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Terhi Kokkonen – Arctic Mirage

Alles so seltsam hier. Terhi Kokkonen lässt in ihrem Roman Arctic Mirage ein Pärchen im gleichnamigen Hotel in der finnischen Einöde stranden. Dabei merkt man schnell, das alles ein bisschen verschoben und unnatürlich ist. Aber was hat es damit nur auf sich?


Was für eine eindrückliche Eröffnungsszene, die Terhi Kokkonen an den Anfang ihres Debütromans gesetzt hat, für den sie den Helsingin-Sanomat-Literaturpreis erhalten hat:

Nachdem Karo Risto umgebracht hat, steht sie auf. Der Schnee ist blutbeschmutzt. Ristos Hand ist zur Faust erstarrt, die Augen starren ins Leere. Karos Atem beruhigt sich, Schmerz fühlt sie nicht, nur eine seltsame Losgelöstheit. Der Himmel brennt, drei girlandenartige Nordlichter durchdringen grün das Universum. Dafür sind sie hergekommen. „Ich wollte schon immer Nordlichter sehen“, hatte Risto gesagt. Bis eben zeigten sie sich kein einziges Mal.

Terhi Kokkonen – Arctic Mirage, S. 7

Nordlichter sehen und sterben

Handelt es sich um einen weiteren Thriller der immer noch boomenden skandinavischen Noir-Schule, der hier zu lesen ist? Mitnichten. Denn obwohl Terhi Kokkonen mit diesem grell aufblitzenden Mord in ihren Roman einsteigt, ist es vielmehr das leicht surreal-verschoben-Schwebendes, das Arctic Mirage kennzeichnet. Schon der Beginn ihres Romans setzt hier den Ton.

Terhi Kokkonen - Arctic Mirage (Cover)

Denn eigentlich sind Risto und seine Frau Karo nach Lappland aufgebrochen, um dort Nordlichter zu sehen und ihre Beziehung wieder in ruhigere Bahnen zu lenken. Damit ist es aber nicht weit her, denn statt ruhigere Bahnen lenkt Risto das Auto in einem Ausweichmanöver ins Abseits der Straße. Das Paar erleidet bei dem Umfall ein Schleudertrauma und Karos Nase wird in Mitleidenschaft gezogen.

An einen Heimflug ist nicht zu denken und so beziehen die beiden ein Quartier im luxuriösen Hotel Arctic Mirage, in dem eine Übernachtung 700 Euro kostet. Die Unfallaufnahme mit der Polizei, eine ärztliche Untersuchung, all das will noch erledigt sein, bevor es wieder mit dem Rückflug wieder nach Hause geht.

Doch schon über den Tathergang des Unfalls gibt es Unstimmigkeiten. Während Karo ein entgegenkommendes blaues Auto ausgemacht haben will, dem Risto ausgewichen ist, widerspricht ihr Risto entschieden und will kein Auto gesehen haben. Ähnliche Widersprüchlichkeiten und fast ans Surreale grenzende Erlebnisse setzen sich fort.

Mal wandern die beiden auf der Suche nach dem Empfangsgebäude durch die Hotellandschaft, um erst auf den dritten Versuch die Rezeption an der Stelle auszumachen, wo sie zuvor vergeblich suchten. Dann sind Dinge aus der gemeinsamen Hütte verschwunden. Es mehren sich die Zeichen, das etwas faul ist im Staate Lapplands.

Widerstreitende Perspektiven und Brüche

Gekonnt spielt Terhi Kokkonen mit den Brüchen und den widerstreitenden Perspektiven, erzählt neben dem sich etwas erratisch verhaltenden Paar auch von der Empfangsdame Sinikka oder dem behelfsmäßigen Arzt, der den wohlbetuchten Hotelgästen im Arctic Mirage zur Verfügung steht.

Ähnlich wie in der unendlichen arktischen Landschaft Lapplands droht man auch hier im Text schneeblind zu werden und muss stets auf der Hut sein, um den Blick auf das Erzählte zu hinterfragen. Was spielt sich dort wirklich ab zwischen dem Paar, wessen Blick stimmt und warum gibt es in der Logik der Geschichte wieder sanfte Brüche, Leerstellen und Aussetzer?

Terhi Kokkonen hat einen Text geschrieben, der in viele Richtungen zeigt und den man ganz unterschiedlich lesen kann. Spuren weisen zu einem Domestic Noir, der um die Frage von Gewalt und unzuverlässigem Erzählen kreist. Ebenso gut könnte man Fargo-Anleihen in Kokkonens Text ausmachen oder Arctic Mirage auch in der Tradition von Stephen Kings Shining sehen. Auch die fachliche Beurteilung durch die Presse zeigt in ganz unterschiedliche Richtungen. Von Gaslighting bis hin zu einem eskalierenden Paarpsychogramm legen die Rezensent*innen in ihren Bewertungen den Fokus.

