Tag Archives: Augsburg

So war der Auftakt von „Gottschalk liest?“ in Augsburg

Am Aschermittwoch ist bekanntlich ja alles vorbei – manches beginnt allerdings auch. So auch die neue Sendung Gottschalk liest?, die für den BR am Abend im Kurhaus Göggingen in Augsburg aufgezeichnet wurde. Ich war vor Ort.


Vieles hatte Thomas Gottschalk nach seinem Abschied bei Wetten, Dass …? probiert. Doch so richtig wollte nichts mehr funktionieren. Sowohl der Samstagabendshow als auch Gottschalks Karriere war kein Glück beschieden. Seinen Frieden hat der Showmaster damit nicht wirklich gemacht, wenngleich er im Warmup scherzte, er werde an diesem Abend sicher keine Wette präsentieren. Doch schwang auch etwas Nostalgie in seinen Worten nach. Früher sei zu Beginn die Eurovisionshymne erklungen, er habe Deutschland, Österreich und die Schweiz begrüßt, heute begrüße er Göggingen, Landsberg und Augsburg Nordost.

Nun also die nächste Neuerfindung des Thomas Gottschalk, diesmal als Literaturfreund. Schon einmal durfte er sich in dieser Rolle präsentieren, als er im Literarischen Quartett im ZDF Peter Handkes Die Obstdiebin besprach. Und nun ist er mit seiner Literaturleidenschaft also beim Bayerischen Rundfunk gelandet.

Dort moderiert er seit 2017 wie in Anfangszeiten eine monatliche Radioshow . Zu dieser kommt jetzt dann viermal im Jahr Gottschalk liest? hinzu. Die Aufzeichnungen sollen über den ganzen Freistaat verteilt stattfinden. Den Auftakt machte nun meine Wahlheimat Augsburg, Geburtsort von Bertolt Brecht und von Thomas Bernhard einst als „Lechkloake“ tituliert.

Der erste Veranstaltungsort für Gottschalk liest?: Das Kurhaus in Göggingen

Schon vor der Aufzeichnung wurden Karten verlost, 300 Zuschauer*innen waren eingeladen. Als Aufzeichnungsort hatte man eine der pompösesten Locations der Stadt ausgesucht: das Kurhaustheater im Stadtteil Göggingen. Dabei handelt es sich um das einzige erhaltene Multifunktionstheater aus dem 19. Jahrhundert, dessen Alter und Grandezza man dem Haus an jeder Stelle ansieht.

Nach einigem Anstehen wurden dann die Pforten ins Theater geöffnet, wo sich der Blick auf ein relativ unspektakuläres und für Gottschalk-Verhältnisse untypisch dezentes Bühnenbild ergab. Aus einem mir nicht ersichtlichen Grund wurde ich in der ersten Reihe postiert (vielleicht ist es doch der Blogger-Ruhm? Oder wollte das Produktionsteam doch eher einfach etwas jüngere Gesichter in der ersten Reihe sehen? Es darf munter spekuliert werden).
Dann kurzer WarmUp-Teil mit Gottschalk, Auftaktklatschen und schon konnte es losgehen.

Als Gäste der Auftaktsendung waren geladen: Sarah Kuttner, Ferdinand von Schirach, Vea Kaiser und als Lokalmatador der Fotograf Daniel Biskup. Mit allen vieren wollte er in seiner Funktion als Leser über ihre Bücher sprechen, weniger Literaturkritik denn Hintergrundinfos zu Werk und Wirken. So die Idee, die Gottschalk schon im WarmUp umriss und die er dann auch in die Praxis umsetzte.

Dies führte dann aber dazu, dass trotz kleiner Einspieler zu den Büchern die Inhalte der Titel relativ nebulös blieben. Bei Sarah Kuttners Kurt steht der Tod eines Kindes im Mittelpunkt, in Vea Kaisers Rückwärtswalzer wird eine tiefgekühlt Leiche nach Montenegro überführt. So viel ließ sich noch aus den Gesprächen über die Bücher destillieren. Andere Werke wie Ferdinand von Schirachs Kaffee und Zigaretten und Daniel Biskups Fotoband Wendejahre blieben trotz Gespräch dagegen seltsam unkonturiert. Geschuldet war dies auch dem Tempo, mit dem Gottschalk durch die Gespräche preschte. Alle Gespräche blieben unter zehn Minuten, was in der Folge zu einem wirklich bemerkenswerten Kuriosum führte.

