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Johanna Holmström – Die Frauen von Själö

Drei unterschiedliche Frauen, über 100 Jahre Handlungszeitraum, eine Insel: das ist der neue Roman von Johanna Holmström. In ihm widmet sich die schwedischsprachige Finnin einem wenig bearbeiteten Kapitel in der Geschichte ihres Landes – nämlich dem der Insel Själö (übersetzt von Wibke Kuhn).

Diese Insel befindet sich vor der Südwestküste Finnlands im dortigen Schärengarten. Etwa zwei Kilometer beträgt der Durchmesser der Insel – und bis auf die Tatsache, dass ein Asteroid nach der Insel benannt wurde, gibt es eigentlich kaum nennenswerte Besonderheiten oder Sehenswürdigkeiten. Eine Kirche, heutzutage eine Forschungsstation, ein altes Krankenhaus, das war es. Aber gerade dieses Krankenhaus hat eine erschütternde Vergangenheit, die Johanna Holmström in ihrem Roman wieder ans Tageslicht holt.

Sie erzählt von drei Frauen, der Schicksal eng mit der Insel Själö verknüpft ist. Da ist im ersten Teil Kristina, die im Jahr 1891 eine schier unglaubliche Tat begeht. Mit einem Boot rudert sie nächtens auf einen Fluss hinaus. Dort wirft sie dann ihren Sohn und ihre Tochter schlafend über Bord und rudert dann wieder heim. Eine schier unfassliche Tat, die auch Kristina selbst am nächsten Tag nicht wirklich glauben kann.

Man weist sie in die Nervenheilanstalt in Själö ein, wo man sich um Frauen wie Kristina kümmert, fernab der normalen Zivilisation. Diese Insel wird Kristina nicht mehr verlassen, was sie auch Jahre später im Gespräch mit einem Priester konstatiert:

„Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Kristina. Aber eines weiß ich. Der Herr ist denen nah, die ein gebrochenes Herz haben, und er rettet die, die geistig verloren sind. Sie wussten nicht, was Sie taten, als Sie ihre Kinder ertränkt haben. Und sie haben selbst gesagt, dass Sie acht Jahre in geistiger Umnachtung verbracht haben. Ist das nicht Strafe genug?“

„Diese Frage entscheiden nicht Sie. Ich habe überhaupt nicht das Gefühl, meine Verbrechen gesühnt zu haben, und ich bin froh, sie jeden Tag aufs Neue zu sühnen.“

„Nein Sie werden gesund werden, Kristina. Schauen Sie sich doch an, wie Sie hier sitzen und mit mir reden. Sie können gesund werden, KRistina, wenn Sie es nur versuchen.“ (…)

Sie schaut ihn eine Weile an und deutet dann mit einem Nicken zum Friedhof. Erland folgt ihrem Blick.

„Ich werde diese Insel niemals verlassen“, sagte sie. „Von hier … von hier führt nur ein Weg fort, und der geht dorthin.“

Holmström, Johanna: Die Frauen von Själö. S. 120

Pfleger*innen kommen und gehen, Priester und Ärzte kommen und gehen – aber Kristina wird die Insel tatsächlich nicht mehr verlassen.

Drei Frauen in der Nervenheilanstalt

Auch die junge Elli wird Jahrzehnte später auf Själö interniert. Diese hat sich allerdings keines Verbrechens schuldig gemacht, vielmehr ist sie einem Komplott um Liebe und Enttäuschung zum Opfer gefallen. Auch für sie wird Själö zum unbarmherzigen Schicksal, dabei wollte sie eigentlich nur frei und unbestimmt leben. Doch die finnische Gesellschaft kennt auf einen solchen Emanzipationsversuch nur die Antwort – Själö.

Besonders grausam sind neben den psychischen Bedingungen auch die medizinischen Ansichten des Personals, die besonders zur Zeit des Zweiten Weltkriegs unglaubliche Blüten treiben und beim Lesen schaudern lassen.