Klare Einordnungen gibt es hier nur wenig, auch verweigert sich der Text eindeutigen Antworten und Auflösungen. Vielmehr sind die Fragilität der Beziehung, des eigenen Verhaltens und die dunklen Stellen im Charakter des Gegenüber Themen, die zumindest in meiner Lesart Arctic Mirage bestimmen. Das macht aus dem Text ein einladend rätselhaftes Vergnügen, in dem man sich verirren kann wie Kokkonens Protagonisten auf dem Weg zur Rezeption oder ins nächste Dorf.

Ein hervorragendes Buch, um in größerer Runde über das Gelesene zu sprechen und die eigene Lesart mit der anderer Menschen abzugleichen. Es wird sich auf alle Fälle lohnen und spannende Aspekte an der Geschichte und der eigenen Wahrnehmung zutage fördern!

Erschienen ist der Roman bei Hanser Berlin und wurde von Elina Kritzokat aus dem Finnischen übertragen.


  • Terhi Kokkonen – Arctic Mirage
  • Aus dem Finnischen von Elina Kritzokat
  • ISBN 978-3-446-27959-9 (Hanser Berlin)
  • 192 Seiten. Preis: 23,00 €
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Johanna Holmström – Die Frauen von Själö

Drei unterschiedliche Frauen, über 100 Jahre Handlungszeitraum, eine Insel: das ist der neue Roman von Johanna Holmström. In ihm widmet sich die schwedischsprachige Finnin einem wenig bearbeiteten Kapitel in der Geschichte ihres Landes – nämlich dem der Insel Själö (übersetzt von Wibke Kuhn).

Diese Insel befindet sich vor der Südwestküste Finnlands im dortigen Schärengarten. Etwa zwei Kilometer beträgt der Durchmesser der Insel – und bis auf die Tatsache, dass ein Asteroid nach der Insel benannt wurde, gibt es eigentlich kaum nennenswerte Besonderheiten oder Sehenswürdigkeiten. Eine Kirche, heutzutage eine Forschungsstation, ein altes Krankenhaus, das war es. Aber gerade dieses Krankenhaus hat eine erschütternde Vergangenheit, die Johanna Holmström in ihrem Roman wieder ans Tageslicht holt.

Sie erzählt von drei Frauen, der Schicksal eng mit der Insel Själö verknüpft ist. Da ist im ersten Teil Kristina, die im Jahr 1891 eine schier unglaubliche Tat begeht. Mit einem Boot rudert sie nächtens auf einen Fluss hinaus. Dort wirft sie dann ihren Sohn und ihre Tochter schlafend über Bord und rudert dann wieder heim. Eine schier unfassliche Tat, die auch Kristina selbst am nächsten Tag nicht wirklich glauben kann.

Man weist sie in die Nervenheilanstalt in Själö ein, wo man sich um Frauen wie Kristina kümmert, fernab der normalen Zivilisation. Diese Insel wird Kristina nicht mehr verlassen, was sie auch Jahre später im Gespräch mit einem Priester konstatiert:

„Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Kristina. Aber eines weiß ich. Der Herr ist denen nah, die ein gebrochenes Herz haben, und er rettet die, die geistig verloren sind. Sie wussten nicht, was Sie taten, als Sie ihre Kinder ertränkt haben. Und sie haben selbst gesagt, dass Sie acht Jahre in geistiger Umnachtung verbracht haben. Ist das nicht Strafe genug?“

„Diese Frage entscheiden nicht Sie. Ich habe überhaupt nicht das Gefühl, meine Verbrechen gesühnt zu haben, und ich bin froh, sie jeden Tag aufs Neue zu sühnen.“

„Nein Sie werden gesund werden, Kristina. Schauen Sie sich doch an, wie Sie hier sitzen und mit mir reden. Sie können gesund werden, KRistina, wenn Sie es nur versuchen.“ (…)

Sie schaut ihn eine Weile an und deutet dann mit einem Nicken zum Friedhof. Erland folgt ihrem Blick.

„Ich werde diese Insel niemals verlassen“, sagte sie. „Von hier … von hier führt nur ein Weg fort, und der geht dorthin.“

Holmström, Johanna: Die Frauen von Själö. S. 120

Pfleger*innen kommen und gehen, Priester und Ärzte kommen und gehen – aber Kristina wird die Insel tatsächlich nicht mehr verlassen.

