Category Archives: Literatur

Elisa Hoven – Dunkle Momente

Mit Dunkle Momente veröffentlicht der S. Fischer Verlag das literarische Debüt einer echten juristischen Koryphäe. Denn nicht nur, dass Elisa Hoven Richterin am Sächsischen Verfassungsgerichtshof ist. Sie lehrt auch als Professorin für Strafrecht an der Universität Leipzig und arbeitete in Harvard, erhielt Preise für ihre Dissertation wie auch für ihre Habilitation. Dass sie sich nun in ihrem literarischen Debüt ebenfalls auf dem Gebiet des Rechts und des Unrechts umtut, das überrascht wenig.


Es war im Jahr 2009, da Ferdinand von Schirach seinen ersten Erzählband unter dem Titel Verbrechen veröffentlichte. Der vielbeachtete Bestseller löste eine ganze Welle an weiteren Fallgeschichten aus, wurde verfilmt und hat sicherlich auch einen Anteil am aktuell grassierenden Boom der True Crime-Podcasts und Bücher über wahre Verbrechen. Auch von Schirach selbst befeuerte den Trend und veröffentlichte schon ein Jahr später unter dem Titel Schuld fünfzehn weitere Erzählungen, die allesamt um Verbrechen und deren teilweise Aufklärung kreisen.

Nun betritt die Juraprofessorin und Verwaltungsrichterin Elisa Hoven den Boden, den Ferdinand von Schirach mit seinen Werken bereitet hat. Denn auch Dunkle Momente bietet Kriminalfälle beziehungsweise juristische Strafverfahren auf, mit denen sich Hovens Strafverteidigerin Eva Herbergen in ihrem beruflichen Leben beschäftigt hat. Eine Rückschau auf besondere Fälle soll es werden, was die Leser*innen im Folgenden erwartet, so suggeriert es der Prolog.

Dabei bilden die neun Fälle einen Querschnitt der Themen ab, mit denen sich die Autorin Elisa Hoven beruflich beschäftigt. Vom Feld des Sexualstrafrechts im Fall einer Gruppenvergewaltigung (Siebter Fall: Vergewaltigung – was starke Erinnerungen an Ferdinand von Schirachs Auftakterzählung Volksfest aus dem Band Verbrechen weckt, nur dass hier statt einer Blaskapelle ein Junggesellenabschied im Mittelpunkt steht), bis hin zum neunten Fall Stefan Heinrich, der in seiner Themensetzung an Hovens Habilitationsthema erinnert, die sich ebenfalls mit dem Thema der Strafverfolgung von Auslandsbestechung beschäftigte, ist in diesem Buch alles dabei.

Der Bruch des Vorhersehbaren

Elisa Hoven - Dunkle Momente (Cover)

Die neun Fälle, die die Strafverteidigerin Eva Herbergen hier noch einmal nachzeichnet, kreisen allesamt um einen Bruch des Vorhersehbaren, die titelgebenden Dunkle Momente. In diesen Momenten kippt das Leben, mal ist das Verbrechen der dunkle Momente, manchmal auch eine Enthüllung im Nachgang des Verbrechens, der durch die juristische Aufarbeitung freigelegt wird.

So erzählt sie unter anderem von einem alten Millionär, dem sie unbeabsichtigt bei der Vermeidung einer Verurteilung in einer Mordsache half. Ein Mandat erweist sich als deutlich gewiefter und intrigant als angenommen. In Form der Verteidigung eines Kindersoldaten findet sogar das Internationale Strafrecht ins Buch.

Für alle Fans von True Crime Erzählungen und den lakonischen Erzählungen Ferdinand von Schirachs dürfte das eine lockende Lektüre sein. Leider fehlt Hovens Erzählen im Vergleich mit dem Bestsellerautoren und Juristen aus München dabei die Prägnanz und Tiefe, die die Werke Schirachs so vielgelesen machen.

Literarisch eher schmale Kost

Denn literarisch gesehen ist Dunkle Momente eher schmale Kost. Dies beginnt schon bei der Bezeichnung eines Romans. Zwar gibt es durch den vorangesetzten Prolog so etwas wie eine Rahmenhandlung, sie fällt allerdings mehr als knapp aus. Eigentlich besteht Hovens Buch nur aus den neun Fällen, auf die zwar in einigen Passagen untereinander Bezug genommen wird. Im Ganzen hat dieses Buch aber eher einen episodalen Charakter.

Daran wäre ja eigentlich nichts auszusetzen, wenn Hoven ihr Erzählen variieren würde. Leider sind aber alle neun Fälle nach dem gleichen Strickmuster erzählt. Eine Exposition des Falles, ein Einstieg der Strafverteidigerin, der Beginn des Prozesses und eine überraschende Wendung, die die von Eva Herbergen verteidigten Mandant*innen in neuem Licht erscheinen lässt. Die Vielfalt der Fälle von Kannibalen bis zu Mordvertuschung, sie spiegelt sich in der Vielfalt des Erzählens leider nicht wieder. Schnell setzt ein gewisser Ermüdungseffekt angesichts der immer gleich gebauten neun Fälle ein.

