Donna Tartt – Der Distelfink

Die Kunst eines Lebens

Was für ein Buch. Über 1000 Seiten, ein Leben voller Kunst, Gefahr, ein Porträt Amerikas, eine Einführung in die Kunst des Goldenen Zeitalters der Niederlande, und nicht zuletzt die sogvolle Schilderung eines kriminellen Lebens und einer Spirale, der sich niemand entziehen kann.

Kurzum: ein Roman, der seinesgleichen sucht.
Geschrieben hat ihn Donna Tartt, die sich für ihre Bücher in der Regel ein Jahrzehnt Zeit lässt. Ohne Druck entstehen dabei Epen, die im Literaturbetrieb etwas ganz besonderes sind. 1992 debütierte sie mit dem Roman Die geheime Geschichte, 2002 ließ sie Der kleine Freund folgen, ehe nun 2013 Der Distelfink erschien.

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Der deutsche Krimipreis 2016

Die Fachjury hat auch zu Beginn dieses Jahres wieder getagt und die drei besten nationalen und internationalen Krimis gekürt. Einer der hier vorgestellten Titel wurde bereits auch auf meinem Blog besprochen – und dies ist standesgemäß natürlich der Siegertitel national, Friedrich Anis Der Namenlose Tag.
Generell scheint mir, dass Herr Ani wohl ein Abonnement auf den Deutschen Krimipreis hat, man denke nur an die letzten Jahre (2014: Platz 1 mit M, 2013: Platz 2 mit Süden und das heimliche Leben, 2012: Platz 2 mit Süden, 2010: Totsein verjährt nicht, etc.). Beim Anblick dieser Liste könnte man glatt glauben, es gäbe keine anderen talentierten Schreiber in diesem Lande (eine Einschätzung, die ich keinesfalls teile). So oder so aber Chapeau, Herr Ani und viel Spaß beim Durchstöbern der Bücher!

National

Ani

Friedrich Ani – Der namenlose Tag

Havarie

Merle Kröger – Havarie

Schwarzblende

Zoe Beck – Schwarzblende

 

 

 

 

 

 

 

 


International

Price

Richard Price – Die Unantastbaren

Das barmherzige Fallbeil von Fred Vargas

Fred Vargas – Das barmherzige Fallbeil

Dope

Sara Gran – Dope

 

 

 

 

 

 


Unter folgendem Link gibt es noch weiterführende Informationen zu den Krimipreisträgern des Jahres 2016.

Elisabeth Herrmann – Die siebte Stunde

Die Schule des Todes

Elisabeth Herrmann - Die siebte Stunde

Elisabeth Herrmann – Die siebte Stunde

Joachim Vernau muss nachsitzen. Zumindest zieht es ihn wieder in die Schule, nachdem der klamme Rechtsanwalt eine Chance bekommt, sein Bankkonto wieder etwas ins Plus zu bringen. Er soll an einer Berliner Privatschule eine Jura-AG übernehmen, in der den Schülern die Materie von Recht und Rechtsprechung nahegebracht werden soll. Eigentlich eine leichte Aufgabe für den findigen Vernau, doch in der Realität stellt sich alles dann ein bisschen anders da. An der Schule herrscht eine gedrückte und fast feindselige Stimmung und Schüler und Lehrer scheinen Geheimnisse zu hüten. Brisant wird das Ganze, als Vernau dann auf Informationen stößt, dass eine Schülerin aus dieser Schule Selbstmord begangen hat.

Langsam durchdringt er die Mauern des Schweigens und folgt den Spuren eines mysteriösen Spiels, das die Schüler der Privatschule zu spielen scheinen. Kann in einem harmlosen Spiel der Schlüssel zum Tod des Schülers und dem Schweigen der Schule stecken?

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Vorschau – Highlights II

Frische Krimis für 2016

Krimis und Spannungsliteratur nehmen auf diesem Blog ja einen großen Raum ein – insofern wollte ich hier auch einmal kurz auflisten, auf welche Bücher ich mich im Spannungssegment schon sehr freue. Eine erste Auswahl – vom historischen Krimi bis zum Politthriller ist wieder für die verschiedensten Geschmäcker etwas dabei. Viel Vergnügen und Inspiration!