Drei Frauen in der Nervenheilanstalt

Auch die junge Elli wird Jahrzehnte später auf Själö interniert. Diese hat sich allerdings keines Verbrechens schuldig gemacht, vielmehr ist sie einem Komplott um Liebe und Enttäuschung zum Opfer gefallen. Auch für sie wird Själö zum unbarmherzigen Schicksal, dabei wollte sie eigentlich nur frei und unbestimmt leben. Doch die finnische Gesellschaft kennt auf einen solchen Emanzipationsversuch nur die Antwort – Själö.

Besonders grausam sind neben den psychischen Bedingungen auch die medizinischen Ansichten des Personals, die besonders zur Zeit des Zweiten Weltkriegs unglaubliche Blüten treiben und beim Lesen schaudern lassen.

„Es gibt also keine Chance? Das wollen Sie damit sagen? Keine Chance, jemals entlassen zu werden?“

„Tja, kommt ganz drauf an. Mit der weiblichen Natur verhält es sich nämlich so, dass sie zyklisch ist. Das gilt auch für den weiblichen Wahnsinn. Der Zusammenhang zwischen diesen Wahnsinnszyklen und der Menstruation ist in den meisten Fällen offensichtlich, und sobald die Menstruation aufhört, hört sehr oft auch der Wahnsinn auf. Deswegen hatten schon viele das Glück, zu diesem Zeitpunkt entlassen zu werden“, erklärt er.

Holmström, Johanna: Die Frauen von Själö, S. 176

Auch wenn die Jahre ins Land gehen, wenn man auf Själö gelandet ist, dann wird man kaum mehr von der Insel herunterkommen, außer man gehört zum medizinischen Personal.

Aber auch dieses hat es nicht unbedingt besser, auch wenn man sich auf der anderen Seite befindet. Das wird im dritten Teil des Romans klar, der die Pflegerin Sigrid in den Mittelpunkt stellt. Auch sie ist mit einen Wünschen und Hoffnungen einst nach Själö gekommen. Doch die Hoffnung und Illusionen haben sich im Lauf der Zeit schnell zerschlagen. Und so endet der Roman dann nach über hundert Jahren 1997.

Geblieben ist kaum etwas, außer Enttäuschung, viel Unaufgearbeitetes und jede Menge Frauenschicksale, auf deren unglückliche Leben die Gesellschaft nur die Antwort Ausgrenzung und Psychiatrie kannte.

Eine Reise nach Själö ohne Wiederkehr

Am Ende des traurigen und nachdenklich stimmenden Romans steht dann die Erkenntnis, die allen Frauen von Själö über kurz oder lang immer kommt:

„Jetzt weiß ich, dass das nur ein Märchen ist“, sagt Karin. „Denn in Wirklichkeit werden wir hier nie wegkommen, wusstest du das nicht?“

Elli schweigt einen Augenblick.

„Wie meinst du das?“, fragt sie dann, aber Karin schaut sie gar nicht an.

„Damit meine ich, dass das hier die Endstation ist. Das Ende meiner Reise. Und deiner Reise auch. Hier wird niemand entlassen (…).“

Holmström, Johanna: Die Frauen von Själö, S. 249

Kein Buch für gute Laune, erhebende Stimmung oder ein wenig Flucht aus der Realität. Aber ein nachdenklich machendes Mahnmal für ein erschütterndes Kapitel (finnischer) Psychiatriegeschichte.

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Eine Selbstbefragung als Leser

Vorige Woche wollten wir in unserem Literaturkreis wieder einmal ein Buch lesen und besprechen. Ausgesucht war Sofi Oksanens Als die Tauben verschwanden. Im Vorfeld stand natürlich auch bei mir die Lektüre des Buchs an, wollte man doch fundiert und nahe am Text über das Buch debattieren. Und dann das:

Der Auslöser der Überlegungen

Während ich die 430 Seiten las, rauschte die Handlung einfach an mir vorbei. Obwohl ich aufmerksam sein wollte, trieben meine Gedanken schon nach wenigen Seiten wieder von der Handlung weg. Keine der erzählerischen Wegmarken in dem Buch bekam ich zu greifen. Wie ein Passagier an einem Bahnsteig stand ich vor diesem Buch, das einfach an mir vorbeifuhr. Der Erzählzug legte für mich keinen Stopp ein, bei dem ich hätte zusteigen und damit in die Geschichte gelangen können. Ein Symptom, das mir so schon lange nicht mehr bei einem Roman unterkam. Nun begann ich die Selbstbefragung. Warum fand ich einfach keinen Zugang zu diesem Buch und warum las ich völlig an seiner Geschichte vorbei?