Und auch sprachlich ist Dunkle Momente eher einfache Kost und fällt nicht unbedingt mit viel Stilwillen auf.

Peters Laune verbesserte sich, als ich ihm sagte, dass Thomas Webers Name auf dem Display stand. Die Webers wohnten damals in derselben Straße wie wir, nur einige Häuser weiter. Eine ruhige Gegend in Berlin-Zehlendorf, grün, Wälder und zwei Seen in der Nähe.

Wir hatten uns kurz nach ihrem Einzug auf einer Nachbarschaftsfeier kennengelernt. Larissa Weber war eine bekannte Frau, aber in Peters Welt war sie mehr als das, sie war ein Star. Wir beide hatten ihre Bücher gelesen, und Peter, der sonst einen Generalverdacht gegen alles hegte, was auf den Bestsellerlisten steht, war begeistert. Ich war nie ganz warm geworden mit ihren Romanen, sie waren unbestreitbar tiefsinnig, aber auch anstrengend und verworren. Anspruchsvoll und komplex, sagte Peter dann. Und schließlich ist er Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und nicht ich.

Elisa Hoven – Dunkle Momente, S. 47 f.

Anstrengend und verworren, das lässt sich über Dunkle Momente nun wirklich nicht sagen. Sehr deskriptiv und verwaltend, klar in der Struktur, aber auch wenig anschaulich und ins Innere der Figuren vordingend ist der Erzählstil, dem etwas mehr Raffinement gutgetan hätte. Eva Herbergen bleibt trotz eingestreuter Infos fast genauso blass wie die übrigen Figuren in ihren Geschichten. Und das ist schade, denn die Fälle hätten durchaus Potential, auch über ihren jeweiligen Bezugsrahmen hinauszuweisen.

Fazit

So ist Dunkle Momente eine Fallsammlung juristischer Mandate, die zeigt, dass Menschen und Schicksale nicht immer das sind, was sie scheinen. Das legt Elisa Hovens Verteidigerin Eva Herbergen in den Erinnerungen an ihre Fälle deutlich dar. Hätte Hoven sprachlich und strukturell die gleiche Vielfalt walten lassen, die die geschilderten Fälle kennzeichnet, hätte das Buch an Prägnanz und literarischem Gehalt gewonnen, so ist das Buch eine weitere Sammlung literarisierter Fallbeispiele, die im Zuge des Booms an True Crime sicherlich Absatz finden dürfte. Es bleibt zu wünschen, dass Elisa Hoven in ihrem zweiten Werk zu einer überzeugenderen Erzählstimme und Figurenanlage findet, denn ihre Schilderungen zeigen Potential.

Ebenfalls einen kritischen Blick wirft Timothy Sonderhüsken in seinem Blog Rabumm auf Elisa Hovens Debüt.


  • Elisa Hoven – Dunkle Momente
  • ISBN 978-3-10-397669-4 (S. Fischer)
  • 336 Seiten. Preis: 22,00 €
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Steffen Kopetzky – Atom

Mit seinem neuen Roman wandelt Steffen Kopetzky nicht nur literarisch auf den Spuren Ian Flemings. In Atom schickt er den Physiker Simon Batley im Dienste des britischen Geheimdiensts auf die Jagd nach einem SS-Offizier durch halb Europa, während der Kontinent in den Wirren des Zweiten Weltkriegs versenkt. Dabei beleuchtet er auch die schmutzigen Deals, die den Grundstein für das Atomzeitalter legten.


Hans Kammler ist ein Name, der heute selbst Geschichtsinteressierten kaum mehr etwas sagen dürfte. Dabei hat sein Leben und Treiben durchaus das Zeug zu einem Thriller, wie Steffen Kopetzky in seinem neuen Roman Atom beweist. Denn der SS Obergruppenführer und General der Waffen verantwortete er nicht nur die Errichtung von Konzentrationslagern, sondern war als Bevollmächtigter für den Bau der unterirdischen Bauten zur Fertigung von Flugzeugen und Raketen zuständig.

In Kopetzkys Roman wird jener Hans Kammler zu einem gefürchteten Phantom, dem der junge Simon Batley durch halb Europa hinterherjagt, um ihn zur Strecke zu bringen.

Auf der Jagd nach dem Phantom Kammler

Steffen Kopetzky - Atom (Cover)

Angeworben für den britischen Geheimdienst MI6 führte ihn schon vor dem Zweiten Weltkrieg eine Mission nach Deutschland, wo er als Physikstudent in Berlin für den Geheimdienst spionieren sollte. Nun, inmitten des tobenden Zweiten Weltkrieges wird Batley 1941 wieder von seinem Vorgesetzten Scully aktiviert. Er soll herausfinden, an was die Nazis in verschiedenen Fertigungswerken wie den Škoda-Fabriken in Pilsen oder anderen Produktionsstandorten in Europa so fieberhaft arbeiten.