Robert Wilson – Die Stunde der Entführer

Klappentext des Verlags:

Die Stunde der Entfuehrer von Robert Wilson

Die Stunde der Entführer -Robert Wilson

Innerhalb von 32 Stunden werden mitten in London die Kinder von sechs international äußerst einflussreichen Milliardären entführt. Gefordert werden 25 Millionen – nicht etwa als Lösegeld, sondern nur als Ausgleich für entstandene „Unkosten“. Die Eltern sind verzweifelt, die Polizei ist überfordert, hochbezahlte Berater diskutieren endlos neue Szenarien. Aber die Entführer sind ihnen immer einen Schritt voraus, ihre wahren Absichten bleiben verborgen. Nur einer weiß sich angesichts von so viel Kaltblütigkeit zu helfen: Charles Boxer. Denn wenn es darauf ankommt, kennt er keine Skrupel. Und er hat nichts mehr zu verlieren …

 

Darum freue ich mich:

Bereits die Javier-Falcon-Serie aus Spanien las ich sehr gerne. Auch wenn die neue Serie um den Entführungsspezialisten Charles Boxer als Klappentext wie am Reißbrett entworfen klingen mag: Tatsächlich schafft es Wilson, aus scheinbar einfachen Plots, Länderübergreifende Plotgespinste zu ersinnen, die in ihrer Komplexität mehr als außergewöhnlich sind. Daher ist auch der neue Band von Robert Wilson Pflicht!

 Andreas Pflüger – Endgültig

Klappentext des Verlags:

Pflüger

Endgültig – Andreas Pflüger

In ihrem ersten Leben war Jenny Aaron Mitglied einer international operierenden Elitetruppe der Polizei – hochintelligent, kampferprobt, effektiv. In ihrem zweiten ist sie Verhörspezialistin und Fallanalytikerin beim BKA. Sie spürt das Verborgene und versteht es, zwischen den Worten zu tasten – denn seit einem misslungenen Einsatz in Barcelona ist Aaron blind. Die damaligen Ereignisse haben sie traumatisiert. Doch es war nicht der schlimmste Tag ihres Lebens. Der schlimmste Tag ihres Lebens ist heute.

 
 
Darum freue ich mich:
Andreas Pflüger kennt man am ehesten von seinen Drehbüchern zum Weimarer Tatort mit Christian Ulmen und Nora Tschirner, die er zusammen mit Murmel Claussen schrieb. Ein Buch gibt es von ihm bislang: Operation Rubikon. Der Klappentext dieses neuen Thrillers klingt ganz nach meinem Geschmack und auch die ersten Seiten lesen sich mehr als toll an. Dieses Buch sollte man auf seinem Schirm haben!

 

 

Joakim Zander – Der Bruder

Klappentext des Verlags:

ZanderYasmine Ajam ist ihrer Vergangenheit in der rauen Stockholmer Trabantenstadt Bergort entflohen und arbeitet als Trendscout in New York. Eines Tages erhält sie eine alarmierende Nachricht, die sie sofort zurückkehren lässt: Die Unruhen in Bergort scheinen mit dem plötzlichen Verschwinden ihres Bruders verbunden. Angeblich ist Fadi tot. Gefallen bei einem Bombenangriff in Syrien, wo er für den IS kämpfte. Doch jemand anderes will ihn gerade noch gesehen haben.

Die ehemalige EU-Referentin Klara Walldéen arbeitet inzwischen in London für eine bekannte Forscherin im Bereich Politik und Menschenrechte. Als Klaras Computer gestohlen wird und kurz darauf ihr Kollege vor einen Zug gestoßen wird, meldet sich ihr Spürsinn zurück: Wer könnte ein Interesse an ihrer Arbeit haben? Wer würde dafür töten? Die Spuren führen nach Schweden.
In einem schwülheißen August kreuzen sich dort die Wege der beiden Frauen …

Darum freue ich mich:

Das Amalgam aus Schwedenkrimi und Verschwörungsthriller gefiel mir schon bei Joakim Zanders Debüt Der Schwimmer ausnehmend gut, obwohl der Autor nicht viel Neues bot. Dennoch schaffte er es mich mit bekannten Motiven zu überzeugen. Der neue Roman klingt sehr aktuell (Syrien, IS, etc.) und ich räume dem Krimi einen großen Vorschuss an Neugier und Sympathie ein.

Lyndsay Faye – Die Entführung der Delia Wright

 

Klappentext des Verlages:

 

Feuer

Das Feuer der Freiheit – Lyndsay Faye

In den Straßen des historischen New York geht ein Feuerteufel um – oder ist es womöglich eine Teufelin …? Der ausbeuterische Unternehmer und Abgeordnete Robert Symmes lässt Näherinnen unter unerträglichen Bedingungen arbeiten: Hat eine von ihnen Drohbriefe verfasst und seine Fabrik in Brand gesetzt? Oder war es die Frauenrechtlerin Sally Woods, die sich höchst verdächtig benimmt? Ein halbverhungertes Waisenkind scheint den Schlüssel zu dem Geheimnis zu besitzen, doch niemand weiß seine Äußerungen richtig zu deuten. Es ist an Timothy Wilde, dem Polizisten wider Willen, Schlimmeres zu verhindern – indem er möglichst schnell den Täter findet.