„Es gibt also keine Chance? Das wollen Sie damit sagen? Keine Chance, jemals entlassen zu werden?“

„Tja, kommt ganz drauf an. Mit der weiblichen Natur verhält es sich nämlich so, dass sie zyklisch ist. Das gilt auch für den weiblichen Wahnsinn. Der Zusammenhang zwischen diesen Wahnsinnszyklen und der Menstruation ist in den meisten Fällen offensichtlich, und sobald die Menstruation aufhört, hört sehr oft auch der Wahnsinn auf. Deswegen hatten schon viele das Glück, zu diesem Zeitpunkt entlassen zu werden“, erklärt er.

Holmström, Johanna: Die Frauen von Själö, S. 176

Auch wenn die Jahre ins Land gehen, wenn man auf Själö gelandet ist, dann wird man kaum mehr von der Insel herunterkommen, außer man gehört zum medizinischen Personal.

Aber auch dieses hat es nicht unbedingt besser, auch wenn man sich auf der anderen Seite befindet. Das wird im dritten Teil des Romans klar, der die Pflegerin Sigrid in den Mittelpunkt stellt. Auch sie ist mit einen Wünschen und Hoffnungen einst nach Själö gekommen. Doch die Hoffnung und Illusionen haben sich im Lauf der Zeit schnell zerschlagen. Und so endet der Roman dann nach über hundert Jahren 1997.

Geblieben ist kaum etwas, außer Enttäuschung, viel Unaufgearbeitetes und jede Menge Frauenschicksale, auf deren unglückliche Leben die Gesellschaft nur die Antwort Ausgrenzung und Psychiatrie kannte.

Eine Reise nach Själö ohne Wiederkehr

Am Ende des traurigen und nachdenklich stimmenden Romans steht dann die Erkenntnis, die allen Frauen von Själö über kurz oder lang immer kommt:

„Jetzt weiß ich, dass das nur ein Märchen ist“, sagt Karin. „Denn in Wirklichkeit werden wir hier nie wegkommen, wusstest du das nicht?“

Elli schweigt einen Augenblick.

„Wie meinst du das?“, fragt sie dann, aber Karin schaut sie gar nicht an.

„Damit meine ich, dass das hier die Endstation ist. Das Ende meiner Reise. Und deiner Reise auch. Hier wird niemand entlassen (…).“

Holmström, Johanna: Die Frauen von Själö, S. 249

Kein Buch für gute Laune, erhebende Stimmung oder ein wenig Flucht aus der Realität. Aber ein nachdenklich machendes Mahnmal für ein erschütterndes Kapitel (finnischer) Psychiatriegeschichte.

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Jon Cohen – Die wundersame Mission des Harry Crane

Nun ist es Weihnachten – die Zeit also, wo nach Möglichkeit alles etwas ruhiger zugehen sollte. Man schaltet einen Gang zurück, entspannt, blickt auf das Jahr zurück und findet unter dem Baum vielleicht das ein oder andere Geschenk. Oftmals ist vom „Geist der Weihnacht“ die Rede, der jene Zeit kennzeichnen sollte. Auch „Besinnlichkeit“ ist eines jener Schlagworte, das zu dieser Zeit gerne schon überreizt wird. Für mich bedeutet diese Zeit aber wirklich zumeist Entspannung, da sie mit viel freier (Lese)Zeit einhergeht.

Eine meiner letzten Lektüren eignet sich wunderbar für jene Zeit des Jahres. Ein echtes Feelgood-Buch, bei dem ich schon während der Lektüre meine sonst so strengen Wertungsrichtlinien einfach einmal vergaß. Stattdessen ließ ich mich in das Buch versinken und bekam wunderbare Unterhaltung geboten, deren Botschaft denen des Weihnachtsfests nicht unähnlich ist. Die Rede ist von Die wundersame Mission des Harry Crane von John Cohen (übersetzt von Alexandra Kranefeld).

In den Wäldern Pennsylvanias

Im Nordosten Pennsylvanias befindet sich die Landschaft der Endless Mountains. Ein bergiges und sehr waldreiches Stück Natur, in dem die Schicksale einiger Bewohner aufeinanderprallen. Da wäre zum Einen die junge Oriana. Sie und ihre Mutter Amanda haben einen großen Verlust zu betrauern. Orianas Vater ist gestorben – und beide Frauen legen unterschiedliche Strategien an den Tag, um mit dem Schicksalsschlag umzugehen.