Sind es Atomwaffen, an denen die Nationalsozialisten unter Hans Kammler forschen, die Hitler den erhofften Wendepunkt im immer hoffnungsloser werdenden Kriegsgeschehen bringen sollen?

Während die Deutschen England mit Angriffen ihrer neuartigen „Vergeltungswaffe“ V2 überziehen, die unter Wernher von Braun entwickelt wurde, macht sich Simon auf, um die Spuren Hans Kammlers in Europa aufzunehmen und herauszufinden, an was seine Ingenieure und Zwangsarbeiter arbeiten. Für Simon ein Einsatz mit besonderer Bedeutung, da er auch seine große Liebe aus der Berliner Studentenzeit Hedi im Dunstkreis um Hans Kammler vermutet…

Simon Batley als Wiedergänger James Bonds

Atom ist ein historischer Agententhriller, der Simon Batley als Wiedergänger James Bonds mit seiner Zündapp quer durch Europa schickt. Im Dienste seines Shakespeare zitierenden Vorgesetzten und dem Secret Service Chef C begibt sich Simon ausgestattet mit James Joyces Finnegans Wake, das als Codierungsschlüssel zum Funken dient, sowie einer Zündapp-Maschine auf die Jagd nach dem Phantom Kammler.

Von Lissabon über die belgische Nordseeküste und Oberammgerau bis nach Tschechien führt diese Jagd, die in einem Showdown mündet, der jedem Agententhriller aus Feder Ian Flemings würdig wäre. Jener Ian Fleming ist bei Kopetzky nicht nur literarischer Ideengeber, sondern taucht auch als Figur auf, schließlich stand auch er zur damaligen Zeit im Dienste des MI6, was ihn zu seinen späteren Romanen um den Geheimagenten im Dienste ihrer Majestät inspiriert.

Natürlich dürfen dabei auch keine genretypischen Dialog-Versatzstücke fehlen:

„Verbrecher oder nicht – er hat das Uran versteckt, nur er weiß, wo es ist. Kapierst du es denn nicht? Das Material ist nun einmal in der Welt. Da ist es ja immer noch besser, dass wir es bekommen. Und nicht die Sowjets. Wir werden es niemals einsetzen, natürlich nicht. Aber wir brauchen es! Denk doch einmal nach. Es geht nicht ohne Kammler, und wenn er tausendmal ein Verbrecher ist, woran ich keinen Zweifel habe. Aber die Zukunft der freien Welt ist wichtiger!“

„Hör nicht auf ihn. Drück ab, Simon! Hedi schrie ihm das wütend entgegen. Sie meinte es bitterernst. Sie sagte gerade Lebewohl. Nein, sie brüllte es. „In einer sogenannten freien Welt, in der so ein Schwein einfach davonkommt, lohnt es sich sowieso nicht zu leben. So eine Welt wird untergehen. Worauf wartest du, Simon?“

Steffen Kopetzky – Atom, S. 378

Wettrennen um die Atomkraft – und durch das kriegszerstörte Europa

Spannend ist dieser Roman, der das Wettrennen um die Atomkraft zugleich als Wettrennen durch das kriegszerstörte Europa inszeniert. Zudem ist dieser Roman verblüffend aktuell, da nun wieder über die Abschreckung durch Atomwaffen debattiert wird und ein globales Wettrüsten und Wettrennen um die beherrschenden Technologien beginnt.

„Unsere Zukunft liegt in Europa, oder? Dem Kontinent unserer früheren Feinde. Wir müssen unseren Einfluss und unsere Kenntnisse nutzen, um diesen unseren zukünftigen Freundesraum zu beschützen.“

„Vor den Russen?“

„Und vor den Amerikanern.“

Steffen Kopetzky – Atom, S. 406

Wieder gelingt Steffen Kopetzky ein historischer Spannungsroman vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs, der zugleich auch in Zitaten und Figuren die Handlungen seiner früheren Werke Risiko, Propaganda, Monschau und Damenopfer wieder aufgreift. Zudem steckt sein Buch voller Figuren der (Spionage)Geschichte, von Kim Philby bis zum Raketenpionier Hermann Oberth oder Rolf Engel, der nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft einfach in Ägypten weiter an Raketen baute.

Atom ist reich an solchen Figuren. Besonders stark neben der Geheimdienstatmosphäre und der atemlosen Hatz durch das zerstörte Europa ist das Buch dort, wo es um die schmutzigen Deals rund um die Atomwaffen geht. Dass für die Kriegsgewinner die Frage der Moral in Sachen technologischer Vorherrschaft bei der Atomkraft deutlich hintenanstand, das zeigt der 1971 geborene Autor in seinem Roman deutlich.

