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Steffen Mensching – Schermanns Augen

Wie kann das sein? Da schreibt Steffen Mensching den besten Roman des Jahres, ein epochales Gemälde von Europa und Russland in den 30er und 40er Jahren – und kaum einer bekommt es mit? Zeit wird es, das zu ändern – denn Schermanns Augen sind über 800 Seiten Literatur, die im Gedächtnis bleibt. Handlungssatt, bunt und berührend.

Steffen Mensching (Jahrgang 1958, geboren in Ost-Berlin) präsentiert sich auf seiner eigenen, grafisch gewagten Homepage mit der schönen Selbstbeschreibung Autor, Clown, Schauspieler, Regisseur. Seit zehn Jahren steht er dem Theater in Rudolstadt als Intendant vor und ist damit offenbar noch nicht ganz ausgelastet. Anders lässt es sich nicht erklären, dass er es geschafft hat, diesen Ziegelstein von einem Buch neben seiner Tätigkeit am Theater zu produzieren (wenngleich Mensching laut Interviews über 12 Jahre an dem Buch saß). Die Vorarbeiten zu Schermanns Augen müssen immens gewesen sein, genauso wie die Arbeit mit dem Text selbst. Denn sein Buch ist ein 800-Seiten-Pfünder mit einem bemerkenswert dichtem Textgewebe voller Zeitkolorit, Personen und Anekdoten der europäischen Secession.

Secession und Straflager

Diese lässt Mensching in all ihrer pulsierenden Kreativität und Lebendigkeit wiederauferstehen. Geistesgrößen wie Karl Kraus mit seiner Zeitschrift Die Fackel, der Maler Oskar Kokoschka, Alma Mahler, der Komponist Arnold Schönberg oder der Architekt Adolf Loos – sie wurden zu Taktgebern der 20er und 30er Jahre und prägten in Zentren wie Berlin oder Wien den intellektuellen Rhythmus. Neben unzähligen weiteren kulturell prägenden Gestalten bekommen sie ihren Auftritt – in den Erinnerungen von Rafael Schermann.

Jener Schermann, eine in den buntesten Farben schillernde und glitzernde Figur, lässt wie in 1001 Nacht diese Zeit und zugleich Zeitenwende wieder auferstehen. Die Rahmenbedingung für seine Erzählungen sind dabei von ebenso großer Tristesse wie Bedrohlichkeit. Denn Schermann sitzt 1940 im Gefängnis Artek ein und erzählt in Verhören seine Lebensgeschichte.

Safranowka, ITL 47, genannt Artek II, war ein Nebenlager im Archangelsker Gebiet, hundertfünfzig Kilometer östlich von Kotlas, an der Bahntrasse nach Workuta gelegen. Bis 1935 ein verschlafenes Fünfzig-Seelen-Dorf, windschiefe Hütten und eine baufällige, als Getreidespeicher genutzte Kirche. Dann übernahm das NKWD die Siedlung. Fünf Jahre später lebten hier knapp tausend Häftlinge, Frauen und Männer. Schermann war jetzt einer von ihnen.

(Mensching, Steffen: Schermanns Augen, S. 7)

Warum hat es Schermann in dieses Lager verschlagen? Und das größte Mysterium überhaupt- wer ist dieser Mann überhaupt, der die abenteuerlichsten Geschichten zu erzählen weiß? Welche Geheimnisse hütet der Sträfling?

Er wurde bei einem Halt auf freier Strecke aus dem Transport geholt. Zwei Sträflinge, die zum Beräumen der Gleise eingeteilt waren, schleppten den Ohnmächtigen in Begleitung eines Postens zum Schlitten des Depotverwalters Trufulski. Der lieferte ihn in der Krankenbaracke ab. Ein Greis. Obwohl erst sechsundsechzig. Nicht allein die unbegründete Verlegung, auch der Aufenthalt im Brygidki-Gefängnis, die Odyssee im Viehwagen, Lemberg, Kiew, Charkow, Gorki, Hunger, Durst und Kälte, die Arbeit im Sägewerk der Sondersiedlung Fediakowo hatten Spuren hinterlassen.

