund als Philosoph dem Buch durchaus anmerkt, ist Humus das Gegenteil eines theorieschweren Romans, sondern treibt mit Tempo und flotten Fußes seinem Höhepunkt entgegen, der das Buch nachdrücklich in Erinnerung bleiben lässt.

Sachkundig versteht es Koenig, von der Welt der Kleinbauern wie auch den obersten Ministerkreisen und der Hochfinanz zu erzählen. Nur ob es mit den Regenwürmer gut ausgeht, das darf an dieser Stelle nicht verraten werden…


  • Gaspard Koenig – Humus
  • Aus dem Französischen von Tobias Roth
  • ISBN 978-3-7518-1036-4 (Matthes & Seitz Berlin)
  • 378 Seiten. Preis: 26,00 €

Nina Bußmann – Drei Wochen im August

Sommer, Sonne, Waldbrand. In ihrem Roman lässt die Schriftstellerin Nina Bußmann Teile einer Familie in den Urlaub nach Frankreich fahren, wo sie so einiges finden – Erholung zählt aber nicht dazu. Vielmehr dominieren zwischenmenschliche Spannungen, undurchsichtige Menschen und nicht wirklich klare Beziehungen. Und dann bedrohen auch noch Waldfeuer die geplante Idylle der Drei Wochen im August.


Es klang zu verlockend, das Angebot, das Ali ihrer Freundin und Angestellten Elena unterbreitet. Ihre Partnerin verfüge über ein Haus in Atlantiknähe in Frankreich, habe aber nicht mehr lange zu leben und befinde sich in medizinischer Behandlung. Im Sommer stünde das Haus deshalb leer. Ob Elena mit ihrer Familie nicht das Domizil beziehen wolle, um dort ihren gemeinsamen Urlaub zu verbringen?

Tatsächlich nimmt Elena das verlockende Angebot an, um mit ihren Kindern Rinus und Linn dort am Meer entspannte Wochen im August zu verbringen. Doch schon das Wort Familienurlaub führt etwas in die Irre. Denn Elenas Mann Kolja reist nicht mit in das wohlkuratierte Haus am Meer. Er will noch Handwerkerarbeiten zuhause abwarten und dann per Bahn nachkommen. An seiner statt entscheidet sich Elena, die Nanny Eve mit ins zeitweise Haus am Meer mitzunehmen.

Die Beziehung der Kinder zu Eve ist besser als die zu ihrer eigenen Mutter, und so hofft Elena auch auf eine für sie erholsame Zeit, die sie zum Arbeiten nutzen kann, während Eve die Betreuung der Kinder übernimmt. Als freie Kuratorin veredelt Elena die Kunst ihrer Chefin Ali mit allerlei Worthülsen und Theorien, um diesen theoretisch zu unterfüttern. Ein recht unkonturierter Job, der aber auch zur Unsicherheit passt, die den Aufenthalt der Frauen am Meer kennzeichnen wird.

Denn nicht nur, dass mit Eve ein extrafamiliärer Teil mit in den Urlaub kommt, mit Noémie gibt es einen weiteren Charakter, der außerhalb der Kernfamilie steht und die ebenfalls mit in das Haus am Meer kommt. Bei ihr handelt es sich um eine Freundin ihrer Tochter Linn, die Elena abweisend gegenübersteht und zu der sie noch schlechter als zu ihren eigenen Kindern einen Zugang findet, was ihr eigenes Fremdeln mit der jungen Generation verstärkt.

Kriselnde Beziehungen und drohende Buschfeuer

Nina Bussmann - Drei Wochen im August (Cover)

Abwechselnd blickt Nina Bußmann aus Sicht von Elena und Eve auf das Geschehen, das sich nun innerhalb der folgenden drei Wochen im August entfaltet. Dabei schaut sie ins Innere einer Familie, die wieder einmal von Auflösungserscheinungen gekennzeichnet ist.