Fazit

Wie ein Agententhriller liest sich Kopetzkys Buch, der einen Physiker durch das zerstörter Europa schickt und das zeigt, wie wenig Moral und Ethos zählen, wenn es um die Beherrschung der Kraft des Atoms geht. Ein packendes Buch, das Geschichte erlebbar macht und zugleich eine sanfte Einführung in die physikalische Wirkweise der Kernspaltung ist – und was diese so schwer beherrschbar macht. Das ist historische Unterhaltung über Vertrauen und Täuschung, Illusion und Hoffnung par excellence, mit der Kopetzky weiter an seinem Ruf als Experte für die Verbinder von Historie und Spannung arbeitet.


  • Steffen Kopetzky – Atom
  • ISBN 978-3-7371-0152-3 (Rowohlt)
  • 411 Seiten. Preis: 24,00 €
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Alan Murrin – Coast Road

Ein kleines Städtchen in Irland – und viele Probleme, vor denen vor allem Frauen mit ihren Männern stehen. Alan Murrin zeichnet das Zusammenleben in seinem ersten, von Anna-Nina Kroll ins Deutsche übersetzten Roman Coast Road nach und erschafft damit ein Gesellschaftsporträt des ländlichen Irlands am Beginn der 90er Jahre, bei dem der Staat bis in die Beziehungen hinein mitregiert.


Am 25. November 1995 waren die Einwohner*innen Irlands zur Stimmabgabe bei einem Referendum aufgerufen. Die Frage über die Abschaffung des Ehescheidungsverbotes stand zur Disposition. Sollte das 1937 im katholischen Irland eingeführte Verbot von Scheidungen Bestand haben oder sollten sich von nun an Paare auch wieder scheiden lassen dürfen?

Vor diesem Hintergrund spielt Coast Road, das Debüt des in Berlin lebenden Iren Alan Murrin. Er nimmt mit ins County Donegal, wo ganz unterschiedliche Frauen im kleinen Örtchen Ardglas leben. Beginnend im Herbst des Jahres 1994 erzählt Murrin von der mit dem Politiker James verheirateten Izzy, die sich Eigenständigkeit und einen eigenen Laden an der Coast Road wünscht.

Die Straße, die den kleinen Ort durchschneidet, ist dabei auch ein gutes Symbol auf für so manche der Beziehungen, die in Ardglas geführt werden.

Die zwei Seiten der Coast Road

Alan Murrin - Coast Road (Cover)

Oftmals stehen sich Männer und Frauen hier eher wie auf den zwei Seiten der Straße gegenüber, als gemeinsam auf dem Lebensweg voranzugehen. So auch Dolores und ihr Ehemann, der Elektriker Donal. Eher gezwungenermaßen haben sie sich in ihre Ehe gefügt. Mittlerweile pflegt der gewalttätige Donal seine Affären recht offen und Dolores harrt derweil hochschwanger im eigenen Zuhause aus.

Unerwünschte Konkurrenz bekommt sie von Colette, die im zum Haus gehörenden Cottage einzieht. Sie ist schon längst zum Dorfgespräch geworden, da sie etwas im Irland der frühen 90er Jahre Unerhörtes getan hat. Ihr Mann und sie haben sich getrennt, trotz in der Ehe vorhandener Kinder.

Dass eine – wenn auch qua Gesetz gar nicht möglich, aber de facto – getrennte Frau mit Billigung des Pfarrers in der Kirche die Lesung abhalten darf, es taugt zum Skandal.

Mit ihrer Trennung ist sie in Murrins Buch allerdings nicht alleine, im Gegenteil. Viele der im tief katholischen Milieu aufgewachsenen Frauenfiguren suchen und finden Trost und Beistand außerhalb ihrer eigenen Ehen.

Donal sucht zunehmend die Nähe zu der in Trauer, Einsamkeit und Alkohol versinkenden Colette, Izzy sucht zum Missfallen ihres Mannes geistigen Beistand und Eheberatung beim Pfarrer. So driften die Beziehungen immer weiter auseinander und Alan Murrin begleitet sie dabei und blickt tief ins Innere seiner Figuren.

Unerfüllte Wünsche und losgelöste Partner

Coast Road besticht durch seine gute Figurenzeichnung, den genauen Blick für Details und die Sehnsüchte, die seine Figuren umtreiben. Was macht das mit Menschen, die sich längst schon von ihren Partnerinnen und Partnern gelöst haben, bei anderen Menschen mehr Erfüllung finden oder die entstandene Gräben zwischen sich am liebsten wieder überwinden würden, immer vor dem Hintergrund, dass es eine Scheidung dank des staatlichen Reglements gar nicht geben darf?

