Lutz/Wilhelm/Kellerhoff – Die Tote im Wannsee

Auch wenn man es beim Blick auf das Cover vermuten könnte – hinter Lutz Wilhelm Kellerhoff steckt kein neuer Autor, vielmehr sind es drei Männer, die diesen Krimi zusammen verfasst haben. Martin Lutz und Sven Felix Kellerhoff sind Journalisten und Autoren, die sich in ihren Bücher mit Themen aus der deutschen Geschichte auseinandersetzen.

Für ihren ersten Krimi haben sie sich mit Uwe Wilhelm zusammengetan, der Drehbuchautor und Krimischriftsteller ist (z.B. Die sieben Kreise der Hölle). Als Trio legen sie nun ihren ersten historischen Krimi um den jungen Kommissar Wolf Heller vor, dem noch weitere Bücher folgen sollen, wenn man den Verlagsankündigungen Glauben schenken darf.

Das Buch führt zurück in eines der richtungsweisenden Jahre, das die Bundesrepublik in ihrer jüngsten Geschichte erlebte. Die Rede ist vom legendären 1968. Studentenunruhen, gewaltsame Zusammenstöße auf den Straßen, Unter den Talaren, der Muff von tausend Jahren, Kommune 1. Bewegte Zeiten also, in denen Wolf Heller einen Fall lösen muss, der ihm die Verwerfungen des Jahres 1968 eindrücklich vor Augen führt.

Eine junge Frau wurde mit mehreren Messerstichen ermordet, ihre Leiche anschließend im Wannsee entsorgt. Die Identität scheint zunächst unklar, nur ein roter Schuh ist der Frau geblieben. Doch schon bald verbeißt sich Wolf Heller in eine Spur, die ihn direkt ins Vorzimmer der Kanzlei von Horst Mahler führt. Denn dort hat die junge Frau gearbeitet – doch gibt es eine Verbindung ins Kommunen-Milieu?

Die Tote vom Wannsee ist voll mit Farben und Gerüchen der damaligen Zeit. Lutz, Wilhelm und Kellerhoff erzählen in ihrem Roman nicht nur aus dem turbulenten Leben ihres Kommissars, sondern flechten weitere Erzählstränge in den Roman mit ein. So ist man auch in das Geschehen auf der Täter-Seite eingeweiht und bekommt zudem noch eine weibliche Erzählfigur, die sich im Studentenmilieu bewegt. So decken die drei Autoren auch gleich drei unterschiedliche Seiten des Falls und darüber hinausgehend drei Blicke auf das Jahr 1968 ab.

Sprachlich ist das Ganze solide gelöst, die Spannung entwickelt sich langsam und ist durchaus vorhanden, wenngleich das Buch nicht viel Neues bietet. Am Spannendsten sind die zeithistorischen Hintergründe (inklusive Verbindungen zwischen BRD und DDR zu der Zeit), die Die Tote vom Wannsee behandelt.

Ein solider Krimi mit tollen zeithistorischen Bezügen. Gerne empfohlen, vor allem eingedenk der Tatsache, dass sich die anderen Verlage in Sachen belletristischer Aufarbeitung von 1968 in diesem Jubiläumsjahr bislang vornehm zurückhalten.

 

[Titelbild: By Stiftung Haus der Geschichte – 2001_03_0275.0153, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=44807344]

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