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Robbie Arnott – Dusk

Das Hochland Tasmaniens ist eine Gegend, in die es die meisten von uns wahrscheinlich selten verschlagen dürfte. Robbie Arnott nimmt uns mit in seinem Roman Dusk mit dorthin und erzählt von der Jagd auf die gleichnamige Pumadame.


Floyd und Iris Renshaw sind als Kinder eines Outlaw-Paars gesellschaftliche Parias. Überall, wo sie hinkommen, hat man den Namen schon vernommen und meidet die beiden.

Ihre Namen lauteten Iris und Floyd Renshaw, und sie waren siebenunddreißig Jahre alt. Sie waren beide klein, aber nicht auffällig klein, und beiden hatten sie dickes, schwarzes Haar und grobe, gebräunte Gesichter, die Art von Haar und Gesichtern — steif, wettergegerbt, ausgedörrt —, die typisch sind für Menschen, die in Gegenden mit starken, salzigen Winden leben, obwohl kaum jemand wusste, woher sie kamen. Überhaupt wusste man wenig über sie, höchstens, was sie so machten, aber auch darüber herrschte Uneinigkeit. Je nachdem, wen man fragte, waren sie Tagelöhner, Jäger, Diebe oder Schlimmeres. Oder bloß Landstreicher. Immer waren sie irgendwo auf der Durchreise, und nie blieben sie irgendwo länger.

Robbie Arnott – Dusk, S. 11

Sie leben von der Hand in den Mund, ziehen mit ihren Zelten umher und machen halb Tasmanien unsicher. Als sie nun Kenntnis vom Treiben einer Pumadame namens Dusk erlangen, verheißt diese Nachricht einen Ausweg aus ihrem prekären Dasein.

Auf der Jagd nach Dusk

Robbie Arnott - Dusk (Cover)

Da der Puma nicht nur Tiere reißt, sondern auch schon Menschen auf dem Gewissen hat, haben die Züchter dort in den Highlands eine Prämie ausgelobt. Und da Floyd und Iris wenig zu verlieren haben, machen sie sich auf, um das Tier zu erlegen. Große Kenntnisse in der Jagd haben sie ebenso wenig wie durchschlagkräftige Waffen, dafür aber den Mut der Verzweiflung.

Und so durchstreifen die Geschwister die unwirtliche Landschaft der Lowlands und Highlands und kommen Dusk immer näher. Doch schnell zeigt sich bei ihrer Jagd, dass nicht nur Tiere dort in den Highlands ein gefährlicher Gegner sein können…

Robbie Arnotts zweiter, von Nikolaus Hansen ins Deutsche übertragene Streich ist eine archaische Geschichte, die die Jagd nach der Pumadame in den Mittelpunkt stellt, darüber hinaus aber auch von familiären Zusammenhalt, von Täuschung und Enttäuschungen erzählt.

In der wilden Natur Tasmaniens

Wieder einmal erweist sich der 1989 geborene Autor als ebenso versiert, was die Schilderung der wilden Natur Tasmaniens als auch die zwischenmenschlichen Aspekte seines Romans anbelangt. Brodelnde Flüsse wie auch geisterhaft emporstakende Gerippe gibt es bei ihm, die die Geschwister passieren. Das Stechen von Torf schildert Arnott ebenso plastisch, wie er die immer weiter intensivierende Spannung der Natur im Jagdgebiet von Dusk inszeniert.

Sie ritten nicht durch Regenwald, sondern hinein in dichtes Gehölz aus blassen, knorrigen Bäumen, ähnlich denen, die sie am Vortag lose verteilt auf MacLavertys Weiden gesehen hatten, nur, dass sie hier in Hainen und Wäldchen dicht gedrängt beieinander standen. Die größten trugen ähnliche staubig-blaue Blätterbüschel. Die Stämme der kleineren Exemplare waren von grünem und weinrotem und braunem Blattwerk umrahmt. Bei anderen sprossen trockene grüne Nadeln direkt aus Holzwucherungen, die ein fantasiebegabtes Auge als Fäuste hätte deuten können.
Alle Bäumen schienen uralt, kräftig, unvorstellbar ausgedörrt. Auch still, wären da nicht die Vogelschwärme in ihrem Geäst gewesen.

Robbie Arnott – Dusk, S. 64

Zudem überzeugt der Roman mit seiner Montage, die einen clever eingebauten erzählerischen Kniff im letzten Drittel auch buchgestalterisch gut einbindet. Das ist fantasievoll geschildert, besitzt ein gutes Timing und zieht beim Lesen immer weiter voran, bis hin zum offenen Ende,

Fazit

Action, Drama und Natur verbindet Arnott hier zu einem stimmigen Leseerlebnis, das mit den Geschwistern auf der Jagd nach der Pumadame durch die abgelegene Flora Tasmaniens streifen lässt. Erneut zeigt sich bei Dusk Arnotts Erzähltalent auf mitreißende Art und Weise und lässt hoffen, dass der tasmanische Autor auch künftig weiter seinen eigenen literarischen Weg sucht, auf dem man ihm sehr gerne folgen sollte!


  • Robbie Arnott – Dusk
  • Aus dem Englischen von Nikolaus Hansen
  • ISBN 978-3-8270-1529-7 (Berlin Verlag)
  • 283 Seiten. Preis: 24,00 €