Das betrachtet Alan Murrin sehr lesenswert und erschafft ein Buch, das ähnlich wie zuletzt etwa der Roman Mitternachtsschwimmer von Murrins Landsfrau Roisin Maguire die unerfüllten Sehnsüchte und seelische Verarbeitungsprozesse von Menschen im ländlichen Irland zeigt.

Im Vergleich zu Maguires „Wohlfühlbuch“ fällt Coast Road einige Noten dunkler und tragischer aus, zeigt aber ebenso einen warmherzigen Blick des Autors auf seine Figuren, deren Fehler und das, was Menschen trennt.

Er stand auf, nahm seinen Rucksack vom Boden und murmelte: „Danke“. Sie schaute ihm hinterher, doch sie konnte nicht lange hinsehen, es zerriss ihr das Herz. Stattdessen blickte sie aufs Meer hinaus und wollte eigentlich zum Auto gehen, blieb jedoch sitzen. In dieser Position, an dieser Stelle der geschwungenen Küste wurde ihr bewusst, dass sie sich fast genau auf halbem Weg zwischen ihrem eigenen Haus auf der einen Seite der Bucht und dem Cottage auf der anderen befand. Ihr Leben war so lange stehen geblieben, hatte zwischen diesen beiden Orten in der Schwebe gehangen.

Alan Murrin – Coast Road, S. 377

Feine Zeichnungen im Inneren, seelenlose KI-Kunst im Äußeren

Dazu gibt es im Roman das, was man gemeinhin mit Irland verbindet. Das Dorfleben im County Donegal, die Troubles, die aus der Ferne grüßen und dazu die hohe Literarizität des Landes, die hier in Form eines Schreibkurses daherkommt, den Colette abhält und der das lyrische Talent so mancher Figur zum Vorschein bringt.

Schade nur, dass die Kunstfertigkeit, die Alan Murrin in Bezug auf Menschen- und Gesellschaftszeichnung im Inneren seines Buchs beweist, im Äußeren keine Entsprechung gefunden hat.

Lieber hat man bei der deutschen Version des im dtv-Verlags erscheinenden Buchs auf die seelenlose Kunst gesetzt, die durch künstliche Intelligenz kreierte wurde, anstelle das Buch mit einer echten künstlerischen Leistung gestalterisch aufzuwerten. Das bleibt ein Wermutstropfen, zeigt sich hier umso deutlicher, was eine echte künstlerische Leistung im Inneren ist, hinter der die mit schiefen Proportionen gezimmerte KI-Kunst des Covers um Welten zurückbleibt.


  • Alan Murrin – Coast Road
  • Aus dem Englischen von Anna-Nina Kroll
  • ISBN 978-3-423-28457-8 (dtv)
  • 380 Seiten. Preis: 24,00 €
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Mary Shelley – Mathilda

Erst postum erschienen erzählt Mary Shelleys Roman Mathilda von Depressionen und von einer Erzählerin, die am eigenen Leid langsam zugrundegeht. Keine sonderlich erbauliche Lektüre, dafür ein hochinteressanter Roman einer Autorin, die in ihrem Werk einmal mehr in tiefe Abgründe blickt und die starke Bilder für die Verzweiflung ihrer Heldin findet.


Blickt man ins Impressum des nun erstmalig auf Deutsch vorliegenden, von Stefan Weidle übersetzten und vom Pendragon-Verlag herausgegebenen Roman Mathilda, dann lässt eine Jahreszahl stutzen. 1959 prangt da als Jahreszahl des Erstveröffentlichungsdatums im Verlag The University of North Carolina Press. Obschon sich Mary Shelley in ihrem bekanntesten Werk mit der künstlichen Reproduzierbarkeit von Leben und der Unsterblichkeit auseinandergesetzt hat, wäre es schon ein ziemliches Kunststück, das wohl nicht einmal Viktor Frankenstein mit der 1851 verstorbenen Autorin hätte vollführen können, um eine plausible Erklärung jenseits des Umstands einer postumen Nachlassung liefern zu können.

Tatsächlich handelt es sich bei Mathilda um den zweiten Roman der 1797 geborenen Mary Shelley – der zu Lebzeiten der Autorin allerdings nie erschien, wie Übersetzer Stefan Weidle in seinem Nachwort ausführt. 1819 verfasst gelangte das Buch nie zur Publikation und wurde durch die Arbeit der Herausgeberin Elizabeth Nitchie erst hundertvierzig Jahre später in den USA erstmalig publiziert.

Mary Shelleys zweiter Roman – der nie publiziert wurde

Auf die Gründe geht Weidle in seinem Nachwort ebenso wie auf den editorischen Kraftakt ein, den die Herausgabe von Mathilda 1959 erstmals bedeutete. Die Reinschrift verloren und Spuren des Werks nur in Tagebüchern und Notizen auffindbar, kam die Rekonstruktion des Textes einer komplizierten Restauration gleich, die Weidle nun auch im Deutschen zugänglich macht.