Der Meister der Überziehung unterzieht

In die Abmorderation hinein wurde ein Signal gegeben, dass es doch bitte weitergehen möge. Gottschalk war deutlich unter der veranschlagten Zeit geblieben. Und das beim einstigen König des Überziehens. Daraufhin auch seine konsternierte Rückfrage – „Was ich vergessen hatte zu fragen. Wie lang soll die Sendung eigentlich werden?“.

Also noch zehn Minuten auf der Uhr, die dann zur spannendsten Phase gerieten. Denn hier gab es zum ersten Mal auch Interaktion zwischen den Gästen, die ansonsten wie Staffage in der Möbellandschaft saßen. Kann man Bestsellererfolge planen? Lesen Kinder wirklich weniger als früher? Welche Rolle spielt der Tod in den vorgestellten Büchern? Auch wenn ich von Schirachs Thesen nicht immer teile – er war ein Gesprächspartner auf Augenhöhe, der sich auch vor einem maliziösen Lob oder einer rhetorischen Riposte nicht scheute. Aber auch Sarah Kuttner und Vea Kaiser brachten sich immer wieder ein und sorgten und so für eine Belebung der Veranstaltung.

Wo will Gottschalk mit seiner Sendung hin? Wie wird sich die Konzeption der Sendung eventuell noch wandeln? Nach dieser Auftaktveranstaltung weiß man noch nichts sicher. Kann die Sendung Lust aufs Lesen machen? Hier sehe ich auf alle Fälle Potential. Generell ist es ja auch zu begrüßen, wenn man für Literatur Öffentlichkeit schafft und dafür auch Zugpferde wie Thomas Gottschalk einspannt. Hoffentlich ist dieser Sendung ein größerer Erfolg beschieden als den vorherigen Fernsehprojekten, die der Showmaster anpackte. Ich würde es ihm und der Literatur gönnen.


Die Ausstrahlung der ersten Folge Gottschalk liest findet am 19.03.2019 um 22:00 Uhr im Bayerischen Rundfunk statt.

Diesen Beitrag teilen

Literarische Soiree | Augsburger Stadtbücherei | 15.03.2019 | 19:30 Uhr

Wieder einmal ist es soweit: an einem meiner Arbeitsplätze, der Stadtbücherei am Ernst-Reuter-Platz in Augsburg, findet eine neue Literarische Soiree statt. Zusammen mit der Augsburger Allgemeinen und der Buchhandlung am Obstmarkt geht es wieder rund. Am 15.03.2019 ab 19:30 Uhr wird diesmal Ursula Krechel aus ihrem neuen Werk Geisterbahn lesen.

Zwar habe ich das Buch noch nicht gelesen (und wer weiß, wann ich dazu komme), aber der Klappentext klingt auf alle Fälle vielversprechend.

Fast ein Jahrhundert umspannt der Bogen dieses Romans, mit dem Ursula Krechel fortsetzt, was sie, vielfach ausgezeichnet und gefeiert, mit »Shanghai fern von wo« und »Landgericht« begonnen hat. »Geisterbahn« erzählt die Geschichte einer deutschen Familie, der Dorns. Als Sinti sind sie infolge der mörderischen Politik des NS-Regimes organisierter Willkür ausgesetzt: Sterilisation, Verschleppung, Zwangsarbeit. Am Ende des Krieges, das weitgehend bruchlos in den Anfang der Bundesrepublik übergeht, haben sie den Großteil ihrer Familie, ihre Existenzgrundlage, jedes Vertrauen in Nachbarn und Institutionen verloren. Anna, das jüngste der Kinder, sitzt mit den Kindern anderer Eltern in einer Klasse. Wer wie überlebt hat, aus Zufall oder durch Geschick, danach fragt keiner. Sie teilen vieles, nur nicht die Geister der Vergangenheit.

Zudem halte ich Landgericht (das gerechterweise mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde) – für ein wirklich großartiges Buch, weswegen ich auf den neuen Titel und Krechels Präsentation sehr gespannt bin!

Im Anschluss an die Lesung gibt es ein Interview mit der Autorin, ehe wir dann die Bühne entern. Zusammen mit Kurt Idrizovic von der Buchhandlung am Obstmarkt und Stefanie Wirsching von der Augsburger Allgemeinen diskutieren wir diesmal über folgende Bücher:

Eigentlich dachte ich, dass der Kelch Stella an mir vorüber geht. Aber offensichtlich ist dem nicht so. Offenbar haben alle von uns sich ein Buch gewählt, das einen zweisilbigen Buchtitel besitzt. Wenn’s der Diskussion dient … Ich freue mich auf alle Fälle auf die hoffentlich kontroverse Diskussionen!