Darum freue ich mich:

Das große Finale einer tollen Trilogie. Lyndsay Faye hat mit ihren bisherigen zwei historischen Krimis Der Teufel von New York   Die Entführung der Delia Wright die Maßstäbe sehr hoch gesetzt, was Plot, Humor und Charaktere anging. Vielleicht topt das Finale noch einmal die beiden vorherigen Bände, auch wenn es sehr schwer wird?

Don Winslow – Way down on the High Lonely

 

Klappentext des Verlags:

46582

Way down on the High Lonely – Don Winslow

Drei Jahre sind seit Neal Careys letztem Fall vergangen. Drei Jahre innerer Einkehr in einem chinesischen Kloster. Doch dann steht plötzlich Joe Graham vor ihm, und mit der Ruhe ist es endgültig vorbei. Denn die »Bank« braucht Neal, um Cody McCall zu finden, den zweijährigen Sohn einer Hollywood-Produzentin. Cody wurde von seinem Vater entführt und in die Wildnis von Nevada verschleppt. Um den Kleinen zu finden, muss Neal nicht nur seine Cowboyqualitäten unter Beweis stellen, sondern sich auch noch in eine Gruppe von Neonazis einschleusen – während Codys Schicksal auf Messers Schneide steht …

Darum freue ich mich:

Dass ich Don Winlows Bücher fast überwiegend positiv bis euphorisch gegenüberstehe, sollte auf diesem Blog schon länger kein Geheimnis mehr sein. Auch die fünf Neal-Carey-Bände aus dem Frühwerk Winslows zählen dazu (bislang erschienen: London Undercover und China Girl). Mit der Veröffentlichung der Folgebände hat sich Suhrkamp viel Zeit gelassen, immer wieder wurden die Bände verschoben, aber nun soll es im Februar soweit sein und Band 3 erscheint.

 

So viel zur Kriminalliteratur im Jahr 2016, sicher werden in den folgenden Wochen und Monaten hier noch einige Empfehlungen folgen! Worauf freut ihr euch? Welche Titel sind bei euch gesetzt?

 

Eudora Welty – Der Räuberbräutigam

Ein Südstaaten-Märchen

Eine Sensation: Die Gebrüder Grimm sind gar nicht gestorben, sondern sind aus Kassel nach New Orleans emigriert und haben unter dem Pseudonym Eudora Welty einen Roman verfasst. Das könnte man zumindest annehmen, wenn man Der Räuberbräutigam liest.

Dieser Roman erschien im Original bereits 1942 und wurde nun über siebzig Jahre später von Hans J. Schütz ins Deutsche übertragen. Tatsächlich herrscht im ganzen 155-Seiten-dünnen Roman ein solcher Tonfall und eine solche Magie, dass man hier nur von einem Märchen, und zwar einem Südstaaten-Märchen sprechen kann.

Eudora Welty  Der Räuberbräutigam (Cover)

Das Buch dreht sich um den Räuber Jamie Lockhart, der im finsteren Tann des Missisippi-Deltas sein Unwesen treibt, und der jungen und unschuldigen Rosamond, die von ihrer fiesen Stiefmutter Salome geknechtet wird. Eines Tages https://www.klett-cotta.de/buch/Weitere_Autoren/Der_Raeuberbraeutigam/61792entführt ein Räuber diese, als sie gerade Kräuter sammeln ist. Doch Rosamonds Vater fällt eine Lösung für dieses Problem ein, schließlich hat er die Bekanntschaft mit Jamie Lockhart gemacht – der quasi zugleich Entführer und Retter seiner Tochter werden wird. Doch damit beginnt die Volten-schlagende Handlung eigentlich erst so richtig. Es treten auf: fiese Stiefmütter, dunkle Wälder, Räuberbanden, kluge und gewitzte Charaktere sowie nicht so helle Gestalten – willkommen in einem Südstaaten-Amerika, das man so noch nicht gelesen hat.

Der Räuberbräutigam ist wahrlich aus der Zeit gefallen. Hätten Joe R. Lansdale, die Gebrüder Grimm, William Faulkner und E. T. A. Hoffmann zusammengesessen, dieses Stück Literatur wäre wohl so ähnlich herausgekommen.

Das Buch ist ein Fest der Magie, der Sprache und des schon längst vergangen geglaubten Gefühls, das Märchen in einem Menschen auslösen können. Stark erinnert das Märchen auch an dadaistische Erzählungen – Lewis Carrolls Alice im Wunderland könnte für diese Erzählung auch Pate gestanden haben. Genau das richtige für Leser, für die die Geschichten auch mal etwas fantastischer und abgedrehter sein dürfen!