(Mensching, Steffen: Schermanns Augen, S. 7)

Die Fragen, die die Herkunft und der Weg Schermanns ins russische Arbeitslager aufwirft, treiben nicht nur die Lagerleitung um. Auch Otto Haferkorn ist von dem polnischen Mitgefangenen fasziniert.

Dieser Otto Haferkorn stammt eigentlich aus Berlin, sitzt aber nun in Artek wegen einer Verurteilung nach Paragraph 58 ein. Als kapitalistischer Spion gebrandmarkt hat er eine ebenfalls eine turbulente und aufwühlende Lebensgeschichte hinter sich. Er dient als Übersetzer in den Verhören Schermanns. Denn als Einziger ist der im ganzen Straflager des Deutschen mächtig und wird so zum Mittler zwischen Lagerleitung und Schermann.

Ein unglaubliches Leben

Es entfaltet sich in der Doppelbiographie von Rafael Schermann auf der einen und Otto Haferkorn auf der anderen Seite ein Bilderbogen, der das 21 Jahrhundert mit all seinen Verwerfungen und Schizophrenien treffend bebildert.

Rafael Schermann bei der Arbeit (Von anonymous/unknown – [1] Narodowe Archiwum Cyfrowe NAC, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18712671)

Während Haferkorn als Schriftsetzer für eine sozialistische Zeitung tätig war, ehe er die Flucht in den Osten antrat, verdingt sich Schermann mit dem Gegenteil der mechanisch erzeugten Schrift. Als Schriftendeuter oder Psychographologe wird er zum bewunderten Star der Gesellschaft, macht die Bekanntschaft aller Reichen und Berühmten, die seine Fähigkeiten bestaunen. Schon als Angestellter einer Versicherung in der böhmischen Provinz gelang es ihm, schier Unglaubliches aus dem Schriftbild seiner Mitmenschen herauszulesen. Familiäre Hintergründe, Beruf, Zukunft – Schermanns Augen bleibt nichts verborgen. Seine Analysen gleichen Hellseherei.

Dieses Talent führt ihn in die Kreise der Wiener Secession. Berlin, sogar Amerika bereist der polnische Sherlock Holmes (so einmal die Schlagzeile einer Zeitung über Rafael Mauritzowisch Schermann). Immer ist er dabei umgeben von den wichtigen und einflussreichen Menschen seiner Zeit.

Einem Zirkuspferd gleich wird Schermann als Attraktion durch die Weltgeschichte gescheucht. Auch die Medizin findet Interesse an seinen Fähigkeit, der Arzt Oskar Fischer publiziert ein Buch über das Phänomen Schermann und seine schriftdeuterischen Fähigkeiten. Doch auch bei Otto bleiben Zweifel – ist dieser Mann nun ein Genie oder ein Hochstapler?

Überleben in Artek II

An seinem neuen Platz im Arbeitslager dient Schermanns Fähigkeit als Faustpfand für das Überleben. Denn im Mikrokosmus des Arbeitslagers, in dem Bäume nach 5-Jahres-Plänen gefällt werden müssen, ist es ein Kunststück, am Leben zu bleiben. Überlebensfeindliche Temperaturen um das Lager herum – und nicht minder gefährliche Mithäftlinge in Artek II. Eindrucksvoll zeigt Mensching, wie die Regeln eines solchen Arbeitslagers wirken. Denn nicht nur die sowjetischen Aufseher führen ein hartes Regiment – auch im Lager selbst hat sich eine ausgeklügelte Hierachie entwickelt. Berufsverbrecher, auch Urki genannt, haben unter der Führung des Lagerpaten ein ebenso brutales wie effizientes System zum Machterhalt entwickelt.