Diesen Beitrag teilen

Benjamin von Stuckrad-Barre in der Kantine Augsburg

Je näher das Ende des Clubs am Exerzierplatz rückt, umso hochkarätiger das Booking der Augsburger Institution. Als einer der letzten Acts las nun Benjamin von Stuckrad-Barre in der Kantine. Wobei der Begriff Lesung den Abend nur unzureichend erschlägt.

Zum Abschied des Kiepenheuer-und-Witsch-Verlegers Helge Malchow widmete die Wochenzeitung Die Zeit dem Kölner ein ganzseitiges Interview. Die Eingangsfrage, die Malchow gestellt wurde, lautete wie folgt:

Mal angenommen, jeder Verlag hätte seine spezifische Droge, dann ging es früher im Suhrkamp-Verlag eher um den Alkohol, während bei Kiepenheuer&Witsch Kokain die symbolische Droge wäre, oder?

Helge Malchow; Ach die Popliteratur

Der Mann, der für dieses Bild prägend gewesen sein dürfte, ist KiWi-Hausautor Benjamin von Stuckrad-Barre. Früher stets als Popliterat gelabelt, machte er Anfang der 00er von sich reden. Genau vor zwanzig Jahren erschien einem Paukenschlag gleich sein Debüt Soloalbum. Es machte den Autoren schlagartig berühmt und ließ das Feuilleton aufhorchen.

Behauptete er bei seiner Lesung in Augsburg zwar unter einigem Gelächter, er hätte das Buch abgeschrieben, da er den Film mit Matthias Schweighöfer so toll fände, war es doch in Wahrheit anders herum. Das Buch war der Wellenbrecher für die Renaissance der Popliteratur, zu deren führenden Vertretern Stuckrad-Barre neben Alexa von Henning-Lange und Christian Kracht zählte.

Die Lesung und das Kokain

Doch der Erfolg, er stieg Stuckrad-Barre im wahrsten Sinne zu Kopfe, wovon er auch bei seinem Lesungsabend erzählte bzw. vorlas. Bei einer Abstimmung des Publikums gewann nämlich ein Text aus seinem Livealbum gegen einen Soloalbum-Text. Gegenstand des Textes war eine Lesung in Göttingen vor genau 20 Jahren, die er zusammen mit Christian Kracht bestritt.

Die beiden jungen Männer waren dort als Doppellesung gebucht, das Feuilleton berichtete intensiv über die jungen wilden Literaten. Und Christian Kracht und Stuckrad-Barre zelebrierten diesen Erfolg mit Drogen. Mit vielen Drogen. Weswegen die Lesung in Göttingen zu einem surrealen Trip auf Kokain und Pillen wurde, der sich in der Nacherzählung von von BvSB in eine pointensatte Story verwandelte, die beständige Heiterkeitsanfälle aus dem Publikum evozierte.

Stuckrad-Barre in der Kantine Augsburg

Generell war es ein Abend, der in Sachen Humor keine Gefangenen machte. Stuckrad-Barre hatte sich nur die komischen Absturzgeschichten und Eskapaden ausgesucht. Der einzige ernste Text des Abends war gleich die Lesung aus seinem Büchlein Nüchtern am Weltnichtrauchertag (mit lediglich 8 Euro Einkaufspreis ein perfektes Nikolausgeschenk, wie der Autor die kleine Monographie anzupreisen wusste). Sein großer Comeback-Roman, Therapiebericht und die Udo-Lindenberg-Hagiographie Panikherz blieb an diesem Abend außen vor.

Michael Michalsky, Sebastian Fitzek und Tattoos

Stattdessen streute BvSB in und zwischen die Texte immer wieder aktuelle Betrachtungen, Sebastian-Fitzek-Lästereien und Anekdoten. Mal über den Zustand der SPD oder mal über jene Geburtstagsparty von Michael Michalsky in Los Angeles, auf der BvSB den Moment verpasste, in dem sich Heidi Klum und Tom Kaulitz annäherten.  Das war hochkomisch und von einer sehr genauen Beobachtungsgabe geprägt, die ja generell die Qualität von Stuckrad-Barres gesamtem literarischen Oeuvre kennzeichnet.