Ebenfalls einen schweren Verlust zu betrauern hat Harry Crane. Jener hat seine geliebte Frau durch einen Unfall verloren und bekommt nun sein Leben nicht mehr geregelt. Seinen Job als Forstbeamter übt er nur noch im Automatikmodus aus. Eigentlich möchte er seinem Leben inmitten der von ihm geliebten Bäume und Wälder der Endless Mountains ein Ende setzten. Doch dann führt ihn das Schicksal mit Amanda und Oriana zusammen. In der Folge entspinnt sich eine turbulente Geschichte, bei der ein großer Goldschatz, eine Bibliothekarin und das Märchen vom Grum eine wichtige Rolle spielen.

Ein Buch mit dem Geist der Weihnacht

Jon Cohen hat einen warmherzigen Roman vorgelegt, der stellenweise selbst an ein Märchen erinnert und voll mit skurril-liebenswerten Figuren ist, die man gerne begleitet. Das Buch ist zugleich eine Hymne auf die Kraft es Guten sowie die Schönheit und heilsame Kraft der Wälder. Auch ruft die Handlung Erinnerungen an Geschichten wach, die von Nächstenliebe erzählen, und die eher klingen, als hätte sie Claas Relotius denn die Wirklichkeit geschrieben. Sein geradezu filmisch erzählter Feelgood-Roman hält diese Werte hoch und lässt das Gute siegen. Harrys wundersame Mission gibt den Glauben an das Gute im Menschen und das Happy-End zurück.

Natürlich könnte man das, wenn man gewillt ist, auch an dem Buch kritisieren. Zudem sind die Charaktere doch recht eindimensional, manches ist vorhersehbar und der Epilog hätte gestrichen gehört. Doch dann da hat das Buch solch einen Charme und eine solche Warmherzigkeit, dass man all das gerne verzeiht. Es ist ein bisschen jener eingangs erwähnte „Geist der Weihnacht“, den auch dieses Buch atmet, weswegen ich es auch so gerne las.

Alles wird gut, Hoffnung besteht für alle, das Gute siegt. Nächstenliebe kann Menschenleben retten und unsere Welt verbessern. Durchaus christliche Botschaften, die sich auch bei Jon Cohen wiederfinden, weswegen das Buch dezidiert gut in diese weihnachtliche Zeit passt. Falls jemand zufällig einen Buchgutschein unter dem Christbaum gefunden hat – mit dem vorliegenden Buch hätte man eine gute Eintauschmöglichkeit gefunden, um sich selbst in diesen Tagen etwas zu beglücken. Gute Unterhaltung mit wärmender Botschaft in der kalten Zeit – gerne empfohlen!

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Carmine Abate – Der Hügel des Windes

Der Barilla-Effekt

Immer wenn es um italienische Literatur geht, kommt mir schnell etwas unter, das ich den Barilla-Effekt getauft habe: Liebevolle Nonnas, die ihre Kinder verhätscheln und bei denen immer ein Topf mit Spaghetti ragú auf dem Herd blubbert. Kleine Rabauken, die sich durch halbverfallene Gässchen jagen. Ein sonnengefluteter Dorfplatz mit Campanile und einer Cafeteria, die den Mittelpunkt des Dorfes bilden. Postkartenkitsch also, durch Film und Werbung zum Klischee für die Ewigkeit geronnenen.

Viele Bücher aus Italien perpetuieren diese Bilder und sorgen damit zwar für hohe Absatzzahlen und Wohlfühlatmosphäre, die findige Werber gerne auch als Urlaub in Buchform anpreisen. Aber Literatur, die hinter die Kulissen schaut und sich für ihre Figuren inklusive möglicher Abgründe interessiert, das sind diese Bücher zumeist nicht.

Ein Buch, das ab und an dem Barilla-Effekt erlegen ist, nichtsdestotrotz aber auch gut lesbare Unterhaltung bietet, ist der Roman Der Hügel des Windes von Carmine Abate.

Dieser Roman ist in Kalabrien angesiedelt und hat einen unbestreitbaren Helden, nämlich den Rossarco. So haben die Bewohner der Region jenen Hügel getauft, der im Buch zum Fixpunkt für Generationen wird. Ein Archäologe vermutet die antike Stadt Krimisa unter dem Hügel. Andere wollen den Hügel mit Windrädern oder Hotels bebauen. Doch die Familie von Arcuri weiß sich zu wehren und hegt und pflegt den Hügel über Generationen hinweg. Und diese Geschichte der Generationen erzählt Abate in seinem Roman – drei Schichten Arcuris auf 314 Seiten (übersetzt von Esther Hansen).