Abwesende Väter, unverständige Töchter und im Umkehrschluss ebenso unverständige Mütter, dazu mit Ilyas ein Haushüter, dessen Beziehung zur Hausherrin wie auch seine Rolle im Haus nicht wirklich klar wird. Ebenso unklar ist der Status der Beziehung Elenas zu ihrem Mann Kolja, dessen Ankunft am Meer immer weiter auf sich warten lässt – und vielleicht gar nicht mehr eintritt, schließlich schwebt die Möglichkeit einer Trennung der beiden Eltern im Raum.

Und dann sind da auch noch die drohenden Buschfeuer in der Umgebung um das Haus, von denen man zwar nichts mitbekommt, deren Ausbruch und eine mögliche Evakuierung der Urlauber aber auch immer wieder im Raum steht. Selbst das Bad im Meer scheidet aus, denn auch das erweist sich als wenig familienfreundlich und wartet stattdessen mit Untiefen und gefährlichen Strömungen auf.

Statt Entspannung und Abschalten gibt es so also Nervosität und Frust, Geldprobleme und Unsicherheit, die sich mit den neu auftauchende Figuren dort im Feriendomizil weiter verstärkt. Immer größer werden die Probleme, die durch die gegenläufige Erzählperspektive der beiden Frauen besonders evident werden. Hat das Ganze aufgrund der überschaubaren Anzahl an Personen den Charakter zunächst eines Kammerspiels, ändert sich dieser Ton, als immer mehr Gäste in der Villa einfallen und den Urlaubern sogar ein Hund zuläuft.

Handlungsstark wie ein Wasserball im Swimmingpool

Was nun nach viel Handlung klingen mag, stellt sich allerdings in der Praxis als wenig handlungsstark heraus. Trotz dem Auftritt von immer neuen Figuren passiert in Drei Wochen im August eigentlich kaum etwas. Oftmals gleicht die Handlung einem Wasserball, der im Pool treibt und schaukelnd auf der Stelle verharrt, wenn er sich nicht langsam dreht oder sanft von einer Ecke des Pools in die andere getrieben wird.

Es ist weniger die Handlung als vielmehr die psychologische Ebene, die Nina Bußmann in ihrem Roman interessiert. Immer wieder wird Elena in ihrer Sehnsucht nach Vertrauen und Verbindung enttäuscht. Weder zu den Kindern noch zu Eve findet sie eine wirkliche Verbindung, obschon sie dieser tausend Euro bezahlt hat, um mit ihr als „Freundin“ den Sommerurlaub zu verbringen. Dieses Geldmittel hat ihr aber keine Freundschaft erkauft, vielmehr ist es Eve, die trotz der Abhängigkeiten über Elena steht, wie man durch die gegenläufigen Perspektiven erfährt.

Diese Umkehrung von Machthierachien, die Betrachtung von Klasse und seelischer Standfestigkeit, sie ist der reizvolle Subtext, der sich unter dem eher handlungsarmen Geschehen entfaltet und der vor allem mit Elena in ihrer Schwäche und ihrem Unvermögen eine stark gezeichnete Protagonistin hat, deren Wunsch nach Bindung im Urlaub enttäuscht werden wird, das ist ebenso nachvollziehbar wie unterhaltsam geschildert.

Fazit

Flirrend und beunruhigend, so ist dieser Sommer, den man gerne mit Bußmanns in Sachen zwischenmenschlicher Verbindungen nicht ganz trittfesten Figuren verbringt. Drei Wochen im August lässt über die möglichen Unzulänglichkeiten des eigenen Sommerurlaubs gut hinwegsehen. Hat man dieses Buch in seinen Reisekoffer gepackt, dann wird man den eigenen Urlaub noch einmal mehr zu schätzen wissen.