Ansonsten kamen zwei Texte aus dem aktuellen literarischen Sammelsurium Ich glaub mir geht’s nicht so gut. Ich muss mich mal irgendwo hinlegen. Remix 3 zum Vortrag. Eine hochpoetische Erzählung über einen verliebten Besuch beim Tätowierer und der Frage, was am Ende von der Liebe bleibt. Und die andere Erzählung war eine Reportage von einem Madonna-Konzert, die eine ganz neue Ebene eröffnete. Dies gelang, indem BvSB konsequent Madonnas Namen durch den von Annegret Kramp-Karrenbauer ersetzte. Klingt wild, war im Endeffekt aber eine sehr lustige da surreale Angelegenheit.

Doch neben der Lesung in der Kantine bot Benjamin von Stuckrad-Barre auch anderweitig großes Kino. Ohne eine einzige Pause oder einen Abgang vor der Zugabe begann er gleich vom Punkt weg sein Programm. Als Entgegenkommen für das Publikum gab es dabei einen Aschenbecher, der im Lauf der Show ein ganzes Sit-In auf der Bühne hervorrief. BvSBs Analyse der Lage: „Sieht ein bisschen aus wie Kinderquatsch mit Michael“.

Back for good & Angels

Für die lockere Atmosphäre sorgte auch die Hingabe des Autors, der neben der Verlosung für das Erkennen eines Brecht-Zitats in der Brechtstadt zudem zwei musikalische Einlagen gab. Um zurück in die Soloalbum-Zeit und das Gefühl der 90er zu finden, animierte er den kompletten Flammensaal zum Singen des Take-That-Klassikers „Back for good“. Und bei der Zugabe von „Angels“ gab es dann kein Halten auf den Stühlen mehr.

Selten habe ich eine Lesung erlebt, die derartig kurzweilig, von großartigem Humor und so viel Spaß durchzogen war, wie dies beiIch glaub mir geht’s nicht so gut. Ich muss mich mal irgendwo hinlegen. Remix 3 der Fall war. Danke Benjamin von Stuckrad-Barre für diesen Abend. Und für alle anderen – hingehen, wenn er in der Nähe ist!

Diesen Beitrag teilen

Timur Vermes in Augsburg

Er ist wieder da – kaum eine Besprechung oder Kritik in letzter Zeit kam ohne dieses Wortspiel aus, das Timur Vermes selbst kreiert hat. Denn ursprünglich bezogen sich diese Worte auf den Titel seines Debüts, in dem er Adolf Hitler im Berlin der Jetztzeit wiederauferstehen ließ. Talkshows, Demagogie und der Führer – mit dieser Mischung gelang Vermes ein veritabler Longseller, der sich über 106 Wochen in der Spiegel-Bestellerliste hielt. Zahlreiche Monate sogar auf Platz Nummer Eins der Liste. Insgesamt verkaufte sich das Buch über 1,5 Millionen Mal und wurde auch von Christoph Maria Herbst als Hörbuch eingelesen.

Eine Verfilmung von Er ist wieder da fürs Kino folgte – und dann lange nichts. Seit September 2012, als das Buch erschien, machte sich Timur Vermes rar. Schrieb Kritiken und Magazinbeiträge – doch ein neues Buch des Franken: Fehlanzeige.

Die Hungrigen und die Satten

Nun, sechs Jahre später, gibt es Nachschub vom Bestseller-Autor. Das Buch trägt den Titel Die Hungrigen und die Satten und setzt sich mit der Flüchtlingskrise auseinander, die momentan den öffentlichen Diskurs beherrscht wie kein anderes Thema. Vermes dreht die aktuelle Situation weiter und entwickelt daraus eine Satire, die manchmal schmerzhaft nah an der Realität entlangschrammt.

Denn Deutschland hat nach Diskussionen eine Obergrenze für Flüchtlinge eingeführt, die Grenzen sind dicht. Der Schutz der Außengrenzen wird blutig verteidigt, mit der Konsequenz, dass sich vor diesem Zaun große Lager bilden, in denen Menschen auf ihre Reise nach Europa hoffen. Doch sind die Satten in Europa bereit, den Hungrigen vor ihrem Zaun einen Platz in ihrer Mitte zu geben? Oder welche Konsequenzen erwachsen aus dieser Lagerbildung?

Timur Vermes kommt am 05.10 nach Augsburg, um seinen neuen Roman vorzustellen. Dies tut er im Rahmen der Literarischen Soiree von der Augsburger Allgemeinen und der Stadtbücherei Augsburg. Er liest ab 19:30 Uhr im Forum der Stadtbücherei – Karten gibt es für 12 Euro in der Buchhandlung am Obstmarkt oder bei der Stadtbücherei zu erwerben.