Weniger Schicksal, mehr Dolce Vita

Der Tonfall von Abate ist recht einfach gehalten und auch die Erzählweise selbst ist konventionell gestaltet. Trotz einiger Unglücke, die die Familie Arcuri treffen, verpasst es Abate, seinem Roman Tiefgang zu verleihen. So berühren die Schicksalsschläge nicht, da diese zugunsten einer positiven La-Dolce-vita-Erzählhaltung nicht genauer verfolgt werden. Das ist schade, lässt aber andere Leser*innen genau deswegen glücklich mit diesem Titel werden. Denn wer den Barilla-Effekt mag und Bücher aus Italien genau deswegen schätzt, der dürfte hier sein Buch gefunden haben. Liebevoll schildert Abate den Wind, der auf dem Rossarco weht sowie die Flora und Fauna, die den Reiz dieser süditalienischen Landschaft ausmacht.

So ist das Buch gut konsumierbare Unterhaltung, die nicht schmerzt und zu einem kalabrischen Kurzurlaub einlädt. Zerstreuung in Buchform ohne wirklich Tiefgang – leicht und locker wie ein Sommer am Mittelmeer.

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Stefan Zweig – Buchmendel/Die unsichtbare Sammlung

Zwei Novellen

Machen wir uns nichts vor – Weihnachten ist trotz des christlichen Hintergrunds und der „Wir schenken uns nichts“-Verbrämung noch immer das Fest des Konsums. Da wird gevöllert was das Zeug hält und sich gegenseitig beschenkt, als gäbe es kein Morgen mehr. So ganz kann ich mich diesem Geschenkrausch auch nicht entziehen, allerdings habe ich dieses Jahr auch schon vorab eine wichtige Person beschenkt – nämlich mich selbst (Bescheidenheit ist ja eh eine Zier …).

Getan habe ich das – wie könnte es anders sein – in Form eines Buchs. Das Buch allerdings ist keines jener gewöhnlicher Bestseller, wie man sie zu hunderten aufgetürmt auf den Tischen der Buchhandelsketten findet. Vielmehr ist es ein wirkliches Kleinod, welches es dieses Jahr schon vorab für mich gab.

Besonderes aus dem Haus Topalian & Milani

Das Buch stammt aus der kreativen Independent-Buchschmiede Topalian&Milani. Jenen schwäbischen Kleinverlag haben Rasmus Schöll und Florian L. Arnold gegründet. Beide haben sich dem Machen von besonders schönen Büchern verschrieben – was sich im vorliegenden Fall einmal mehr bestätigt. Mit Buchmendel und Die unsichtbare Sammlungen haben die beiden zwei eher unbekanntere Novellen aus dem Oeuvre Stefan Zweigs zusammengestellt.

Doch mit dem einfachen Herausgeben zweier Novellen haben sich die Verleger nicht begnügt. Beide Erzählungen werden von Illustrationen ergänzt und eröffnen damit zusätzliche Assoziationsräume. Zu Buchmendel steuerte Joachim Brandenberg Zeichnungen bei, im Falle von Die unsichtbare Sammlung wurde Herausgeber Arnold selbst aktiv und ergänzte den Text um eine interessante Melange aus surrealen Elementen und Kupferstichtechnik.

Auch Vorsatzpapier und Fadenheftung sind mustergültig ausgeführt und gestaltet- hier hält man ein wertiges Produkt in Händen, an dem sich andere Verlage gerne ein Beispiel nehmen dürfen. Dass das Buch von einem Nachwort komplementiert wird, muss hier nicht mehr eigens erwähnt werden.

Über den Inhalt des Buches sollte an dieser Stelle nicht viel verraten werden. Nur so viel: beide Erzählungen drehen sich um das Sammeln von Kunst bzw. Bücher und erzählen, welche Verwicklungen und Turbulenzen das Sammeln von schönen Dingen verursachen kann. Zweig erzählt seine Novellen mit jener wunderbaren Sprache voller Präzision und Eleganz, die einfach eine Wohltat ist. Das Ganze wird dann aber auch mit dem Abgründigen und Morbiden kontrastiert, das in beiden Erzählungen eine nicht unwesentliche Rolle spielt.