Nicht umsonst leitet Mensching seinen Roman mit einem Zitat Fjodor Dostojewskis ein. Es stammt aus dessen Aufzeichnungen aus einem Totenhaus. Treffender könnten Titel und Zitat auch für Menschings Prosa nicht sein:

Der Mensch ist ein Wesen, das sich an alles gewöhnt; ich glaube das ist die beste Defintion für ihn

(Fjodor Dostojewksi)

Dieses Überleben in Extremsituationen beleuchtet der Berliner Autor eindrucksvoll. Beeindruckend dabei, wie, abwechslungsreich und geradezu bestechend Mensching seine Prosa komponiert und rhythmisiert. Mit größter Sprachmacht durchmisst er sicher all diese unterschiedlichen Milieus, mit denen Haferkorn und Schermann im Laufe ihrer unterschiedlichen Leben in Berührung kommen

800 Seiten voller Abwechslung

Auf über 800 Seiten tritt auf keiner einzigen Seite ein Gefühl von Langeweile oder gar Stillstand auf. Beachtlich, wenn man bedenkt, dass die Rahmenhandlung auf dem beengten Raum des Straflagers 47 spielt. Steffen Mensching gelingt das Kunststück, die Enge und die Atmosphäre voller depravierter Menschen und sozialem Druck zu schildern, und dabei seinen Plot maximal weit und frei zu erzählen. Das ist große Kompositionskunst!

So stilistisch vielfältig, so inhaltlisch vielstimmig ist auch sein Buch. Die Schauplätze reichen von Berlin bis an den Ural, von New York bis Lemberg. Mal ist das Buch ein geradezu barocker Geschichtsbogen in orientaler Tradition, mal trostloser GULAG-Roman. Mal Oral History, mal Märchenbuch. Mal Kultur, mal Politik, mal tief im Osten, dann wieder im Westen. Zudem ist Schermanns Augen auch eine Hymne auf das Schreiben, die Handschrift und all das, was sich damit ausdrücken lässt.

Ein Buch mit hohem Anspruch, allerdings nicht immer einfach zu lesen. Ein Register mit den vielen russischen Termini wäre schön gewesen. Auch erfordert Menschings Eigenart, im ganzen Buch bei den wörtlichen Dialogen auf Anführungszeichen zu verzichten, erhöhte Aufmerksamkeit vom Leser.

Ohne den dichten Buchsatz der Seiten mit Absätzen oder irgendwelchen anderen setzerischen Mitteln aufzulockern entsteht so ein Lesefluss, der keine Ablenkung verzeiht. Dass daneben auch das Personaltableau überbordend ist, scheint auch dem Verlag aufgefallen zu sein. Nicht umsonst liegt dem Buch trotz Leseband noch ein Lesezeichen bei, dass wenigstens das wichtigste Personal von Artek II noch einmal aufführt und ihre Rolle stichpunktartig benennt.

Ein Lob dem Wallstein-Verlag

Vielleicht kann nur ein kleiner unabhängiger Verlag wie der Wallstein-Verlag das Wagnis eines solchen überbordenden Buches eingehen. Im normalen Druchlauferhitzer des Buchmarkts mit den schnell auf Erfolg kalkulierten Titeln dürften Big Player nur abwinken. Zu speziell, zu umfangreich, zu überambitioniert. Gehts nicht auf griffiger und kürzer?

Nein geht es nicht. Hier hat ein Autor seinen Raum bekommen, den er zur maximalen Entfaltung genutzt hat. Der verlegerische Mut, auf Schermanns Augen zu setzen gleicht dem, den Rafael Mauritzowitsch Schermann und sein Übersetzer Otto Haferkorn im Roman immer wieder aufs Neue beweisen. Es sind große Worte, die ich an dieser Stelle gebrauche – aber (natürlich streng subjektiv gesprochen) ein anderer deutschsprachiger Titel diesem Buch Konkurrenz machen kann, halte ich für dieses Jahr nahezu augeschlossen.

Fazit

Dass Schermanns Augen nicht auf der Longlist oder Shortlist des Deutschen Buchpreises 2018 steht, ist ein Skandal. Denn etwas Vergleichbares auf diesem Niveau fand ich in diesem aber auch den letzten Jahren nicht auf dem Buchmarkt. Lob, Ehre und Preise diesem Buch im Dutzend! Ein Herzensbuch, dessen Empfehlung mir hier wirklich ein Anliegen ist. Ein verlegerisches Wagnis, das unbedingt belohnt werden sollte!