Mehrere mögliche Punkte fielen mir dazu ein, die meine Eigenanamnese ergab:

  • Übertriebene Konstruktion?

Als die Tauben verschwanden erzählt von der wechselvollen finnisch-estischen Geschichte. Anhand von drei Figuren zeigt sie, wie erst Rote Armee, dann die Nationalsozialisten und dann die Kommunisten Estland besetzen und damit stets eine sofortige Anpassung der estischen Bevölkerung verlangen. Rechnung trägt Oksanen in diesem Buch dieser wechselhaften Geschichte, indem sie mehrmals mit ihren Kapiteln aus der Zeit der Nazi-Besatzung der 40er Jahre weiter in die 60er Jahre und damit in die Zeit des Kommunismus springt. Immer wieder tut sie das und ließ mich dabei schon beim ersten Sprung zurück, da sich für mich die Figuren noch nicht so weit entwickelt hatten, dass man mit ihnen den Sprung wagen würde. Womit ich schon beim zweiten Kritikpunkt angelangt wäre.

  • Stumpfe Charaktere?

Figuren sind für mich der zentrale Dreh- und Angelpunkt. Eine schwache Geschichte oder ein wenig glaubhafter Plot kann für mich immer durch lebendige Figuren aufgefangen werden. Und tatsächlich gibt es Autoren, die derart plastisch und glaubwürdig Figuren zeichnen können, das man sie durch die Buchseiten hindurch zu kennen glaubt. In letzter Zeit war das bei mir etwa bei Richard Russo der Fall.

Hier scheiterte ich schon an der Namenszuweisung der Protagonisten. Immer wieder rutschten mir die Charaktere durcheinander, keiner blieb mir irgenwie im Gedächtnis, schon beim nächsten Kapitelsprung hatte ich vergessen, wer wer war. So etwas kam mir auch selten unter. Dies führte zu der Frage, was ich bei Figuren brauche, damit sie mir nahekommen. Neben der Identifizierung mit der eigenen Erfahrung brauchen Figuren in meinen Augen auch eine Geschichte und Widerhaken. Beides war leider Mangelware, sodass ich hier weder über die voltenreiche Geschichte, noch über die Figuren, die sie transportieren, in den Erzählfluss gelangte.

Vielleicht ist der nächste Punkt auch der wichtigste, der mir bei meinen Überlegungen in den Sinn kam:

  • Übersättigung?

Vielleicht ist dieser Punkt auch der entscheidende: ich bin im Moment mit Büchern, die den Zweiten Weltkrieg und seine Auswirkungen auf die Menschen behandelt, völlig übersättigt. Gefühlt jedes zweite Buch in diesem Bücherfrühjahr spielt im Zweiten Weltkrieg und setzt sich mit diesem mithilfe unterschiedlicher ästhetisch-literarischer Konzepte auseinander. Eine lose Auswahl dieser Bücher, die mir in den Sinn kamen, folgt hier: Arno Geigers Unter der Drachenwand, David Schalkos Schwere Knochen, Erich Vuillards Die Tagesordnung, Bernhard Schlinks Olga, Ralf Rothmanns Der Gott jenes Sommers, Jo Bakers Ein Ire in Paris – und das ist noch nicht einmal die vollständige Aufzählung von allen Büchern aus alleine diesem Frühjahr. Jedes weitere Buch, das dieses Thema bearbeitet, muss da schon entweder in ästhetischer oder sprachlicher Form Neues bieten, damit ich nicht übersättigt zurückbleibe. Geschafft hat es Als die Tauben verschwanden nicht im Ansatz. Deshalb lautet hier meine Diagnose: WW2-Overkill.

 

Die Frage jedes Sportreporters nach der Niederlage: Woran hats gelegen? kann ich jetzt definitiv mit diesen drei Punkten beantworten. Die Wahrheit auf meinen mangelnden Zugriff auf Sofi Oksanens Roman erklärt sich durch eine Mischung dieser drei Punkte (und sicherlich noch einiger etwas marginaler) weiterer Punkte.

Möchte man nun der literarischen Niederlage auch positive Seiten abgewinnen, so dann wohl diese: die Selbstbefragung hat mir wieder einmal vor Augen geführt, welche Punkte für mich eine nachhaltige Lektüre ausmachen und was für mich ein gutes von einem schlechten Buch trennt. diese drei oben aufgeführten Stichpunkte zählen definitiv zu meinem Kernkatalog, nach dem ich Bücher hinsichtlich ihrer Qualität bewerte.