Im Anschluss: Der Literarische Salon

Im Anschluss folgt wie immer der Augsburger Literarische Salon. Dort diskutieren unter der Leitung von Michael Schreiner (Feuilletonchef der Augsburger Allgemeinen) Buchhändler Kurt Idrizovic, Stefanie Wirsching (ebenfalls Augsburger Allgemeine) und ich über folgende drei Neuerscheinungen aus dem Bücherherbst:

Zu gewinnen gibt es auch etwas

Und nun kommt das Beste: zur Vorbereitung auf den Literarischen Salon und Timur Vermes verlose ich einmal das Hörbuch von Die Hungrigen und die Satten, gelesen von Christoph Maria Herbst. Dafür müsst ihr nur diesen Beitrag kommentieren, um in den Lostopf zu springen. Teilnahmeschluss ist der 30.09 – und der Rechtsweg ist leider ausgeschlossen. Viel Glück und vielleicht bis zum 05.10.2018 in der Augsburger Stadtbücherei!

Diesen Beitrag teilen

Veranstaltungstipp: Der Literarische Salon

Am 19.07.2018 ist es in Augsburg um 19:30 Uhr mal wieder soweit: die Sommerausgabe des Literarischen Salons findet in der Haag-Villa statt.

Wie gewohnt gibt es verschiedene Bücher und eine bunte Mischung an Gästen, die über Neuerscheinungen streiten und diskutieren. Diesmal steigen Sina Trinkwalder (Manomama), Daniela Hungbauer (Augsburger Allgemeine) und ich in den Ring. Moderiert wird das Ganze von Michael Schreiner (ebenfalls Augsburger Allgemeine).

Beim Sommer-Salon diskutieren wir über folgende drei Bücher:

Celeste Ng – Kleine Feuer überall

Es brennt! In jedem der Schlafzimmer hat jemand Feuer gelegt. Fassungslos steht Elena Richardson im Bademantel und den Tennisschuhen ihres Sohnes draußen auf dem Rasen und starrt in die Flammen. Ihr ganzes Leben lang hatte sie die Erfahrung gemacht, »dass Leidenschaft so gefährlich ist wie Feuer«. Deshalb passte sie so gut nach Shaker Heights, den wohlhabenden Vorort von Cleveland, Ohio, in dem der Außenanstrich der Häuser ebenso geregelt ist wie das Alltagsleben seiner Bewohner. Ihr Mann ist Partner einer Anwaltskanzlei, sie selbst schreibt Kolumnen für die Lokalzeitung, die vier halbwüchsigen Kinder sind bis auf das jüngste, Isabel, wohlgeraten. Doch es brennt. Elenas scheinbar unanfechtbares Idyll – alles Asche und Rauch?

 

Robert Seethaler – Das Feld

Wenn die Toten auf ihr Leben zurückblicken könnten, wovon würden sie erzählen? Einer wurde geboren, verfiel dem Glücksspiel und starb. Ein anderer hat nun endlich verstanden, in welchem Moment sich sein Leben entschied. Eine erinnert sich daran, dass ihr Mann ein Leben lang ihre Hand in seiner gehalten hat. Eine andere hatte siebenundsechzig Männer, doch nur einen hat sie geliebt. Und einer dachte: Man müsste mal raus hier. Doch dann blieb er. In Robert Seethalers neuem Roman geht es um das, was sich nicht fassen lässt. Es ist ein Buch der Menschenleben, jedes ganz anders, jedes mit anderen verbunden. Sie fügen sich zum Roman einer kleinen Stadt und zu einem Bild menschlicher Koexistenz.

 

Theodor Storm – Ein Doppelgänger

Aus jugendlichem Leichtsinn, weniger aus krimineller Energie, ist John Hansen straffällig geworden und versucht nach der Rückkehr in die Heimat, wieder Fuß zu fassen. Mit seiner Frau Hanna und seiner Tochter Christine lebt er in einer Kate am Dorfrand, wird den Ruf des Zuchthäuslers aber nicht los. Die Last der Vergangenheit erschwert ihm das Leben; John findet immer seltener Arbeit. Bei einem Streit mit seiner Frau zerbricht schließlich auch sein häusliches Glück.

 

Im Anschluss an die Diskussion stellen wir vier alle noch drei besondere Lesetipps für den Sommer vor.

Ich freu mich auf eine spannende Diskussion und neue Blickwinkel. Eintrittskarten gibts bei der Buchhandlung am Obstmarkt. Ich würde mich über viele bekannte und unbekannte Gesichter im Publikum freuen – man sieht sich am nächsten Donnerstag!

Diesen Beitrag teilen