 

Quelle des Titelbildes: Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1316062

Christopher Wilson – Guten Morgen, Genosse Elefant

Um diesen Roman zu kritisieren, möchte ich auf ein Zitat von Philipp Tingler aus dem Literarischen Quartett zurückgreifen. Zwar bezieht es sich auf ein anderes Buch, aber auch für Christopher Wilsons deutschsprachiges Debüt passt es ganz hervorragend (wenn nicht gar nicht gar sogar noch besser, als zu Prawda, über das sich Tingler damals dergestalt äußerte):

Dieses Buch ist wie ein alter, an Hospitalismus leidender Elefant in einem Zoo: Das schwankt nach links, nach rechts und dann kollabiert es mit debilem Grinsen.

Dieses Gefühl beschlich mich auch bei der Lektüre von Wilsons Guten Morgen, Genosse Elefant (im englischen Original deutlich besser: The Zoo, Übersetzung durch Bernhard Robben).

Immer wieder drängte sich mir der Eindruck auf, dass Wilson selbst nicht so wirklich weiß, was er hier erzählen will. Seine Erzählung der letzten Tage Stalins und dem Jungen Juri, der zum Vorkoster des Stählernen wird, ist so unentschieden wie ihre Hauptfigur.

Denn dieser Juri ist eigentlich ein reiner Tor. Als Kind vom Blitz getroffen, von Straßenbahnen und Wagen überrollt ist er ein Stehaufmännchen. Seine Mitmenschen versteht er nicht immer, schwankt irgendwo zwischen Asperger und Autismus und wird von seiner Umwelt meist als Idiot und Mobbingopfer abgestempelt. Allerdings verfügt er über ein stets lächelndes und ehrliches Gesicht, das seinen Mitmenschen in kürzester Zeit intime Geständnisse entlockt. Ein eigenständiges Leben ist für Juri Zipit allerdings nicht möglich, weswegen er seinem Vater, der als Zooveterinär seinen Dienst versieht, zur Hand geht und von diesem betreut wird. Dort im Zoo erwirbt sich Juri Kenntnisse, die ihm dann auch im Umgang mit Stalin und seinen Hofschranzen nützlich sein werden.

Er tätschelt meinen Kopf. „Armes Kind“, stellt er fest. „Was fangen wir nur mit dir an? Du siehst alles, aber du verstehst nichts.“

Wilson, Christopher: Guten Morgen, Genosse Elefant, S. 192

Immer wieder blitzen in der Erzählung gute Momente auf, treffende Beobachtungen oder Zuspitzungen, die den Geist des Stalinismus gut einfangen oder zeigen, welch Geistes Kind dieser Juri ist.

Um das Eis zu brechen, wird erst einmal Rate-die-Temperatur gespielt. Der Wodsch hält ein Quecksilberthermometer hoch, und alle müssen ihre Einschätzung abgeben.

Kruschka verfehlt die richtige Temperatur um sechs Grad und muss folglich sechs Gläser Wodka trinken, Bruhah irrt sich um zwei Grad, muss also zwei Schnäpse trinken.

Bulgirow errät die exakte Temperatur, und weil er offensichtlich auf Schlaumeier macht und den Neunmalklugen gibt, muss er zur Strafe sieben Gläser trinken, um dann auf Händen und Knien rund um den Tisch zu krabbeln und dabei wie ein Esel zu schreien.

Wilson, Christopher: Guten Morgen, Genosse Elefant, S. 125

Unentschiedenes Erzählen

Insgesamt reicht das aber nicht, um aus Guten Morgen, Genosse Elefant ein Buch zu machen, das mich überzeugt hätte. Immer wieder wechselt Wilson seine Erzählperspektive vom Einfaltspinsel Juri hin zu einem auktorialen Erzähler, der uns beispielsweise den Todeskampf Stalins und seine ärztliche Behandlung näher bringt. Das ist genauso unentschlossen wie der Erzählton seines Romans. Dieser schwankt auf erstaunlicher Breite von komödiantischer Satire bis hin zur ungefilterten Beschreibung des Leids, welches Stalin und seine Clique über ihr Volk brachten. Und das obwohl Christopher Wilson eigentlich zur Psychologie des Humors Forschung getrieben hat – in sein Werk sind diese Erkenntnisse für mein Empfinden nicht eingeflossen.