Dennoch bleiben auch kritische Fragen, die über dieses einzelne Ereignis nun hinausweisen, besten: Lese ich zu viele Bücher? War zuletzt zu viel Durchschnitt in meinen Lektüren dabei? Die Selbstbefragung und Anamnese wird daher über die nächsten Bücher hinweg weiter verfolgt. Auch würde mich eurer Meinung zu dem Thema interessieren:

Wovon habt ihr genug? Gibt es Themen oder Inszenierungen, von denen ihr nichts mehr lesen wollt? Oder generell gesprochen: was lässt euch Bücher abbrechen?

Ich bin auf eurer Meinung sehr gespannt!

 

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J. K. Johansson – Lauras letzte Party

Mörderische Umtriebe in Finnland

Palokaski ist eine Kleinstadt in der Nähe von Helsinki. In dieser Stadt haben die Autoren, die sich hinter dem Pseudonym J. K. Johansson verbergen, ihre Geschichte um Laura, Nora und Venla angesiedelt, die auf drei Bände verteilt bei Suhrkamp erscheint. Der erste Teil der sogenannten Palokaski-Trilogie ist wurde nun publiziert, Teil 2 erscheint dann im September, Teil 3 final im November.
Teil 1 der Trilogie
Das Cover des ersten Bandes stimmt schon einmal auf die rauen Gegebenheiten ein:
Miia Pohjavirta kehrt an ihre Heimatschule in Palokaski zurück, diesmal allerdings nicht als Schülerin sondern als eine Art Vertrauenslehrerin für die Schüler. Früher war sie als „Internetpolizistin“ bekannt, die Verbrechern im Internet zusammen mit der Polizei das Handwerk legte, doch diese Zeiten sind vorbei.
Eine Internetsucht hat Miia ihren früheren Job aufgeben lassen um nun in Palokaski noch einmal neu anzufangen. Ihr Bruder Nikke ist ebenfalls an der Schule als Psychologe tätig und so könnte sich alles wieder einrenken, wenn in jenem Sommer nicht ein verhängnisvolles Unglück geschehen wäre:
Die Schülerin Laura kam von einer Party nicht mehr nach Hause und wird seitdem vermisst. Miia versucht unter den Schülern auf eine heiße Spur zu stoßen, doch sämtliche Kinder mauern. Welches Geheimnis hütete Laura? Parallelen zum Verschwinden von Nikkes und Miias Schwester Venla tauchen auf, die vor 20 Jahren auch unter ungeklärten Umständen verschwand …

Teil 2 der Trilogie
Die Idee eines seriellen Romans in Form einer Romantrilogie, der sich an aktuellen Sehgewohnheiten von Fernsehserien wie etwa Broadchurch orientiert ist eigentlich bestechend. Auch das Team, das hinter J. K. Johansson steckt, scheint Erfahrung im Erzählen von seriellen Stoffen zu haben. Umso enttäuschender, dass Lauras letzte Party nicht so wirklich zu zünden vermag.

Der Roman pendelt sich nach dem vielversprechenden Auftakt auf dem Mittelmaß einer durchschnittlichen Fernsehserie ein. Die Charaktere und die Handlung besitzennicht sonderlich viel Tiefgang – was auch dem Volumen des Buchs geschuldet ist. Auf den 260 Seiten des Romans werden einige Erzählstränge angerissen (Venlas damaliges Verschwinden, Cliffhanger mit Noras Geheimnis zu Band 2, etc.), doch auf das gesamte Buch gesehen ist das zu wenig. Wirkliche Spannung kommt im Laufe des Buchs nicht auf – außer einer verschwundenen Laura und den diversen Spekulationen im Netz dazu passiert nicht viel. Das Buch kreist hochtourig um sich selbst, zahlreiche schnell geschnittene Kapitel helfen auch nicht wirklich, um vorwärts zu kommen.
Teil 3 der Trilogie
Zwar macht der Auftakt neugierig auf die folgenden Episoden, die sich allerdings noch steigern müssen, um zu überzeugen.
Beim Lesen der weiteren Klappentexte, die ziemlich viel verraten, beschlich mich nun schon der Gedanke, ob es vielleicht nicht sinniger gewesen wäre, die drei jeweils circa 250 Seiten starken Bücher nicht zu einem einzigen Thriller zu vereinen und etwas einzudampfen.
Die weiteren Bände der Palokaski-Trilogie werden darüber Aufschluss geben, was es nun mit Laura, Nora und Venla wirklich auf sich hat. Potential bietet die Geschichte auf jeden Fall, hoffentlich machen die Autoren in Teil 2 und 3 noch etwas mehr aus der Geschichte, es wäre wünschenswert!

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