Eine ideale Lektüre für alle, die keine Zeit haben

Ein schon dutzendfach gehörtes Argument im Gespräch mit anderen, sobald man auf meine Liebe zu Bücher zu sprechen kommt, ist ja Folgendes: Ich würde ja auch so gerne lesen, habe aber einfach keine Zeit dafür.

Ein reichlich schwaches Argument, wie ich finde. Doch spätestens mit diesem Buch entzieht man diesen Menschen jegliche Argumentationsgrundlage. Denn Buchmendel und Die unsichtbare Sammlung sind zusammen in weniger als einer Stunde gelesen. Man könnte das Ganze ja sogar in halbstündige Etappen aufteilen und würde mit ungeheurem Lesegenuss sowie visueller Freude belohnt. Wer dies nicht zu investieren bereit ist, dem kann wirklich nicht mehr geholfen werden.

Allen anderen sei dieses Buch gerne anempfohlen, ob als Geschenk für sich selbst (es funktioniert ganz hervorragend!) oder für andere liebe Menschen. Ein echtes literarisches Kleinod, das zu einer verstärkten Beschäftigung mit Stefan Zweigs Werk einlädt!


[Das Titelbild entstammt der Geschichte „Die unsichtbare Sammlung“ und ist von Florian L. Arnold gezeichnet, Rechte beim Künstler]


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Noah Hawley – Vor dem Fall

Netflix-Afficionados könnte der Name dieses Autors schon bekannt vorkommen – denn als Headautor ist Noah Hawley für die grandiosen beiden Staffeln der Serie Fargo verantwortlich, die lose auf dem legendären Film der Coen-Brüder basiert. Auch für die Serie Bones-Die Knochenjägerin steuerte der amerikanische Drehbuchschreiber Skripte bei. Nun liefert Hawley als Autor auf dem deutschen Buchmarkt sein zweites Buch ab- Vor dem Fall heißt der Titel.

Vor dem Fall von Noah Hawley

Vor dem Fall von Noah Hawley

Darin erzählt er von einem Flugzeugabsturz, dessen Vorgeschichte und dessen Konsequenzen. Ein Privatjet mit einem Newsmogul und dessen Familie sowie weiteren illustren Gästen an Bord, stürzt auf dem Weg von Martha’s Vineyard nach New York ab. Den Absturz haben nur der per Zufall an Bord befindliche Maler Scott Burroughs und der Sohn des Newsmoguls überlebt, den Scott in einem Akt übermenschlicher Anstrengung stundenlang durch das Wasser zieht und damit rettet. Die Medien stürzen sich schon bald auf Scott und den Jungen und beleuchten den Hintergrund des Malers und ergehen sich in dubiosen Spekulationen.

Währenddessen bedrängen Scott auch die Ermittlungsbehörden, die erfahren wollen, was an Bord der Maschine wirklich geschah. Doch die Erinnerungen von Scott sind durch den Unfall wie ausgelöscht. Erst allmählich drängen diese Erinnerungen den Wrackteilen des Flugzeugs gleich an die Oberfläche.

Mit Vor dem Fall ist Noah Hawley ein toll komponierter Roman gelungen, der durch seine geschickte Montage die Spannung über die 446 Seiten zu tragen weiß. Stück für Stück enthüllt der Autor die Wahrheit, auch indem jede der an dem Flug beteiligten Personen eine eigene Rückblende erhält, wie z.B. die Stewardess oder der Leibwächter des Newsmoguls. Immer neue Facetten treten so zutage und machen das Bild des Absturzes immer runder. Daneben flechtet Hawley auch noch Bildbetrachtungen von Werken ein, die Scott Burroughs gemacht hat und erzählt in Rückblenden von dessen Leben. Dies ist handwerklich mehr als sauber gelungen – man merkt dem Buch deutlich Hawleys Herkunft vom Film an. Durch diese außergewöhnliche Montage und die filmische Erzählweise wird Vor dem Fall zu etwas besonderem und verdient eine Lektüre!

 

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