Adventskalender – Türchen 1

Jean-Christophe Grangé – Purpurne Rache

Auch wenn der deutsche Titel eine Verwandschaft zu Grangés Meisterwerk Die purpurnen Flüsse nahelegt – das Buch hat damit nichts zu tun. Stattdessen verknüpft der Franzose in seinem Buch eine Familiengeschichte mit der Suche nach einem Serienmörder, genannt Der Nagelmann. Diesen hatte in den 70ern der Vater von Erwan Moran im Kongo gestellt. Seitdem wurde sein Vater zur grauen Eminenz in der Grande Nation und zieht gekonnt die Strippen. Als nun in einer Flugschule in Brest eine fast vollständig zerstörte Leiche auftaucht, entsendet er seinen Sohn Erwan in die Bretagne. Seine umfangreichen Ermittlungen bringen schon bald ein unschönes Bild zum Vorschein, denn es sieht aus, als wäre der Nagelmann zurück. Doch dieser verstarb schon vor Jahren in einer Haftanstalt in Frankreich – oder doch etwa nicht?

Mit Purpurne Rache findet Jean-Christophe Grangé wieder in seiner alte Erfolgsspur zurück. Eine Fortsetzung des Titels ist in Frankreich bereits erschienen. Hoffentlich muss man hier nicht allzu lange darauf warten, denn nachdem das Buch in Fahrt gekommen ist, wird es wie gewohnt spannend, blutig und exotisch.

Der gebloggte Adventskalender

Ab morgen ist es soweit, der Dezember steht ins Haus. Die Vorweihnachtszeit hat begonnen, und damit auch die Zeit der Adventskalender. Diese Gelegenheit möchte ich nutzen, um hier auf dem Blog ebenfalls einen kleinen digitalen Adventskalender zu veröffentlichen. Jeden Tag ein neues Türchen, hinter dem sich alles Mögliche verbergen kann – mal sollte es ein empfehlenswerter Blog sein, der vorgestellt wird, mal ein kleiner Veranstaltungstipp. Für Bücher, für deren Besprechung während des Jahres keine Zeit blieb, wird es Kurzrezensionen geben und vielleicht wird auch einmal ein Buch verlost.

Gerne könnt ihr den Blog schon einmal vorsorglich abonnieren (auf der rechten Seite bietet sich diese Möglichkeit) oder ein Lesezeichen für den Adventskalender einrichten.

Viel Spaß beim Entdecken wünsche ich euch!

Joe Ide – IQ

Der Sherlock Holmes aus dem Ghetto

Ein Nachbarschaftsdetektiv in den Ghettos von Los Angeles, das ist Isaiah Quintabe, genannt IQ. Mit seinem induktiven Denken und seinem enormen Wissen ist der DIE Anlaufstelle für alle Menschen im Ghetto, denen Unrecht geschehen ist oder die anderweitig seine Hilfe brauchen. Doch all diese Aufträge werden – wenn sie denn dotiert sind – IQ eher in Naturalien denn in Geld ausbezahlt. Und auf Geld wäre IQ dringend angewiesen. Deshalb reaktiviert er widerwillig seinen alten Kumpel Dodson, der ihm einen lukrativen Auftrag verschaffen soll. Und dieser hat es dann prompt in sich:

iq

Der Rapper Murda One engagiert den Detektiv ohne Lizenz, denn mithilfe eines monströsen Pitbulls wurde ein Anschlag auf den Musiker verübt. Irgendjemand will den Rapper tot sehen und so wendet der sich an Isaiah und Dodson, damit sie den Schuldigen ermitteln. Doch nicht jedem aus dem Umfeld des Musikers gefällt es, dass die beiden die Drahtzieher des Anschlags ermitteln wollen. Bei ihrer Suche kreuzen sie die Wege von Rappern, Pitbullzüchtern und Kartellmitgliedern. Eine schwierige Melange, in der sich die beiden schon bald tödlichen Gefahren ausgesetzt sehen. Doch wo ist das Motiv der Auftraggeber zu suchen, die Murda One nach dem Leben trachten?

Schon in der Exposition zeigt Joe Ide verdichtet, zu welchen Großtaten IQ fähig ist. So schaltet er im Alleingang einen Pädophilen derart gekonnt aus, dass es den Jungs aus Alarm für Cobra 11 eine Freude wäre. Autoverfolgungsjagden, explodierende Granaten – um seinen Helden einzuführen wählt der Autor das ganz große Kaliber. Der folgende Fall, um den sich das ganze Buch dreht, hält sich da dann etwas zurück. Parallel erzählt Ide von den Ermittlungen des kriminalistischen Doppels Quintabe/Dodson und der Detektiv-Werdung des jungen IQ. Dies ist zwar gut gemacht, bremst aber phasenweise die Ermittlungen im Rapper-Milieu etwas aus.