Liest man Mathilda, dann steigt man tief hinab in seelische Abgründe, dringt vor zu Leid und unerfüllter Sehnsucht. Shelleys Werk ist eines, das vor Pathos und einer dichten Ausmalung der Seelenzustände nicht zurückschreckt, im Gegenteil.

O Stunden des tiefsten Glücks! So kurz ihr wart, seid ihr doch so lang wie ein ganzes Leben, wenn ich auf euch zurückblicke durch den Nebel der Trauer, der sich sofort danach erhob, wie um euch meinem Blick zu entziehen. Ach, ihr wart die letzten Strahlen des Glücklichseins in meinem Leben, ein paar, ein paar wenige Woche, und alles war zerstört. Wie Psyche lebte ich eine Zeit lang in einem Zauberpalast, von Wohlgerüchen und Musik umfangen, in verschwenderischer Opulenz; plötzlich fand ich mich auf einem kahlen Felsen wieder, ein unendlicher Ozean der Verzweiflung brandete um mich, über mir Schwärze, und auch mit geschlossenen Augen hauste ich inmitten eines weltumfassenden Todes.

Mary Shelley – Mathilda, S. 33

Schon der Anfang des Romans gibt eine Ahnung, dass Freude und Glück in diesem Werk nur spärlich gesät sind. Einsam wie weiland Caspar David Friedrichs Mönch am Meer präsentiert sich die Erzählerin Mathilda hier, die sich an die Niederschrift ihres Lebens macht, die nachzeichnet, was sie in das einsame Landhaus inmitten der ebenso einsamen Heidelandschaft im Norden Englands gebracht hat.

Mathilda im Tal der Tränen

Mary Shelley - Mathilda (Cover)

Der „Pesthauch des Unglücks“ ist über sie hinweggezogen und hat sie ausgedörrt, weshalb es nun auf das Ende für Mathilda zugehen soll. Doch zuvor blickt sie zurück, um von diesem Unglück zu erzählen, das seit Kindesbeinen an ihr Begleiter war.

Aufgewachsen als junges Mädchen bei ihrer lieblosen Tante in Schottland ließ sie ihr Vater als Kind nach dem Tod seiner Frau bei seiner Schwester zurück. Die dort erfahrene Kälte wandelt sich erst in Wärme, als ihr Vater zurückkehrt und sie bei diesem Liebe und Verständnis findet. Doch das Glück währt nicht lang.

Hochgradig depressiv wird ihr Vater immer wieder von Dämonen heimgesucht, versinkt in Lethargie und kaum erklärbaren Seelenzuständen. Als er dann stirbt, ist es mit dem kurzzeitigen Glück dann sowieso vorbei. Angekündigt wird dieser Tod wieder einmal von einem Blitz, der auch hier wie schon im ein Jahr zuvor erschienenen Frankenstein einen Baum spaltet und damit den Verlust und die Zerrissenheit seiner Figur eindrücklich illustriert.

Gelungen malt Shelley diese kaum erklärbaren Zustände von Mathildas Vater aus (womöglich auch grundiert durch die Verlusterfahrungen des Todes zweier eigener Kinder, ehe ihr drittes Kind dann drei Tage nach Beendigung des Manuskripts zur Welt kommen sollte). Sie zeigt Mathilda im Unglück, die ganze Täler der Tränen durchschreiten muss und zusehends ihren Lebenssinn ähnlich wie ihr Vater verliert.

Manchmal redete ich mir ein, es sei ein Zauberbann verhängt worden und ich müsste ihn abwehren. Mein Vater sei von einer schrecklichen Vision geblendet, die ich austreiben müsse. Da versichte ich wie David, den bösen Geist mit Musik auszutreiben; und während des Singens hob ich meinen Blick zu ihm auf und sah seine tränennasse Augen auf mich gerichtet, seine Muskeln schienen sich völlig entspannt zu haben. Mit einem Freudenschrei sprang ich auf ihn zu und wollte mich in seine Arme werfen, doch er schob mich grob von sich und verließ den Raum. Nach diesem so geringfügigen Zwischenfall wurde seine Stimmung noch düsterer und sein Verhalten mir gegenüber noch abweisender.

Mary Shelley – Mathilda, S. 37

Anschauliche Schilderungen von Depressionen

Anschaulich erzählt sie von diesen depressiven Phasen und Schüben. Mit schon fast ödipalen Untertönen durchzogen ist Mathilda das Dokument einer beziehungsweise gleich mehrere gequälter Seelen, in denen wenig Hoffnung aufscheint. Hoffnung und Zuversicht gibt es nur wenig – dafür viel Lebensmüdigkeit und düstere Töne, versetzt mit kraftvollen Naturschilderungen, die die innere Handlung dieses Romans fortführen, spiegeln und bebildern.