Wieder einmal zeigt sich: mag der Urlaub der anderen auch noch so instagramabel und luxuriös erscheinen, der Pool glitzern und die kunstvollen Statuen im Garten einen Eindruck von Wohlkuratiertheit und Wohlstand vermitteln, so tun sich in solch glänzenden Urlaubsfassaden doch auch immer wieder Risse auf, in die sich Nina Bußmann hier lesenswert hineinbegibt.


  • Nina Bußmann – Drei Wochen im August
  • ISBN 978-3-518-43221-1 (Suhrkamp)
  • 317 Seiten. Preis: 25,00 €

Clara Arnaud – Im Tal der Bärin

Auf dem Berg, da wohnt der Bär – oder besser gesagt die Bärin. Clara Arnaud nimmt uns in ihrem ersten auf Deutsch erschienen Roman Im Tal der Bärin mit auf die Berghöhen der Pyrenäen. Dort kreuzen sich die Lebenswege eines Schäfers und einer Ethologin mit der Bärin. Kraftvolle Prosa, die die Schönheit und das Leben in den Bergen gelungen einfängt.


Arpiet ist ein kleines Dorf, das am Fuße der Pyrenäen liegt. In unmittelbarer Nähe zur spanischen Grenze gelegenen ziehen sich die Bergrücken hin, die von den Schäfern und Schäferinnen beweidet werden. Auch Gaspard ist ein solcher Schäfer, der sich nach dem Studium in Paris nach seiner Kindheit in Arpiet zurückgesehnt hat und mittlerweile dort mit seiner Frau und den Töchtern wohnt. Die eigentliche Liebe und Sehnsucht aber gehört der Landschaft in den Bergen, wo er sich nun als Schäfer verdingt und eine mehrere hundert Schafe umfassende Herde betreut. Die Sommer verbringt er alleine dort oben auf den Berghängen. Gesellschaft leisten ihm nur seine Hündin, die Herde und die Erinnerungen.

Zweite Hauptfigur des Romans ist die Ethologin Alma, die ebenfalls nach Arpiet gezogen ist. Dort versieht sie an einem Zentrum für Biodiversität ihren Dienst. Das eigentliche Arbeitsfeld sind aber auch für sie die Berge. Denn dort oben lebt nach Wiederansiedlungsversuchen nun eine Bärin, la negra genannt. Diese beobachtet sie für ihre Feldforschung, nachdem sie dem Leben der Bären bereits ihre akademische Facharbeit gewidmet hat.

Eine Bärin in den Pyrenäen

Clara Arnaud - Im Tal der Bärin (Cover)

Von den Bewohnern von Arpiet wird Alma misstrauisch beäugt. Denn ein sonderlich großes Verständnis für die Bärin hegt dort kaum jemand. Man solle die Bärin und ihre Jungen besser gleich töten, schließlich stellt das Tier nur eine Bedrohung für die Schafe dort oben auf den Bergen dar, so die landläufige Meinung. Doch Alma lässt sich von solchen Meinungen nicht aufhalten und spürt in den Wäldern und entlang der Steilgrate der Bärin und ihrem Leben nach.

Und auch Gaspard spürt die Existenz der Bärin am eigenen Leib. Immer wieder schweben die von ihm betreuten Schafe im Laufe des Sommers, den Im Tal der Bärin schildert, in Lebensgefahr, wenn sich die Bärin auf Futtersuche an die Schafe heranwagt. Nicht zuletzt sind es aber auch Erinnerungen, die ihn immer wieder heimsuchen. Denn im vergangenen Jahr kam eine junge Schäferin dort oben in seiner Gesellschaft ums Leben. Hat die Bärin auch damit zu tun?

Der menschliche Umgang mit bedrohten Spezies

Im Tal der Bärin ist ein Buch, das vom Umgang der Menschen mit der bedrohten Spezies der Bären erzählt. Totale Auslöschung oder Schutz? Im dritten, immer wieder eingestreuten Erzählstrang bietet Clara Arnaud auch eine historische Sichtweise auf diesen Komplex, indem sie vom Leben des Bärenführers Jules erzählt, der Ende des 19. Jahrhundert aus Arpiet in Richtung Amerika aufbricht, mit im Gepäck ein von ihm gefangener und dressierter Bär.