Hier überzeugt leider nur sehr wenig – eben wie ein Elefant, der ständig hin und  herschwankt, ohne sich für eine Richtung entscheiden zu können.

Ein Verweis an dieser Stelle sei noch zum inhaltlich fast identisch gelagerten Film The Death of Stalin erlaubt. Dieser verursachte in Russland Tumulte und wurde dann offiziell verboten. Ob das Christopher Wilsons Buch auch bevorstehen könnte? Möglich wäre es natürlich, aber insgesamt halte ich das Buch für zu belanglos, als dass es solche Kreise ziehen könnte.

Filmtrailer: The death of Stalin

Mechtild Borrmann: Der Geiger

Verbrechen der Vergangenheit

Es ist eine der wohl düstersten Epochen der jüngeren Vergangenheit, in die Mechthild Borrmann die Leser ihres neuen Romans Der Geiger entführt. Im Mittelpunkt des Buches steht nämlich die unmenschliche Diktatur der Sowjetunion unter Stalin in den Jahren ab 1948.
Generell hat Mechthild Borrmann offensichtlich ein Faible für die düsteren Kapitel der Geschichtsschreibung, behandelte nicht zuletzt Wer das Schweigen bricht die Zeit der Naziherrschaft in Deutschland. Für diesen Roman heimste sie den Deutschen Krimipreis in der Kategorie National ein und durfte folglich nun ihr neues Buch auch als gebundenes Hardcover bei Droemer veröffentlichen.
Auf genau 300 Seiten erzählt Borrmann aus drei Perspektiven die Geschehnisse, die im Mai 1948 dazu führten, dass der begnadete und bejubelte Geiger Ilja Grenko seine kostbare Stradivari, seine Familie und seine Freiheit verlor. Sein Enkel Sascha wird im Köln des Jahres 2008 plötzlich mit den damaligen Geschehnissen konfrontiert, als er auf brisante Dokumente stößt, die das Verschwinden seines Großvaters erklären.
„Der Geiger“ verlangt dem Leser einiges an Aufmerksamkeit ab: 300 Seiten, 36 Kapitel, drei verschiedene Protagonisten und jede Menge russischer Namen und Ausdrücke. Dankenswerterweise ist am Ende des Buches ein Personenverzeichnis und ein Glossar der im Roman gebrauchten Begriffe angefügt, damit man sich schnell noch einmal einen Überblick verschaffen kann. Borrmann springt nämlich munter in den Zeiten und Perspektiven umher und ich hatte an manchen Stellen Mühe, die Beziehungen und Geschehnisse miteinander zu verknüpfen.
Dass die Autorin schreiben kann, steht außer Frage. Allerdings muss ich bemerken, dass mich der in der Gegenwart spielende Handlungsstrang von den drei Perspektiven am wenigsten überzeugen konnte.
Dagegen gelingt es der Krimipreisträgerin in den Episoden, die in der Sowjetunion spielen, hervorragend, den Leser mitleiden- und bangen zu lassen. Ähnlich wie in den Romanen von Tom Rob Smith zeigt sie plastisch die Terrorherrschaft des Stalinregimes auf, bei dem sich jeder Unschuldige von einem Tag auf den anderen in Gefangenschaft oder Verbannung wiederfinden konnte.
Mit kleinen Abstrichen eine wirklich fesselnde Lektüre und eine spannende Familiensaga, der es auf wenigen Seiten gelingt, wofür andere Autoren deutlich mehr Seiten benötigen: In ein fernes Land entführen, Atmosphäre und Spannung zu erzeugen und den Leser nachdenklich zu stimmen!