Immer wieder meint man Caspar David Friedrich oder John William Waterhouse als Kulissenmaler für die Schilderungen am Werk zu sehen, etwa in einer der stärksten Szenen dieses Romans, wenn Mathilda schon fast ätherisch, ganz in weiß gekleidet über den schottischen See ihrem Vater in einem Ruderboot entgegenfährt, um damit auch ihre Welt vom Dauergrau plötzlich in Farbe gesetzt zu sehen.

Ich lag im Gras, umgeben von einer Dunkelheit, die nicht der geringste Lichtschein durchdrang. Es herrschte völlige Stille, denn die tiefe Nacht hatte die Insekten einschlafen lassen, die einzigen Geschöpfe, die in dieser Einöde ohne Baum und Strauch überlebten. Die Luft war von einem eigenartigen Schweigen erfüllt, das meine Sinne beruhigte, doch meine Seele anregte: mein Geist flatterte von Bild zu Bild und schien eine ganze Ewigkeit zu umfassen. In meinem Herzen war alles dunkel und ruhig, bis meine Gedanken sich verhedderten und schließlich in den Schlaf mündeten.

MAry Shelley – Mathilda, S. 137

In diesen Schilderungen ordnet sich der Roman klar in die Epoche der Romantik ein und zeigt, dass Mary Shelley neben den großen Handlungsbögen auch den Blick in das Innere beeindruckend beherrscht.

Versetzt mit vielen Zitaten aus anderen Werken der Literatur lassen sich für Kenner im Text neben biographischen Koinzidenzen im Leben Marys und Mathildas zudem Bezüge zu Mary Shelleys Ehemann Percy Byce Shelley und ihren eigenen Vater herauslesen. Neben Zitaten von Dantes Göttlicher Komödie bis hin zu Shakespeare soll auch Percy Shelleys Schreiben im Text seiner Gattin paraphrasiert sein, wovon im Deutschen nicht zuletzt Dank des kaum mehr bekannten Werk Shelleys aber kaum etwas zeugt, wie auch Stefan Weidle in seinem Nachwort schreibt.

Fazit

Mit Mathilda ist nun über 200 Jahre nach dem Entstehen endlich auch auf Deutsch Mary Shelleys zweiter Roman zu lesen. In dunkle Farben getaucht spürt die Autorin der Verzweiflung und den Gründen für ebendiese Verzweiflung im Inneren ihrer Figur nach. Ihr gelingt ein Roman, der anschaulich von Depressionen und verlorenem Lebenssinn erzählt. Zwar stiftet Mathilda selbst wenig Grund zur Freude, die Veröffentlichung dieses Romans tut es aber umso mehr!


  • Mary Shelley – Mathilda
  • Aus dem Englischen und mit einem Nachwort versehen von Stefan Weidle
  • ISBN 978-3-86532-870-0 (Pendragon)
  • 196 Seiten. Preis: 22,00 €
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Ricarda Messner – Wo der Name wohnt

Was bleibt von einem Namen, wenn man stirbt? Wenn das Zuhause aufgelöst und das Klingelschild abgelöst wird, das einst vom Namen kündete? Ricarda Messner lässt ihre Protagonistin in Wo der Name wohnt in einen Trauer-, aber vor allem einen Erinnerungsprozess eintreten, während sie die Wohnung ihrer Großmutter leert. Mögen die physischen Spuren auch schwinden, so werden sie doch durch das Erzählen konserviert. Nur die Bewahrung des Namens, er stellt sich als das wahre Hindernis heraus.


Welch bürokratischer Akt ein Namenswechsel sein kann, das erfährt der geneigte Leser in Ricarda Messners Debüt Wo der Name wohnt eindrücklich. Denn die verschiedenen Kapitel ihres Buchs werden durchs bestes Amtsdeutsch eingeleitet, in dem erklärt wird, welche Notwendigkeiten für und welche Gründe gegen einen Namenswechsel sprechen. Immer wieder unterbrechen und strukturieren diese bürokratischen Einschübe die sonst so angenehm dahinfließende und mit fremdsprachigen Bruchstücken durchsetzte Sprache Messners und holen zurück auf den Boden juristischer Tatsachen.

Die Verwaltungsgebühr für die Änderung von Familiennamen beträgt gem. §3 Satz 1 der Ersten Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Änderung von Familiennamen und Vornamen vom 07.01.1938 (Reichsgesetzblatt I S. 12/Bundesgesetzblatt III Nr. 401-1-1), in der jeweils aktuellen Fassung – NamÄndVo 2,56 bis 1022,00 €

Ricarda Messner – Wo der Name wohnt

Bemühungen um die Bewahrung eines Namens

Der Grund für diesen behördlichen Schriftverkehr begründet Messners Erzählerin schon auf den ersten Seiten dieses schmalen Romans. Denn die namenlose Erzählerin ist darum bemüht, den Namen ihrer verstorbenen Großmutter anzunehmen, um so die Erinnerungen an das familiäre Erbe wachzuhalten und zu bewahren.