Joe Ide ließ sich bei IQ sicherlich von Arthur Conan Doyles ikonischem Sherlock Holmes inspirieren, ein platter Abklatsch dieses schon 1373 mal variierten Themas ist das Buch allerdings keinesfalls. Dagegen spricht schon die Erzählperspektive, die hier die Personalperspektive ist und nicht die Doyle’sche Ich-Erzählerperspektive aus der Sicht Watsons (dessen phonetische Ähnlichkeit zu Dodson auch kein Zufall ist). Joe Ide beherrscht das filmreife Schreiben sehr gut, immer wieder schneidet er die Perspektiven von IQ und anderen gegeneinander, baut Szenen spannungstechnisch sauber auf und installiert mit IQ einen Helden mit Potential. Weitere Fälle für diesen Ghetto-Detektiv dürfen gerne folgen, vor allem da sich der Detektiv von seinem historischen Ballast freigeschwommen hat!

Ian McEwan – Nussschale

Bauchgefühl

Wieder einmal überrascht Ian McEwan mit einem Roman, der einen Plot aufweist, den man so noch nicht gelesen hat. Dabei ist das Setting seiner Geschichte eigentlich mehr als verbraucht – man nehme einen Mann, seine Frau und packe dazu einen Geliebten, der zugleich der Bruder des Mannes ist. In dieser Dreier-Konstellation spielt sich nun alles ab, was der zwischenmenschliche Bereich so hergibt – Habgier, Neid, Wollust und mehr. Doch besonders wird dies alles erst durch den Erzähler, der sich nämlich im Bauch der Frau befindet. Aus der Sicht des Säuglings schildert Ian McEwan, wie in der Mitte der drei Charaktere ein tödlicher Plan entsteht, der schon bald eine rasche Eigendynamik entfesselt.

Stein des Anstoßes ist nämlich eine Immobilie, auf der John, der Vater des ungeborenen Kindes, sitzt. Eigentlich schlägt er sich mehr schlecht als recht durchs Leben, indem er einen unrentablen Lyrikverlag betreibt. Doch ein heruntergewohntes herrschaftliches Haus in guter Londoner Lage zählt zu seinem Besitz und das ist in Zeiten der rasenden Immobilienpreise ein Vermögen. Ein Vermögen, das Trudy und Johns Bruder Claude gut für sich brauchen könnten, möchten sie doch fortan zusammen ihr Leben leben und John daraus verbannen. Gift heißt die Lösung ihres Problems, und so muss der Säugling in Trudys Bauch hilflos mitansehen, wie seine Mutter nebst dem Geliebten ein tödliches Komplott spinnt, das für alle Beteiligten unabsehbare Konsequenzen haben wird.

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Lars Kepler – Playground

Orpheus und Eurydike mal anders

Zugegeben – der Blick auf den Klappentext von Playground macht nicht wirklich schlauer. In zwei Miniabsätzen wird da vom einem Spiel und einem Kampf über Leben und Tod hinaus erzählt. Doch worum es in dem neuen Buch des schwedischen Autorenduos Lars Kepler wirklich geht, das erschließt sich erst Stück für Stück.

keplerDer bisher ermittelnde Kommissar Joona Linna hat in diesem Buch keinen Auftritt – stattdessen führen die Schweden eine neue Protagonistin ein. Sie hört auf den Namen Jasmin Pascal-Anderson und war einst im Kosovo aktiv, ehe sie nun ein eigentlich recht beschauliches Dasein als Mutter des kleinen Dante führt. Doch nachdem die toughe Frau eine Psychose erlitt, liegt sie nun mit ihrem Mann über Kreuz, was das Sorgerecht ihres Sohnes betrifft. Als sie jetzt mit ihrer Mutter und Dante auf dem Weg zu einem Termin mit ihrem Gatten ist, werden sie in einen Autounfall verwickelt. Und dann findet sich Jasmin plötzlich in einer chinesischen Hafenstadt wieder, in der mörderische Gesetze herrschen – was ist hier passiert?

Playground ist ein wirklich ungewöhnliches Buch, das man mit dem Label Thriller nur unzureichend erschlägt. Das Buch des schwedischen Autorenduos liest sich, als hielte man ein Amalgam aus Christopher Nolans Inception und der dystopischen Hungerspiele-Dystopie in Händen. Die Idee ist wirklich gut und birgt einiges Potential, doch leider scheitert die Ausführung Keplers an vielen Stellen, was wirklich schade ist. Continue reading