Mit ungemein viel Wissen um das Leben dort oben an den Berghängen der Pyrenäen und des Lebens der Bären nimmt Clara Arnaud mit in diese wilde Welt. In Arnauds urwüchsiger, von Sophie Beese ins Deutsche übertragenen Sprache und der Kraft der Naturbeschreibungen erinnert das Ganze etwas an die Werke Maria Borrélys. Vom Aufstieg Gaspards im Frühling über den Sommer auf den Almen dort oben bis zum Abtrieb der Tiere in den Herbsttagen erstreckt sich der erzählerische Bogen, den dieses Buch bildet.

Nicht zuletzt ruft ihr ökologisch geprägter Roman im Spannungsfeld zwischen Mensch und Tier auch Erinnerungen wach an die Romane der Australierin Charlotte McConaghy, darunter insbesondere an ihr in Schottland spielendes Werk Wo die Wölfe sind, das von der Wiederansiedlung von Wölfen in den Highlands und dem Widerstand dagegen erzählt. Aber auch Paolo Cognettis Romane um die Anziehungskraft der Berge und Sara Gruens Prosa ließe sich als Bezugsgröße von Clara Arnauds Roman nennen, mit dem ihr trotzdem etwas ganz Eigenständiges gelingt.

Ein überzeugendes Buch mit irreführendem Titel

Gefahr und Idylle, Arbeit und Entspannung, Freiheit und Verantwortung, das sind die Spannungsfelder dieses Romans, der der Natur in den Pyrenäen ein Denkmal setzt und die Komplexität in unserem Verhältnis zu Raubtieren – wie im vorliegenden Fall eben den Bären – ausleuchtet.

Angesichts einer solch überzeugenden Gesamtleistung stellt sich nur die Frage nach der Sinnhaftigkeit des deutschen Titels. Das titelgebende Tal spielt im Roman nur eine untergeordnete Rolle. Natürlich liegt das Dorf Arpiet dort unten im Tal, ist aber sowohl für Gaspard als auch für Alma aber nur jener problembehaftete Ort, an dem Unverständnis und Bärenfeindlichkeit grassieren. Vielmehr lösen sich beide Figuren ja schon rasch von diesem Nebenschauplatz. Und tatsächlich sind es ja die Berge, auf denen die Bärin lebt und die fast die gesamte naturgesättigte Handlung des Romans um die drei Figuren bestimmen.

Erinnert der französische Originaltitel Et vous passerez comme des vents vous im Deutschen etwas an die berühmten windigen Zeilen aus dem Gedicht Vom armen B. B. des Dramatikers Bertolt Brecht, in dem er von den Städten schrieb, von denen nur der Wind bleiben würde, der durch sie hindurchging, so bleibt von derartiger Poesie in der nun gewählten deutschen Titelvariante überhaupt nichts übrig. Mit Tälern begnügt sich Clara Arnaud nicht, vielmehr steigt ihr Roman in mitreißende Höhen empor, was die deutsche Titelwahl ruhig hätte auch so abbilden dürfen.

Fazit

Davon abgesehen ist Im Tal der Bärin ein kraftvoller Roman, der die Natur und das ökologische Gleichgewicht dort nahe der Gipfel der Pyrenäen besieht und neben der Bärin zwei angenehm komplexe Figuren in den Mittelpunkt rückt. Es ist eine wirkliche Entdeckung, die der Kunstmann-Verlag mit Clara Arnaud da aufgetan hat!


  • Clara Arnaud – Im Tal der Bärin
  • Aus dem Französischen von Sophie Beese
  • ISBN 978-3-95614-622-0 (Kunstmann)
  • 352 Seiten. Preis: 26,00 €