Und irgendwo zwischen den beiden Häusern, ich zählte während der Wohnungsauflösung zum ersten Mal die Schritte, überkam mich eine Sehnsucht. Ich wollte den Nachnamen wieder tragen, sehnte mich nach ihm wie nach Großmutters Gesicht, das ich nicht mehr sehen würde. Es waren ungefähr vierzig Schritte von Tür zu Tür.

Ricarda Messner – Wo der Name wohnt, S. 14

Einst lebte sie in der Wohnung des Hauses Nummer 37, ihre Großmutter quasi nebenan im Haus, das die Nummer 35 trägt.

Nun blickt die Erzählerin zurück. Auf das Ausräumen der Wohnung, die eigene Geschichte und die Risse, die sich nicht nur in Großmutters Wohnung, sondern auch der familiären Biografie zeigen. Denn die Familie Levitanus ist nicht das, was man im rechten Dumpfdeutsch aktuell als „biodeutsch“ bezeichnet. Vielmehr ist sie Teil der fünfundzwanzig Millionen Menschen in Deutschland, die einen Migrationshintergrund besitzen. Und dieser im Falle der Erzählerin ein durchaus illustrer.

Migration nach Deutschland

Ricarda Messner - Wo der Name wohnt (Cover)

So reisten die Mutter und Großmutter 1971 aus Lettland als Staatenlose nach Deutschland ein und begannen hier ein neues Leben. Schon mehrfach zählten Neuanfang und Anpassung zu den erforderlichen Fähigkeiten, die die Familie Levitanus beweisen musste.

Beim sogenannten Rigaer Blutsonntag überlebte die Großmutter das Rigaer Ghetto, in dem lettische Jüdinnen und Juden getötet wurden, um Platz für deutsche Jüdinnen und Juden zu schaffen. Auch ihr Großvater floh 1941 vor den herannahenden Deutschen, ganze 4200 Kilometer maß seine Fluchtroute. Später studierte er in Moskau, die Großmutter musste als Staatlose 1971 mit ihrer Tochter aus Lettland in der damaligen Sowjetunion fliehen.

Sprachfetzen, Gerichte, Rituale sind es, die über das Lebensende der Großmutter mit 95 Jahren hinaus blieben und die die Erzählerin in ihrem Erinnern bewahrt. Eine besonders große Rolle für sie nimmt der Familienname ihrer Großmutter ein. Er ist es, der als abstrakter und doch konkreter Besitz die Flucht überstand und nun zum Orientierungspunkt der Erzählerin wird. Ihn möchte sie mit ihrer Namensänderung bewahren und so die Erinnerungen an die familiäre Identität wachhalten.

Es sind die Erinnerungen, plötzlich aufblitzenden Gedanken und die in der Familie gesprochenen Sprachen und Wortfetzen, die sie in ihren Erinnerungen wachruft und damit auch noch einmal tief in die eigene Familiengeschichte zwischen Baltikum und Deutschland, Flucht und Neuanfang, Judentum und familiären Erbe vordringt. Doch in Reiner Geistesarbeit verharrt dieses Erinnern nicht. Auch physisch leistet die Erzählerin diese Arbeit. So sondert sie nicht nur den großmütterlichen Besitz aus, der eng mit den Erinnerungen verknüpft ist, auch begibt sie sich auf familiäre Spurensuche, die sie bis nach Lettland und damit auch gewissermaßen wieder an den Anfang ihrer Geschichte zurückführt.

Fazit

Wo der Name wohnt ist ein reduzierter Familienroman, der vom Ende und den Erinnerungen her den familiären Bezug denkt und der den Rissen in den Biografien nachspürt. In Zeiten, in denen Migration verteufelt und Einwanderung zur Mutter aller Probleme erklärt wird, zeigt Richarda Messner, was Migration und Ankommen eigentlich bedeutet. Dass man das 20. Jahrhundert und seine Geschichte bis in unsere Gegenwart hinein gar nicht ohne migrationsbedingte Brüche denken kann, das lässt sich aus Wo der Name wohnt eindrücklich erfahren.

Der Mitbegründerin und Herausgeberin des Flaneur-Stadtmagazins gelingt mit ihrem Roman ein ruhiger und knapper Roman, der das in der Gegenwartsliteratur kaum behandelte Schicksal lettischer Juden in den Blick nimmt. Ihr Debüt passt sich auch gut in die Riege junger Suhrkamp-Autor*innen ein, die mit ähnlichem sprachlichen Zugriff den Beziehungen zu Eltern und Großeltern oder dem jüdischem Familienerbe nachspüren.

Weitere Meinungen zu Ricarda Messners Buch gibt es unter anderem auf dem Blog Poesierausch.


  • Ricarda Messner – Wo der Name wohnt
  • ISBN 978-3-518-43232-7 (Suhrkamp)
  • 170 Seiten. Preis: 23,00 €
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